×

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Welche Aufgaben hat ein Manager für Bands und Musiker?

Tipps für Musiker und Bands von Daniel Nagel
veröffentlicht am 17.12.2019

management musikbusiness berufswelt

Welche Aufgaben hat ein Manager für Bands und Musiker?

Die enge Zusammenarbeit mit dem Künstler ist charakteristisch für die Rolle des Musikmanagers. © Jopwell via Pexels

Der Manager ist wohl die schillerndste und umstrittenste Figur im Musikbusiness, aber gleichzeitig für erfolgreiche Künstler oft unverzichtbar. Doch welche Aufgaben hat ein Manager eigentlich? Und welche Fallstricke lauern in der Beziehung Künstler und Manager?

Es existiert keine klare Definition der Aufgaben eines Musikmanagers. Das liegt an den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen einzelner Künstler und den unterschiedlichen Manager-Persönlichkeiten, die es bedarf, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Theoretisch kann jeder Musiker oder jede Band die Aufgaben eines Managers auch selbst erledigen, wie es bei vielen kleinen Acts der Fall ist.

Unbestimmte Jobbeschreibung

Dabei gibt es aber Grenzen: Bands oder Musiker, die signifikante Einnahmen erwirtschaften, sind häufig nicht mehr in der Lage, das unternehmerische Tagesgeschäft alleine zu bewältigen und entscheiden sich häufig dafür, einen Manager zu verpflichten.

Dieser soll sie vor allem bei unternehmerischen Entscheidungen unterstützen, aber die Beratung bzw. die Einflussnahme erstreckt sich häufig auf viele Aspekte der musikalischen Tätigkeit. Das gilt insbesondere dann, wenn die künstlerische Identität der Band oder des Musikers noch nicht vollständig gefestigt ist und die Aufgabe des Managers darin besteht, mit seinen Branchenkenntnissen wichtige Impulse zu liefern.

Aus diesem Grund ist die Job-Beschreibung des Musikmanagers unbestimmt und hängt stark von individuellen Gegebenheiten ab, die sich zudem im Lauf der Zeit verändern können. Sie beinhaltet aber fast immer die Aufgabe, den Künstler zu beruflichem Erfolg zu führen oder diesen dauerhaft zu sichern. 

"personal manager vs. business manager"

Häufig ist es die Aufgabe des Managers für den Künstler eine geeignete Marktnische zu finden. Ein sehr bekanntes Beispiel ist Jon Landau, der seine Karriere als Musikjournalist aufgab, um Bruce Springsteen zu managen, dessen Karriere nach zwei sehr guten, aber kommerziell erfolglosen Alben am Scheideweg stand. Das Ergebnis war Springsteens Durchbruch mit "Born To Run". Landau managt Springsteen noch heute.

Im englischen Sprachraum bezeichnet man diese Art des Managers als "personal manager". Zu unterscheiden ist davon der "business manager", der rein wirtschaftliche Aufgaben übernimmt und häufig Qualifikationen als Buchhalter, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer besitzt. Der folgende Artikel konzentriert sich auf die Tätigkeiten des "personal managers".

Die Kernkompetenzen des Managers

Ein Musikmanager muss über ein hohes Maß an betriebswirtschaftlicher, aber auch musikalischer und sozialer Kompetenz verfügen. Ein guter Manager sollte zwingend ausgezeichnete Kenntnisse der Musikindustrie einschließlich ihrer aktuellen Trends und Entwicklungen sowie ein Mindestmaß an rechtlicher Kompetenz besitzen.

Unerlässlich ist zudem ein umfangreiches Netzwerk aus professionellen Kontakten, denn die essentielle Aufgabe des Musikmanagers besteht gerade in der Koordination verschiedener Player und im Ausgleich unterschiedlicher Interessen. 

Zu den wichtigsten Aufgaben eines Musikmanagers zählen normalerweise:

  • Festlegung von unternehmerischen Zielen

  • Planung und Umsetzung der passenden Marketingstrategien

  • Planung, Organisation, Koordination und Kontrolle von Terminen und Projekten

  • Auswahl der passenden Geschäftspartner (Label, Musikverlag, Konzertagentur, Produzenten, ggf. Songwriter) und Koordination ihrer Aktivitäten

  • Beratung des Künstlers bei künstlerischen Entscheidungen, beispielsweise in Hinblick auf die Marktpositionierung 

  • Förderung des Künstlers in allen Medien und Spielarten der Unterhaltungsindustrie 

Diese Aufgabenbeschreibung verdeutlicht, dass der Manager sozusagen an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Geschäftspartnern sitzt. Viele Fragen lassen sich nicht im Alleingang klären, sondern müssen zwischen verschiedenen Akteuren abgesprochen werden.

In Absprache mit den Partnern

Das betrifft beispielsweise die Produktpolitik einschließlich des inhaltlichen bzw. künstlerischen Gehalts der Musik. Nicht nur die Musiker, sondern auch Produzenten oder die Plattenfirma werden in Hinblick auf Kompositionen, Instrumentierung, Soundästhetik, Stil und Auftreten des Künstlers oder der Band mitsprechen oder sogar mitentscheiden.

Ein weiteres Beispiel besteht in der Festlegung der Preispolitik für Konzerte und Tonträger, die ebenfalls nur in Absprache mit der beteiligten Konzertagentur bzw. der Plattenfirma erfolgen kann.

