crying at the discoteque?

Neue GEMA-Tarife sorgen für Ärger bei Diskothekenbetreibern

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel am 15.04.2012, 13:40

Tags: GEMA Dehoga Bundesverband der Musikveranstalter Knust Diskotheken

Neue GEMA-Tarife sorgen für Ärger bei Diskothekenbetreibern

Discothekenbetrieb (hier: Time Warp 2009),

Schon wieder steht die GEMA wegen neuer Tarife am Pranger, schon wieder gibt es eine Petition, die bereits zehntausende unterzeichnet haben. Worum es in dem Konflikt geht und wer Recht hat, ist aber gar nicht so leicht zu beantworten. Ein Aufklärungsversuch.

Titelfoto: René Peschel

Kein Monat vergeht ohne eine neue GEMA-Debatte. Kürzlich ist ein Streit zwischen der Bundesvereinigung der Musikveranstalter und der GEMA über ein neues Tarifsystem entbrannt, das zum 1.1.2013 in Kraft treten soll. Unter der Überschrift "GEMA verliert Augenmaß" wurde auf openpetition.de eine Petition gestartet, die sich gegen die Neuerungen wendet. Das neue Tarifsystem betrifft Veranstaltungen, in deren Verlauf Musik gespielt wird, und zwar entweder Livemusik oder Musik von Tonträgern. Betroffen sind beispielsweise Veranstaltungen in Restaurants oder Kneipen, Tanzveranstaltungen, Bälle, Straßen- oder Dorffeste, Karnevalssitzungen, Silvesterparties und – besonders wichtig – Diskotheken. Nicht betroffen sind reine Konzerte, für die ein gesonderter Tarif gilt.

Georg Oeller, Vorstandsmitglied der GEMA, und Lorenz Schmid, Bezirksdirektor der GEMA, präsentierten Anfang April 2012 die neue Tarifstruktur für den Veranstaltungsbereich. (v.l.n.r.: Georg Oeller, Lorenz Schmid, Bettina Müller)
Foto: Stephan Görlich

Nach Auskunft der GEMA verfolgt sie mit den neuen Tarifen drei Ziele. Sie will das bislang geltende unübersichtliche System aus elf unterschiedlichen Tarifen vereinfachen. Künftig soll es nur noch zwei Tarife geben. Weiterhin will sie "angemessene" Vergütungsstrukturen für die Künstler schaffen und letztlich Ausgewogenheit zwischen kleinen und großen Veranstaltungen herstellen. Das bedeutet, dass kleine Veranstaltungen entlastet werden sollen, da sie bislang sogar nach Meinung der GEMA zu hohe Gebühren bezahlen mussten. Große und teure Veranstaltungen – und das betrifft in einem besonderen Maß Discotheken – sollen hingegen verstärkt belastet werden.

Gegen diese neuen Tarife läuft die Bundesvereinigung der Musikveranstalter Sturm. In der Bundesvereinigung der Musikveranstalter sind mehr als 150.000 Musiknutzerbetrieben organisiert. Zahlreiche Betreiber von Diskotheken hätten nach Auskunft von Stephan Büttner, dem Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Musikveranstalter erklärt, sie würden ihre Betriebe schließen, weil die in den neuen Tarifen vorgesehene Erhöhung der GEMA-Gebühren nicht zu verkraften seien.

Stephan Büttner befürchtet "Verarmung der Veranstaltungskultur". Betroffen sind Auftritte in gastronomischen Betrieben oder auf Volksfesten.
Foto: DEHOGA/Cordula Giese

Stephan Büttner befürchtet aufgrund der neuen Tarife nichts weniger als eine "Verarmung der Veranstaltungskultur" in Deutschland: "Viele Veranstalter werden jungen, aufstrebenden Künstlern und Bands keine Plattform mehr zur Verfügung stellen, weil das finanzielle Risiko zu groß ist." Da die neuen Tarife allerdings nicht für Konzerte, sondern lediglich für Auftritte in gastronomischen Betrieben oder auf Volksfesten gelten, ist fraglich, ob dieses pauschale Szenario tatsächlich realistisch ist.

