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Wie auch Newcomer an Gigs kommen

Praxisbericht: 10 Punkte, die beim Booking für eure Band essentiell sind

Tipps für Musiker und Bands von Lucas Pentzek
veröffentlicht am 05.01.2017

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Praxisbericht: 10 Punkte, die beim Booking für eure Band essentiell sind

Tobias Fleck im Cord Club München. © Christopher Klaus

Eine Tour über ein Wochenende hinaus ist für viele junge und unbekannte Bands oft ein großer Traum, der unerreichbar scheint. Wenn man nur in zwei oder drei Städten genug Fans hat, die einen Club füllen und ohne Bookingagentur im Rücken – geht das überhaupt?

Schon ein paar Jahre musikalisch unterwegs, vielleicht die erste EP rausgebracht, schon einige Konzerte gespielt und jetzt Lust auf eine längere Tour?

In diesem Artikel nehme ich euch mit in die Planung einer Tour für zwei Bands, mit denen ich arbeite. Ich möchte euch weitergeben, was aus meiner Perspektive wichtige Punkte für das Booking der eigenen Band sind. Es geht mir dabei eher darum einen groben Überblick – Fragen zu Einzelheiten bezgl.. Deals oder Promotion sind nicht Bestandteil dieses Artikels.

1. Beginn der Planung

Die Planung ist ein Prozess, der bis zum Tag des ersten Konzertes läuft – mal mit intensiveren Phasen und dann wieder mit Phasen, in denen nichts passiert.

Die ersten Gedanken sollte man sich allerspätestens ein halbes Jahr vor der Tour machen. Das ist der Vorlauf, mit denen in vielen kleinen bis mittelgroßen Clubs gebucht wird. Wollt ihr in größeren und bekannteren Locations spielen, sind es eher 9-12 Monate. Die Planung für weltweite Top-Acts kann heute sogar 2-3 Jahre im Voraus beginnen.

2. Tourzeitraum

Wenn es die erste längere Tour sein soll, ergibt es Sinn zwei Wochenenden zu verbinden. Die besten Tage für Konzerte sind Donnerstag, Freitag und Samstag.

Je nach dem, kann man auch eine zweiteilige Tour planen (zum Beispiel Donnerstag bis Sonntag Richtung Westen, dann wieder nach Hause und dann Donnerstag bis Sonntag Richtung Osten). In unserem Fall entschieden wir uns für einen 12-Tage Zeitraum von Donnerstag bis Montag (der Montag war in diesem Fall ein Feiertag).

3. Zielfestlegung

Wie bei fast allen Projekten ist es am Anfang wichtig zu überlegen, welche Ziele man verfolgt.

  • Geht es darum Einnahmen zu generieren?
  • Geht es darum, einfach Erfahrungen zu sammeln?
  • Etwas auf die Presseinfo schreiben zu können?
  • Mehr Zuhörer zu gewinnen?
  • Welche Kompromisse seid ihr bereit einzugehen?

Es gibt viele mögliche Motivationen und Ziele. Dafür ist auch ein realistischer Blick auf euren aktuellen Stand notwendig.

In unserem Fall war uns wichtig, alle Kosten direkt wieder einzuspielen. Im Fokus stand aber das Ziel, mehr Live-Erfahrung zu sammeln und die Fan-Basis zu vergrößern.

4. Netzwerken

In fast jedem Fall ist es eine gute Idee, sich für eine Tour mit einer oder mehreren befreundeten Bands zusammen zu tun, die aus verschiedenen Regionen kommen.

Die Idee dahinter ist, auf der einen Seite die Fans der befreundeten Band mit zu erreichen, aber ggf. auch deren Kontakte zu nutzen.

Dabei ist es wichtig, dass die Künstler eine ähnliche (nicht dieselbe) Zielgruppe haben. Eine R’n’B Formation zusammen mit einer Metalcore-Band auf Tour gehen zu lassen, ist wahrscheinlich keine gute Idee. Die Bands sollten aber auch nicht total gleich klingen, denn eine gewisse Unterschiedlichkeit macht die Sache ja auch spannend.

In unserem Fall haben beide Bands gemein, dass ihre Zielgruppe deutsche, kluge Texte schätzt. Beide packen diese aber in leicht unterschiedliche Gewänder, einmal eher Indie, und einmal eher Pop.

5. Vorbereitung für die Auswahl der Städte/Locations

Ein wichtiger Punkt bei der Planung ist es, sich ein Überblick über die Standorte der Fans zu schaffen. Die jeweiligen Heimatstädte sind oft gesetzt, dazu kommen Städte in denen es schon ein paar Fans gibt.

