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Mutig die nächste Hürde nehmen

Wie dich dein Mindset daran hindert, als Künstler weiterzukommen

Tipps für Musiker und Bands von Chris Histel
veröffentlicht am 13.09.2019

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Wie dich dein Mindset daran hindert, als Künstler weiterzukommen

Manchmal braucht es Mut und das richtige Mindset, um den nächsten Sprung zu schaffen. © Stephanie Souza / pexels

Hast du manchmal das Gefühl, dass du gerade fest steckst und mit deiner Musik nicht so richtig weiter kommst? In den allermeisten Fällen ist unser eigener Kopf dafür verantwortlich.

Dass unser Denken maßgeblich unser Handeln bestimmt, ist längst kein Geheimnis mehr. Das passiert im Privatleben, im Job und eben auch wenn es um unsere Musikkarriere geht.

Durch unsere Erziehung, unsere Sozialisation und unsere Erfahrungen haben sich bestimmte Glaubensmuster in unseren Köpfen festgesetzt, die zusammen unser Mindset bilden. Und das entscheidet, wie wir an die Dinge herangehen und beeinflusst unsere Resultate.

Nicht alle Glaubenssätze, die sich in unseren Köpfen festigen, sind auch hilfreich. Manche boykottieren uns sogar. Wenn wir beispielsweise ein Leben lang zu hören bekommen haben, dass wir schlecht im Sport seien, glauben wir es irgendwann. Das Ergebnis: Wir werden diesen Glaubenssatz zu jeder Gelegenheit selbst weiter verfestigen. Kommen wir beim Laufen aus der Puste, liegt das für uns nicht an fehlendem Training, sondern schlicht an unserer unwiderrufbaren Unsportlichkeit.

Solche negativen Glaubenssätze gibt es für Liebesbeziehungen, den Umgang mit Geld und eben auch für den Umgang mit unserer eigenen Musik.

In unseren Leben als Musiker haben sich manche Glaubenssätze so sehr in unseren Kopf gesetzt, dass wir eine ganz starre Vorstellung davon haben, wie die Dinge zu sein hätten. Dieses Mindset blockiert uns dann, als Künstler weiterzukommen und hält uns fest.

#1 Mit Musik darfst du kein Geld verdienen!

Ein beliebter Glaubenssatz ist beispielsweise, dass wir mit Musik kein Geld verdienen dürfen, da wir uns damit zwangsläufig verbiegen müssten.

Er kommt aus einer Zeit, in der Majorlabels junge Bands gesignt und dann dem Markt entsprechend verändert haben. Ja, das gab es früher mal, aber heute machen sich die Majors diese Arbeit schon lange nicht mehr

Dafür müssen heute viele Künstler, die für sich und ihre Musik den nächsten Schritt gehen wollen, mit dem aktuellen Markt umgehen. Der negative Glaubenssatz, sich nicht verkaufen zu dürfen, führt nun dazu, dass Musiker sich oft auf Biegen und Brechen nicht auf ihr Publikum einlassen wollen – aus Angst, sich zu verbiegen. Dabei würde ihre Musik ohne ein Publikum nie gehört werden.

Was braucht dieser Glaubenssatz also nun? Aus meiner Sicht ganz klar: Ein Update! 

Natürlich darfst du mit deiner Musik Geld verdienen.

Das musst du sogar, wenn du weiter Equipment kaufen, Musikvideos drehen und deine Show professionalisieren willst. Der feste Glaube daran, dass man mit Musik kein Geld verdienen darf, kann so schnell zu einem Stehenbleiben oder gar dem frühen Ende einer Band führen. Und das einfach nur wegen eines einzigen, aber sehr mächtigen Glaubenssatzes.

Ein weiterer Glaubenssatz, der auf den ersten Blick sogar eher optimistisch klingt, ist:

#2 Wenn ich oft genug spiele, werde ich bestimmt entdeckt und komme groß raus!