Sollte sich diese Befürchtung jedoch als richtig erweisen, dann würde das dem erklärten Ziel der GEMA zuwiderlaufen kleine Veranstaltungen zu entlasten. Ob tatsächlich 60% aller Veranstaltungen entlastet werden, wie die GEMA behauptet, ist von außen nur schwer zu entscheiden, da die neuen Tarife eine große Zahl sehr unterschiedlicher Veranstaltungen betreffen. Inwiefern kleine Veranstaltungen tatsächlich weniger Gebühren an die GEMA abführen müssen, wird man wohl erst genau sehen, wenn die neuen Tarife tatsächlich gelten und auch dann dürfte sich die Lage je nach Typ der Veranstaltung unterscheiden.

DEHOGA Logo. Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband, Branchenverband des Gastgewerbes.

Nicht entlastet, sondern belastet werden durch die neuen Tarife hingegen die meisten Diskotheken. Wenn man sich mit einem Rechenbeispiel beschäftigt, das die Musikveranstalter auf der Website ihres Dachverbands DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) veröffentlicht haben, so stellt man fest, dass die prozentuale Steigerung der GEMA-Gebühren in der Tat beträchtlich ist. So rechnen die Musikveranstalter vor:

Bei durchschnittlich zehn Veranstaltungen pro Monat in einer mittelgroßen Discothek mit 2 Dancefloors von z.B. 410 und 310 qm bei einem Eintrittsgeld von 8 Euro erhöhen sich die GEMA-Gebühren (inkl. aller Zuschläge) von 21.553 Euro netto/Jahr auf 147.916 Euro netto/Jahr (+ 686 %).

Die im Rechenbeispiel angenommenen Eintrittsgelder sind vergleichsweise hoch, auf Nachfrage stellt Stephan Büttner für die Musikveranstalter klar, dass der durchschnittliche Eintrittspreis für eine Diskothek bei 6 Euro liegt. Selbst mit dieser etwas niedrigeren Zahl erhöhen sich die GEMA-Gebühren für Diskotheken um ein Vielfaches – mit der Folge, dass die Betreiber gezwungen sind, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Gebühren zu finanzieren.

GEMA: Die neue Tarifstruktur für den Veranstaltungsbereich wird kontrovers diskutiert

Selbst wenn man der Argumentation der GEMA folgt, dass die Künstler für das Abspielen ihrer Musik in Diskotheken bislang zu wenig Vergütung erhielten, so ist ebenso klar, dass eine Neugestaltung der Tarife die wirtschaftliche Lage der Diskotheken berücksichtigen sollte. Die Abschaffung eines als ungerecht empfundenen Zustands muss sich an den existierenden wirtschaftlichen Realitäten orientieren, und zwar sogar dann, wenn dieser Zustand das Ergebnis dieser Ungerechtigkeit ist.

Ein Beispiel kann das verdeutlichen: So geht die GEMA in ihren Berechnungen von einer durchschnittlichen Auslastung von 2/3 der vorhandenen Fläche aus, was ungefähr eine Person pro qm bedeutet. Wird diese Auslastung nicht erreicht, dann kann sich der Gewinn einer Diskothek schnell in einen Verlust verwandeln. Die hohe Fluktuation im Diskotheken-Geschäft zeige, dass die finanzielle Lage vieler Betriebe keineswegs rosig sei, so Stephan Büttner. Musikveranstalter und GEMA sollten daher jenseits der bereits jetzt möglichen Härtefallregelung über Modelle nachdenken, die sich an den tatsächlichen Umsätzen orientieren; als Modell könnte der neu eingeführte Konzerttarif U-K für Musikclubs dienen.

Karsten Schölermann befürwortet "harte Auseinandersetzungen mit der GEMA", wenn sie fundiert geführt werden.

Auf der anderen Seite, stößt die heftige Kampagne der Musikveranstalter selbst innerhalb der Branche nicht auf allseitige Zustimmung. Karsten Schölermann, Inhaber des Hamburger Livemusikclubs Knust (mehrteiliges Interview auf Backstage PRO) wirft den Diskothekenbetreibern vor, "die Interessen der Musikschaffenden nicht angemessen zu berücksichtigen". Außerdem kritisiert er die Vehemenz der öffentlichen Verlautbarungen der Musikveranstalter und erklärt, Diskothekenbetreiber hätten bislang im Vergleich zu Livemusikclubs "sehr wenig bezahlt", obwohl kein Grund existiere, der eine unterschiedliche Behandlung von Diskotheken und Livemusikclubs rechtfertige. Er betont, er befürworte "harte Auseinandersetzungen mit der GEMA", aber nur dann, wenn sie fundiert geführt würden.

