die musicmix-juroren unter der lupe

musicmix powered by Sennheiser: Interview mit Juror Markus Biedermann

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel am 03.08.2012, 12:49

Tags: Markus Biedermann musicmix Backstage PRO Sennheiser

musicmix powered by Sennheiser: Interview mit Juror Markus Biedermann

© Thommy Mardo

Während die Bewerbungsphase für musicmix in vollem Gange ist blicken wir hinter die Kulissen und sprechen mit den beteiligten Juroren über ihre Leidenschaft für Musik, die Chancen, die musicmix einer Band bietet, und ihre ganz persönlichen Kriterien, um eine Newcomerband zu beurteilen. Im vierten Interview kommt Markus aus unseren eigenen Reihen zu Wort.

musicmix"musicmix powered by Sennheiser" ist wieder da! Die Webshow des renommierten Herstellers von hochklassiger Audio-Hardware sucht auch in der zweiten Staffel gemeinsam mit regioactive.de und Backstage PRO nach Musiktalenten → Bewerbungen sind bis zum 19. August 2012 auf backstage-pro.de/musicmix möglich!

 

Backstage PRO: Markus, erinnerst du dich noch, wie du mit dem Musikmachen angefangen hast?

Markus Biedermann: So ganz genau weiß ich das nicht mehr. Ich besaß allerdings einen C-64, der für die damalige Zeit wirklich einzigartige Soundqualitäten hatte. Man konnte damit fantastisch rumspielen, indem man in Basic selbst programmiert hat oder die Software benutzte, die es damals schon gab. Das war jedenfalls der erste Gegenstand, dem ich musikähnliche Töne entlocken konnte.

War an dem C-64 ein Keyboard angeschlossen?

Nein. Es gab nur Tastatur und Computer, Monitor, Datasette. Das nächste woran ich mich erinnere, ist eine akustische Gitarre und ein paar Omo-Waschmitteltrommeln. Gemeinsam mit einem Freund saß ich in meinem Zimmer und habe gejammt. Einfach drauf los – heute weiß ich: wir hatten keinen blassen Schimmer davon, was wir da taten.

Wie alt warst du damals?

Das war alles noch im Kindesalter. Erst mit 15 haben wir dann mit einigen anderen Freunden die erste richtige Band gegründet. Alle wollten Gitarre spielen, einer auch Schlagzeug. Einen Bassisten gab es nicht und da habe ich gesagt: "Bass ist cool, ich mach' das." Und seitdem spiele ich Bass.

Ist Bassspielen immer noch cool?

Ja, sicher. Der Bass ist ein zentrales Instrument sowohl für die Rhythmik als auch die Harmonien. Und egal, wie sehr sich die anderen bemühen, der tiefste Ton gehört dem Bassisten.

Die kleine Welt des Bassisten…

Nein, es ist eine große Welt, weil man mit dem Bass unheimlich viel machen kann. Man kann Akkorde spielen, slappen, zupfen, die Saiten heftig mit dem Plektrum bearbeiten und vieles mehr damit anstellen. An Möglichkeiten sich am Bass auszutoben mangelt es auf keinem Fall.

Das Image von Bassisten als dem ruhenden Pol auf der Bühne, die manchmal fast unbeweglich sind, aber auf jeden Fall nicht aus sich herausgehen wie Sänger oder Gitarristen, trifft das zu oder ist es ein Klischee?

Es ist auf jeden Fall ein Klischee, aber auf mich trifft das tatsächlich zu. Es gibt aber auch eine Menge Gegenbeispiele, wie Flea von den Red Hot Chili Peppers oder Les Claypool von Primus. Es ist ein Klischee mit einem Hauch von Wahrheit.

Welche Bands haben dich besonders geprägt?

Ich habe eigentlich mehrere Phasen durchlaufen, die auch alle von verschiedenen Bands repräsentiert werden. Ganz früh wurden The Cure für mich sehr wichtig, noch vor Disintegration, zu wirklich tieftraurigen Zeiten.

Songs wie A Forest beispielsweise?

Genau. Dann bin ich so ab Mitte 1980er zum Metal-Fan mutiert, mit allem, was dazugehört. Für diese Phase stehen Namen wie Anthrax, Metallica, Helloween, Slayer etc.pp.. In den 1990ern war ich von amerikanischen Indie-Bands wie Pavement oder Sonic Youth fasziniert, sowohl vom Songwriting als auch von einer gewissen "Schräge" ihres Klangs, die meinem Musikverständnis noch einmal ein neues Element hinzugefügt haben.

Was ist deine aktuelle Tätigkeit im Musikgeschäft?

Ich bin freiberuflicher Journalist und ich leite für regioactive.de die redaktionelle Arbeit. Meine Aufgaben sind mit jenen von Jan vom Soundcheck-Magazin vergleichbar. Das heisst organisatorische Arbeiten nehmen einen großen Anteil ein, beispielsweise die Abstimmung mit Partnern und meinen Kollegen, den anderen freien Redakteuren und Fotografen. Dazu das Schreiben und Redigieren. Einen weiteren großen Teil meiner Zeit verbringe ich natürlich damit, Bands aus dem hiesigen Pool zu hören oder als Juror für die Backstage PRO-Aktionen tätig zu sein – also Dinge wie die Zusammenstellung unseres jährlichen AUDIOSURF-Samplers und musicmix zum Beispiel.

Markus mit Bonobo Riot

Welche Auswirkungen hat die Tatsache, dass du selbst Musiker bist, auf deine Tätigkeit?

