×

Kann damit wirklich Geld verdient werden?

Leak! Das verrät der geheime Vertrag zwischen Sony und Spotify

News von Theo Müller
veröffentlicht am 22.05.2015

streaming sony sony music spotify gage honorar

Leak! Das verrät der geheime Vertrag zwischen Sony und Spotify

Streaming: Fuer die Hoerer eine gechillte Angelegenheit. Aber wie steht es um Kuenstler und beteiligte Firmen? Wie sehen die Vertraege aus? Jetzt wurde der urspruengliche Deal zwischen Sony und Spotify oeffentlich..., © Mike Waters / 123RF

Das amerikanische Technikportal The Verge hat einen Vertrag zwischen dem Majorlabel Sony Music und dem Musikstreaming-Anbieter Spotify in die Hände bekommen. Da die Musikindustrie ihre Verträge lieber geheim hält, gibt uns dieses Leak einen spannenden Einblick hinter die Kulissen der großen Musikwirtschaft. Auf die drängende Frage, ob mit Streaming wirklich Geld verdient werden beziehungsweise wer wirklich daran verdient, gibt es teilweise Antworten.

Teil 1 | Der Inhalt des Vertrages

Wer sich den 42-seitigen Vertrag im Detail anschauen will, findet ihn hier:

Vertrag als PDF laden

Wir gehen im Folgenden auf die wichtigsten Inhalte ein.

42,5 Millionen Dollar Vorschuss

Sehr interessant ist die Zahlung eines kräftigen Vorschusses an Sony. Im ersten Jahr sind das neun Millionen Dollar, im zweiten Jahr 16 Millionen und im dritten (optionalen) Jahr 17,5 Millionen Dollar. Das heißt, Sony hatte auf jeden Fall 42,5 Millionen Dollar sicher, egal ob Spotify nun floppen oder richtig Geld einbringen würde.

Vorschüsse werden in der Musikindustrie gezahlt, bevor überhaupt Geld mit dem jeweiligen Repertoire verdient wird. Das tatsächlich umgesetzte Geld wird dann mit diesen Vorschüssen verrechnet. Eine Seite, meist der Verwerter der Musik, geht also ins Risiko. In diesem Fall war das Spotify. Laut The Verge werden die Künstler der Labels an diesen gezahlten Vorschüssen allerdings nicht beteiligt.

Zukünftige Anpassungen des Vertrages zu Sonys Vorteil

Weiter ist im Vertrag eine sogenannte "Meistbegünstigungsklausel" enthalten. Dadurch werden Sony dieselben Bedingungen zugesichert, die in Zukunft mit anderen Labels ausgehandelt werden.

Sollte also zum Beispiel Warner Music einen besseren Vertrag mit Spotify aushandeln, wird der vorhergehende Vertrag mit Sony entsprechend angepasst.

Zwei Wege für Sony, um Geld zu verdienen

Eins der großen Fragezeichen beim Streaming ist der Erlös aus einem einzelnen Streams, sprich wie viel Geld letztendlich beim einmaligen Anhören eines Songs verdient wird.

Im Vertrag gibt es zwei mögliche Wege der Ausschüttung von Geld an Sony.

I. Der eine Weg basiert auf den Umsätzen Spotifys.

Die Anzahl der Streams selbst ist im Grunde nicht sehr relevant. In diesem Fall müssen 60 Prozent des monatlichem Bruttoumsatzes von Spotify an die Labels ausgezahlt werden. Diese 60 Prozent werden dann nach dem Anteil aller Spotify-Streams des jeweiligen Label-Repertoires zwischen den beteiligten Labels aufgeteilt.

Mal ein vereinfachtes Rechenbeispiel zum besseren Verständnis:

Angenommen Spotify macht 100 Millionen Dollar Bruttoumsatz und es gab 1000 Millionen (1 Milliarde) Streams in einem Jahr. Davon waren 200 Millionen Streams Sony Repertoire. Jetzt sind also 60 Millionen Dollar im Topf, der zwischen den Labels aufgeteilt wird. Sony erhält also zwölf Millionen Dollar.

II. Der zweite Weg tritt in Kraft, sobald dieser vorteilhafter für Sony ist als die eben beschriebene Umsatzbeteiligung.

Hier wird tatsächlich nach einzelnen Streams abgerechnet. Bei dem werbefinanzierten Angebot Spotifys, was jeder kostenlos nutzen kann, heißt das 0,00225 Dollar pro Stream. Jedoch steigt das Ganze auf 0,0025 Dollar an, sollte Spotify seine angestrebte Konvertierungsrate und Abonnentenzahl nicht erreichen. Spotify würde also dafür bestraft werden, sollte es nicht so laufen wie geplant.

Bei den bezahlten Premium-Angeboten erhält Sony seinen Anteil des Label-Repertoires an der Gesamt-Premium-Nutzung multipliziert mit der Zahl der Premium-Abonnenten multipliziert mit sechs Dollar.

