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Es zählt der Faktor "BOB"

"Musik ist uns heilig": Interview mit Benjamin Zinke von RADIO BOB!

Interview von Markus Biedermann
veröffentlicht am 14.12.2016

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"Musik ist uns heilig": Interview mit Benjamin Zinke von RADIO BOB!

Benjamin Zinke, © RADIO BOB!

Hessens angesagter Radiosender RADIO BOB! stellt in Kooperation mit Backstage PRO monatlich einen neuen "Frischling" vor. Wir sprachen mit Redaktionsleiter Benjamin Zinke über dieses Engagement für Newcomer und den Status Quo innerhalb der Radiolandschaft.

Redaktionsleiter Benjamin Zinke ist seit Start von RADIO BOB! bei dem beliebten Sender aus Kassel. Neben der Moderation der "Harten Saite" (montags ab 21 Uhr) und dem "Wunschbob" (werktags zwischen 18-20 Uhr) kümmert er sich vor allem um die kreativen Programmaktionen.

"Das Ziel: Jungen Bands eine Plattform geben"

Backstage PRO: Hallo Benjamin, – Wahnsinn! Seit sieben Jahren kooperieren wir nun schon im Rahmen der RADIO BOB! Frischlinge. Von einem verflixten siebten Jahr ist nichts zu spüren, oder wie seht ihr das?

Benjamin: Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil – über die Jahre ist die Zusammenarbeit immer besser geworden. Auf beiden Seiten wird der Wert der Kooperation erkannt und nach vorne getrieben. Es ist immer bereichernd, wenn Partner das gleiche Ziel haben – in diesem Fall: Jungen Bands mit BOBs Frischlinge eine Plattform geben.

Radio BOB! Frischlinge

Airplay mit RADIO BOB! und Backstage PRO: Einige der ausgewählten "Frischlinge"

(hier kannst du dich oder deine Band bewerben)

Backstage PRO: Erinnert ihr euch noch daran, welche Grundidee ganz am Anfang stand, als ihr das Format entwickelt und eingeführt habt?

Benjamin: Gerade das Genre Rock zeigt, wie Musik sich über Jahrzehnte weiterentwickeln und damit ganze Generationen prägen kann. Hier geht es um ein Lebensgefühl, das die unterschiedlichsten Menschen verbindet: Vom Pop-Rocker über den Classic-Rocker bis hin zum Metaller – so verschieden der Sound auch ist, steht überall die ehrliche, handgemachte Musik dahinter. Mit BOBs Frischlingen wollten wir eine Rubrik schaffen, in der die unterschiedlichsten Genre aufeinandertreffen und in der man Platz für musikalische Vielfalt und Weiterentwicklung findet. Sowohl für die Bands, aber auch für unsere Hörer. Sie bekommen einen Eindruck, welche Stile gerade "beliebt" sind und in welche Richtungen sich die heutigen Bands entwickeln.

"Wenn der Sound nicht gut klingt, schalten Hörer das Radio aus"

Backstage PRO: Wie war damals die Resonanz der Hörer und wie hat sich das bis heute entwickelt?

Benjamin: Die Resonanz ist ähnlich geblieben – unsere Hörerschaft war und ist neugierig, offen und interessiert frischer Musik gegenüber. Und das eben nicht nur bei bekannten, großen Bands, sondern eben auch bei völlig neuen Namen.  Hier bekommen wir immer wieder Rückfragen, was uns darin bestätigt, dass BOBs Frischlinge positiv bei unserer Hörerschaft angenommen wird.

Backstage PRO: Wie geht ihr bei der Auswahl der Bewerber vor? Worauf achtet ihr ganz besonders? Was ist euch wichtig?

Benjamin: Bei der Auswahl gibt es mehrere Dinge, die eine Rolle spielen. So muss als erstes die Qualität der eingereichten Tonaufnahme gut sein. Nur Songs, bei denen der Sound studioähnlich klingt, kommen eine "Runde" weiter. Wenn der Sound nicht gut klingt, schalten Hörer das Radio aus – daher muss der als Grundvoraussetzung stimmen.

Danach muss der Song einem Genre zuzuordnen sein, dass auch in unserem Programm onAir oder online zu finden ist. Immer wieder bekommen wir Einsendungen, die zu poppig, zu hiphoppig oder zu elektronisch sind – auch solche Songs können wir als Rocksender nicht berücksichtigen.

Zu guter Letzt geht es um die Qualität des Songs: Wie klingen die Instrumente, ist er harmonisch produziert, geht er ins Ohr, hat der Sänger eine gute Stimme etc. – wenn dann alles passt, nehmen wir die Band ins Voting auf.

"Wir verlassen eingetretene Radiopfade"

Backstage PRO: Es gibt ja immer wieder öffentlich geäußerte Kritik an der deutschen Radiolandschaft. Zum Beispiel bemängelte der VUT unlängst, dass die Musik unabhängiger Künstler unterrepräsentiert sei. Ist das ein Schuh, den ihr euch anzieht? Falls nein, könnt ihr diese Sichtweise beim eigenen Blick auf die hiesigen Sender dennoch verstehen?

Benjamin: Ja, wir können durchaus nachvollziehen, dass diese Sichtweise vorhanden ist. Insbesondere große AC-Sender haben sich ja durch die sehr kleine Musikrotation quasi selbst das "Problem" auferlegt, wenige unabhängige Künstler mit in die Playlist aufnehmen zu können. Wir sind da durch unser Genre "Rock-Musik" durchaus breiter aufgestellt. Uns ist relativ egal, ob und wo der Künstler unter Vertrag steht oder nicht. Wir bewerten ja nicht das Label was dahinter steckt, sondern wir bewerten die Arbeit des Künstlers.

