"Die Gitarre kommt immer wieder zurück"
DIY-Organisation einer Messe: Frank Diesveld über die Erfolgsgeschichte des Guitar Summits in Mannheim
Das Team des Guitar Summits mit Frank Diesveld (ganz links). © Guitar Summit
BackstagePRO: Anlässlich der Premiere haben wir schon mal über den Guitar Summit gesprochen und damals hattet ihr gesagt, ihr wolltet ein Community-Event für Gitarren-Musiker, Hersteller, Vertriebe und Händler schaffen, das von Leidenschaft getragen wird. Habt ihr damit gerechnet, dass der Guitar Summit so viel Anklang findet?
Frank Diesveld: Wir haben von Anfang an daran geglaubt, dass ein solches Event der Community gut tun würde. Bereits vorher hatten uns Firmen, Hersteller und Leute aus der Szene gefragt: "Wollt ihr nicht mal so ein Event auf die Beine stellen? Ihr kennt doch alle!" Das Interesse war also spürbar vorhanden. Aber trotzdem: Es war ein ziemliches Risiko. Wir sind ja eigentlich mit Gitarre & Bass ein Fachmagazin, keine Eventagentur – das hätte auch voll in die Hose gehen können.
BackstagePRO: Wie groß ist das Orga-Team – und wie lange dauert die Planung für eine Ausgabe?
Frank Diesveld: Im Prinzip wirkt die komplette Gitarre & Bass-Redaktion am Guitar Summit mit. Das sind momentan 9 Leute. Eigentlich steht am Anfang immer erst die Konzeption: Neben den bewährten Aufgaben, die ohnehin jedes Jahr anfallen, setzen wir uns zusammen und fragen – was war gut, was lief nicht optimal, was kann man besser machen? Wollen wir etwas Neues ausprobieren? Und wenn ja: Wie lässt sich das umsetzen? Diese Phase ist total wichtig, weil damit die kreative Grundlage für alles Weitere gelegt wird – im Team, mit viel redaktionellem Know-how und direktem Draht zur Szene.
"Wir versuchen, immer besser zu werden"
BackstagePRO: Wie geht es dann weiter?
Frank Diesveld: Dann marschieren wir mit einem kleinen Kernteam von vier Personen los, um den Wahnsinn in die Tat umzusetzen. Und das ziemlich konsequent im DIY-Modus: Ausstellerkommunikation, Aufplanung der kompletten Ausstellung, Marketing mit allem Drum und Dran – also von der CI-Entwicklung über Social Media bis zu Layoutdesigns – Programmgestaltung, Zeitpläne, Bühnenkoordination, Ticketing (hier natürlich mit externer Hilfe) und, und, und. Dahinter steckt keine Agentur – das machen wir alles selbst. Und klar: Manches wirkt vielleicht etwas hemdsärmelig, aber es ist immer lösungsorientiert – und wir versuchen immer besser zu werden.
BackstagePRO: Ihr seid also das gesamte Jahr mit dem Guitar Summit beschäftigt?
Frank Diesveld: Ja, die Planung läuft im Prinzip das ganze Jahr. Nach dem Summit ist vor dem Summit. Oder besser: Vor dem Summit ist vor dem Summit – denn schon bevor die Türen überhaupt aufgehen, denken wir längst ans nächste Jahr. Die richtig heiße Phase beginnt meistens zu Beginn des Frühjahrs – aber ehrlich gesagt: Irgendwas ist immer.
BackstagePRO: Aber ohne Unterstützung wäre das nicht zu stemmen, oder?
Frank Diesveld: Ja. Wenn's dann endlich losgeht, holen wir unsere treuen, freundschaftlich verbundenen Helfer ins Boot – wir nennen sie liebevoll die "buckeligen Schergen". Ohne die läuft während des Guitar Summit gar nix! Die flitzen durchs Haus, schleppen Amps, stellen Workshop-Bühnen um, kümmern sich um die Masterclass-Teilnehmer*innen, verkaufen Merch, organisieren Umfragen, bauen Bierbänke auf oder schmeißen die legendäre Pedaljagd am Gitarre & Bass-Stand usw. – die sind immer da, wenn’s irgendwo brennt.
Nicht zu vergessen: das Team der m:con, dem Betreiber des Rosengartens. Die Zusammenarbeit läuft mittlerweile ebenfalls sehr freundschaftlich und vor allem vertrauensvoll. Sie kümmern sich verlässlich um alles rund um die Location und machen viele Sachen möglich, die man als Besucher gar nicht sieht.
"Uns geht es um echten Mehrwert"
BackstagePRO: Wie seht ihr die Entwicklung der Gitarrenszene im Allgemeinen?
Frank Diesveld: Ach, die Gitarre wurde schon oft totgesagt – aber sie kommt immer wieder zurück. Gitarrenmusik hat heute vielleicht nicht mehr denselben kommerziellen Stellenwert wie früher, auf dem Live-Sektor ist sie jedoch nach wie vor eine sichere Bank. Und auf Plattformen wie YouTube oder Instagram entstehen neue Gitarrenheld*innen, die eine ganz eigene Generation prägen – fernab von Charts, aber mit enormem Einfluss.
