der lange weg zum bundesvision song contest

Interview mit Michael Menges, Manager von Cris Cosmo

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel | 31.08.2012, 12:43

Interview mit Michael Menges, Manager von Cris Cosmo

Am 28. September tritt der Sänger und Songwriter Cris Cosmo beim Bundesvision Song Contest für Hessen an. Aber wie wurden die Verantwortlichen auf seine Musik aufmerksam? Dafür ist auch sein Manager Michael Menges verantwortlich, der Cris Cosmo bei der produzierenden Firma Brainpool vorstellte. Wir sprachen mit ihm über die Arbeit eines Musikmanagers, die Schwierigkeit neue Künstler im Fernsehen zu platzieren und die Hoffnungen, die er mit Cris Cosmos Auftritt verbindet.

Backstage PRO: Michael, du bist Musikmanager. Was ist das eigentlich?

Michael Menges: Als Musikmanager bin ich zugleich Musikverleger sowie Konzert- und Tourneeveranstalter und decke damit größtenteils die Wertschöpfungskette der Musikbranche ab. Was ein Musikmanager ist, kann man gar nicht so leicht beantworten. Ganz grob formuliert kann man sagen, ich kümmere mich um das kreative und wirtschaftliche Vorankommen eines Künstlers. Ein Künstler, der sich als Profi betrachtet, ist eine Firma mit einem Produkt. Es geht darum, dieses Produkt auf einem Markt zu positionieren und Kunden in Form von Fans an sich zu binden.

Was heißt das konkret?

Konkret geht es um die Produktion von Tonträgern, die Verwertung von Urheberrechten, das Buchen von Einzelshows und Tourneen, aber auch Werbekooperationen mit Firmen. Das Arbeitsspektrum eines Musikmanagers ist sehr vielfältig und kann nur schwer auf den Punkt gebracht werden, da die Arbeit mit Kreativen sehr dynamisch ist und der Markt seine eigenen Gesetze hat.  

Wie kam es dazu, dass du der Manager von Cris Cosmo wurdest?

Ich kenne Cris schon seit vielen Jahren und habe aufmerksam verfolgt, wie außerordentlich aktiv er ist. Es gibt kaum einen Künstler aus der Region, der so viel auftritt und so viel aus sich heraus produziert. Im Januar sind wir uns dann über den Weg gelaufen und er hat mir rough mixes seines neuen Albums vorgespielt. Von diesen Titeln stach der Titel Herzschlag ganz besonders heraus. Ich hatte bei diesem Song sofort ein gutes Gefühl. Es passte einfach alles: der Titel ist zeitgemäß, frisch, ebenso sprachlich wie harmonisch überzeugend, einfach komplett auf den Punkt. Natürlich unterschied sich der damalige Produktionszustand noch von dem heutigen, aber bei manchen Kompositionen erkennt man das Potential schon in einem frühen Stadium.

Du hast also gedacht: "Das ist ein tolles Lied, braucht aber noch ein wenig Schliff"?

Ja, aber so viel Veränderung war auch nicht mehr nötig. Cris weiß schon sehr genau was er will. Der Song musste nur etwas größer gemacht werden. Es war aber schon klar, in welche Richtung das Lied geht.

Der Song musste also etwas knalliger, etwas offensiver gemacht werden?

Ja, unter anderem auch das. Es ging darum, die einzelnen Aspekte des Songs, die alle schon vorhanden waren, etwas mehr herauszuarbeiten.

Du warst jedenfalls so überzeugt von Lied und Künstler, dass du das Lied den Machern des Bundesvision Song Contests vorgeschlagen hast. Wie lief das ab?

Ich bin der Auffassung, dass Cris Cosmo speziell mit diesem Titel ein so abgerundetes Produkt ist, dass ich nicht weiß, was man daran noch verbessern soll. Daraufhin habe ich Cris Cosmo erklärt, dass ich mich, wenn er einverstanden ist, für ihn bei der Firma Brainpool stark machen werde, die TV Total und den Bundesvision Song Contest produziert. Da ich die Verantwortlichen aus anderen beruflichen Zusammenhänge kenne, glaube ich, dass das, was ich dort vorschlage, auch Gehör findet.

Wenn du nicht bei Brainpool bekannt gewesen wärst, was wäre passiert?