Einen guten Anhaltspunkt liefern hier nicht nur Facebook- und Website-Statistiken oder eure Newsletterlisten. Den passenden Veranstaltungsort zu finden kann so manche weitere Tücke bereit halten. Wir fassen in einem weiteren Artikel einige Ideen und Möglichkeiten für euch zusammen.

6. Faktor Logistik/Transport/Fahrtkosten

Das ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Punkte. Denn nicht jeder hat einen großen Van, in den die Band(s) und das Equipment mal eben reinpassen. Dieser Punkt war auch für unsere Tour die größte Herausforderung.

Hier sollte man natürlich von Anfang an versuchen, die Tour so zu planen, dass man so wenig wie möglich Kilometer fahren muss. Es hilft, wenn man in kleineren Besetzungen auf Tour geht.

In unserem Fall haben wir hier bewusst unökonomischen entschieden, in dem wir von Anfang an auf Gewinn verzichtet haben, dafür aber mit voller Mannschaft gefahren sind (zwei Bands: 8 Leute). Es gibt Anbieter, die Bandbusse vermieten. Das ist leider nicht sehr günstig, oft lohnt es sich dann im Bekanntenkreis nach Autos herumzufragen.

7. Auswahl- und Anfrageprozess

Fibel im Prachtwerk Berlin

Fibel im Prachtwerk Berlin, © Maximilian Berger

Es macht Sinn den Auswahl- und Anfrageprozess in zwei Phasen aufzuteilen. Zunächst schaut ihr euch die Regionen an, wo ihr schon viele Leute kennt bzw. viele Leute euch. In unserem Fall standen so schnell München, Halle, Heidelberg und Berlin fest, alles Städte wo die Künstler entweder lange gelebt haben oder schon Konzerte und somit eine Fanbase erspielt haben.

Dann überlegt, ob ihr nicht Leute kennt oder Leute kennt die Leute kennen, die Connections zu Veranstaltern haben. In unserem Fall bestanden Kontakte zu einigen Cafe/Club-Betreibern die ich anschrieb. Außerdem schaut auf die Landkarte und findet heraus, welche Städte logistisch noch Sinn machen würden (in unserem Fall: welche Städte liegen z.B. grob zwischen Berlin und München). Gleicht das auch wieder mit den Statistiken ab.

Kaltanfragen sind oft zum Scheitern verurteilt. Formuliert ihr diese aber gut und habt eine gute Bandinfo und gutes Soundmaterial habt ihr vielleicht Glück. Hier solltet ihr immer auch einen lokalen Support anbieten oder zumindest deutlich machen, dass ihr einen organisieren könnt.

Auch ich fragte ein paar Locations kalt an. Dabei schaute ich, ob die Location von Kapazität und Ausrichtung zu uns passt. Geholfen hat zu schauen, wo Bands mit ähnlicher Bekanntheit und Stil auftreten. Das Livelocationverzeichnis von Backstage PRO ("Locationguide") ist dabei eine große Hilfe.

Aus meiner Erfahrung liegt die Antwortquote (inkl. Absagen) bei Kaltanfragen ohne Standing oder Connection bei ca. 10%. Wenn ihr für eine positive Rückmeldung 30 oder 40 Mails schreiben müsst, wäre das keine Überraschung.

Es ist extrem wichtig, dass ihr hartnäckig und geduldig seid. Hat sich jemand nach 2 Wochen auf eine E-Mail nicht geantwortet, dann hakt nach, im Optimalfall per Telefon. Ihr werdet nach ein oder zwei Monaten ein erstes Gefühl haben, was funktioniert und was nicht.

8. Lohnende Alternativen und Ergänzungen

In einer zweiten Phase kann man nun nochmal mit weiteren Kriterien und geringeren Ansprüchen nach Locations schauen. Wie schon angedeutet, ist es auch wichtig, das eigene Bandnetzwerk zu aktivieren.

Welche befreundeten Bands in anderen Städten würden euch vielleicht bei der Organisation eines Konzertes unterstützen? Eine Möglichkeit einen regionalen Support-Act zu finden bietet euch auch Backstage PRO mit der Möglichkeit einen Gig auszuschreiben.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr für den ein oder anderen Termin während der Tour keinen top Gig in einem Club gebucht bekommt. Das sollte man sportlich nehmen:

Freitag ein Konzert in Halle und Sonntag in Magdeburg und nichts für Samstag bekommen? Wenn es das Wetter zulässt, warum nicht auf der Strecke in Leipzig ein bisschen Straßenmusik machen? Oder versuchen sich bei einer Veranstaltung irgendwo mit dran zu hängen. Es lohnt sich auch das Bookingportal von Backstage PRO zu nutzen, um zu schauen, ob an dem bestimmten Datum vielleicht ein passender Slot vorhanden ist.