Weiterhin ist die Aussage von GEMA-Bezirksdirektor Lorenz Schmid nicht von der Hand zu weisen, der klarstellt, dass Musik das "Kernprodukt" einer jeden Diskothek ist und dass die Künstler, die von der GEMA vertreten werden auch Anspruch auf eine angemessene Vergütung haben.

Über die Frage, was angemessen ist, wird allerdings gerade heftig gestritten. Ob es angesichts der aufgeregten Debatte und der verhärteten Fronten zu einer Einigung in neuen Gesprächen kommt, ist fraglich. Die GEMA erklärte bereits im Rahmen der Pressekonferenz, auf der sie die neuen Tarife vorstellte, explizit ihre Verhandlungsbereitschaft. Stephan Büttner stellt dazu allerdings klar, dass sich die Verhandlungsbereitschaft der GEMA nicht auf die inhaltliche Gestaltung der Tarife bezieht.

GEMA-Bezirksdirektor Lorenz Schmid: "Musik ist das 'Kernprodukt' einer jeden Diskothek".
Foto: Stephan Görlich

Auf Nachfrage erklärt Lorenz Schmid, GEMA und Musikveranstalter hätten bei ihrem letzten Treffen gemeinsam entschieden, das reguläre Schiedsstellenverfahren beim Deutschen Patent- und Markenamt, der Aufsichtsbehörde der GEMA, einzuleiten.

Schmid führt weiterhin aus, die GEMA habe die neuen Tarife nicht nur im Wissen veröffentlicht, dass sie Gegenstand dieses Schiedsverfahrens sein würden, sondern um das Schiedsverfahren überhaupt zu ermöglichen. Gegen den "Einigungsvorschlag" der Schiedsstelle kann eine unzufriedene Partei im Übrigen vor dem Oberlandesgericht München klagen.

Ob einer solchen Klage angesichts der traditionell GEMA-freundlichen Rechtsprechung große Erfolgsaussichten beschieden sind, ist zweifelhaft, allerdings müssen sich die neuen Tarife am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit messen. Ob die Musikveranstalter letztlich den Rechtsweg beschreiten würden, ist aufgrund der damit verbundenen Kosten noch nicht entschieden. Nach Auffassung von Stephan Büttner sei es für die GEMA als "Monopolist" mit "überwältigen Finanzkraft von 825 Millionen Euro" ein Leichtes einen Prozess durch mehrere Instanzen zu führen. Vermutlich sind die Musikveranstalter auch aus finanziellen Erwägungen in großem Stil an die Öffentlichkeit gegangen, um Druck auf die GEMA auszuüben. In diesem Zusammenhang ist auch die neulich lancierte Petition zu sehen, obwohl es sich offiziell um eine Privatinitiative handelt. 

Da auch die GEMA die künftige Mehrbelastung von Diskotheken anerkennt, hat sie den Musikveranstaltern angeboten, die neuen Tarife nicht schlagartig zum 1.1.2013 einzuführen, sondern über ein Einführungsszenario zu verhandeln. Die Musikveranstalter sind allerdings auf diesen Vorschlag nicht eingegangen, da sie die neuen Tarife insgesamt ablehnen. Bei Steigerungen von mehreren hundert Prozent mache es keinen Unterschied, ob die neuen Tarife sofort oder erst später in Kraft träten.

Richie Hawtin, "Kreativ-DJ" und Stammgast u.a. der Time Warp in Mannheim.
Foto: Andrea Piccinato

Es ist aber zu vermuten, dass eine solche Fundamentalopposition letztlich nicht erfolgreich sein wird. Karsten Schölermann rät den Diskotheken daher, nicht auf das "bequeme" Abspielen von Tonträgern zu setzen, sondern Kreativ-DJs zu verpflichten, die Musik nicht nur abspielen, sondern verfremden. Das gilt als künstlerische Leistung, was zur Folge hat, dass auf Eintrittsgelder für solche Veranstaltungen nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7% anstatt der üblichen 19% fällig wird.

