artistguide.de & backstage pro geben einsteiger-tipps

Eine Einführung ins DJing mit Cressida und DJ Gambit

Artikel veröffentlicht von Backstage PRO Team | 17.04.2012, 16:45

Eine Einführung ins DJing mit Cressida und DJ Gambit

Samstagabend. Ein tobender Club. Die schwitzende Meute bewegt sich rhythmisch zu den Beats, die aus den Boxen schallen. Du spürst die Bässe in deinen Gliedern. Du willst die Meute weiter aufheizen. Die Menge jubelt, du nickst ihnen zustimmend zu und drehst die Tunes noch ein wenig lauter. Solche Situationen erleben Cressida und DJ Gambit regelmäßig.

artistguide.de & regioactive.de: Wir präsentieren euch gemeinsam ausgewählte Themen aus den Bereichen "Bildung", "Live", "Vermarktung", "Tontechnik" und "Recht" [mehr Infos].

artistguide.de: Selbsthilfe für Musiker

Cressida ist ein weltweit tätiger Trance-DJ und kennt sich bestens in der Szene aus. DJ Gambit ist Resident-DJ der Schräglage in Stuttgart und bewegt sich im Bereich HipHop. ihre gemeinsame Liebe zur Musik hat die beiden zu erfolgreichen DJs gemacht. Für den artistguide hat das Popbüro Stuttgart mit beiden gesprochen und viel über das DJing erfahren. Zum Beispiel darüber, warum es immer wichtiger wird, sich als DJ selbst zu produzieren, wie man an Bookings kommt und wie die richtige Gestaltung eines Mixtapes ausschaut. Die Top-Tipps in Kürze: Denkt an einen passenden und aussagekräftigen Namen, mischt ein stimmiges Mixtape und bewahrt euch die Lust und Leidenschaft am DJing. Probiert euch einfach mal an eigenen Produktionen. So klappt es bestimmt auch mit einem Booking.

Kreative Namensgebung

Gambit wählte seinen Namen nach einem Symbol aus seiner Kindheit: seiner Lieblings-Comicfigur aus Kindheitstagen. "Der Name ist sehr wichtig, weil man sich damit präsentiert. Wie ein Pseudonym, manchmal auch wie eine Maske" erklärt er. "Der Name ist das erste, was den Leuten im Kopf hängen bleibt. Das Erkennungsmerkmal des Künstlers, vergleichbar mit der Corporate Identity eines Unternehmens" stimmt Cressida zu.

Vinyl oder CD?

Aufgelegt haben die beiden bis vor ein paar Jahren noch mit Vinyl. Inzwischen sind sie umgestiegen: "Vinyl wird aus Kostengründen nicht mehr hergestellt. Zudem laden die Leute nur noch MP3s runter", erklärt Cressida. "Außerdem haben die meisten Clubs keinen Vinyl-Player mehr." Cressida verwendet mittlerweile CDs. "Da ist das Mixgefühl noch das Beste. Man kann die Tracks in Echtzeit mischen, sie schneller und langsamer machen. In der elektronischen Szene tendiert gerade alles zur CD."

Billig ist das nicht: Online könnt ihr diesen Player für ca. 1800€ u.a. auf www.thomann.de erwerben. Ein komplettes Equipment mit Deck, Controller, Headphones etc. kann dann schon mal ein paar tausend Euro kosten.

Software

Viele DJs arbeiten mit der kostenlosen Software rekordbox. Das "iTunes für DJs" wurde speziell für die Verwendung mit einem CDJ-Player (Bsp: Der Pioneer CDJ 2000) konzipiert. Auf Basis der Musikbibliothek lässt sich mit rekordbox auf einfachste Weise ein DJ-Set vorbereiten.