Es wird nicht zu verhindern sein, dass man Kompromisse eingeht. In unserem Fall hätten wir zum Beispiel gerne ein Konzert in Stuttgart gespielt, allerdings wurde uns ein Konzert angeboten, bei dem wir für Technik hätten bezahlen sollen und sogar selbst die GEMA-Abwicklung hätten übernehmen müssen. Dazu waren wir nicht bereit und leider haben wir in Stuttgart keine Alternative finden können.

Je nach dem, lässt sich dann überlegen, auf private Rahmen wie ein Wohnzimmerkonzert auszuweichen (natürlich in manchen Genres schwer zu realisieren). An einem Sonntag haben wir ein Konzert auch mit dem Geburtstag einer Freundin verbunden, die gleichzeitig ein bisschen Platz und lärmunempfindliche Nachbarn hat.

9. Gagen, Essen, Unterkunft

Das Thema Gagen/Deals ist ein ganz eigenes. Jeder junge Musiker kennt das Problem und die Schwierigkeiten, die mit dem Thema verbunden sind. Ich empfehle das Heft in die Hand zu nehmen und schon beim ersten oder zweiten Kontakt anzuzeigen, was für euch vorstellbar ist.

In Städten wo ihr schon viele Fans habt wird ein Doordeal bei moderaten Eintrittspreisen das Beste sein. In Städten, wo euch keiner kennt, ist auch die "Hut-Variante" eine gute Option. Es ist empfehlenswert, das Geld vor allem über CDs und Merch wieder einzuspielen, anstatt über den Eintritt.

Oft werden Veranstalter einen Sockel zur Bedingungen machen, also einen Betrag der Pauschal an den Veranstalter geht. Ihr verdient erst dann, wenn die Einnahmen diesen Betrag übersteigen. In unserem Fall haben wir uns in zwei Fällen darauf eingelassen, da wir uns hier sicher waren, durch die Eintritte mehr Einnahmen zu generieren als den als Sockel festgelegten Betrag.

Ihr solltet von Anfang an euch nach privaten Unterkunftsmöglichkeiten umschauen: jeder kennt irgendwen der jemand kennt, bei dem man mal eine Nacht übernachten kann. Beim Thema Verpflegung empfehle ich dies als "Wäre schön, muss aber nicht" zu kommunizieren.

10. Fan-Einbindung und Promo

Ihr könnt eure Fans durchaus in die Planung mit einbeziehen. Ein Facebook-Post, in dem ihr die Tour grob ankündigt und eure Fans ermutigt, eventuelle Location-Empfehlungen zu äußern, können hilfreich sein.

Wenn die Tour soweit steht, versucht eine kontinuierliche Kommunikation aufrecht zu erhalten. Eine erste grobe Ankündigung macht zwei bis drei Monate vor der Tour Sinn, einen Monat vor der Tour geht dann die heiße Phase los.

Social Media ist ein sehr effizientes Tool, das ihr auf jeden Fall nutzen solltet. Auch bei diesem Thema haltet nach Kooperationsmöglichkeiten Ausschau: Gibt es Freunde, befreundete Organisationen, Blogger oder andere Personen die eine große Reichweite haben und euch vielleicht mit einem kurzen Post unterstützen würden? Gibt es irgendetwas was ihr bieten könnt (Auslage auf Merch-Tisch, FB-Post für deren Projekt, Erwähnung beim Konzert; Logoabbildung auf allen Werbegrafiken, etc.)? Ein einheitliches Design, welches sich auf Fotos, Bannern und Videos wiederfindet, trägt zu einem professionellen Erscheinungsbild bei.

Fazit

Schlüssel für eine erfolgreiche Tour ist es, kreative Wege zu finden, um Konzerte in Orten zu organisieren, in denen die eigene Band noch nicht sehr bekannt ist. Kooperationen ist dabei ein Schlüsselfaktor, denn es ist ja gerade das Problem für unbekanntere Bands, dass ihr Reichweite allein einfach nicht groß genug ist. Wichtig ist auch, während und insbesondere nach der Tour, die Verbindung mit den Fans zu halten.

Als Newcomerband eine eigene Tour zu buchen ist nicht einfach und manchem sind auch Grenzen gesetzt. Mit guter Planung ist es aber auch für solche Bands ohne Bookingagentur möglich, kleinere Touren erfolgreich zu spielen, selbst wenn es dabei stets heißt: geduldig und hartnäckig bleiben! Viel Glück!

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