Werbeplätze für 9 Millionen Dollar zur freien Verfügung

Zusätzlich darf Sony laut Vertrag Werbeplätze auf Spotify für bis zu 9 Millionen Dollar nutzen oder selber vermarkten. Diese können zum Beispiel genutzt werden, um für Releases von Sony im allgemeinen zu werben oder aber auch um die bei Spotify sehr relevanten Playlists zu bewerben, die auch Sony selbst betreibt.

Teil 2 | Was sagt der Vertrag aus?

Der Vertrag wurde 2011 kurz vor Spotifys Markteinführung in den USA geschlossen und galt für zwei Jahre mit der Option auf ein drittes Jahr. Ob diese Option genutzt wurde, wissen wir nicht. Sicher ist, dass dieser Vertrag heute nicht mehr gilt.

Zum damaligen Zeitpunkt war Streaming noch absolutes Neuland für die Musikindustrie. Zwar konnte Spotify im Heimatland Schweden bereits Erfolge verbuchen, doch war nicht abzusehen, ob Streaming wirklich erfolgreich sein würde. Tatsächlich weiß man das heute auch noch nicht genau.

Zwar steigt der Anteil von Streaming im Gesamtumsatz der Musikindustrie, doch steckt dieses Geschäftsmodell immer noch in den Kinderschuhen und eine wirkliche Marktdurchdringung lässt noch auf sich warten. 2011 war die Industrie dem Thema gegenüber noch viel pessimistischer und unsicherer, das ist auch aus dem Vertrag ersichtlich.

Die meisten Klauseln sind zum Vorteil für Sony und setzten Spotify stark ins Risiko. Spotify hatte damals ganz offenbar keine große Verhandlungsmacht. Doch für seinen Erfolg war es wichtig, weltweit den Markt zu erschließen – was ohne das Repertoire der großen Majorlabels praktisch unmöglich ist. So konnte Sony wohl viel für sich durchsetzen.

Anteile für die Künstler

Bei diesem Vertrag darf man allerdings eins nicht vergessen – der Vertrag regelt die Geschäftsbeziehungen zwischen Sony und Spotify, also zwischen Rechteinhaber und Verwerter.

Die Künstler und Musiker sind hier außen vor und was letztendlich bei diesen hängen bleibt, ist eine Sache zwischen dem Künstler und dem Label. Um so mehr Sony also Spotify beutelt, um so besser für die Künstler, sofern diese einen guten Vertrag mit Sony geschlossen haben.

In der Realität sieht die Streaming-Auswertung für den Künstler allerdings eher schlecht aus. Viele Labels hängen bei den digitalen Tantiemen noch im CD-Zeitalter fest und geben um die 20% an die Künstler weiter. Da heutzutage der Aufwand Musik online verfügbar zu machen deutlich geringer ist, als CDs zu pressen und in die Läden zu liefern, halten viele Künstler eigentlich 50% aufwärts für einen faireren Deal.

Was verdienen Musiker nun bei Spotify und co.?

Laut Recherchen des hessischen Rundfunks aus dem Jahr 2013 bekam ein Künstler zum damaligen Zeitpunkt im besten Fall nur 0,164 Cent pro Stream. Die Zahlen für das werbefinanzierte Angebot aus dem Sony-Vertag sind deutlich niedriger.

Auch war aus dem Vertrag ersichtlich, dass es gar keine klare Abrechnung pro Stream gibt, sondern auch über den Gesamtumsatz abgerechnet werden kann. Der wahre Wert eines Streams kann also gar nicht so genau bestimmt werden und es kommt immer auf die individuellen Verträge der einzelnen Akteure an.

Eure Meinung und Feedback

Was denkt ihr über den nun geleakten Vertrag? Hat Sony richtig gehandelt, indem viele Sicherheiten in den Vertragt eingebaut wurden, oder wäre es besser gewesen, Spotify weiter entgegen zu kommen? Was sollte eurer Meinung nach ein Stream wert sein und welche Prozente sollte ein Musiker dafür vom Label bekommen?

Ähnliche Themen

Future Music Camp 2017: Ryan Rauscher (Sony Music) gibt Einblicke ins digitale Musikmarketing

"Mehr Künstler werden ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen"

Future Music Camp 2017: Ryan Rauscher (Sony Music) gibt Einblicke ins digitale Musikmarketing

veröffentlicht am 27.04.2017

Schwedische Dominanz: Wird Soundcloud vom Streaming-Marktführer Spotify gekauft?

Mehr Tracks, weniger Konkurrenz

Schwedische Dominanz: Wird Soundcloud vom Streaming-Marktführer Spotify gekauft?

veröffentlicht am 29.09.2016   1

Deutscher Musikmarkt wächst zum Halbjahr dank Streaming um 4,4 Prozent

Prognose übertroffen

Deutscher Musikmarkt wächst zum Halbjahr dank Streaming um 4,4 Prozent

veröffentlicht am 14.07.2015   8