"major labels strahlen noch immer einen großen reiz aus"

Interview mit Christian Reich, Projektleiter der Volkswagen Sound Foundation

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel am 17.08.2012, 16:45

Tags: Volkswagen Sound Foundation Christian Reich

Interview mit Christian Reich, Projektleiter der Volkswagen Sound Foundation

Die Volkswagen Sound Foundation engagiert sich in vielfältiger Weise für Nachwuchsbands. Wir sprachen mit Christian Reich, dem Projektleiter der Sound Foundation, über die konkreten Formen der Unterstützung, Nachhaltigkeit als Förderungsprinzip und das Konzept der Bandfactory.

Backstage PRO: Christian, was ist die Volkswagen Sound Foundation eigentlich?

Christian Reich: Die Volkswagen Sound Foundation ist ein Musikprojekt, in dem junge Bands eine auf sie zugeschnittene Förderung erhalten, um im Musikbusiness voranzukommen. Dieses Projekt basiert auf dem sogenannten Pate-Pate-Prinzip, mit dem wir aktiv den Erfahrungsaustausch innerhalb der unterschiedlichen Karrierelevels fördern.

Was verstehst du unter dem Pate-Pate-Prinzip?

Christian Reich: Das Prinzip ist denkbar einfach. Ein im Business bekannter und erfolgreicher Topact wählt persönlich seinen Newcomer, dem er ein Jahr lang mit Rat und Tat zur Seite steht. Der Newcomer wiederum ist "Pate" für drei Talentbands, die noch keinen Plattenvertrag haben und halbjährlich neu bestimmt werden.

Wie sieht die Unterstützung konkret aus?

Christian Reich: Neben der Mobilität in Form eines Tourbusses unterstützen wir mit guten Kontakten ins Musikbusiness, Promotion und einer ganzen Reihe von Auftrittsmöglichkeiten. Außerdem ermöglichen wir die Teilnahme an der Bandfactory und die Produktion eines Live-Videos der Band. Die Newcomer erhalten zudem eine Fördersumme in Höhe von 10.000€ und die Möglichkeit, mit ihren Paten gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Wie bist du eigentlich an den Job als Projektleiter der Volkswagen Sound Foundation gekommen?

Christian Reich: Ich wurde sozusagen intern geworben. Davor war ich innerhalb des Internetmarketings der Marke Volkswagen zuletzt Chefredakteur von volkswagen.de und für das Gebiet Online-Vermarktung zuständig.

Was sind deine Hauptaufgaben als Projektleiter?

Die Band Beta 2.0 beim Coaching im Rahmen der Bandfactory 2011.
Daniel Nagel

Christian Reich: In erster Linie bin ich mit qualitativer Pressearbeit und Projektmanagement beschäftigt. Grundsätzlich kümmere ich mich um den Bereich Musik. Dazu zählt neben der Sound Foundation auch das Philharmonic Volkswagen Orchestra und Beratung bzw. Dienstleistung, beispielsweise das Booking von Künstlern für weltweit stattfindende Events oder die Bereitstellung von Musik für Projekte jeglicher Art.

Welche Ziele verfolgt Volkswagen mit seinem popkulturellen Engagement?

Christian Reich: Die Förderung entspricht dem Markenleitbild. Indem wir Bands fördern, nehmen wir auch Verantwortung gegenüber der Musikkultur als solcher wahr. Mit dem Pate-Pate-Prinzip, dem Kern des Konzeptes, zeigen wir innovative Herangehensweisen, die jungen Künstlern viele Möglichkeiten eröffnen. Dadurch, dass wir Bands über einen längeren Weg begleiten, verwirklichen wir auch das Prinzip der Nachhaltigkeit. Selbstverständlich nutzen wir das Projekt auch, um den Imagefaktor zu erhöhen und mit dem Mittel der Musik neue potentielle Zielgruppen sanft abzuholen.

Du hast die Bandfactory erwähnt, worum handelt es sich genau?