Backstage PRO: Nicht zuletzt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht der VUT das Problem, dass neue Musik kaum Platz findet. Er muss sich sogar die Bezeichnung "eindimensional" gefallen lassen. Andererseits dürfte es auch für ein kommerziell orientiertes Privatradio schwer sein, unbekanntere Musik zu spielen, was immer mit dem Risiko verbunden ist, dass der Hörer auf der Suche nach einer altbewährten Gute-Laune-Melodie ganz schnell weg zappt. Wie geht ihr mit diesem programmgestalterischen Konflikt um und was zeichnet euren individuellen Programmmix aus?

Benjamin: Musik – und das ist wirklich keine Floskel – ist uns heilig. Wir lieben und leben die Rockmusik. Wir ehren unsere Künstler, egal ob auf der ganzen Welt bekannt oder nur aus dem Nachbardorf. Wir trauen uns eingetretene Radiopfade zu verlassen, spielen auch in der Morningshow Songs, die über 7 Minuten lang sind. Jeder Radioberater schlägt da wahrscheinlich die Hände vor’s Gesicht. Aber genau das ist unser Weg: Auch mal vermeintlich unkonventionelle Entscheidungen treffen.

Natürlich können auch wir nicht pro Stunde 10 völlig unbekannte Bands oder Titel spielen, denn logischerweise sind auch wir auf die richtige Mischung angewiesen. Aber gerade hier trauen wir uns viel. Während andere Sender sich bei der Musikauswahl rein auf Faktoren wie Verkaufs- und Airplaycharts sowie Musiktests verlassen, zählt bei uns eher der Faktor "BOB". Das heißt, wenn wir der Überzeugung sind, der Song oder der Interpret passt zu uns, dann trauen wir uns auch, diesen zu spielen. Bestes Beispiel: In der Sendung "Harte Saite" laufen auch regionale Nachwuchs- und Metalbands in schöner Regelmäßigkeit.

"Auch kleine unabhängige Bands können es ins Radio schaffen"

Backstage PRO: Wie viele Anfragen von Musikern und Bands erhaltet ihr, die ins Radio wollen? Und was würdest du ihnen raten: Worauf sollten die Musiker achten, mit wem sollten sie zusammenarbeiten?

Benjamin: Da kommt schon immer mal wieder eine Initiativ-Bewerbung an unsere Adresse rein. Es ist auch schon vorgekommen, dass abends ein Polizist in Uniform bei uns vor der Tür stand und uns eine CD in die Hand drückte mit den Worten "hey wir sind eine Rockband und würden uns freuen bei euch im Radio zu laufen". Drei Tage später standen die Jungs bei uns im Studio zum Interview und wir haben ihre Songs gespielt, weil es einfach richtig ehrliche handgemachte Rockmusik war, die zu unserem Produkt passte. Was ich damit sagen will: Einfach ausprobieren und dran bleiben. Die Erfolgsformel schlechthin gibt es nicht.

Backstage PRO: Ist es für eine Band ohne ein starkes Label im Rücken überhaupt möglich ein größeres Radio-Publikum zu erreichen?

Benjamin: Natürlich mag es leichter erscheinen mit einem großem Label im Rücken ins Radio zu kommen, weil viel Backround dahinter steht, aber auch kleine unabhängige Bands können es schaffen. Noch ein Beispiel: Beim Hessentag in Kassel 2013 haben wir fünf Nachwuchsbands die große Bühne gegeben. Vor hunderten Menschen durften sie sich auf einer riesigen Stage präsentieren. Wir sind mit diesen Bands danach in Kontakt geblieben, haben auf ihre Konzerte hingewiesen und ihre Musik gespielt. Natürlich gehört es als Band ohne Label dazu, noch mehr am Ball zu bleiben, sich zu präsentieren und selbst zu bewerben. Durch die sozialen Kanäle beispielsweise sind schon unzählige Kontakte innerhalb der Nachwuchsszene entstanden, die am Ende dann auch für Airplays im Radio gesorgt haben.

Backstage PRO: Was passiert denn bei euch hinter den Kulissen, bevor ein Song ins reguläre Programm kommt? Wird Sendezeit auch "verkauft" an Kunden, Agenturen, Labels oder gar einzelne Acts?

Benjamin: Nein so etwas machen wir überhaupt nicht. Mit Musik verdienen wir kein Geld. Kein Label kann sich bei uns Sendezeit erkaufen. Das wäre dann nicht mehr RADIO BOB! Hinter den Kulissen sitzen wir – Programmchef, Redaktionsleiter, Musikredakteur – mehrmals in der Woche zusammen und schauen, mit welchen Songs wir bemustert wurden. Das kann dann die neue Scheibe von Metallica sein, aber eben auch die Scheibe einer Band "um die Ecke".

Backstage PRO: Wir danken dir für deine Zeit, Benjamin, und freuen uns auf die nächsten Jahre mit euch!

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BOBs Frischlinge

RADIO BOB! Rock'n'Pop

Radio in 34117 Kassel

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Anbieter: BOBs Frischlinge   25
Genre: Alle
Bewerbungsende: Montag, 31. Dezember 2018

Gepostet am 14. Dezember 2016   37

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