Die Stellung des Managers im Musikbusiness

Die Stellung des Managers im Musikbusiness, © Backstage PRO

Aus dieser zentralen, aber auch sensiblen Position, die zwischen Künstlern und den für seinen Erfolg zentralen Akteuren angesiedelt ist, bezieht der Manager seinen Einfluss. Allerdings kann sie ihm auch zum Verhängnis werden.

Große Offenheit und ehrlicher Umgang miteinander sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Manager und Künstler. Ansonsten kann das Verhältnis vor allem bei Misserfolg schnell in die Brüche gehen.

Zum Erfolg verdammt

Für seine Arbeit erhält der Manager üblicherweise einen Prozentsatz der Brutto-Einnahmen, oft zwischen 15 und 20%. Das bedeutet, dass selbst der loyalste Manager nicht von einem Klienten leben kann, der keinen Gewinn erwirtschaftet.

Das Musiker/Manager-Gespann ist daher gewissermaßen zum Erfolg verdammt, was erfordert, dass nicht nur beide Seiten, sondern auch ihre Beziehung ein hohes Maß an Druck auszuhalten vermag. 

Gemeinsame Ziele vereinbaren

Um Konflikten vorzubeugen, ist es unabdingbar, dass Manager und Musiker/Band sich vor dem Vertragsabschluss über die strategischen Grundzüge ihrer Zusammenarbeit einigen.

Wenn Künstler und Manager sich nicht über die Richtung einig sind, in die sich ein Künstler entwickeln soll, ist eine Zusammenarbeit zum Scheitern verurteilt.

Der Manager als Entdecker

Im Normalfall handelt es sich bei einem Manager um einen Dienstleister, der die Band oder den Künstler unterstützen, beraten und voranbringen soll.

Es gibt aber auch Fälle, in denen es sich genau umgekehrt verhält. In diesen Fällen hat der Manager einen Künstler "entdeckt" oder sogar eine Band nach gewissen Prinzipien zusammengestellt. Die Grenzen zwischen Manager und Talentscout verschwimmen dann.

Umgekehrte Machtverhältnisse

Ein solche Vorgehensweise ist grundsätzlich nicht problematisch, führt aber zu einer Umkehrung des Machtverhältnisses. Der Manager ist die bestimmende Figur, während der Künstler in die Rolle eines Dienstleisters des Managers herabsinken kann.

Insbesondere wenn es sich um junge und unerfahrene Musiker handelt, die plötzlich großen Erfolg feiern, besteht die Möglichkeit, dass der Manager eine überproportionale Menge der Einnahmen einstreicht, oft verbunden mit dem Hinweis, dass er hauptsächlich für den Erfolg verantwortlich ist.

Negativbeispiele

Ein berühmter Fall ist Lou Pearlman, der Manager und Produzent von erfolgreichen Boybands der 1990er wie den Backstreet Boys oder 'N Sync. In seinem Fall stellten die betroffenen Bands fest, dass sie nur einen Bruchteil der Gewinne erhielten, während Pearlman nicht nur als Manager und Produzent fungierte, sondern sogar offiziell als Bandmitglied galt.

Aber nicht nur junge oder unerfahrene Musiker können Opfer betrügerischer Aktivitäten ihrer Manager werden. Leonard Cohen erhielt im Jahr 2004 die Nachricht, dass seine langjährige Managerin Kelley Lynch den Großteil seines Vermögens veruntreut hatte, was ihn dazu zwang, wieder auf Tour zu gehen.

Den richtigen Umgang finden

Es ist daher notwendig, dass Künstler im Umgang mit ihrem Management die richtige Balance von Kontrolle und Vertrauen finden. Künstler sollten stets darauf achten, einen Überblick über die Tätigkeiten ihres Managers zu besitzen.

Allerdings kann ein Manager nicht mit einem Musiker zusammenarbeiten, der ihm grundsätzlich misstraut und jede Anregung oder gar Kritik als Majestätsbeleidigung betrachtet. 

Den richtigen Umgang untereinander zu finden, zählt daher zu den größten Herausforderungen im Verhältnis des Managers zum Musiker. Falls das gelingt, kann das Ergebnis eine jahrzehntelange erfolgreiche Zusammenarbeit sein.

 Wie ihr den richtigen Manager findet, haben wir in diesem Artikel behandelt.

Euer Feedback

Arbeitest du bereits mit einem Management zusammen? Welche Erfahrungen machst du? Hast du Tipps für andere Musiker/innen?

Auch interessant

Ähnliche Themen

Musikmanager Thorsten Kirmes über Markenbildung als Tool für die Künstlerentwicklung

"Der Artist ist als Brand zu sehen"

Musikmanager Thorsten Kirmes über Markenbildung als Tool für die Künstlerentwicklung

veröffentlicht am 31.01.2020   1

DIY-Management bei Profis: Die Beispiele Wolfgang Niedecken und Tom Waits

Erfolgsfaktoren der Stars

DIY-Management bei Profis: Die Beispiele Wolfgang Niedecken und Tom Waits

veröffentlicht am 19.07.2018

Der Künstlermanagementvertrag: Die wichtigsten Infos und ein Mustervertrag zum Download

Was wird vereinbart? Wie lässt sich das alles regeln?

Der Künstlermanagementvertrag: Die wichtigsten Infos und ein Mustervertrag zum Download

veröffentlicht am 21.11.2017   8

Die Kunst der Kaltakquise

Mit dem Fahrstuhl auf die Bühne

Die Kunst der Kaltakquise

veröffentlicht am 18.08.2017   2

Newsletter

Abonniere den Backstage PRO-Newsletter und bleibe zu diesem und anderen Themen auf dem Laufenden!