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Blick auf die musikalischen Alleskönner

So gelingt Musikerinnen und Musikern der Schritt zum Multiinstrumentalisten

Tipps für Musiker und Bands von Jörn Petersen
veröffentlicht am 25.02.2026

instrumente üben

So gelingt Musikerinnen und Musikern der Schritt zum Multiinstrumentalisten

Dave Grohl spielte auf dem ersten Foo Fighters-Album alle Instrumente selbst ein. © Peter H. Bauer

Multiinstrumentalisten gelten oft als musikalische Ausnahmeerscheinung: Menschen, die scheinbar mühelos zwischen Bass, Klavier, Bläsern oder Schlagzeug wechseln. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell, dass Vielseitigkeit in der Musik keineswegs nur ein Talent für wenige Auserwählte ist – sondern häufig das Ergebnis von Neugier, Pragmatismus und einem erweiterten musikalischen Denken.

Wie die Musik selbst bietet auch jedes Instrument ein nahezu unbegrenztes kreatives und spieltechnisches Potenzial. Viele Musikerinnen und Musiker begnügen sich dennoch nicht mit einem Instrument, sondern erweitern ihr Ausdrucksspektrum bewusst um weitere.

Der Weg zum Multiinstrumentalisten ist reizvoll, verlangt jedoch Ausdauer, Disziplin und vor allem Motivation. Entscheidend ist weniger das Ziel als die Neugier auf neue klangliche Möglichkeiten.

Alles andere als Dilettantismus

Professionelle Multiinstrumentalisten scheinen aus nahezu jedem Gegenstand Klang herauslösen zu können. Schnell entsteht der Eindruck, sie könnten vieles, aber nichts richtig. In der Praxis ist meist das Gegenteil der Fall. Die Beschäftigung mit unterschiedlichen Instrumenten erweitert nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch den Zugang zur Musik selbst. 

Wer mehrere Instrumente spielt, entwickelt häufig eine ganzheitliche Perspektive. Im Vordergrund steht nicht mehr allein die Perfektion auf einem Instrument, sondern die Frage, welche musikalischen Mittel zur Umsetzung einer Idee benötigt werden und welches Instrument dafür am besten geeignet ist.

Mehrere Instrumente? An Musikhochschulen üblich!

Mehrere, erst recht vollkommen unterschiedliche, Instrumente zu spielen, mag nach herkömmlichem Verständnis ungewöhnlich sein. Doch ist es das wirklich? Vielleicht sollten wir dem Multiinstrumentalismus den Nimbus der Exklusivität nehmen, denn bereits ein Blick in die Konservatorien und Musikhochschulen zeigt das Gegenteil. 

So ist es vollkommen normal, im Rahmen des Musikstudiums ein Instrument als Hauptfach und ein anderes als Nebenfach zu belegen. Häufig wählen die Studentinnen und Studenten ein Harmonieinstrument und ein solistisch einsetzbares Instrument – in Stein gemeißelt ist das allerdings nicht. In staatlichen Musikhochschulen wird zumeist das Klavier gewählt, das aufgrund seines logischen Aufbaus größtmöglichen theoretischen Nutzen bietet.

Damit legen viele Studierende bereits früh die Grundlage für multiinstrumentales Arbeiten, auch wenn zwei Instrumente noch keinen Multiinstrumentalisten im engeren Sinne ausmachen.

Multiinstrumentalisten sind keine Einzelfälle

Im Rock-, Jazz- und Pop-Business gibt es ebenfalls einige prominente Beispiele von Musikern, die sich nicht mit einem Instrument begnügen, sondern durch ihre Vielseitigkeit beeindrucken: Sufjan Stevens, Angel Bet Dawid, Todd Rundgren, Ivy Benson, Billie Joe Armstrong, Julie Fowlis, Stevie Wonder, der Alleskönner Prince oder Joanna Newsom, die auf ihrem Album "Diver" eigenhändig 16 verschiedene Instrumente eingespielt hat, sind Beispiele dafür, dass es sich bei Multiinstrumentalisten auch in der populären Musik nicht um Einzelfälle handelt. 

Die Liste könnte nahezu endlos weitergeführt werden, beispielsweise mit John Entwistle, der als Bassist von The Who weltberühmt wurde, darüber hinaus aber auch weitere Instrumente wie das French Horn, die Trompete, das Klavier und viele mehr beherrschte. Und nein, er hat nicht mit dem Bass begonnen, sondern mit dem French-Horn und dem Klavier.

Zuerst die Band oder der multiinstrumentale Track?

Manche Bands sind übrigens nur deshalb gegründet worden, weil eine Person, die im Studio sämtliche Instrumente alleine eingespielt hatte, dieses Prinzip bei Live-Auftritten so nicht mehr umsetzen konnte. Eines der typischen Beispiele sind die Foo Fighters mit Frontmann und Multiinstrumentalist Dave Grohl. 

Das selbstbetitelte Debüt-Album spielte der einstige Nirvana-Drummer im Studio mithilfe des Overdub-Verfahrens komplett eigenhändig ein. Doch als die erste Tour anstand, musste Grohl eine Band zusammenstellen.

Weitaus flexibler für den Musikerjob aufgestellt

Oftmals ergibt sich der Weg zum Multi-Instrumentalisten aus vollkommen pragmatischen Anforderungen. Gitarristen gibt es wie Sand am Meer. Wer als Saitenakrobat mit der Gitarre einen Platz in einer Band finden möchte, muss schon entweder herausragend gut sein, gute Beziehungen haben oder einfach selbst eine Band gründen.

