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Make it big

Die drei größten Fehler… beim Drumrecording

Tipps für Musiker und Bands von Florian Scholz
veröffentlicht am 02.06.2015

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Die drei größten Fehler… beim Drumrecording

Die drei größten Fehler beim Drumrecording. © Florian Scholz

Die Demos sind "im Kasten", doch am Tag nach dem Recording stellt sich im Proberaum heraus, dass die Schlagzeugspuren nicht drücken und einfach nicht "big" klingen wollen. Was lief schief?

Es gibt eine ganze Reihe Fehler, die man beim Drumrecording machen kann und die selbst den Routiniertesten unterlaufen können bzw. schon einmal unterlaufen sind. Die drei größten davon wollen wir uns hier ansehen.

1. Mikrofonposition

Ich persönlich kann diesen Gear-Talk ja nicht mehr hören: Da ergeht man sich in endlosen Debatten, ob und wie und welcher Hersteller dem anderen überlegen ist und warum denn die eine Marke "böse" sei und die andere "der Messias" und das MKII sei ja nur ein schlechter Abklatsch vom Vorgänger…

Ich denke, es ist klar worauf ich hinaus will: Viel wichtiger als Hersteller und Fabrikat ist die Position des Mikrofons. Gerade beim Schlagzeug kann man sich viel kaputt und damit das eigene Leben schwer machen.

Wer bereits mit unterschiedlichen Mikrofonen und Positionen experimentiert hat, merkt schnell, dass der Wechsel der Position einen größeren Unterschied macht als der Wechsel des Mikrofons selbst. Wer "sauber" Drums recorden will, muss zusätzlich zum Klang bei der Mikrofonierung noch das "Spinning Over" (auch "Cross-Talk") bedenken: Das Snare-Mikrofon wird unweigerlich auch Toms und Hihat mit aufzeichnen und das Hihat-Mikrofon wird – sofern man es nicht so weit weg von der Snare einrichtet wie es der Sound erlaubt – auch richtig viel Signal von der Snare-Drum mit aufzeichnen.

→ Ganz vermeiden lässt sich solches Übersprechen natürlich nicht. Es sollte jedoch auf ein Minimum reduziert werden. Auf jedem Kanal sollte das dafür vorgesehene Instrument im Pegel dominieren.

Niemand behauptet, dass man Snare-Drum oder Bass-Drum nur mit einem oder mindestens mit zwei Mikrofonen aufnehmen darf oder soll. Das hängt vom persönlich favorisierten Sound und den eigenen Möglichkeiten (Inputs am Interface, vorhandene Mikrofone etc.) ab.

Man muss auch nicht jedes aufgenommene Signal später beim Mischen verwenden. Es gibt Kollegen, die eine Snare-Drum von oben, unten und der Seite aufnehmen. Das kann beim Recording interessant sein, da man so eine sehr große Kontrolle über den Gesamtsound hat. Wenn aber das Mikrofon oben bereits den gewünschten Klang liefert, können die anderen beiden Kanäle auch komplett unberücksichtigt bleiben.

→ Nicht vergessen: Wenn mehrere Mikrofone ein Instrument abnehmen, sollte im Mix immer die Phasenlage beachtet werden!

2. Das Drumset und die Felle

Shit in – shit out. Diesen Grundsatz kennt wahrscheinlich jeder. Beim Recording ist das nicht anders.

Wenn das Drumset minderwertig ist und es einfach schon von sich aus nicht gut klingt, ist ein Recording reine Zeit- und Geldverschwendung. Man kann sich – entweder vom Proberaumnachbar, Kumpel oder örtlichen Musikgeschäft – auch ein gut klingendes Drumset ausleihen. Das ist oft kostengünstiger als befürchtet und der Nutzen liegt klar auf der Hand; nein: IM OHR!.

Ebenso solltet ihr vorher die Felle und die Stimmung überprüfen. Zwischen zwei Takes sich noch Gedanken um die Stimmung der Floor-Tom Gedanken zu machen und an dieser "herumzuschrauben" ist keine gute Idee. Das verursacht Stress, miese Stimmung und das unbestimmte Gefühl nicht genau zu wissen, was man will bzw. was man tut.

