noch keine langfristige lösung

Stadt Heidelberg verlängert Mietvertrag mit der halle02 bis Ende 2013

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel am 15.08.2012, 18:00

Tags: Halle02 Heidelberg Live-Clubs

Stadt Heidelberg verlängert Mietvertrag mit der halle02 bis Ende 2013

Außenansicht der Halle02, einer ehemaligen Lagerhalle.,

Vor wenigen Tagen gab die Stadt Heidelberg ihre Bereitschaft bekannt, den Mietvertrag mit der halle02 um ein Jahr bis Ende 2013 zu verlängern. Eine Entscheidung über den dauerhaften Fortbestand der Institution ist damit aber noch nicht gefallen. Die Halle02 steht weiterhin vor einer ungewissen Zukunft.

In unmittelbarer Nähe der Heidelberger halle02 entsteht im Augenblick ein neues Stadtviertel, die Bahnstadt. Diese städtebauliche Entwicklung birgt natürlich zahlreiche Chancen und Risiken, vor allem auch für die halle02 selbst. Sie erhält einerseits die Chance, unter den Bewohnern der Bahnstadt neues Publikum zu gewinnen, andererseits muss sie sich mit ihren neuen Nachbarn erst arrangieren. Die Zeiten, da sie quasi ungestört und unbehelligt fernab von jeder Siedlung lag, sind vorbei.

Das Angebot der Stadt Heidelberg, den Mietvertrag mit der halle02  um ein Jahr zu verlängern, mag sich auf den ersten Blick wie ein Sieg der Verantwortlichen und ihrer Unterstützer ausnehmen. Angesichts der langfristigen Planungszeiträume, die ein Clubbetrieb mit sich bringt, ist das Angebot allerdings höchstens eingeschränkt als Erfolg zu bezeichnen. Es besteht nach wie vor die dringende Notwendigkeit, dass sich beide Seiten über die bestmögliche Einbeziehung der Halle02 in das neue Stadtviertel Bahnstadt einigen.

Es ist positiv, dass sich die Mieter der ehemaligen Eisenbahnhalle und die Stadt Heidelberg als Eigentümer über ein Sanierungskonzept geeinigt haben. Dieses soll aber erst im Oktober oder November vom Gemeinderat beschlossen werden, vermutlich wenn die Verhandlungen über ein neues Nutzungskonzept abgeschlossen sind. Dieser Zeitplan ist sehr eng, wie Felix Grädler, der Geschäftsführer der halle02 betont.

Die Äußerungen des Heidelberger Oberbürgermeisters Eckart Würzner könnten darüber hinaus darauf hindeuten, dass er sich eher um die lärmempfindlichen Anwohner als um den Fortbestand der halle02 sorgt. So sagte er: "Wir wollen die halle02 als wichtige Kulturinstitution in der Bahnstadt erhalten. Ebenso wichtig sind aber auch die Interessen der Anwohner, die zu Recht die Einhaltung des Lärmschutzes fordern und sich teilweise schon massiv über den Lärm beklagen."

Die Debatte um den von der halle02 ausgehenden Lärm zeigt ein weiteres Mal, wie gefährdet Kulturinstitutionen sind, wenn durch bauliche Veränderungen in ihrer Nähe Nachbarn hinzukommen, die wegen vermeintlicher Lärmbelästigung gegen kulturelle Einrichtungen kämpfen und auch nicht davor zurückschrecken, sie dadurch zu zerstören. Wer in die Nähe einer Bahnlinie zieht, kann sich rechtlich kaum darüber beschweren, dass Züge laut sind, aber wer sich in der Nähe eines Clubs ansiedelt, der kann diesen unter Verweis aus den Lärmschutz in seiner Existenz bedrohen.

Dabei spielt keine Rolle, ob ein Club wie die halle02 privat ist oder aus öffentlichen Geldern finanziert wird. Gerade weil die halle02 ein rein privater Betrieb ist, deren Umgebung durch den Bau der Bahnstadt verändert und deren Geschäftsmodell an die neuen Gegebenheiten angepasst werden muss, hat die Stadt Heidelberg die Verpflichtung, diese Kulturinstitution tatkräftig bei der Anpassung an die neuen Gegebenheiten zu unterstützen.

Das Bewusstsein, dass es sich bei der halle02 um eine schützenswerte Einrichtung handelt, ist auch im Heidelberger Gemeinderat verbreitet. Gerade auch die neue, kulturell noch nicht entwickelte Bahnstadt profitiert immens von einer solchen etablierten Institution, da sie die Attraktivität des Quartiers noch erhöht. Die bereits umgesetzten und geplanten Maßnahmen verdeutlichen, dass ausreichend Konsens vorhanden ist, um den Erhalt der halle02 zu gewährleisten.

Dieses Engagement kann sich aber nicht darauf beschränken, den Mietvertrag nur kurzfristig zu verlängern, sondern muss auch beinhalten, die halle02 zukünftig gegen nörgelnde Anwohner (die ja in vollem Bewusstsein dorthin ziehen) zu unterstützen. Von außen beobachtet schien es so, als seien die Verantwortlichen und die Stadt auf einem guten Weg. Jetzt kann man nur hoffen, dass dieser Weg auch konsequent zu Ende gegangen wird und dass die halle02 nicht zum Bauernopfer für ein städtebauliches Großprojekt wird.

Online-Petition für den Erhalt der halle02:

Wer die halle02 unterstützen will kann seiner Stimme durch Unterzeichnen dieser Online-Petition Gehör verschaffen.

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