Der Haken dabei ist allerdings, dass hinter dem Glaubenssatz eine Erwartungshaltung steckt und er dazu führt, dass wir die Verantwortung abgeben. In einem Markt, der sowohl von mittelmäßigen als aber auch von vielen guten Bands überschwemmt ist, führt diese Haltung schlichtweg zur Unsichtbarkeit der eigenen Musik.

Natürlich werden auch heute manchmal noch Künstler entdeckt. Doch dazu gehört neben erstklassiger Musik auch eine ganz gehörige Portion Glück. Natürlich kann bei einem deiner Konzerte zufällig ein Musikmanager stehen, der ganz genau auf das abfährt, was du machst und dir auch auf Anhieb ansieht, dass du es ernst meinst. Die Wahrscheinlichkeit hierfür wird oft mit der eines Lotteriegewinns verglichen. Und natürlich kannst du einfach noch mehr spielen, um entdeckt zu werden. Das ist allerdings so, als würdest du mehr Lose für die Lotterie kaufen.

Keine Frage, Live Gigs sind immens wichtig – aber sie haben nicht den primären Zweck, dadurch “entdeckt” zu werden. Und falls tatsächlich ein Manager im Publikum steht und deine Musik abfeiert, müssen ja auch noch Label, Verlage, Bookingagenturen und weitere professionelle Partner ins Boot gebracht werden. Nicht jeder entdeckte Künstler schafft auch den Durchbruch. Das erschwert unsere Lotterie nochmal. 

Viele Künstler veröffentlichen mit diesem Glaubenssatz auch jeden frisch geschriebenen Song direkt und denken, dass da irgendwann schon der eine Hit dabei ist, der den Durchbruch ermöglicht. Und der wird dann auch noch durch Zufall von genau der richtigen Person entdeckt, wenn man ihn nur oft genug auf den sozialen Medien postet. Es ist derselbe Glaubenssatz in anderem Gewand.

Doch was, wenn das alles nie passiert und der Lotteriegewinn einfach ausbleibt?

Anstatt auf die Entdeckung zu warten, sollten wir uns selbst Chancen schaffen.

Konkret heißt das, dass wir einen Weg brauchen, auch erst mal unabhängig vom Wohlwollen professioneller Partner gute Songs genau dorthin zu bringen, wo die Leute auf genau diese Songs warten. Wenn wir als Ziel festlegen, diesen Weg aktiv zu entdecken und dafür gezielt die Komfortzone zu verlassen, wird sich zunächst unser Mindset ändern und dadurch auch das, was wir erreichen.

Der Glaubenssatz sollte sich also aus der Erwartungshaltung in eine aktive Haltung des Machens bewegen: Ich setze mit der richtigen Strategie meine ganze Energie so bewusst und effektiv ein, dass ich aus meiner Situation immer das Beste für meine Musik heraushole. So oder so ähnlich könnte ein proaktiver Glaubenssatz aussehen.

Demselben Mindset der Erwartungshaltung entspringt auch der Satz:

#3 Ich muss nur Musik machen, der Rest ist nicht mein Job.

Der Traum, einfach nur Musik zu machen und alles andere von alleine passieren zu lassen, ist verlockend. In der Realität funktioniert das leider in der heutigen Zeit nicht mehr. Das Musikgeschäft hat sich verändert und selbst große Bands, die ihre Alben bereits in den obersten Plätzen der Charts platzieren konnten, machen mehr als “einfach nur” Musik. 

Da draußen gibt es mittlerweile viele Künstler, die mit kleinen, teils sogar eigenen Labels arbeiten und damit weiterkommen. Jobs wie Booking, Promo und Management müssen übernommen werden, und zwar auch dann, wenn das Ziel nicht der Weltruhm, sondern einfach nur der nächste Gig ist. 