Das ist möglicherweise gar nicht so relevant. Viel wichtiger scheint mir die Tatsache zu sein, dass ich mich seit einer gefühlten Ewigkeit mit wenig anderem so intensiv wie mit der Musik beschäftige. Ich habe Musikwissenschaft studiert und dadurch eine theoretische Basis erhalten. Ich weiß auch, was Musik emotional bedeutet und vor allem, was sie für den einzelnen Musiker in einer Band bedeutet. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sich manche Bands und Musiker zu gewissen Zeitpunkten ihrer Karriere fühlen und welche Überlegungen sie anstellen, weil ich das alles erlebt habe.

Ein großer Teil der Bands, die sich bei Backstage PRO anmelden, sind Newcomer, das heißt sie spielen in diesem Zusammenhang auch eine wichtige Rolle.

Das ist völlig richtig und manche unserer Aktionen richten sich auch explizit an Newcomer. Ein großes Festival arbeitet mit Agenturen zusammen und holt sich dort die bekannteren Bands. Wenn Backstage PRO aber mit einem Festival kooperiert und einen Slot ausschreibt, dann sollen davon vielversprechende Newcomer profitieren, die sonst keine vielleicht Chance gehabt hätten, dort aufzutreten.

Damit sind wir ja gleich bei einem zentralen Problem von Newcomern, nämlich aus der großen Masse aus Bands herauszustechen.

Ich denke die große Masse an Bands gab es schon immer. Die fiel früher nur nicht so sehr auf, wie es heute durch die Online-Medien der Fall ist. Auch bei regioactive.de und Backstage PRO kann man durch wenige Mausklicks zehntausende Bands finden. Anders als bei anderen, die gerne mal Musiker mit Chart-Hits im Vojahr weiterhin als Newcomer bezeichnen, sind Newcomer für uns dabei diejenigen, die wirklich am Anfang ihrer Karriere stehen. Für diese Bands ist es das wichtigste, überhaupt an den Start zu kommen.

Was heißt das konkret?

Zum Beispiel ganz am Anfang stellen sich schon simple organisatorische Fragen: Wo wird geprobt? Wer bezahlt den Proberaum? Wo kommen die Instrumente her? Welche Instrumente nutzen wir überhaupt? Wie finde ich Bandmitglieder? Und was mache ich dann? Fange ich mit Coverversionen an oder habe ich einen Songwriter in der Band? Nach einem Jahr sind dann Ergebnisse da und es stellen sich die nächsten Fragen.

Es ist also ein schrittweiser Prozess?

Ja. Backstage PRO versucht bestmöglichst auf diese unterschiedlichen Entwicklungsstufen einzugehen. Musicmix wendet sich selbstverständlich an qualitativ hochwertige Bands, die in dem eng beschriebenen Rahmen keine Newcomer mehr sind, sondern in der Lage sind, eigenständige, authentische, überzeugende Musik zu spielen, die auch Dritte begeistert.

"Eigenständig, authentisch" – sind das auch gleich die zentralen Kriterien für die Beurteilung von Bands?

Diese Kriterien gehören dazu. Wenn wir von musicmix reden, dann setzt sich am Ende von hunderten Bewerbern eine Band durch, die durch besondere musikalische Elemente oder durch ihr Auftreten herausragt.

Die Eigenständigkeit muss also nicht rein musikalisch sein?

Selbstverständlich. Es geht auch immer um das Image, das eine Band transportiert. Alles zusammen ergibt das Gesamtbild.

Was sind deine persönlichen Kriterien bei der Auswahl von musicmix-Bands?

Es gibt für mich ein allgemeines Kriterium, das stets von zentraler Bedeutung ist: Die Band muss in der Lage sein, rhythmisch gut zu spielen. Das ist einfach das Fundament, das pochende Herz der Musik. Dann kommen alle anderen Aspekte ins Spiel: instrumentale Fähigkeiten, Songwriting, Texte, Gesang … . Und bei musicmix kommt hinzu, dass die Bands ein eigenes Video für die Bewerbung produzieren müssen. Wenn das gut gemacht ist, dann kann man damit schon einige Extra-Punkte sammeln.

Was bietet musicmix den teilnehmenden Bands?

Abgesehen vom Sennheiser-Equipment, das man gewinnen kann, ist es wirklich toll in dieser Sendung zu landen, da sie sehr viele Zuschauer hat. Das liegt an den tollen Partnern, die daran beteiligt sind und die dafür sorgen, dass die einzelnen musicmix-Folgen nicht unbemerkt an der Menschheit vorbeigehen. Es ist eine tolle Chance: Wenn man dort eine gute Performance abliefert und ein geiles Video entsteht, dann ist das eine Referenz, auf die man auch später immer wieder zurückgreifen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Thomas Wirdschon
Thomas Wirdschon (Sänger, Gitarrist bei speedcake): von the cure zu antrax ist allerdings ein harter schnitt...mit "all cats are grey" habe ich meine damalige freundin weg von supertramp zur "vernünftiger" musik gebracht ;-)
04.08.2012, 21:03
Markus Biedermann
Markus Biedermann (Redaktion, Mannheim): So richtig grobe und harte Schnitte waren das nie bei mir. Zum Beispiel bin ich bis heute auch bekennender Fan von poppigeren 80er Wave. Und dem ganzen innovativen Kram: Von King Crimson über die Talking Heads bis Arcade Fire heutzutage usw usf - das (...) Mehr anzeigenInterview wäre zu lang geworden … :D
Weniger anzeigen
05.08.2012, 11:13

Registriere dich, um einen Kommentar zu schreiben

X