Cris Cosmo tritt am 28. September mit seiner Single "Herzschlag" beim Bundesvision Song Contest auf.
Martin Haeusler

Es wäre vermutlich sehr viel schwieriger geworden, vielleicht hätten wir auch eine Absage erhalten. Aber da ich mit Brainpool schon verschiedentlich zusammengearbeitet habe, gehe ich davon aus, dass ich eine ernsthafte Rückmeldung erhalte, die mir zeigt, dass sich jemand mit deinem Künstler ernsthaft beschäftigt hat und dass ich nicht mit irgendwelchen Standardphrasen abgespeist werde. Man muss aber auch am Ball bleiben, immer wieder freundlich nerven. Es ist auch eine Frage der Penetranz.

Es reicht also nicht, Cris Cosmo vorzustellen und sich dann drei Monate nicht mehr blicken zu lassen. Man muss auch nachfragen, ob mal jemand reingehört hat und wie der Eindruck ist.

Auf alle Fälle muss man immer am Ball bleiben und immer wieder freundlich nachfragen. Wir haben in fast allen Branchen einen Käufermarkt und keinen Verkäufermarkt. Der Kunde hat die Qual der Wahl: Eine Firma wie Brainpool erhält bei Ausschreibungen wie dem BuviSoCo hunderte oder tausende Bewerbungen aus jedem Bundesland. Die Hoffnung bleibt, dass Künstler mit neuen, originellen Ansätzen wie Cris Cosmo sich trotzdem durchsetzen und begeistern können. Das Umfeld ist aber aufgrund der Entwicklung des Fernsehens sehr viel schwieriger geworden. Früher gab es drei Kanäle, heute gibt es hunderte. Und Musik im Fernsehen ist auf Castingshows reduziert.

Aber der Bundesvision Song Contest ist doch auch eine Show zwischen den zwei Stühlen Contest und Casting. Wie unterscheidet er sich denn von anderen Castingshows?

Das ist eine gute Frage. Wir unterstellen Stefan Raab und seinem Team, dass sie mehr Wert auf Inhalte, auf die Persönlichkeit der Künstler legen. Man muss sich ja nur ansehen, wer in den letzten Jahren teilgenommen und auch gewonnen hat. Tim Bendzko ist beispielsweise ein hochintelligenter Mensch mit einem großen Mitteilungsbedürfnis, der auch etwas zu sagen hat – und nicht nur Oberflächliches.

Inwiefern ist das bei DSDS anders?

Bei DSDS sucht man den schönsten und besten Coverbandsänger. Man sucht aalglatte Sänger und Sängerinnen aber keine Persönlichkeiten. Von einer Persönlichkeit erwartet man, dass sie auch mal einen Ton nicht trifft, aber gleichzeitig das Publikum auf einer anderen Ebene unterhält und der Welt auch etwas mitzuteilen hat.

Beim Bundesvision Song Contest treten ja auch viele etablierte Künstler auf.

Ich denke, die Verantwortlichen streben eine Mischung aus 50% etablierten Künstlern und 50% Newcomern an. Der Bundesvision Song Contest ist natürlich ein Format des Privatfernsehens und da geht es natürlich auch um Einschaltquoten. Da benötigt man auch Namen, die Zuschauer ziehen.

Es besteht also ein großer Unterschied zwischen dem Bundesvision Song Contest und DSDS?

Ob es ein großer Unterschied ist, lasse ich dahingestellt, aber wenn ich die Wahl zwischen beiden Formaten habe, entscheide ich mich klar für den Bundesvision Song Contest. Welche Möglichkeiten gibt es heute denn überhaupt noch, um Künstler oder Bands im Fernsehen einem Massenpublikum zu präsentieren? Es gibt kein VIVA und kein MTV mehr, jedenfalls erreicht man damit keine relevanten Zielgruppen. Es gibt nur relativ wenige Plattformen für aktuelle Musik im Fernsehen.

Und der Bundesvision Song Contest ist eine der wenigen Möglichkeiten?

Bundesvision Song Contest 2012

Ja. Man überschätzt die Möglichkeiten medialer Darstellung, weil man ständig von Musik umgeben ist, aber in der Realität ist die Offenheit der Medien für Künstler und gerade für neue Künstler gar nicht so groß.

Was erwartet man als Manager von einem solchen Auftritt wie dem von Cris Cosmo?

