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Alles bedacht?

Optimale Vorbereitung für euer Album-Release: Warum ein Produktionsplan so wichtig ist

Tipps für Musiker und Bands von Phillip Steven Albright
veröffentlicht am 19.02.2018

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Optimale Vorbereitung für euer Album-Release: Warum ein Produktionsplan so wichtig ist

Bevor ihr eure Aufnahmen startet, sollte erst der Plan stehen. © Pixabay from Pexels https://www.pexels.com/photo/hand-metal-music-musician-33779/ (Lizenz: CC0)

Ihr habt eine Band und genügend Songs um ein Album aufzunehmen. Ihr habt sogar das Geld, ein Studio zu buchen. Was ihr jetzt jedoch dringend braucht, ist ein Plan, was mit dem Album passieren soll, sobald alle Songs im Kasten sind.

Mischen, Mastering, Fotos, Artwork, Promotion, Veröffentlichung, Releaseparty, Tour, Supports. All diese Stichwörter sollten im gleichen Gedankengang aufkommen, solltet ihr ernsthafte Schritte mit eurem neuen Werk gehen wollen. Ohne einen Plan, wann und von wem diese Aufgaben umgesetzt werden, findet ihr euch schneller als gedacht in einer Sackgasse wieder.

Viele Bands scheitern genau an diesem Scheideweg. Alle Energien werden in die Produktion des Albums investiert und der Blick für den langen, bevorstehenden Weg geht irgendwo zwischen Fadern, Potis und Schnaps verloren. Wir zeigen euch, wie ihr alle wichtigen Schritte in den Griff bekommt und den Überblick nicht verliert.

Songwriting

Kein Album ohne Songs. Eine Hand voll Freunde zu finden und eine Band zu gründen, ist schon schwer genug. Gemeinsam mit den Auserkorenen etwas Hörbares aus dem nichts zu erschaffen, grenzt an ein kleines Wunder. Bevor ihr aber darüber nachdenkt, die Welt mit eurer Musik zu erobern, sollten erst mal mindestens 10 Songs oder circa 40 Minuten Musik existieren, die euer Werk ausmachen sollen. Kommt ihr partout nur auf 5 Songs, solltet ihr eure Machtergreifungspläne zurückschrauben und über eine EP nachdenken.

Proben

Es gibt unendlich viele Ansätze für ein Album-Recording. Die einen möchten die menschlichen Seiten der Musik und vor allem der Musiker, den Dreck und die Fehler, den einen Moment einfangen. Die anderen möchten alle technischen Mittel nutzen, um ein akustisch und image-getrimmtes Perfektionsprodukt auf den Markt zu bringen.

Eines haben jedoch alle gemeinsam: Alle Songs sollten bis zum absoluten Limit geübt und geprobt werden. Wenn euch der Song zum Hals raushängt und ihr bereits Wut beim Einzählen verspürt, dann ist es Zeit, ins Studio zu gehen. Diese Spannung kann dem Recording die gewisse Würze verleihen. Drei Wochen intensiven Probens - also möglichst jeden Tag - sollten euch dorthin bringen.

Recording

Während ihr anfangt, eure Songs bis zum Erbrechen zu proben, solltet ihr ein für euch passendes Studio ausfindig machen. Das erste Kriterium ist natürlich das Budget. Als erstes solltet ihr in eurer direkten Umgebung suchen. Ein Studio in einer anderen Stadt oder gar in einem anderem Land zu buchen mag euch zwar vom Alltag entkoppeln, ihr müsst euch allerdings auch um Kost und Logie für die gesamte Band kümmern. Manche Studios bieten Unterkünfte während des Recordings an.

Wollt ihr als Band live aufnehmen, sollte das Studio über entsprechend viele Aufnahmeräume verfügen. Drums, Sänger und Blasinstrumente sollten in einem isolierten Raum stehen, während Gitarren, Bässe und Keyboards gemeinsam in einem Raum oder sogar in der Regie spielen können. Auch über die Ausstattung des Studios solltet ihr euch schlau machen. Wollt ihr auf Tonband aufnehmen, sollte eine entsprechende Bandmaschine vorhanden sein.

Der wichtigste Faktor ist und bleibt aber der menschliche. Fühlt ihr euch schon bei Telefonaten und E-Mails ernst genommen und willkommen oder versucht man euch abzufertigen und das Geld aus der Tasche zu ziehen? Ihr entscheidet selbst, in welche Arbeitsatmosphäre ihr euch begebt.

Mischen

Es ist vollbracht! Alle Spuren eurer hart erprobten Songs wurden unter Schweiß und Tränen auf Festplatte oder Tonband für alle Zeit verewigt. Aber der Engineer händigt euch lediglich die „Stems" eures ungemischten Albums aus. In manchen Fällen ist das Mischen des Recordings nicht im Deal inbegriffen und stellt euch vor die erste Hürde. Was nun? Selber mit gefährlichen Halbwissen den DIY-Weg gehen, den versierteren Freund fragen oder aus eigener Tasche professionelle Hilfe finanzieren? In jedem Fall solltet ihr für das Mischen eures Werkes mindestens noch mal genauso viel Zeit einplanen wie für das Recording.

Mastering

Um beim Lautheitszirkus mithalten zu können und die Vintagefreunde und Vinylverfechter froh zu machen, solltet ihr euren frischgemischten Audiomix einem Masteringexperten übergeben. Zu laute Pegel können die Nadel eines Schallplattenspielers springen lassen und zu niedrige Pegel wiederum den Eindruck erwecken, das Album sei „leiser“ als andere. Beides kann bei einem Mastering geprüft und behoben werden. Länger als eine Woche sollte ein Profi für ein durchschnittliches Album allerdings nicht benötigen, gesetzt dem Fall, ihr habt ihn im Voraus gebucht.

