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Souverän vorspielen

10 Tipps für deine nächste Audition- oder Casting-Situation

Tipps für Musiker und Bands von Phillip Steven Albright
veröffentlicht am 26.06.2018

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10 Tipps für deine nächste Audition- oder Casting-Situation

Tipps für die Audition-Situation. © davidoff205020 / 123RF

Eine der selteneren Situationen, in der man sich als Musiker wiederfindet, kann gleichzeitig der Start für eine professionelle Karriere sein. Die Rede ist von Auditions. Nur wenige Takte können die nächsten Monate oder Jahre so entscheidend verändern.

Phillip Steven Albright ist Principal-Drummer bei Disney’s Aladdin am Theater Neue Flora und seit 2008 Teil der Hamburger Musical-Szene. Neben der Arbeit im Orchestergraben tourt er mit Bands wie Bakkushan und seiner eigenen Band Der Wahnsinn durch Deutschlands Metropolen und Dörfer.

Heute teilt er seine Erfahrungen, die er bei Auditions für Disney’s Aladdin, Disney’s Tarzan, Das Wunder von Bern, Bakkushan und einigen mehr gemacht hat.

1. Seid vorbereitet!

Egal ob es sich um ein Vorspiel bei einem Musical, einer kleineren Theaterproduktion oder einer Band handelt – die wichtigste Regel ist, vorbereitet zu sein!

Wenn Material zur Vorbereitung zur Verfügung steht, dann übt es, bis ihr es fehlerfrei und auswendig spielen könnt. Ich bin bei der Vorbereitung immer erst dann zufrieden, wenn ich merke, dass mir langsam langweilig wird.

Bei Musical-Auditions werden in der Regel Noten, MP3s aber auch Dirigatvideos rausgegeben. Wenn ihr nicht mit Material überschüttet werdet, müsst ihr selbst ans Werk. Im Internet solltet ihr Musik und auch Live-Material finden, aus dem ihr wichtige Informationen ziehen könnt. Jedes Detail zählt. Wenn ihr nichts finden könnt, fragt bei eurem Ansprechpartner nach. Wegen der Absicht, sich vorbereiten zu wollen, wird euch niemand abwimmeln.

2. Seid richtig vorbereitet!

Die Musik fehlerfrei spielen zu können ist ein guter Anfang. Wer bei der Audition einen Schritt weiter gehen will, sollte sich Gedanken über das Equipment machen!

Besonders für uns Drummer macht der Aufbau des Drumsets einen gewaltigen Unterschied. Das Drumset ist bei Musicals in den Dimensionen von Disney’s Aladdin oder König der Löwen gespickt mit exotischen Trommeln, Hand-Percussion, mehreren Pedalen und vielem mehr. Sich bei solchen Anforderungen auf einem Standard-Drumset vorzubereiten, kann nur die halbe Miete sein.

So kam zum Beispiel ein Gitarrist zum Vorspiel für Disney’s Tarzan tatsächlich nur mit einer Konzertgitarre. Nachdem er die Frage verneinte, ob er auch eine E-Gitarre mitgebracht hätte, durfte er auch schon wieder gehen. So schnell kann es gehen.

3. Trefft letzte Vorbereitungen

Die Vorbereitung endet erst mit dem Einzähler. Sollten noch Unklarheiten bestehen, die ihr im Vorfeld nicht klären konntet, fragt bei der Audition nach!

Dass ihr nach Details fragt, zeigt nur, dass ihr euch intensiv mit dem Material beschäftigt habt.

4. Seid pünktlich

Eine viertel Stunde zu früh zu sein kann euch einen großen Vorteil verschaffen. Seid ihr im richtigen Raum? Habt ihr alles dabei?

Gibt es andere Musiker, mit denen ihr schon gearbeitet habt? Falls ja, tut euch zusammen und spielt gemeinsam vor. Dadurch eliminiert ihr Unsicherheitsfaktoren, gegeben dem Fall, es handelt sich um Kollegen, mit denen ihr zurecht kommt.

Eine Stunde zu früh zu sein kann wiederum zu Kopfkino führen und euch unnötig nervös machen. Wer fünf Minuten zu spät kommt, kann meistens wieder nach Hause gehen.

5. Nicht als Erstes spielen

Wenn die Bewerber in keiner festen Reihenfolge beordert werden, sondern in den Raum gefragt wird, wer als Nächstes oder gar als Erstes spielen möchte, haltet euch zurück.

Aus den Aussagen der Musiker, die vor euch vorgespielt haben, könnt ihr manchmal wertvolle Informationen ziehen. Werden Abläufe verändert? Wie ist die Stimmung im Auditionraum? Unauffällig an der Tür zu lauschen kann auch hilfreich sein.

6. Seid freundlich!

Da es bei Auditions fast immer um eine längere Zusammenarbeit geht, ist der "menschliche Faktor" ganz entscheidend.

Einige Kollegen meinen sogar, der erste Eindruck würde alles, was man am Instrument anböte, übertrumpfen. Daher beginnt die Audition mit dem Öffnen der Tür zum Vorspielraum. Sogar die Emails oder Telefonate, die zur Audition führen, können maßgeblich über den Verlauf des Vorspiels entscheiden.

Gebt euch also von Anfang an professionell und selbstbewusst und versteckt euch nicht hinter Ausreden. Anständig angezogen sowie geduscht zu sein und sich kurz namentlich vorzustellen schadet auch nie.

7. Die Einrichtung

Bei großen Auditions werden häufig dutzende Bewerber in Fließbandmanier abgearbeitet. Trotzdem solltet ihr euch die Zeit nehmen, euch einzurichten.

Besonders Drummer müssen da schonmal Kompromisse eingehen. Snare, Hocker und Hihat sollten ordentlich stehen. Jedes Becken in der Neigung einzustellen, sollte aber hintenan gestellt werden.

Mitgebrachte Instrumente solltet ihr vorher auspacken und stimmen. Verstärker und Effektpedale können kurz angespielt werden. In keinem Fall aber solltet ihr bei Audition anfangen Stücke anzuspielen oder gar zu üben. Geübt wird Zuhause!

8. Weitersagen?

Eine moralische Frage müsst ihr mit euch selbst und eurem Gewissen klären. Erzählt ihr all euren Freunden und Kollegen von der Audition oder grenzt ihr die Konkurrenz ein, in dem ihr es lasst? Bei Angeboten, die man selbst nicht wahrnehmen kann, solltet ihr auf jeden Fall allen Kollegen Bescheid geben.

9. Keine Zuhörer

Falls ihr gefragt werdet, ob andere Musiker zum Zuhören im Raum bleiben können, solltet ihr euer Veto einlegen. Die Situation ist auch ohne Zuhörer schon stressig genug. Während des Spielens zusätzlich noch von Kollegen und der Musikerpolizei beäugt zu werden, macht mich persönlich meistens nervös.

10. Heb dir dein Mojo auf!

Ein bisschen abergläubisch bin ich schon. Am Tag vor und am Tag der Audition gilt bei mir ein striktes Zöllibat. Gefeiert wird nach überstandener Prüfung… ;)

 

Hast du eigene Erfahrung mit Auditions oder Castings gemacht, die du mit der Community teilen möchtest? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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