→ Frische Felle, neue Sticks… all das sollte euch ein Recording wert sein. Denn halb gemachte Sachen sind meist gleichbedeutend mit nicht gemacht. Leider kostet es trotzdem Zeit und Geld.

3. Der Drummer

Der wichtigste Faktor bei der Aufnahme des Schlagzeugs ist der Schlagzeuger selbst. Er sollte sich während der Session wohl fühlen und sich selbst sowie seine Mitmusiker gut hören können. Entgegen einschlägiger Musikerwitze sind Drummer auch Musiker und für den Song bzw. die Band ebenso wichtig wie der Rest der Crew.

Eine optimale Vorbereitung sollte selbstverständlich sein. Er sollte die Stücke kennen, wissen, was auf ihn zukommt und entsprechend geprobt haben. Der Drummer sollte sich auch um ein geeignetes Set kümmern. Für Gitarristen ist es "selbstverständlich" eine ganze Wohnzimmerwand voll mit Klampfen zu haben, bei Schlagzeugern ist es eher ungewöhnlich, dass ein drittes Drumset oder mehrere Snare-Drums vorhanden sind, zumindest bei Nicht-Berufs-Trommlern.

Ein anderer Punkt ist, dass nicht jeder gute Live-Drummer auch ein guter Studio-Drummer ist. Speziell wenn mit Click gespielt werden muss, scheidet sich die Spreu vom Weizen. Der Click ist ein Metronom, welches dem Schlagzeuger auf die Kopfhörer gegeben wird. Ich habe schon Schlagzeuger erlebt, bei denen nur der Vorzähler (dieser sollte bei jeder Aufnahme gemacht werden) synchron zum Klick war und es ab dem ersten Takt nicht mehr gestimmt hat.

Wir haben dann den Click in der Regie stumm geschaltet, weil es einfach zu sehr irritiert hat – der Drummer war zufrieden. Allerdings konnten dann keine Loops oder andere Elemente im zur Time des Stücks passenden Tempo "eingeflogen" werden.

→ Manchmal hilft es, statt einem Click eine Drum-Loop zu verwenden! Auch kann es sinnvoll sein, dass im Studio (selbst wenn das nur ein Proberaum ist) ein Kollege den Stamm-Trommler unterstützen oder sogar ersetzen muss.

Übrigens: nicht jeder gute Studio-Drummer ist auch auf der Bühne im gleichen Maße überzeugend.

In der Summe

Selbstverständlich existieren noch weitaus mehr Fehler, die man machen kann, aber diese hier sind richtig schwere K.O.-Kriterien. Wer diese Punkte nicht beachtet, kann sich den Recording-Termin auch gleich sparen.

Unberücksichtigt gelassen haben wir die akustische Situation. Ein im Kölner Dom aufgenommenes Schlagzeug wird niemals nach Wohnzimmer klingen! Umgekehrt ist das deutlich einfacher, dem Hallgerät (oder Plugin) sei Dank.

→ Tipp: Sollen die Drums "big" klingen, kann es weiterhelfen die komplette Mischung des Drumsets (ohne Bassdrum) durch einen Hall zu schicken. Dieser sollte nur nach "Raum" ("Room") bzw. einem Zimmer klingen und als "Ambience" fungieren und dementsprechend dezent sein.

Solltet ihr die Aufnahmen einem Engineer zum Mischen schicken, ist eine saubere Beschriftung der Spuren unerlässlich. Auch so ist das eine gute Strategie, denn nach 1-2 Monaten wisst ihr sicherlich nicht mehr auswendig, was sich hinter "Neue Spur 1" oder "Kopie von Neue Spur 1" verbirgt.

In diesem Sinne: Happy Recordings!

Eure Meinung

Wie lauten eure Erfahrungen beim Aufnehmen eines/eures Schlagzeugs? Was hat sich bewährt, was ging schief?

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