punk-band erfährt viel solidarität

Weltweite Empörung über den Prozess gegen Pussy Riot in Russland

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel | 01.08.2012, 15:39

Weltweite Empörung über den Prozess gegen Pussy Riot in Russland

Amnesty International fordert die Freilassung der inhaftierten russischen Punk-Band Pussy Riot.,

Die russische Punk-Band Pussy Riot benutzt Musik als Ausdruck politischen Protests gegen den russischen Präsidenten Putin. Für ihr politisches Engagement zahlen die jungen Frauen einen hohen Preis: seit März sitzen sie auf Betreiben Putins in Haft. International mehrt sich der Protest und werden Solidaritätsbekundungen laut.

Pussy Riot riefen im Februar in Moskaus Erlöserkathedrale die "Mutter Gottes" auf, Russlands Präsidenten (und damaligen Ministerpräsidenten) Putin aus dem Amt zu jagen. Weiterhin attackierten sie den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, der Putins Herrschaft als "Geschenk Gottes" bezeichnet hatte. Der provokante Protest hatte verhängnisvolle Folgen: Bis heute sitzen die drei jungen Frauen in Untersuchungshaft – regioactive.de berichtet ausführlich.

Offiziell wirft die Anklage Pussy Riot "Rowdytum" vor und attackiert die Band wegen der Verletzung religiöser Gefühle. Dieses Vorgehen und der Prozess sind selbst in Russland keineswegs unumstritten. Im Ausland ist die Reaktion noch weitaus eindeutiger:

Zahlreiche berühmte Musiker wie Sting, die Red Hot Chili Peppers und Peter Gabriel haben sich für Pussy Riot eingesetzt, Amnesty International hat ebenfalls die Freilassung der Frauen gefordert. Ob die Proteste Erfolg haben werden, ist ungewiss.

In Deutschland muss zum Glück kein Musiker fürchten, verhaftet zu werden, wenn er mit friedlichen Mitteln gegen die Regierung protestiert. Kritik an Religion oder Kirchen ist dennoch nicht ganz risikolos, wie der Konflikt über die Papst-Satire der Zeitschrift Titanic beweist. Focus schreibt sogar: "Pussy Riot würden nirgends geduldet".

Die Grenzen zwischen provokanter Kritik an Staat oder Kirche und unzulässiger Defamierung existieren also auch hierzulande, nur sind die Maßstäbe weitaus liberaler.

Wie weit aber darf man als Musiker gehen, um eine Reaktion zu erzielen? Welche Protest-Band oder -Bewegung sorgt hierzulande überhaupt für solche Aufregung? Wie können sich Musiker weltweit noch stärker mit Pussy Riot solidarisieren? Wir sind gespannt auf eure Meinung!