Trotz dieses originellen Vorschlags, ist es wahrscheinlicher, dass die Diskotheken ihre Eintrittspreise senken und ihre Getränkepreise anheben werden, sollten die neuen Tarife tatsächlich in Kraft treten. Damit würde aber das unternehmerische Risiko steigen, da weniger Einnahmen fest garantiert wären. Gleichzeitig würde die GEMA möglicherweise weniger Einnahmen erzielen, als sie sich möglicherweise momentan erhofft. Ein weiterer Grund für beide Seiten, sich erneut zu neuen Gesprächen zusammenzusetzen, um eine Lösung zu finden, die Künstlern und Diskotheken gleichermaßen gerecht wird.

30 Kommentare vorhanden - Vorherige Kommentare zeigen

Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): @Doc Crisis: Man muss hier aber klar zwischen "reinen Konzerten" und Auftritten in Discos oder gastronomischen Betrieben unterscheiden, weil dafür unterschiedliche TARIFE gelten.
Ich denke, Du gehst in Deiner Antwort von verschiedenen Annahmen aus, (...) Mehr anzeigendie mich nicht überzeugen, zum Beispiel der, dass "Clubevents generell teurer werden." Weiß ich nicht, ehrlich nicht. Genausowenig weiß ich, ob Kleinveranstalter und Newcomer die Zeche zahlen. Im Augenblick sind diejenigen, die am lautesten protestieren gerade nicht die Kleinveranstalter, sondern die Besitzer (großer) Diskotheken.
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18.04.2012, 13:08
Doc Crisis
Doc Crisis (Bassist bei INFIGHT, Booking bei DANGEREUX BOOKING): Wenn für die Discotheken durch die neuen Tarife die Kosten steigen, als auf Veranstalterseite "die Clubevents generell" teurer werden,
meinste nich das dann die Eintrittspreise und die Gastropreise bei denen hochgehen? Glaube ich schon.

Ob die Kleinveranstalter (...) Mehr anzeigenund Newcomer wirklich die Zeche zahlen muss man abwarten, da haste recht. Ich kanns mir aber sehr sehr gut vorstellen weil die Ticketpreise für große Live-Events in den letzten Jahre generell gestiegen sind, gleichzeitig ist die Häufigkeit der Besuche einzelner Personen zurückgegangen.

Es gibt auch schon weniger kleine Livelocations in den letzten Jahren, da machen viele zu oder beenden den Konzertbetrieb weil sichs nicht rechnet. Was meinste denn wovon das kommt?

Klar machen auch wieder neue Läden auf aber nicht in dem Verhältnis wie andere wegfallen, das empfinde ich beim booken zumindest so.

Was die Unterscheidung zwischen reinen Konzerten und Discos betrifft: Spielst Du in einer Band? Hast Du je in einem Laden gespielt in dem es keine Gastronomie gab? Ich noch nicht und ich hab schon irgendwas um die 300 Konzerte auf dem Buckel. Daher ist für mich eine Livelocation eine Livelocation! Egal ob das ne Bar, ne Halle, ein Club (Disco) ist, einzige Ausnahme von mir aus Festivals aber selbst da gibts viel Gastro...

Das die GEMA unterschiedliche Tarife anwendet ist mir wie gesagt klar, ich will auch nicht Äpfel mit Birnen verlgeichen, dennoch werden beide Früchte auf dem Obstmarkt gehandelt... daher ist Live-Entertainment eben Live-Entertainment und wenns den großen Läden wegen veränderter Kostenstrukturen (unabhängig vom Tarif betrachtet) schlecht geht, dann wird es auch den kleinen Läden schlechter gehen. Das ist ein großer und über Genres hinweg eng verstrickter Markt den muss man meiner Meinung nach auch global betrachten.