Gambit dagegen verwendet die Software Traktor Scratch (ca. 600€), die mit "echten" Vinyl-Platten und Plattenspielern verbunden wird und das Audiosignal in ein digitales Signal umwandelt. "Hier sehe ich den Vorteil darin, dass man die Platte nie wechseln muss. Man steuert alles vom PC aus. Ein Hauptgrund, warum ich auf Traktor Scratch gewechselt habe, waren die vielen Möglichkeiten, die dieses Programm bietet. Ich empfand es immer so, dass Vinyl die Kreativität einbindet, mit Traktor Scratch ist deutlich mehr möglich."

Eigene Produktionen

DJing auf der Time Warp 2012
Foto: Sara Miller

Es wird immer wichtiger, dass die DJs ihre Sounds auch selbst produzieren. Cressida hat 1998 mit dem Produzieren von Songs angefangen, bevor er 2001 mit dem Auflegen begann. "Ein Mixtape mit seinem Laptop zu machen kann ja jeder. Das wirkliche Selbstkreieren von einem Track, das Produzieren im Studio – das ist die elementare Kunst. Im Trance finden die meisten DJs nur über ihre Produktionen den Weg in die Szene und bekommen damit die Gelegenheit aufzulegen. Dies ist der einzige Weg, dass Booker auf euch aufmerksam werden und ihr auch überregional bekannt werden könnt."

Auch DJ Gambit produziert Songs selbst. Im HipHop sind eigene Produktionen jedoch nicht Voraussetzung, um in einem Club aufzulegen. Zudem gibt es wenige HipHop-DJs, die gleichzeitig auflegen und produzieren. Gambit macht das aus purem Spaß an der Musik. "Eine Produktion ist zugleich eine Komposition und dies sollte vom Publikum auch geschätzt werden."

DJing muss gelernt werden

Hier sind sich Gambit und Cressida einig: "Ihr müsst lernen, wie man ein gutes Set aufbaut und wie man stimmige Übergänge mixt. Zudem braucht ihr ein gutes Rhythmusgefühl und ihr solltet euch extrem viel mit Musik beschäftigen. Wichtig ist zudem eine passende und stimmige Musikauswahl. Gut ist es, wenn ihr immer ein paar neue Songs in eure Sets einbaut. Die Kunst ist es, sich einerseits auf die Musik zu konzentrieren, die ihr auflegt und andererseits mit dem Publikum mitzufeiern, so dass ihr die Leute animiert, zu eurem Sound abzugehen. Ein reiner 'Laptop-DJ' zu sein ist nicht schwer, deswegen arbeitet so auch kein echter DJ, der die Musik liebt."

Mit einem Mixtape bei einem Label bewerben

Richie Hawtin, "Kreativ-DJ" und Stammgast u.a. der Time Warp in Mannheim.
Foto: Andrea Piccinato

Viele DJs sind heutzutage auch bei einem Label unter Vertrag. Ein Label hilft euch dabei, neue Produktionen zu finanzieren und Kooperationspartner wie Vertrieb oder Verlage zu finden. Schickt am besten euer Demo-Mixtape und eigene Produktionen an ein entsprechendes Label, das musikalisch zu euch passt. "Ein Mixtape ist eine Zusammenstellung aus Musik, die euch interessiert oder die ihr jemandem präsentieren möchtet", erläutert Gambit. Die meisten Mixtapes werden mit PC-Programmen gemischt: "Ihr benötigt zwei Plattenspieler oder CD-Player und ein Mixer. Dazu eine Anlage zum Anschließen. Am besten auch noch einen externen PC als Aufnahmemöglichkeit und zum Bearbeiten. Es gibt kein Mixtape ohne Nachbearbeitung!"

Perfekt für DJ Einsteiger eignet sich hierfür der Pioneer DJM 350. Damit könnt ihr euren Mix problemlos auf ein USB-Speichergerät aufnehmen. Hierfür benötigt ihr nicht einmal einen Computer oder Aufnahmegerät. Euren Mix könnt ihr anschließend zur Nachbereitung auf euren Computer importieren.