22 Kommentare vorhanden - Vorherige Kommentare zeigen

Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): Und nur um es zu bestätigen hat die orthodoxe Kirche gleich nachgezogen. Putin und die Popen sollten vielleicht beim Synchronschwimmen bei den Olympischen Spielen antreten. ;)
04.08.2012, 11:39
Markus Biedermann
Markus Biedermann (Redaktion, Mannheim): Die Staatsanwaltschaft fordert einen Schuldspruch und drei Jahre Haft. Besonders "milde" erscheint mir das nicht zu sein.
07.08.2012, 11:32
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): Ist es auch nicht. Man muss abwarten, wie das Gericht letztlich entscheidet.
07.08.2012, 12:20
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): Das Gericht hat entschieden. Skandalös, wie ich finde. Jede Musikerin und jeder Musiker, der ihre/seine Arbeit nicht nur als Konsumprodukt zur Hintergrundbeschallung versteht sollte sich davon betroffen und angegriffen fühlen! Offenbar haben die Mächtigen (...) Mehr anzeigennoch immer Angst vor der Kunst und Künstler, die Missstände anprangern werden unter fadenscheinigsten Argumenten weggesperrt. Ich hoffe, alle Musiker, alle Künstler dieser Welt und auch dieses Landes solidarisieren sich mit Pussy Riot. Wir hier leben in einer Gesellschaft, in der wir die Freiheit genießen dürfen, unsere Meinungen offen auszusprechen. Gerade deshalb aber dürfen wir hier den Mund nicht halten. Auch wenn uns keine Gefahr dafür droht.
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20.08.2012, 16:32
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): Oder auch "gerade". Dass diese Mädels die "Eier" hatten, das zu tun, obwohl sie um die Gefahr wussten, dafür bestraft zu werden sollte uns ein Vorbild sein: hätten wir uns das getraut? Auch wenn wir das, zum Glück, so nie rausfinden müssen: wir (...) Mehr anzeigendürfen die drei da jetzt nicht allein lassen!
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20.08.2012, 16:34
Uli Kärn
Uli Kärn (Schlagzeuger bei skydive.naked, Vorstand bei Multicore): na dann mach mal so eine Aktion im Kölner Dom gegen den Einsatz der Bundeswehr im Inneren z.B.
, mal schauen, was der Benedikt + Frau Merkel dazu sagen.....
26.08.2012, 11:31
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): Warum sollte ich das (dort) machen? Die haben nix mit den Russen zu tun und wir haben hier (glücklicherweise) keine Missverhältnisse, die ähnliches nötig machen würden?? *wunder*
26.08.2012, 12:53
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): (bzw. haben die Katholiken nix mit der BW-Entscheidung zu tun)
26.08.2012, 12:54
Uli Kärn
Uli Kärn (Schlagzeuger bei skydive.naked, Vorstand bei Multicore): genau so viel wie die russischen Orthodoxen mit Putin.....
26.08.2012, 13:42
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): Wenn man keine Ahnung hat... sollte man sich vielleicht erst mal informieren: www.swr.de...gen/kontext/-/id=4352076/sdpgid=693881/gp4=autostart/date=20120816/nid=4352076/did=10012404/at36wj/index.html
26.08.2012, 14:38
Uli Kärn
Uli Kärn (Schlagzeuger bei skydive.naked, Vorstand bei Multicore): Fehler 404. Aber bevor die übliche Forumsbeschimpferei losgeht, beende ich diesen Thread meinerseits. Du hast mich nicht verstanden, sorry. Informiert bin ich besser als Du.
26.08.2012, 14:45
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): Du musst natürlich den komplette Link bis "....html" nehmen und nicht einfach auf einen automatisch generierten, aber offensichtlich unvollständigen klicken ;-) Und: ja nee, is klar.
26.08.2012, 15:02
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): Hm, so müsste der Link funktionieren: http://tinyurl.com/d2twznk
26.08.2012, 15:03
Sven Scholz
Sven Scholz (Schlagzeuger, Percussionist bei Singvøgel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE)): (Player ist
oben rechts)
26.08.2012, 15:04
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion):
Antwort zum Kommentar von Uli Kärn (26.08.12, 13:42): "genau so viel wie die russischen Orthodoxen mit Putin.....
"
Naja, das ist nicht richtig. Die russische orthodoxe Kirche ist eine enge Allianz mit Putin eingegangen und hat sogar zu dessen Wahl aufgerufen. Wenn das nicht so wäre, dann wäre die Angelegenheit nur halb so brisant.
27.08.2012, 20:32
Uli Kärn
Uli Kärn (Schlagzeuger bei skydive.naked, Vorstand bei Multicore): Das habe ich auch nie bestritten. Aber wir leben hier in einem Staat, der für die Kirche sogar das Geld eintreibt.
27.08.2012, 23:56
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): Ich sehe den Zusammenhang gerade nicht...
28.08.2012, 00:10
Uli Kärn
Uli Kärn (Schlagzeuger bei skydive.naked, Vorstand bei Multicore): Sven hat geschrieben: "Wir hier leben in einer Gesellschaft, in der wir die Freiheit genießen dürfen, unsere Meinungen offen auszusprechen." Das wagte ich zu bezweifeln und schlug die Aktion im Kölner Dom vor. Drei Jahre Gefängnis für Gotteslästerung, (...) Mehr anzeigen§ 166 StGb. Hier und nicht in Russland.
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28.08.2012, 01:08
Daniel Nagel
Daniel Nagel (Chefredaktion): Als Ersttäter bei einer solchen Aktion käme man in Deutschland wahrscheinlich mit einer relativ niedrigen Geldstrafe davon. Ich las letztens von einem Wiederholungstäter der Gottesdienste störte und 7 Monate ohne Bewährung erhielt. Viel wichtiger (...) Mehr anzeigenals das ist aber die Tatsache, dass es sich bei Pussy Riot ja um politischen Protest handelte. Deshalb sitzen die Frauen ja im Gefängnis, nicht weil sie zu religiösem Hass aufstacheln wollten o.ä.
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28.08.2012, 10:19
Uli Kärn
Uli Kärn (Schlagzeuger bei skydive.naked, Vorstand bei Multicore): Es geht nicht um religiösen Hass, sondern um Meinungdfreiheit. Und da kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass wir auch hier ganz schnell in die Fänge der freiheitlich demokratischen Justiz geraten. Ob Geldstrafe oder Knast, Meinungsfreiheit (...) Mehr anzeigenbleibt Meinungsfreiheit!
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28.08.2012, 23:37

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