Wir haben so viel Arbeit in die ganze Sache investiert, dass uns eigentlich nur das letzte Quäntchen Glück fehlt. Wir haben unserem Glück entgegengearbeitet und hoffen, dass Cris Cosmo einen entspannten Auftritt hinlegt und dass die Leute für ihn abstimmen. Unter die ersten sieben zu kommen, das wäre ein großer Erfolg. Ich erhoffe mir für Cris eine größere Bekanntheit, die bundesweite Steigerung seines Marktwerts und höhere Plattenverkäufe.

Ist der Auftritt beim Bundesvision Song Contest ein Argument, das hilft, um einen Plattenvertrag zu erhalten?

In der Theorie schon, aber in der Praxis nicht unbedingt. Selbst wenn man mit einer wirklich starken Single, einem fertigen Album mit Artwork, einem Künstler, der im Jahr 150 Shows spielt und viele Fans gewonnen hat, bei den Plattenfirmen vorspricht, antworten die teilweise, dass sie die Zielgruppe nicht sehen. Nach diversen Meetings bei Plattenfirmen sitzt man dann irritiert im Büro und fragt sich: "Was soll man als Künstler eigentlich noch mehr leisten?"

Selbst für dich als Musikprofi ist dieses Vorgehen also nicht nachvollziehbar?

Nachvollziehbar ist das für mich schon. Viele Labels haben tierische Angst vor Flops. Sie scheuen davor zurück, Risiken einzugehen und verteilen die Verantwortung auf verschiedene Gremien, die alle irgendwie mitreden. Aber um etwas Positives zu erreichen, muss man auch ein überschaubares Risiko eingehen. Aus Angst entsteht selten etwas Gutes. Bei der Argumentation einiger Labels, dachte ich: "Meine Güte, ihr seid alle so desillusioniert, geht doch nach Hause und sucht euch einen anderen Job."

Die Angst regiert?

Bei manchen Plattenfirmen hat man in der Tat den Eindruck, dass sie mehr mit der Angst vor einem Flop beschäftigt sind, als die Möglichkeit eines Erfolgs ins Auge zu fassen. Es gab bei Plattenfirmen schon immer ein 20:80 Verhältnis zwischen Erfolgacts und Flops. Aber die Umsätze der Stars wie Elvis, Beatles, Rolling Stones, Michael Jackson, Whitney Houston usw. waren so groß, dass die 80% Flops nicht nur aufgefangen wurden, sondern dass große Apparate und viele Künstler der zweiten Reihe damit finanziert werden konnten. Heute ist das anders, da die Umsätze viel geringer sind.

Wie unterscheiden sich die Erwartungen von Cris Cosmo von deinen Erwartungen?

Es ist immer schlecht, wenn die Erwartungen des Künstlers und des Managers weit auseinanderklaffen. Das ist bei Cris Cosmo und mir aber nicht der Fall, denn er ist schon so lange im Geschäft und hat viele Erfahrungen gesammelt. Cris freut sich auf alles, was jetzt auf ihn zukommt. Natürlich wünscht er sich Erfolg, den wünschen wir uns alle. Dennoch muss man realistisch bleiben: Der Auftritt beim BuviSoCo kann alles bedeuten oder auch nichts: Er kann einen Hype auslösen oder komplett verpuffen. Da Cris Cosmo viel und hart arbeitet, gehe ich davon aus, dass ihm der Bundesvision Song Contest auf jeden Fall Rückenwind gibt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Marie-Luise Dingler
Marie-Luise Dingler (Violinistin bei The Twiolins, Künstlerische Leitung bei Kammerkonzerte Darmstadt e.V. ): Toll das es Chris soweit geschafft hat und einen so tollen Manager gefunden hat! Ach, wäre das schön, wenn wir so einen für The Twiolins finden würden! Ich wünsche super viel Erfolg beim BuvsSoCo!
04.09.2012, 09:12
Stephanie Wacht
Stephanie Wacht (Soundtechniker/Mischerin, Sängerin bei CROW7): Ein sehr guter Artikel, der zeigt, wie es derzeit auf dem deutschen Musikmarkt bestellt ist. Für deutschsprachige Künstler die Deutsch singen gibt es noch Möglichkeiten, aber für deutsche Künstler, die sich der englischen Sprache verschrieben haben, (...) Mehr anzeigensieht es in Deutschland richtig Finster aus. Für diese gibt es nur die Möglichkeit ins Ausland zu gehen um Ernst genommen zu werden. Einen derartigen Contest für englisch-singende Talente gibt es im deutschen Fernsehen leider nicht. Wäre doch mal eine Lücke die man füllen könnte liebe Fernsehmacher.
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06.09.2012, 14:35

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