Da kleine Bands bevorzugt in kleinen Läden spielen ist es daher auch naheliegend das es für die dann auch schwerer wird wenn es die kleinen Läden schwerer haben. Ganz zu schweigen davon, dass die Hürde in die größeren Läden zu kommen für kleinere Bands damit auch schwieriger wird, hat Dein Kollege Marcus übrigens auch schon angemerkt.
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18.04.2012, 15:40
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): In den neuen GEMA-Tarifen hängen die Gebühren von Größe des Veranstaltungsraums in qm und (das ist neu!) von der Höhe des Eintrittsgeldes ab. Das bedeutet, man kann als Disco die GEMA-Gebühren senken, indem man den Eintrittspreis senkt. So verdient (...) Mehr anzeigenman aber auch weniger an der Tür und muss das durch anderweitige Einnahmen (auch durch höhere Getränkepreise?) kompensieren. Vom Getränkeverkauf sieht die GEMA ja nichts...
Wenn Du schreibst, dass eine Livelocation für Dich eine Livelocation ist, dann mag das ja sein (und für eine Band macht das in der Tat keinen Unterschied). Für die GEMA und den Veranstalter macht das bezüglich der Gebühren aber sehr wohl einen beträchtlichen Unterschied, ob sie ein Club mit Livemusik sind (wo es auch Gastro gibt) oder eine Disco (natürlich auch mit Gastro).
Was den eng verstrickten Markt angeht: Ob das so ist, weiß ich wirklich nicht. Es ist vermutlich gar nicht leicht, diese Frage unterhalb einer wissenschaftlichen Untersuchung zu beantworten.
Allerdings habe ich nach wie vor mit Deiner Argumentation Probleme, die so läuft: "Große Läden haben es künftig schwerer, deshalb haben es auch kleine schwerer, weshalb es Newcomer schwerer haben." Weiß ich nicht, und ich habe Zweifel. Im Moment gelten ja noch die alten Tarife und niemand weiß, was genau passieren wird, wenn die neuen Tarife in Kraft treten. Das ist das Problem bei dieser Diskussion. Die eine Seite arbeitet mit sehr negativen Szenarien (die Musikveranstalter), die GEMA argumentiert mit einer Entlastung für kleine Veranstaltungen und mit ihrer Verpflichtung den Künstlern gegenüber. Deshalb finde ich es interessant, dass jemand wie Karsten Schölermann den Musikveranstaltern so kritisch gegenüber eingestellt ist. Nach deiner Theorie müsste er die neuen Tarife ablehnen, aber tatsächlich ist das Gegenteil der Fall...
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18.04.2012, 17:05
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): @Doc: Könntest du mir diese GfK-Studie irgendwie zukommen lassen?
18.04.2012, 17:05
Holger Schade
Holger Schade (Cora Lee, Management bei CorleeMadMusic):
Antwort zum Kommentar von Daniel Nagel (18.04.12, 17:05): "In den neuen GEMA-Tarifen hängen die Gebühren von Größe des Veranstaltungsraums in qm und (das (...) Mehr anzeigenist neu!) von der Höhe des Eintrittsgeldes ab. Das bedeutet, man kann als Disco die GEMA-Gebühren senken, indem man den Eintrittspreis senkt. So verdient man aber auch weniger an der Tür und muss das durch anderweitige Einnahmen (auch durch höhere Getränkepreise?) kompensieren. Vom Getränkeverkauf sieht die GEMA ja nichts...
Wenn Du schreibst, dass eine Livelocation für Dich eine Livelocation ist, dann mag das ja sein (und für eine Band macht das in der Tat keinen Unterschied). Für die GEMA und den Veranstalter macht das bezüglich der Gebühren aber sehr wohl einen beträchtlichen Unterschied, ob sie ein Club mit Livemusik sind (wo es auch Gastro gibt) oder eine Disco (natürlich auch mit Gastro).
Was den eng verstrickten Markt angeht: Ob das so ist, weiß ich wirklich nicht. Es ist vermutlich gar nicht leicht, diese Frage unterhalb einer wissenschaftlichen Untersuchung zu beantworten.
Allerdings habe ich nach wie vor mit Deiner Argumentation Probleme, die so läuft: "Große Läden haben es künftig schwerer, deshalb haben es auch kleine schwerer, weshalb es Newcomer schwerer haben." Weiß ich nicht, und ich habe Zweifel. Im Moment gelten ja noch die alten Tarife und niemand weiß, was genau passieren wird, wenn die neuen Tarife in Kraft treten. Das ist das Problem bei dieser Diskussion. Die eine Seite arbeitet mit sehr negativen Szenarien (die Musikveranstalter), die GEMA argumentiert mit einer Entlastung für kleine Veranstaltungen und mit ihrer Verpflichtung den Künstlern gegenüber. Deshalb finde ich es interessant, dass jemand wie Karsten Schölermann den Musikveranstaltern so kritisch gegenüber eingestellt ist. Nach deiner Theorie müsste er die neuen Tarife ablehnen, aber tatsächlich ist das Gegenteil der Fall..."
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Was ist daran neu? Schon immer waren qm und Eintrittspreis die Bezugsgröße.
18.04.2012, 17:50
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): Stimmt, kann sein, dass ich mich da habe in die Irre führen lassen. Möglich, dass lediglich der lineare Verlauf neu ist.
18.04.2012, 21:03
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): Die GEMA hat zu diesem Thema übrigens neue Pressemeldungen veröffentlicht:
www.gema.de...ht-bedroht.html
www.gema.de...a-und-vdmk.html
