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Daten "Analogisieren" leicht gemacht

Berliner Startup stellt weltweit ersten Vinylbrenner vor

News von Mario Rembold
veröffentlicht am 01.04.2017

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Berliner Startup stellt weltweit ersten Vinylbrenner vor

Vinylbrenner: Hier ein früher Prototyp aus dem Berliner Labor mit einer frisch gebrannten Daten-Schallplatte und Kopplung via Audio-Interface. © Pdproject (CC BY-SA 3.0)

CDs brennen war gestern. Eine Berliner Firma kündigt für den Frühsommer einen Vinylbrenner an. Damit soll es auch möglich sein, Daten-Schallplatten zu erstellen. Klappt so dein DIY-Vinyl-Release?

Der Festplatten-Crash oder eine fiese Ransomware auf dem Rechner können wichtige Daten unwiederbringlich vernichten. Automatische Backups auf einer zweiten Festplatte schaffen Abhilfe – sofern der Trojaner seinen Weg nicht auch dorthin findet und den externen Datenträger ebenfalls verschlüsselt. Und sensible Dokumente einem Cloud-Dienst anzuvertrauen, ist auch nicht jedermanns Sache.

Vinyl: Als Datenspeicher bisher unterschätzt

Am sichersten wäre es, alle paar Tage die neuen oder geänderten Daten auf CD oder DVD zu brennen. Da können sie dann nicht mehr verändert werden. Dumm nur, dass die selbst gebrannten Silberlinge nicht gerade als zuverlässige Datenspeicher bekannt sind. Schon nach wenigen Monaten sind sie bisweilen nicht mehr lesbar.

Jetzt kündigt ein Berliner Startup eine clevere Backup-Lösung an. "Wir haben uns von den eingefleischten Musikfreaks inspirieren lassen", erklärt Firmengründer Bernhard Trüger, "die setzen schließlich auch seit jeher auf Vinyl!"

In der Tat: Schallplatten sind ziemlich robust, unempfindlich gegenüber Magnetfeldern und machen auch ästhetisch was her. Das Medium erlebt in weiten Kreisen einen ungeahnten Boom, Plattenspieler sind wieder in jedem Elektronikladen zu finden.

Doch die Idee der Berliner ist alles andere als Retro. AnalogSoftSolutions setzen mit ihrem Vinylbrenner voll auf die positiven Eigenschaften des Vinyls, der noch vor dem Sommer im Einzelhandel erhältlich sein und rund 300 Euro kosten soll.

Die Musiker unter uns dürfen sich freuen, dass sie künftig über ihren USB 3.0-Port eigene Songs selbst auf Schallplatte brennen können! "Das Gerät kann aber viel mehr", verrät Trüger. Mit dem beigefügten Brennprogramm AnalogBurner kann man eben auch Daten-Schallplatten erstellen und seinen Festplatteninhalt analog sichern.

"Weiches Analogisieren"

Das Prinzip: Der bewegliche Laser-Schreibkopf des Geräts wird beim Einbrennen der Daten auf das Vinyl unterschiedlich stark ausgelenkt – proportional zu einem Zahlenwert zwischen 0 und 255, der dem jeweils zu brennenden Byte entspricht. Diese Auslenkung erfolgt aber kontinuierlich und nicht abrupt. "Weiches Analogisieren" nennt sich dieser Vorgang im Fachjargon, denn später beim Abtasten springt die Nadel nicht stufenlos zwischen zwei Bytes hin und her, sondern durchläuft entlang einer weichen Wellenkurve auch alle Zwischenwerte.

"Das ist viel genauer als die kalten Einsen und Nullen einer CD", erläutert Trüger. Die Informatiker aus dem AnalogSoftSolutions-Team haben diverse Apps auf Schallplatte gebrannt und dann direkt vom Vinyl aus gestartet und ausgeführt. "Weil die Software jetzt analog gespeichert ist, läuft sie viel flüssiger als ihre digitalen Pendants", fasst Thomas Blender, Chef der Entwicklungsabteilung, die Ergebnisse der Tests zusammen.

Wer sein Fotoarchiv auf Schallplatte sichert, darf sich über deutlich wärmere Farben freuen, ergänzt Blender. Bis zu einem Terabyte pro Schallplatte sind möglich – allerdings nur mit den besonders dicken Vinylrohlingen, die zunächst etwa 150 Euro pro Stück kosten werden. "Da erwarten wir aber einen schnellen Preisrückgang, sobald die Nachfrage steigt", versichert Blender. Standard sind vorerst noch die 500-Megabyte-Platten (mit 250 MB pro Seite), die bereits ab Markteinführung zu einem Stückpreis von nur einem Euro erhältlich sein sollen.

Die Musiker werden über ihren USB 3.0-Port eigene Songs selbst auf Schallplatte brennen können. Der Vinybrenner dürfte sich ähnlich rasch durchsetzen wie 3D-Drucker.

Die Musiker werden über ihren USB 3.0-Port eigene Songs selbst auf Schallplatte brennen können. Der Vinybrenner dürfte sich ähnlich rasch durchsetzen wie 3D-Drucker.

Smartphones mit Vinyl-SD

Derzeit arbeiten AnalogSoftSolutions an einer Vinylscheibe in Miniaturausgabe – von der Größe einer Micro-SD. "Damit kann man dann Fotos und Videos vom Handy sofort analog abspeichern", schwärmt Blender und verrät, dass das Team sogar an einem komplett analogen Smartphone mit Röhren-Display bastelt. An dieser Stelle hakt Bernhard Trüger ein: "Darüber dürfen wir eigentlich noch gar nicht sprechen; nur soviel: ein Handyhersteller bekundet großes Interesse an der Technologie."

Mittelfristig werde die Mikro-Analogtechnik die ungenaueren digitalen Geräte komplett ablösen, sind sich Trüger und Blender sicher. Bis dahin könnt ihr ja schon mal mit dem Vinylbrenner experimentieren und eure digitalen Dokumente analogisieren.

APRIL, APRIL!

Update 2. April 2017. Folgende Nachricht erreicht uns soeben aus Berlin:

Liebe Leserinnen und Leser,

ich wünschte, es gäbe mich und meine Firma AnalogSoftSolutions wirklich und ich könnte euch bald unseren tollen Vinylbrenner präsentieren. Leider sind wir alle bloß ein Aprilscherz der Backstage PRO-Redaktion. Mit freundlichen Grüßen,

B. Trüger

P.S.: Unseren "Brenner" findet ihr auf http://elpj.com; es handelt sich um einen verdammt teuren (und in einigen Reviews eher schlecht bewerteten) Laser-Plattenspieler aus Japan.

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