Die Aufgaben, die Künstler neben dem Musikmachen übernehmen müssen, werden zunehmend mehr. Ob das fair ist, mag Ansichtssache sein, aber es ist notwendig, um weiter zu kommen und gesetzte Ziele zu erreichen. Oft glauben wir, dass der Rest einfach nicht unsere Aufgabe ist und dass sich andere darum kümmern sollten. Dieser Glaubenssatz sorgt aber letztendlich dafür, dass sich niemand darum kümmert und Musik – teils sogar richtig gute Musik – von niemandem gehört wird.

Die Musikindustrie hat sich verändert und veraltete Mindsets funktionieren nicht mehr. Musiker, die in irgendeiner Form Erfolg haben wollen, und sei es nur die Orga einer eigenen Tour, müssen strategisch und eigenverantwortlich vorgehen und Dinge übers Musikmachen hinaus selbst in die Hand nehmen. Wenn Du ausschließlich Kunst machst, entsteht dabei zwar Kunst – aber ohne Sichtbarkeit, ohne Auftrittsmöglichkeiten und ohne Monetarisierung. 

Der organisatorische Part (und ebenso der geschäftliche) liegt nicht mehr alleine auf Labelseite. Auch hier wird der Wechsel zu neuen Glaubenssätzen notwendig.

Aus einer passiven “Ich will nur Musik machen”-Haltung muss eine proaktive “Ich kümmere mich um mein Drumherum”-Haltung werden, wenn man Musik machen möchte, die nicht im Keller verstaubt.

Mich fragte mal jemand, was denn seine Belohnung sei, wenn er als Künstler Orga- und Management Jobs selbst übernehme. In dieser Frage steckte das selbe veraltete Mindset der Erwartung und der Abgabe von Verantwortung. 

Die Management- oder Orga-Jobs nimmst du nicht anderen ab, du übernimmst sie ganz allein für dich und deine Band. Sie sind eine Investition in dich selbst. Dafür kannst du dir neue Chancen schaffen, deine Reichweite zu erhöhen und eine Musik zu monetarisieren. 

Seid mutig und aktiv

Die genannten Glaubenssätze führen direkt zu einem bestimmten Verhalten und bestimmten Handlungen. Im Falle der oben genannten Erwartungs-Mindsets kann das sein, dass man durch mangelnde Proaktivität Gelegenheiten verstreichen lässt oder unausgereifte Musik veröffentlicht. Beides führt dazu, weniger Fans, weniger Klicks und weniger Konzertbesucher zu bekommen.

Damit blockieren diese Denkmuster dich und deine Musik. Wenn sich etwas verändern soll, muss unser Mindset sich ändern, denn erst wenn die Art zu denken sich verändert, verändern wir auch unser Handeln. Solange wir an unseren bekannten Denkstrukturen festhalten, werden wir immer wieder dieselben ernüchternden Ergebnisse erzielen.

Deine Glaubenssätze bestimmen darüber hinaus nicht nur dein Handeln, sie zeigen potentiellen professionellen Partnern (Labels, Bookern, Managements) auch ganz genau, wo sie mit dir dran sind und welchen Weg sie mit dir gehen können. Und im blödesten Fall auch, welchen nicht.

Die Gedanken aus den genannten Beispielen beobachte ich sehr oft in meiner Arbeit mit MusikerInnen und Bands und meist reicht schon ein Umdenken, um plötzlich ganz neue Dinge zu erreichen. Die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und unseren eigenen Denkmustern ist  anstrengend und manchmal schmerzhaft, denn sie drängt uns fast immer aus unserer Komfortzone und konfrontiert uns mit uns selbst. Dagegen wehrt sich unser innerer Schweinehund sehr heftig. 

Aber wenn wir merken, dass sich da gerade etwas in uns bewegt und uns das auch noch irgendwie Angst macht, dann wissen wir: Hier sind wir richtig! Diese Angst, die entsteht, weil es uns grade aus unserer Wohlfühlzone heraus presst, ist unser Kompass. Er bringt uns ans Ziel.

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