(...) Mehr anzeigenIn der unteren Pressemitteilung vertritt die GEMA übrigens nicht die im Gespräch mir gegenüber geäußerte Ansicht, Musikveranstalter und GEMA hätten sich über die Anrufung des Schiedsverfahrens "geeinigt", was mein Gesprächspartner bei den Musikveranstaltern auch bestritten hatte.
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18.04.2012, 21:06
Holger Schade
Holger Schade (Cora Lee, Management bei CorleeMadMusic): Die hören nicht auf, sich zu hacken... Ein rundum gerechtes System wird es wahrscheinlich nie geben. Das ist genau so wie das Einkommenssteuersystem. Weder degressiv noch progressiv oder linear deckt alle Gerechtigkeitslücken ab.
19.04.2012, 09:48
Jo (Gitarristin, Sängerin bei LUZID): @ Holger: so sehe ich das auch. Es ist doch auch vollkommen klar, dass die Gema ihre letzten "sicheren" Einahmen erhöht, wenn aus Lizenzeinahmen im Handel und Medien immer weniger rein kommt. Im Endeffekt brauchen wir eine Institution, die die rechtlich (...) Mehr anzeigenSituation der Berufsmusiker schützt. Einfach schon aus dem G
und heraus, das man ja seinen Beruf ausübt und nicht ständig überall präsent sein kann, um die Verwendung der eigenen Musik zu kontrollieren. Allerdings hat sich die Gema durhc Größe, Organistation und Handeln auf sehr dünnes Eis begeben
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20.04.2012, 13:27
Benjamin Frick
Benjamin Frick (Sänger, Gitarrist bei Chemical Taste): So kann sich eine Firma auch selbst den Strang um den Hals ziehen. Somit wachsen die Gemafreien Radiosender, Gemafreie Clubs und Alternativ Musik wird noch besser vertrieben. Leider wird auch Kohle in kleineren Bars abgezockt und kleineren Disco`s müssen (...) Mehr anzeigensich auch auf Alternative Musik beschränken. Ich würde mich schämen bei denen zu arbeiten und dann mit solchen Ideen Hausieren zu gehen. Vielen Dank an die Gema. Ihr schützt Kunst und Künstler und seit nicht am Gewinn interessiert.
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24.04.2012, 22:13
Holger Schade
Holger Schade (Cora Lee, Management bei CorleeMadMusic): Seit wann ist die GEMA eine Firma? Es ist nach wie vor ein Verein, in dem sich Urheber und ihre Vertreter organisiert haben, um von kommerziellen Nutzern ihrer Werke Lizenzgebühren eintreiben zu können. Man kann in diesem Zusammenhang nicht von "Gewinn" (...) Mehr anzeigensprechen, sondern höchstens von "Gewinnbeteiligung".
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25.04.2012, 08:23
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): Natürlich ist das "offiziell" richtig. Die GEMA ist ein Verein. Aber die GEMA ist kein normaler Verein, sondern eine Institution, die vom deutschen Gesetzgeber in einer Weise privilegiert wird, die zahlreiche Probleme mit sich bringt. Ich möchte das (...) Mehr anzeigenan folgendem Vergleich verdeutlichen: Stellen sie sich vor, der FC Bayern München wäre als Verein vom deutschen Gesetzgeber ermächtigt, für alle Fußballspiele bis runter in die F-Jugend von allen Vereinen Gebühren je nach Stadiongröße und Eintrittspreis zu kassieren, die er dann wiederum teilweise nach einem bestimmten Schlüssel an die einzelnen Vereine ausschütten würde. Dann wäre der FC Bayern eine Art Fußball GEMA. Und so mächtig die Bayern auch sind, von einer solchen Machtfülle sind sie weit entfernt. Und bei hunderten Millionen Euro, die die GEMA jedes Jahr einsammelt, spielt es eigentlich keine Rolle, ob wir das Kind "Gewinn" oder "Gewinnbeteiligung" nennen.
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25.04.2012, 11:39
Inaktiver Benutzer:
Antwort zum Kommentar von Daniel Nagel (25.04.12, 11:39): "Natürlich ist das "offiziell" richtig. Die GEMA ist ein Verein. Aber die GEMA ist kein normaler Verein, (...) Mehr anzeigensondern eine Institution, die vom deutschen Gesetzgeber in einer Weise privilegiert wird, die zahlreiche Probleme mit sich bringt. Ich möchte das an folgendem Vergleich verdeutlichen: Stellen sie sich vor, der FC Bayern München wäre als Verein vom deutschen Gesetzgeber ermächtigt, für alle Fußballspiele bis runter in die F-Jugend von allen Vereinen Gebühren je nach Stadiongröße und Eintrittspreis zu kassieren, die er dann wiederum teilweise nach einem bestimmten Schlüssel an die einzelnen Vereine ausschütten würde. Dann wäre der FC Bayern eine Art Fußball GEMA. Und so mächtig die Bayern auch sind, von einer solchen Machtfülle sind sie weit entfernt. Und bei hunderten Millionen Euro, die die GEMA jedes Jahr einsammelt, spielt es eigentlich keine Rolle, ob wir das Kind "Gewinn" oder "Gewinnbeteiligung" nennen."
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Gäbe es eine solche Fußball-GEMA,. wären die Gelder an die Spieler auszuzahlen und nicht an die Vereine. Warum eigentlich nicht? Um beim Vergleich zu bleiben hätten die Vereine doch dann an die Fußball-Gema Gelder zu entrichten nicht etwa zu (...) Mehr anzeigenkassieren.(als Pendant zu Veranstaltern )
Wir hätten dann ein komplett anderes System indem nicht nur ein paar Spieler zusammengenommen so viel verdienen würden wie die GEMA im Jahr Einnahmen hat.
Fußballstadien (Clubs, Discos, Kneipen) würden auch nicht teilweise vom Steuerzahler finanziert werden. Ich glaube der Vergleich passt nicht.

