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Für Erfolg brauchst du mehr als nur ein dickes Fell

Karriere in der Musikbranche: Die richtige Strategie neben der Kreativarbeit

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 07.01.2020

musikbusiness motivation berufswelt

Karriere in der Musikbranche: Die richtige Strategie neben der Kreativarbeit

Was du brauchst, um im Musikbusiness zu überleben. © MKB

Wandel durch Digitalisierung, Wegbrechen von Locations, Veränderungen der Hörgewohnheiten – das Überleben in der unbeständigen Musikbranche ist nicht einfach. Neben harter Arbeit bedarf es auch kluger Strategien.

Eine erfüllende Karriere in der Musikindustrie ist für viele Kreative wohl die Erfüllung aller Träume. Kein Wunder, denn selbst wenn man nicht den Superstar-Status hat, gibt es hier neben den glamourösen Tätigkeiten auch ganz "normale" Bürojobs, die auf ihre Art und Weise kreativ, spannend und abwechslungsreich sind – ganz klar, dass das für viele sehr anziehend wirkt! Doch dass die Musikindustrie abseits der glorreichen Erfolgsgeschichten zugleich negative Aspekte vorweist, dürfte mittlerweile kein Geheimnis sein.

So bedeutete das Aufkommen des Internets, dass diese Industrie einem Prozess der Wandlung unterworfen wurde, der immer noch andauert. Nicht nur Künstler, sondern auch Labels, Manager, A&Rs und andere Brancheninterne mussten und müssen sich der Realität wechselnder Hörgewohnheiten und Plattformen stellen oder laufen Gefahr, in der Bedeutungslosigkeit  zu entschwinden.

Daher ist es essentiell, trotz des schier unüberschaubaren Dickichts, einen – zumindest groben – Plan für die eigene Karriere im Kopf zu haben und irgendwann eine eigene Nische anzupeilen. Ebenso wichtig ist es, nicht "Get-rich-quick"-Strategien zu verfallen, die zum vermeintlichen und vor allem schnellen Erfolg führen sollen.

Von zu vielen Einsteigern wird ausgegangen, dass lediglich ein dickes Fell und Ausdauer zum Ziel führen. Damit liegt man zwar nicht ganz falsch, aber das etwas nach Clickbait klingende Motto "Work smarter, not harder!" sollte keineswegs vernachlässigt werden. Wir alle haben schließlich nur endliche Ressourcen und sollten sie daher sinnvoll einsetzen, weil das Ziel sonst – trotz Bemühungen – immer wieder in die Ferne rückt!

1. Erkenne sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen

Du bist ein unfassbar guter Netzwerker, aber tust dich mit kreativem Output schwer? Du bist seit Jahren ein absoluter Virtuose an deinem Instrument oder in deiner DAW, aber niemand bekommt etwas davon mit? Diese zugegebenermaßen sehr vereinfachten Archetypen symbolisieren kreative Köpfe, die in einer Hinsicht absolut abliefern können und sich in anderer mehr schlecht als recht verdingen. Das ist menschlich und verständlich.

Was dich aber zurückhalten wird, ist sich dieser Tatsache zu verschließen und zu denken, dass es mit dem Erfolg schon irgendwie hinhauen wird. Du wirst den Preis dafür zahlen – in Form von Absagen, verpasster Chancen etc.

2. Scheue dich nicht davor, externe Hilfe zu suchen und anzunehmen

Einige von euch werden vielleicht auch zu stolz sein, sich ihren eigenen Limitierungen zu stellen. Stolz ist eine tolle Sache und bewahrt uns oft davor, große Fehler zu begehen. Falsch angewendet, ist sie allerdings ein Klotz am Bein.

Es ist keine Schande, andere um Rat oder Hilfe zu bitten. So und nicht anders haben einige der erfolgreichsten Menschen der Welt ihre Erfolge erzielen können. Sie hatten den Mut und die Weisheit einzusehen, dass ihre Stärken zwar wertvolle Werkzeuge darstellten, aber ihre Schwächen eine Weiterentwicklung aktiv hinderten und suchten somit externe Hilfe, beispielsweise durch Kooperation mit einem Management. Damit ersparten sie sich nicht nur Zeit, sondern auch Mühen und Nerven.

Dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, kennen wir alle. Wendet euch also an andere, die Erfahrungen haben und verlasst euch nicht auf eure individuelle und somit leider auch oft eingeschränkte Sicht der Dinge. Was soll denn schon Schlimmes passieren? Probiert es aus – fragen kostet nichts!