Christian Reich: Die Bandfactory ist ein elementarer Förderbaustein. An einem Wochenende bringen wir die Talents und Newcomer mit Profis und Entscheidern aus dem Musikbusiness zusammen.

Was geschieht bei dieser Zusammenkunft?

Christian Reich: Bei der Bandfactory nehmen sich die Entscheider im Musikbusiness Zeit, sich die Bands anzuhören, sich konstruktiv mit ihnen auseinanderzusetzen und ihnen Hilfestellung zu geben. Das bietet die besten Voraussetzungen für die Bands ins "Relevant Set" der anwesenden Experten zu kommen. Selbstverständlich ist der Kern die Förderung der Band-Skills – sie bekommen ein 360°-Coaching. Als letztes schauen wir natürlich auch mit einem Auge drauf, wie sich die Bands live geben, um Auftrittsanfragen mit bestem Gewissen weiterzuleiten.

Was glaubst du bietet die Bandfactory den beteiligten Bands?

Christian Reich: Um es in einigen Schlagworten zusammenzufassen: Netzwerke, Plattenverträge, Knowhow-Transfer, Livemusik und Spaß.

Wie wählst du die Bands aus, welche Kriterien sind entscheidend?

Christian Reich: Ich habe bei der Auswahl der Bands meine Finger gar nicht im Spiel. Die Auswahl erfolgt unterschiedlich: Die Topacts werden von Volkswagen nach festgelegten Kriterien ausgewählt. Die Newcomer werden direkt durch den jeweiligen Paten ausgesucht. Die Talente, die sich halbjährig via Internet bewerben, werden von einer hochkarätigen Jury – acht Topleute aus dem Musikgeschäft – ausgewählt.

VW-Bandfactory in Wolfsburg: Die Jury mit Organisator Christian Reich
Daniel Nagel

Was sollte eine Band für den Auftritt in der Bandfactory berücksichtigen?

Christian Reich: Sie sollten einfach alles geben, um mit zwei Songs das Gremium, das aus Entscheidern der Musikbranche besteht, von sich zu überzeugen. Des Weiteren erhalten die Bands eine komplette Checkliste mit allem, was für das Wochenende wichtig ist, um effektiv zu arbeiten.

Wie häufig erhielt eine Band im Anschluss an die Bandfactory einen Plattenvertrag?

Christian Reich: Im Schnitt haben wir 2-3 glückliche Bands, denen ein Deal angeboten wird. Das ist eine ziemlich gute Quote und zeugt auch von der Qualität der Auswahl durch die Jury vorher. Das heißt aber nicht, dass Bands, die keinen Vertrag mit nach Hause genommen haben, keine Chance darauf haben. Auch im Nachhinein ergeben sich noch oft interessante Gespräche.

Wie siehst Du die Rolle der Major Labels selbst?

Christian Reich: Majors strahlen auf Bands noch immer einen sehr hohen Reiz aus. Wenn man sich die Top10 anschaut, sieht man, dass meist Majors dahinter stehen. Aber egal ob Major, Indie oder in Selbstregie – wichtig ist, dass die Musik auch in Zukunft unterstützt wird und Gehör findet!

Wie empfindest du die Kritik der Plattenfirmenvertreter gegenüber den Bands?

Christian Reich: Wenn es um die direkte konstruktive Kritik nach einem Showcase bei der Bandfactory geht, dann empfinde ich sie als sehr offen und wertvoll, zumal die Bands mit den Experten am Folgetag noch mal in Ruhe über alles im 1:1 Talk sprechen – jeweils aus einer anderen Perspektive.

Was hörst du denn von Bands und Plattenfirmen jeweils an Feedback über die Bandfactory?

Christian Reich: Die Rückmeldungen sind insgesamt sehr positiv. Die Bands nehmen viel mit auf den Heimweg – neue Impulse und Möglichkeiten; die Experten freut es immer wieder, so direkt mit dem Nachwuchs zu arbeiten. Auch die gute Stimmung tut ihr übriges – "Family" wird bei uns wirklich gelebt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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