Wer allerdings weitere Instrumente anzubieten hat, wie beispielsweise die Geige oder das Saxophon, verfügt über ganz andere Möglichkeiten. Der Marktwert, die Nachfrage und die Chancen, im Brot- und Buttergeschäft von Bühne bis Studio Aufträge zu erhalten, steigen immens. Wirtschaftliche Überlegungen sind selten der Hauptantrieb für den Weg zum Multiinstrumentalisten, aber sie sollten nicht völlig außer Acht gelassen werden.

Wie üben? Prioritäten setzen

Wer mehrere Instrumente spielt, steht zwangsläufig vor der Frage nach einer sinnvollen Übestruktur. Sich parallel allen spieltechnischen Anforderungen zu widmen, ist kaum realistisch. Viele Multiinstrumentalisten wechseln daher je nach Projekt oder Situation zwischen ihren Instrumenten und schenken der Frage nach Aufteilung der Übezeit kaum Beachtung.

Einen allgemein gültigen oder gar pauschal richtigen Weg gibt es nicht. Sinnvoll kann es jedoch sein, sich Etappenziele zu setzen, die sich etwa aus bevorstehenden Studioaufnahmen oder Konzerten ergeben. Dauerhafter Druck erweist sich dabei selten als hilfreich.

Wichtiger Faktor: Zeit

Zeit bleibt der begrenzende Faktor: Kaum jemand ist in der Lage, mehrere Instrumente auf demselben Niveau zu beherrschen. In der Regel konzentrieren sich auch Multiinstrumentalisten auf ein oder zwei Hauptinstrumente, während sie weitere auf einem soliden Grundniveau spielen.

Dabei sollte man überzogene Erwartungen vermeiden. Um ein Instrument solide zu spielen, benötigt man in der Regel mehrere Jahre. Wer die musikalischen Grundlagen und motorischen Abläufe beherrscht, hat es beim Erlernen des nächsten Instruments etwas leichter, ohne zum Selbstläufer zu werden.

Der nötige Blick auf das große Ganze

Um sich auf die Reise zum Multiinstrumentalisten zu machen, sind Kenntnisse der Musiktheorie, also Noten, Harmonielehre & Co. unabdingbar. Sie schaffen ein Verständnis für musikalische Zusammenhänge, das sich unabhängig vom jeweiligen Instrument anwenden lässt und den Lernprozess beschleunigt.

Die Zurückhaltung mancher Autodidakten, sich mit Musiktheorie auseinanderzusetzen, ist außerordentlich nachteilig, wenn man mehrere Instrumente beherrschen will und sollte daher überdacht werden.

Multiinstrumentalisten auf Basis der Songproduktion

Nur wenige Musiker beginnen mit dem erklärten Ziel, Multiinstrumentalist zu werden. Häufig entsteht dieser Weg aus dem Wunsch heraus, eigene Songs vollständig selbst umzusetzen.

Für diese Herangehensweise kann es sinnvoll sein, sich am Produktionsszenario zu orientieren. Wer Songs schreiben und diese anschließend komplett alleine einspielen möchte, kann sich an der typischen Besetzung seines bevorzugten Genres orientieren. Im Fall von Pop, Rock, Folk und Co. besteht diese aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier/Keyboards. 

Wer bereits Gitarre spielt, deckt damit zwar einen wesentlichen Teil der musikalischen Gestaltung ab, stößt bei der eigenständigen Produktion jedoch schnell an Grenzen. Ein Harmonieinstrument wie Klavier oder Keyboard kann helfen, Akkordfolgen transparenter darzustellen oder Arrangements zu entwickeln, die auf der Gitarre weniger naheliegend wären.

Dabei geht es nicht um Virtuosität, sondern um funktionales Spiel: einfache Voicings oder reduzierte Begleitfiguren reichen oft aus, um musikalische Ideen umzusetzen. Der Bass wiederum verbindet Harmonie und Rhythmus – ein Umstieg fällt Gitarristen aufgrund der ähnlichen Griffsystematik meist vergleichsweise leicht.

Mit dem Schlagzeug kommt schließlich eine zusätzliche Dimension hinzu: die Koordination unabhängiger Bewegungsabläufe und ein erweitertes Verständnis für rhythmische Strukturen. 

Zwar lassen sich viele dieser Aufgaben heute mithilfe von Software innerhalb einer DAW realisieren, doch wer als Multiinstrumentalist arbeiten möchte, profitiert davon, die jeweiligen Instrumente zumindest auf einem grundlegenden Niveau selbst zu beherrschen. 

In der Regel wächst durch die direkte Auseinandersetzung am Instrument das Verständnis für klangliche Möglichkeiten und musikalische Funktionen, was sich nicht zuletzt auch sehr positiv auf das eigene Songwriting auswirken kann. 

Zurück zu den Wurzeln

Schlussendlich sollten wir uns dessen bewusst werden, was es im heutigen Verständnis bedeutet, ein Multiinstrumentalist zu sein und weshalb sich innerhalb der Musikgeschichte sogar ein Kreis schließt. 

War es vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts so, dass die sogenannten Stadtpfeifer eine Vielzahl von Instrumenten lernen und beherrschen mussten, begann im 19. Jahrhundert der Trend zur Spezialisierung, die vor allem in der klassischen Musik zu beobachten ist. 

Obwohl diese Spezialisierung nie absolut war – beispielsweise wird von Saxophonisten häufig erwartet, dass sie ebenso Flöte und Klarinette spielen – vollziehen die heutigen Multiinstrumentalisten eine echte Kehrtwende: Weg von der Spezialisierung, hin zu sämtlichen Instrumenten, mit denen sie ihre Musik umsetzen können und an denen sie schlichtweg ihre Freude haben. Und die moderne Technik mit Loopern und DAWs spielt ihnen dabei in die Hände.

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