3. Finde eine gute Balance zwischen kreativen und unglamourösen Tätigkeiten

Kreativität und administrative Tätigkeiten passen für viele Kreativköpfe ungefähr so gut wie Öl und Wasser zusammen. Das ist auch verständlich, denn wozu ist man sonst in dem Business? Natürlich um neue, spannende Dinge zu schaffen und sich immer wieder Herausforderungen zu stellen.

Wie passt das also mit Steuererklärungen, Gewerbeanmeldungen, Buchhaltung und und und zusammen? Das sind keine wahnsinnig toll klingenden Aspekte und doch müsst ihr euch im Laufe eurer Karriere zwangsläufig damit beschäftigen, wenn ihr langfristigen Erfolg haben wollt. Identifiziert nicht nur, wohin die kreative Reise hingehen soll, sondern auch wie ihr diese Reise und euer alltägliches Leben finanzieren könnt. Haltet das Ganze irgendwo fest, damit ihr nicht über Jahre hinweg alles einfach nur Tag für Tag angeht.

Dazu gehört unter anderem auch ein Businessplan. Wie viel braucht ihr für eure Miete, euer Studio, für Equipment, zum Touren etc.? Definiert die Art Karriere, die ihr haben wollt und welche konkreten Schritte dafür angedacht sind. So ganz nüchtern bzw. Schwarz auf Weiß offenbaren sich nämlich viele fehlgeleitete Ideen recht schnell.

Die Definition eurer Erwartungen ist eine wichtige Voraussetzung für eine Roadmap zum Ziel. Wir verstehen, dass eure kreative Seite oft nicht steuerbar ist, einfach organisch und einem gewissen Flow unterliegt, aber ein wenig Pragmatismus muss man an den Tag legen. Ansonsten werden eure Kreationen aus finanziellen oder personellen Gründen schlichtweg nicht umgesetzt werden können.

Nicht wenige aufstrebende Künstler bleiben auf der Strecke, weil sich ihre kompromisslosen Visionen nicht mit dem Alltagsleben vereinbaren lassen. Seid also smart und seht zu, dass ihr euch einerseits nicht künstlerisch oder moralisch verbiegen müsst, aber auch nicht hungernd an euren scheinbar unantastbaren künstlerischen Standards festhaltet. Es ist ein schmaler Grat, aber er ist begehbar.

4. Entwickle ein Verständnis für die Strukturen der Industrie

Dieser Punkt setzt unmittelbar an den vorigen an, denn wenn ihr nach Jahren immer noch keine Ahnung habt, wie die businessbezogenen Prozesse und Strukturen der Industrie zusammengesetzt werden, habt ihr Nachholbedarf! Egal, ob man im Mainstream oder Indiebereich aktiv ist, sollte man die Basics verstehen – ansonsten gibt’s nachher das böse Erwachen.

Nehmt euch also die Zeit und lernt, wie Einnahmen, Tourneen, Labels, Bemusterungen, Lizenzen, Releases, Lizenzgebühren und alle anderen alltäglichen geschäftlichen Aspekte funktionieren!

Denkt daran, dass so manche Karriere auch daran gescheitert ist, weil man blind irgendwelche Dinge "wegunterschrieben" hat. Das Kennenlernen dieser Aspekte sollte euch jedoch nicht verschrecken, denn so manche Seite des Geschäfts hat natürlich auch enormes Frustpotential.

Je vorbereiteter ihr jedoch seid, desto besser könnt ihr manches Hindernis umschiffen und den einen oder anderen guten Deal machen. Auch hier gilt, dass ihr nicht alleine seid. Hakt bei Gleichgesinnten nach, wenn ihr Wissenslücken erkennt und füllt diese nach Möglichkeit!

5. Baut euer Portfolio auf

Egal ob ihr Songwriter, Livemusiker, Produzent oder Tontechniker seid: Wenn ihr an Jobs oder Engagements herankommen wollt, müssen die Leute wissen, mit wem sie es zu tun haben. Ein vorzeigbares Portfolio mit Arbeiten wird zweifellos mehr Zusagen bringen als lange Mails oder Gespräche, in denen ihr von euren vielen Projekten schwärmt, deren Ergebnisse ihr aber nie parat habt.

