Mehr als Gerüchte
Audiotechnik-Hersteller Beyerdynamic an chinesisches Unternehmen verkauft (Update!)
Andreas Rapp und Sebastian Strohm, Geschäftsführer von Beyerdynamic. © Beyerdynamic
Das in Heilbronn ansässige Unternehmen Beyerdynamic, das vor allem für Kopfhörer und Mikronphone bekannt ist, beschäftigt ungefähr 375 Mitarbeiter. 2024 erzielte Beyerdynamic einen Umsatz von 84 Millionen Euro und einen Gewinn von 8,54 Millionen Euro.
Eine Ära endet
Beyerdynamic befindet sich seit 100 Jahren in Familienbesitz – ein Umstand, der in diesem wenige Monate alten Interview noch ausgiebig gewürdigt wurde. Damit ist es in Kürze vorbei.
Während Beyerdynamic vornehmlich in China fertigt, findet die Produkt-Entwicklung nach wie vor am Firmenstandort in Heilbronn statt. Während die Geschäftsführer erklären, für die Beschäftigten ändere sich nichts, fordern Betriebsrat und IG Metall ein Bekenntnis zum Standort Heilbronn.
Update: Inzwischen hat Beyerdynamic den Verkauf bestätigt. Der Kaufvertrag sei am 5. Juni unterzeichnet worden. Gegenüber heise.de erklärte Andreas Rapp, einer der Geschäftsführer:
"Die Gesellschafter haben erkannt, dass die zukünftigen Investitionen mit der aktuellen Struktur nicht finanzierbar sind. Sie haben sich deshalb dazu entschieden, das Unternehmen an einen Interessenten zu verkaufen, der die 100-jährige Geschichte von Beyerdynamic nicht nur weiterführen, sondern auch voranbringen wird, um in den internationalen Märkten weiterhin bestehen zu können."
Weiterhin erklärte er, für die Mitarbeiter werde sich nichts ändern. Cosonic habe besonderes Interesse daran, den Heilbronner Standort aufrechtzuerhalten. Geschäftsleitung und Management sollen ebenfalls im Amt bleiben und Beyerdynamic werde als selbstständiges Unternehmen agieren.
Glaubhafte Berichte
Über den Verkauf an Cosonic berichtet die Heilbronner Stimme, die als Regionalzeitung sicherlich nahe am Geschehen ist. Außerdem sind Entwürfe eines Kaufvertrags wohl bei Reddit geleakt worden.
Obwohl das Dokument auf Chinesisch verfasst ist, enthält es auch ohne Sprachkenntnisse interessante Informationen über die Besitzverhältnisse von Beyerdynamic. So hält Carol Shirley Beyer 42,92 Prozent und Carina-Gloria Mühling 27,62 Prozent an der Beyerdynamic GmbH & Co. KG. Die übrigen Beteiligungen liegen unter 10 Prozent.
Wer ist der Käufer?
Cosonic ist ein ODM (Original Design Manufacturing)-Hersteller, der vor allem Kopfhörer, Smartwatches und Smart Glasses für namhafte Hersteller wie Philips, JBL und Soundcore fertigt. Im Gegensatz zu Beyerdynamic verfügt Cosonic über wenig Erfahrung im Endkundengeschäft.
Mit dem Kauf will Cosonic den Aufbau der eigenen Marken beschleunigen, seine Präsenz in Europa und Nordamerika stärken, seine Kompetenz im High-End-Audiobereich verbessern und Innovationen durch gemeinsamen Forschung und Entwicklung stärken. Zudem will Cosonic das Vertriebsnetz von Beyerdynamic in Europa, Nordamerika und China nutzen.
Der Kauf ist nicht risikolos, denn Cosonic zahlt mit 122 Millionen Euro das 14-fache des Nettogewinns von Beyerdynamic aus dem Jahr 2024. Zudem könnten beträchtliche Investitionen nötig sein, um die Ziele von Cosonic zu erreichen.
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