Persönlich will ich noch sagen. Der FC Bayern in einer solchen Rolle? Für mich unerträglich.
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25.04.2012, 14:20
David : Find ich gut die Entlastung für kleine Veranstaltungen,das schafft neue Möglichkeiten für eine freie Musikkultur und treibt die Wirtschaft an.Guter Gedanke.
25.04.2012, 14:45
Holger Schade
Holger Schade (Cora Lee, Management bei CorleeMadMusic): Ich finde den Vergleich mit dem Fußball gar nicht so schlecht. Allerdings würde man wohl nicht den den FC Bayern beauftragen, sondern in Deutschland sicher wieder einen wasserköpfigen Verein gründen.
Die "Gewinnbeteiligung" bezog sich auf den Beitrag (...) Mehr anzeigenvon Benjamin Frick. Er hatte die These aufgestellt, dass die GEMA ein eigenes Gewinninteresse hat. Das hat sie allerdings nicht. Sie arbeitet ja nur im Auftrag. Und der Auftrag lautet: "Beteilige uns Urheber an den Gewinnen anderer, die mithilfe unserer Arbeit erzielt werden."
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25.04.2012, 15:02
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion):
Antwort zum Kommentar von Inaktiver Benutzer (25.04.12, 14:20): "Gäbe es eine solche Fußball-GEMA,. wären die Gelder an die Spieler auszuzahlen und nicht an die (...) Mehr anzeigenVereine. Warum eigentlich nicht? Um beim Vergleich zu bleiben hätten die Vereine doch dann an die Fußball-Gema Gelder zu entrichten nicht etwa zu kassieren.(als Pendant zu Veranstaltern )
Wir hätten dann ein komplett anderes System indem nicht nur ein paar Spieler zusammengenommen so viel verdienen würden wie die GEMA im Jahr Einnahmen hat.
Fußballstadien (Clubs, Discos, Kneipen) würden auch nicht teilweise vom Steuerzahler finanziert werden. Ich glaube der Vergleich passt nicht.