Das bedeutet natürlich, dass ihr Projekte auch tatsächlich zu Ende führen müsst und nicht ständig alles abbrecht und auf das nächste große, spannende Ding setzt. Vielleicht ist die kleine Produktion, an der ihr gerade sitzt und für die ihr ein bescheidenes Honorar bekommt, nicht der nächste Chartstürmer. Vielleicht aber ist sie aber eine Stufe zu mehr Möglichkeiten und Kollaborationspartnern. Die Summe eures Portfolios macht es!

Auch wenn ihr Sachen schreibt, produziert oder aufnehmt, die nicht so richtig zu eurem aktuellen Projekt passen – bewahrt diese Dinge auf! Man muss nicht immer das Rad neuerfinden und gute Ideen haben selten ein Ablaufdatum und könnten wunderbar zu einem künftigen Projekt passen! Das bedeutet aber auch, dass ihr euer Schaffen vernünftig aufbewahrt, archiviert und rasch darauf zugreifen müsst, anstatt auf irgendwelchen alten Festplatten verzweifelt nachzuschauen, von denen die Hälfte bereits den Geist aufgegeben hat.

So habt ihr immer ein Fundus an Ideen und Inspirationen, die Leute dazu bringen, sich für euch zu interessieren!

6. Ihr solltet nicht nur nehmen, sondern auch geben

Wie vorhin erwähnt, macht ihr es euch deutlich einfacher, wenn ihr euch mit Gleichgesinnten oder Industrieveteranen umgebt, die euch mit Rat oder konkreter Hilfe weiterbringen. Ihr solltet im Idealfall allerdings auch ernsthaftes Interesse an ihnen als Menschen haben und sie nicht nur als Mittel zum Zweck sehen, um eure Karriere voranzubringen. Dieser Aspekt kann nicht oft genug betont werden, denn falls euch schnell der Ruf als schamloser Opportunist nachhängt, wird sich das früher oder später als massiver Nachteil entpuppen. Seid einfach nett und höflich – das sollte selbstverständlich sein!

Irgendwann ist aber auch der Punkt erreicht, an dem ihr wiederum einen Erfahrungsschatz und ein gewisses Netzwerk habt, aus denen andere schöpfen können. Natürlich solltet ihr euch nicht unter Wert verkaufen, aber nutzt die Gelegenheit, all die Möglichkeiten und Chancen, die euch andere vermittelt haben, sozusagen auch selbst wieder weiterzugeben. Auch wenn das Business sehr wettbewerbsgesteuert ist, ist euer Netzwerk doch ein Zeichen dafür, dass sich Menschen gegenseitig helfen wollen und können – manchmal sogar ganz ohne eine erwartete Gegenleistung.

Wenn ihr also große oder kleine Erfolge habt, dann "pay it forward" wie man so schön sagt. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zurückzugeben und das ist wichtig!

7. Bewahrt euch die Leidenschaft (zur Musik)

Zu guter Letzt solltet ihr euch trotz aller vorangegangenen Punkte die Leidenschaft bewahren.

Wenn es für euch einfach nur ein Job ist und eure eigentlich kreative Arbeit nur stumpfes Abarbeiten ist, solltet ihr euch fragen, warum ihr mal angefangen habt. Selbstreflektion ist alles andere als einfach, aber ein oftmals notwendiger erster Schritt, um euren künftigen Weg auszuloten. Falls ihr feststellt, dass ihr lieber was ganz anderes machen wollt, dann macht genau das! Es ist völlig normal, dass sich bei nicht wenigen die Interessen im Laufe des Lebens verändern und es ist nichts, wofür man sich rechtfertigen oder gar schämen sollte.

Um im Musikbusiness dauerhaft kreativ arbeiten zu können, muss man sich einen gewissen "Spirit" bewahren. Das kann man aber nur, wenn euer Gleichgewicht zwischen dem Alltag und eurer Kunst, dem Geschäftlichen und eurer kreativen Ader bewahrt wird. Dinge wie Burn-out, Depressionen oder kreative Blockaden sind völlig normal und werden immer am Horizont zu sehen sein, aber dann auch vorbeigehen. Wichtig ist es, dass ihr auf euren Körper und Geist hört und entsprechende Auszeiten oder kreative Seitengassen aufsucht, wenn es so nicht weitergeht.

Es werden schlechte Zeiten auf euch zukommen – diese werden sich aber zweifellos auch mit guten Zeiten abwechseln. Eure Leidenschaft ist wesentlich, denn sie entscheidet darüber, ob ihr weitermacht. Es wird immer ein stetiges Auf und Ab werden – wie bei so ziemlich jedem Aspekt im Leben. Warum sollte es also hier anders sein?

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