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Stimmgewaltige Herausforderung

Die drei größten Fehler… beim Aufnehmen von Chören

Tipps für Musiker und Bands von Florian Scholz
veröffentlicht am 22.06.2015

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Die drei größten Fehler… beim Aufnehmen von Chören

Florian Scholz ueber drei typische Fehler beim Aufnehmen von Choeren. © Anna Yakimova / 123RF

Einen Chor aufzunehmen hat seine ganz eigenen Fallstricke und Herausforderungen. Florian Scholz konnte damit schon Erfahrungen sammeln und nennt euch hier die drei größten Fehler beim Aufnehmen von Chören.

Das kennt doch jeder, der ein Hobby oder einen „praktischen“ Beruf hat, so auch bei Musikern und Tonkutschern: „Du hör mal, du nimmst doch Musik auf, kannst Du nicht mal unseren Chor aufnehmen? Wir haben doch Jubiläum und wollen unbedingt eine CD machen…“ – Ich habe viele semiprofessionelle Chor-Aufnahmen gesehen und gehört, bei denen der engagierte Tontechniker es sich entsprechend leicht machte, einfach ein paar Mikrofone hingestellt hat und diese im Stereopanorama verteilt hat. Das klingt nicht schlecht, aber auch nicht gut.

Manch einer hat einen Fieldrecorder aufgebaut und will so mit dem dort verbauten Stereomikrofon das optimale Ergebnis erzielen. Oft ist nicht klar, dass ein Chor eine sehr hohe Originaldynamik anbietet: Von sehr laut bis superleise ist oft alles dabei. Damit ergibt sich ein Problem mit Nebengeräuschen, zumindest potentiell. Ich habe schon bei Konzertmitschnitten Martinshörner „auf Band“ gehabt.

Ebenso spannend ist die Akustik von Konzertsälen, Kirchen oder Vereinsheimen. Da müsste das Mikrofon weiter weg stehen um den Aufnahmebereich korrekt auszunutzen, dann klingt aber der Raumhall zu massiv mit, was tun? Aber der Reihe nach:

1. Zu wenig Vorbereitung

Eine gute Chor-Aufnahme, speziell wenn es sich nicht um kleinere Ensembles handelt, muss tontechnisch und logistisch geplant werden – und das unter der Prämisse des künstlerischen Impetus! Damit sind wir glasklar in dem Bereich, was ein Tonmeister macht:

  • Man muss sich, will man dem Chor gerecht werden, mit dem Repertoire befassen, sich (am besten) Noten geben lassen und darauf aufbauend planen, welche Mikrofone wo aufgestellt werden sollen.
  • Auch eine Ortsbegehung ist sinnvoll, damit man den Stellplatz des Tontechnikers planen kann (Kabellängen, Ablageflächen etc.). Ich habe für solche Zwecke sogar einen kleinen Technical Rider geschrieben, mit dem der Auftraggeber besser planen kann – eher als Checkliste denn als „Befehl“.

Häufige Fehler sind in diesem Kontext, dass keine Solistenmikrofone geplant werden (die aber akustisch von Nöten wären), dass die Chorgröße falsch angenommen wurde oder die Akustik des Raumes unterschätzt wurde. Daher: Vorher einen Mikrofonplan machen und – falls vorhanden – mal in andere Aufnahmen dieser Stücke hineinhören und Noten geben lassen bzw. beim Musikalienhändler des Vertrauens erwerben!

2. Tontechnik-Skills

Ich weiß, ich weiß: Das klingt jetzt so oberlehrerhaft, aber leider kranken daran sehr viele Aufnahmen: Wer gute Drumrecordings und Bandaufnahmen macht, muss noch lange keine guten Chor-Produktionen „auf dem Kasten“ haben (und umgekehrt)! Wer sich mit diesem Thema befasst sollte sich dringend mit Stereomikrofonie, Hallradius und (einfachster) Raumakustik beschäftigen – was wir falls gewünscht gerne in einem weiteren Artikel behandeln (gebt euer Feedback in den Kommentaren!).

  • Wenn der Raum sehr hallig ist, müssen die Mikrofone recht dicht an den Chor. Das ist zwar die Binsenweisheit, aber bei Stereomikrofonierung muss darauf geachtet werden, dass der Aufnahmewinkel noch korrekt ausgenutzt wird. Dieser ist übrigens nicht identisch mit dem Hauptachsenwinkel (öfters auch „Öffnungswinkel“ genannt) – ein typischer Fehler.
  • Wenn mehr als eine Stereomikrofonierung genutzt wird, müssen im Mikrofonplan die jeweiligen Mikrofonpositionen eingezeichnet werden (mit Winkel und Entfernung zum Hauptmikrofon), sonst wird der Laufzeitausgleich hinterher beim Mischen unmöglich.

3. Falsche Ausrüstung

Wohl das leidigste Thema in diesem Kontext: Es fehlen die Mikrofone, die nötige Anzahl an Inputs am Audio-Interface, die passenden Stative und Kabel. Die gute Nachricht: Man kann das alles mieten und das ist dann auch für das schmale Budget möglich! Wer nur SM58/57 sein eigen nennt, braucht mit dem Recording gar nicht anfangen!

  • Ich empfehle gute und günstige Kleinmembranmikrofone der üblichen Hersteller. Wer davon 4 Stück hat, kommt bei einer Choraufnahme schon recht weit, ansonsten: Mieten.
  • Ich habe oft erlebt, dass bei der Planung auch nicht berücksichtigt wurde, dass es sich um Konzertmitschnitte handelt. Mikrofonstative auf denen spärlich bekleidete Damen abgebildet sind oder eine andere unpassende „Gestaltung“ haben, sollten nicht zum Weihnachtsoratorium in der Kirche stehen. Ebenso ist eine kunterbunte Kabelmischung bei Konzerten eher suboptimal. Hier muss investiert oder gemietet werden.

Bevor jetzt einer schreibt: „Das ist doch selbstverständlich…“ Ja, das sehe ich auch so, habe das aber schon mehrfach anders erlebt…

Happy Recordings!

Euer Feedback

Wie lauten eure Erfahrungen beim Aufnehmen eines Chors? Was hat sich bewährt, was ging schief?

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