Versucht nicht zu klingen wie etwas, das es schon gibt. Mischt euren eigenen Sound in euer Demo. Versucht auch etwas Überraschendes in eure Mixes einfließen zu lassen. Scheut euch nicht, Neues auszuprobieren. Zudem ist es wichtig, dass ihr viel Leidenschaft zu eurem Sound entwickelt und eine Menge Herzblut in euer Projekt steckt.

Achtet bei einem Mixtape darauf, dass ihr eure Lieder nicht zu lange anspielt, verwendet mehr Übergänge und übersteuert das Signal nicht. Die Lieder, die ihr wählt,  sollten von der Stimmung zusammenpassen. Schön ist es auch wenn ihr ein kleines Cover für euer Mixtape gestaltet, das schon einmal einen Vorgeschmack auf euch und auf eure Musik wiedergibt.

Absagen verdauen

Nachdem ihr euer Demo verschickt habt, kann es entweder zu einem Vertrag zwischen euch und dem Plattenlabel kommen, oder eben nicht. Seid nicht frustriert, wenn es nicht gleich zu einem Vertrag kommt. Auch bei Cressida war es nicht anders: "Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, irgendwann waren meine Demos gut genug und ich wurde kontaktiert. So kam damals der Kontakt zustande und ich wurde unter Vertrag genommen." Heute ist er bei Euphonic Records, eines der bekanntesten deutschen Trance Labels mit Künstlern wie Armin van Buuren und Above and Beyond.

Bookings

DJing auf der Time Warp 2012
Foto: Sara Miller

An Bookings zu kommen ist meistens nicht so einfach. Aber auch dafür haben Cressida und Gambit hilfreiche Hinweise auf Lager: "Versucht euch selbst zu produzieren. Der Weg in die Szene ist dadurch um einiges einfacher. Hört viel Musik und lasst euch inspirieren. Erlernt die aktuellen Programme wie Cubase (PC) oder Logic (Mac) oder lasst sie euch von anderen DJs zeigen. In der Trance-Szene funktioniert der klassische Weg von früher, sich mit einem Mixtape bei einem Club zu bewerben, leider nicht mehr. In diesem Bereich sind eigene Produktionen unerlässlich, um sich einen Namen zu machen", erläutert Cressida.

Gambit meint, dass ihr auch ohne Booking-Agentur probieren könnt, ein Set in einem Club zu ergattern. Kontaktiert dazu aber jedoch nie den Club selbst, sondern immer den Veranstalter, da nur dieser bestimmen kann, wer auflegt. Der Veranstalter einer Partyreihe ist nicht automatisch auch der Clubbesitzer. Informiert euch hierüber am besten im Vornherein. Versucht zudem immer außerhalb des Clubs, z.B. im Internet, auf euch aufmerksam zu machen. Wie in jedem anderen Bereich geht auch beim DJing alles über Vitamin B.

Das Set

Vorbereitungszeit für ein Set einzuplanen ist unerlässlich. Gambit legt beispielsweise nie zweimal das gleiche Set auf: "Um ein Set vorzubereiten brauche ich meistens ein bis zwei Tage, ich kaufe die MP3s so, wie ich Lust habe. Dann wähle ich die Lieder aus, die ich gerne spielen will. Die Übergänge mache ich aber erst am Abend vor Ort." Cressida bekommt jede Woche ein paar hundert Promos zugeschickt. Er muss sich Zeit nehmen, um diese durchzuhören. Cressida: "Wichtig ist auch, dass ihr immer neue Musik dabei habt und dass ihr wisst, was die Leute im Moment heiß finden. Beachtet auch, dass jedes Publikum und jedes Land anders ist."

Aktueller DJ-Contest

DJ-Contest

artistguide.de und 0711 Entertainment suchen in Zusammenarbeit mit den drei Stuttgarter Clubs Romy S., Schräglage und Transit aufstrebende und talentierte DJs, die mit ihrem DJ-Set den Partyabend einläuten. Bewirb dich jetzt auf www.artistguide.de/djcontest!

Registriere dich, um einen Kommentar zu schreiben

X