Persönlich will ich noch sagen. Der FC Bayern in einer solchen Rolle? Für mich unerträglich."
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Der Vergleich passt natürlich nicht perfekt, das wäre ja auch zu schön. ;)
Mir ging es nur darum klarzustellen, dass die GEMA keineswegs "nur" ein Verein ist, nicht einmal lediglich ein sehr finanzkräftiger Verein (wie der FC Bayern), sondern ein (...) Mehr anzeigenVerein mit sehr umfangreichen Rechten, die weit über das hinausgehen, was ein Verein normalerweise darf.
Du hast Recht, der Vergleich, dass die Fußball-GEMA Gebühren an die Vereine ausschütten würde, passt nicht ganz, aber Dein Vergleich, dass die Spieler das Geld erhielten passt auch nicht, denn die Livemusiker erhalten ja auch kein Geld von der GEMA, sondern die Komponisten. Es würden also diejenigen Geld von der Fußball-GEMA erhalten, die die RECHTE an den Spielern besitzen. Das könnten die Vereine sein, aber auch Dritte. Wie gesagt, das ist ein Gedankenbeispiel.
Aber Fußballstadien werden doch häufig genauso mit Steuermitteln unterstützt wie andere Veranstaltungsorte. So abwegig finde ich das alles nicht - sofern man das jedenfalls nicht zu ernst nimmt.
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25.04.2012, 15:08
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion):
Antwort zum Kommentar von Holger Schade (25.04.12, 15:02): "Ich finde den Vergleich mit dem Fußball gar nicht so schlecht. Allerdings würde man wohl nicht den (...) Mehr anzeigenden FC Bayern beauftragen, sondern in Deutschland sicher wieder einen wasserköpfigen Verein gründen.
Die "Gewinnbeteiligung" bezog sich auf den Beitrag von Benjamin Frick. Er hatte die These aufgestellt, dass die GEMA ein eigenes Gewinninteresse hat. Das hat sie allerdings nicht. Sie arbeitet ja nur im Auftrag. Und der Auftrag lautet: "Beteilige uns Urheber an den Gewinnen anderer, die mithilfe unserer Arbeit erzielt werden.""
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Naja, die GEMA hat schon Interesse daran, ihre Einnahmen zu maximieren, oder?
25.04.2012, 15:09
Holger Schade
Holger Schade (Cora Lee, Management bei CorleeMadMusic): Ja sicher. Bei den Vorstandsgehältern... :-)
25.04.2012, 15:29
Inaktiver Benutzer:
Antwort zum Kommentar von Daniel Nagel (25.04.12, 15:08): "Der Vergleich passt natürlich nicht perfekt, das wäre ja auch zu schön. ;)
Mir ging es nur darum (...) Mehr anzeigenklarzustellen, dass die GEMA keineswegs "nur" ein Verein ist, nicht einmal lediglich ein sehr finanzkräftiger Verein (wie der FC Bayern), sondern ein Verein mit sehr umfangreichen Rechten, die weit über das hinausgehen, was ein Verein normalerweise darf.
Du hast Recht, der Vergleich, dass die Fußball-GEMA Gebühren an die Vereine ausschütten würde, passt nicht ganz, aber Dein Vergleich, dass die Spieler das Geld erhielten passt auch nicht, denn die Livemusiker erhalten ja auch kein Geld von der GEMA, sondern die Komponisten. Es würden also diejenigen Geld von der Fußball-GEMA erhalten, die die RECHTE an den Spielern besitzen. Das könnten die Vereine sein, aber auch Dritte. Wie gesagt, das ist ein Gedankenbeispiel.
Aber Fußballstadien werden doch häufig genauso mit Steuermitteln unterstützt wie andere Veranstaltungsorte. So abwegig finde ich das alles nicht - sofern man das jedenfalls nicht zu ernst nimmt."
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ja, ich verstehe was Du sagen willst und stimme zu was die umfangreichen Rechte anbelangt .
Um 1:1 Vergleiche anzustellen ist das alles wohl zu verästelt.
Spieler müssten z.B Strafstoßvarianten urheberrechtlich schützen lassen um mit Musikern (...) Mehr anzeigenverglichen werden zu können die gleichzeitig Interpret und Urheber sind.
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25.04.2012, 15:52
Markus Biedermann
Markus Biedermann (Redaktion, Mannheim): "Diese Diskothek ist in ihrem Landkreis nicht verfügbar" -- Beitrag der (generell empfehlenswerten) Sendung "QUER" zum Thema: http://blog.br-online.de...ml
27.04.2012, 11:27

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