Fotos

Ein ständiger Wegbegleiter jeder gut sortierten Band ist der Fotograf. Durch Social Media hat jede Band zwar jede Menge Fotos aus dem Proberaum und von der ein oder anderen Live-Show. Amtliche Pressefotos in hoher Qualität, in der alle Bandmitglieder gemeinsam und vorteilhaft abgelichtet wurden, sind meistens eher rar. Als würdige Erweiterung eurer Musik sollte eine Fotosession angesetzt werden, die uns auch gleich zum nächsten Punkt bringt.

Artwork

Ihr haltet nun eure Musik und ein paar Fotos in Händen. Wie kommt das beides zusammen? Natürlich in einem kunstvoll arrangierten Artwork, das die Texte eurer Songs, die Stimmung eurer Musik und die neuen Fotos zu einem großen Kunstwerk verbindet. Was viele vergessen, ist, dass das Artwork des Albums besonders gut als roter Faden in allen visuellen Präsentationsplattformen genutzt werden kann. Facebook will sein Banner, Instagram will ein quadratisches Profilfoto und das Plakat für eure Release-Tour will auch gefüllt werden. Macht euch also ein paar mehr Gedanken und plant ein bisschen mehr Zeit ein.

Veröffentlichung

Einen Karton voll professionell gepresster CDs oder Vinyls des eigenen Albums zu öffnen, ist wie bei der Geburt eines Kindes dabei zu sein. Fakt ist aber, dass es seit Spotify, Apple Music, iTunes, Deezer und co. nicht mehr nötig ist, für ein erfolgreiches Release einen physischen Datenträger zu produzieren. Ich betrachte die „Scheiben“ meiner Bands als Merchartikel. Man bietet dem Fan ein Produkt an, das die Band ein Stück weit greifbar macht. Der Musikexpress berichtete sogar davon, dass nur 30% der Vinylkäufer überhaupt einen Plattenspieler besitzen.

Mit CDs sieht es bald wahrscheinlich ähnlich aus. Trotzdem werden Platten vermutlich ihr Existenzrecht behalten. Daher solltet ihr nach einem Presswerk suchen, das euren Ansprüchen gerecht wird. Wie groß soll die Auflage sein? 200, oder doch gleich 10000 Stück? Wollt ihr ein Digipak, ein klassisches Jewelcase oder doch ausschließlich Vinyl? Auf jedes dieser Medien kann man einen QR-Code drucken lassen, der den Käufer direkt zum Stream oder Download eures Albums führt – denn oft landet die Scheibe noch originalverpackt als Trophäe im Plattenregal.

Solltet ihr über keinen Kooperationspartner für den physischen und digitalen Vertrieb verfügen, gibt es haufenweise Anbieter, die den digitalen Vertrieb auf allen gängigen Plattformen für einen schmalen Kurs anbieten. Ich würde hier immer den einmalig geleisteten Beitrag vorziehen. Wer weiß, vielleicht geht ja euer Album steil durch die Decke.

Promotion

Damit die Welt von euch und eurer Platte erfährt, müsst ihr euch aus der Komfortzone des Proberaums, des Studios und der eigenen vier Wände trauen. Das Internet und die Social Media Kanäle, die euch zur Verfügung stehen, bieten viele Möglichkeiten, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Das wichtigste dabei ist, auch hier im Detail mit einem Plan vorzugehen.

Eine Woche lang jeden Tag auf das Album hinzuweisen ist ein guter Anfang. Eine Crowd, Follower, Abonnenten und Likes schon 3 Monate vor dem Release zu sammeln und diese gezielt mit Informationen zum Release zu versorgen, ist besser. „Behind the Scenes" zu den Videodrehs und zur Studiosession und anderen Infos rund um eure Band sollten eure Fans am Ball halten.

Auch nach dem Release solltet ihr noch ein Video oder spezielle Inhalte für eure Crowd bereithalten. Außerdem solltet ihr all eure Freunde, Familie und Bekanntschaften aktivieren und informieren, das heißt auch ihnen von eurem Album zu erzählen.

Releaseparty

Die Vollendung dieses langen Weges sollte gebührend gefeiert werden. Eine Party am Tag vor oder zum Release-Tag sollte etwas anders als die herkömmliche Show angelegt sein. Solltet ihr - und das solltet ihr - eventuelle Kooperationspartner wie Labels, Booker, Promoter, Manager und andere Bands, die ihr vielleicht sogar supporten wollt, einladen, ist es ungünstig, wenn das Showcase am Wochenende stattfindet.

Außerdem sollte es zu einer frühen „After-Work-Hour“ stattfinden, damit eure neuen Kollegen direkt vom Büro zu eurem Showcase kommen können und noch vor Mitternacht wieder zu Hause sind. Der Nächste Tag will auch noch überlebt werden. Kleine Extras wie freie Drinks oder Fingerfood heben die Feierlaune.

Was kommt danach?

Habt ihr es bis hierhin geschafft, kann ich euch nur gratulieren. Der weitere Weg hängt so stark von den Ergebnissen eurer Bemühungen ab, dass nur die Sterne wissen, wo eure Reise hingeht. Klar ist, dass es ohne kontinuierliche Fleißarbeit nicht geht und die bereits geleistete Arbeit ohne einen Plan im Winde verpuffen würde. Haltet daher die Ohren steif und bewahrt euch den Spaß am Musikmachen.

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