BackstagePRO: Ihr habt immer gesagt, dass auf dem Guitar Summit das Instrument im Vordergrund stehen soll, aber gleichzeitig habt ihr den Eventcharakter betont. Wie versucht ihr beide Aspekte unter einen Hut zu bringen?
Frank Diesveld: Für uns war das nie ein Widerspruch. Uns war wichtig, dass der Guitar Summit nicht einfach nur eine weitere Messe zum Durchlaufen ist. Deswegen stehen Ausstellung, Workshop- und Konzertprogramm absolut gleichwertig nebeneinander. Im Workshop-Programm geht’s uns nicht um langweilige Produktvorführungen nach dem Motto "Dieser Knopf macht das, und wenn man hier drückt, klingt’s so", sondern um echten Mehrwert – Inhalte, die tiefer gehen, inspirieren oder einfach unterhalten.
"Bei uns kommen alle zusammen"
BackstagePRO: Welchen Stellenwert haben die Konzerte?
Frank Diesveld: Bei den Konzerten im Mozartsaal stehen Musiker*innen gemeinsam auf der Bühne, die man so in dieser Kombination sonst nie sieht – für viele das Highlight des Wochenendes! Mit diesem Mix holen wir ganz unterschiedliche Leute ab – nicht nur die Gearheads, sondern auch Hobbyspieler*innen oder Musikfans, die sonst nie auf eine Messe gehen würden. Bei uns geht es nicht nur ums Gitarre-Gucken, sondern ums Gitarre-Erleben.
BackstagePRO: Der Guitar Summit ist definitiv eine Liebhabermesse, die sehr viele kleine Aussteller und Mitglieder der Gitarrenszene anzieht. Wie wichtig ist er mittlerweile in dieser Szene?
Frank Diesveld: Ich glaube, dass der Guitar Summit inzwischen einen ziemlich wichtigen Platz in der Szene einnimmt. Wir haben unheimlich viele Aussteller, die von Anfang an dabei sind, und das zeigt uns, dass hier etwas entstanden ist, das für viele Bedeutung hat. Die Branche ist klein, familiär, und der Summit ist für viele das eine Wochenende im Jahr, an dem man sich sieht, austauscht, neue Kontakte knüpft – oder einfach mal wieder persönlich miteinander spricht.
Wir versuchen, eine Plattform zu bieten, auf der alle zusammenkommen können: Hersteller, Vertriebe, Artists, Medien, Influencer*innen und natürlich Musiker*innen – von Leuten, die gerade anfangen bis hin zum Profi!
"Der Guitar Summit ist auch bei den Großen ein fester Termin"
BackstagePRO: Wie ist die Resonanz der großen Gitarrenmarken auf den Guitar Summit?
Frank Diesveld: Der Guitar Summit ist inzwischen auch für viele große Marken ein fester Termin im Kalender. Einige sind seit Jahren dabei und engagieren sich immer mehr – bringen größere Artists mit oder bauen ihre Präsenz aus. Und das gilt nicht nur für die Big Player – auch viele kleinere Aussteller legen jedes Jahr noch ’ne dicke Schippe drauf.
Wir sind also durchaus bei vielen "Großen" auf dem Schirm. In diesem Jahr freuen wir uns zum Beispiel über Marken wie Taylor Guitars, Jackson, Charvel, EVH, Gretsch und Marshall – die entweder noch nie dabei waren oder bisher nur über den Vertrieb – und jetzt zum ersten Mal selbst Flagge zeigen.
BackstagePRO: Wie hat sich der Guitar Summit in den letzten zehn Jahren verändert?
Frank Diesveld: Wenn man mich persönlich fragt: Ich war 2017 beim allerersten Guitar Summit noch selbst als Aussteller dabei. Und ich habe sofort gesehen, wie das Team mit ziemlich viel Idealismus, echtem DIY-Geist, ein paar richtig geilen Ideen an den Start gegangen ist. Ich hatte schon das Gefühl: Das könnte echt was werden. Und ich habe alle Daumen gedrückt, dass sich das Ding etabliert.
Und heute stehen mehr als 15.000 Leute im Rosengarten, internationale Artists, unglaublich viele Aussteller aus aller Welt, Workshops ohne Ende, Konzerte, Live-Streams, Masterclasses, und und und – das hätte sich damals wirklich keiner von uns ausgemalt.
Kurz gesagt: Alles ist größer und professioneller geworden, das Team eingespielter – aber die Grundidee hat sich nicht verändert. Und das ist vielleicht das Schönste daran: dass sich der Guitar Summit weiterentwickelt hat, ohne sich selbst untreu zu werden.
BackstagePRO: Habt ihr eine Änderung der Altersstruktur der Besucher bemerkt?
Frank Diesveld: Ja, definitiv – und eigentlich jedes Jahr ein Stück mehr. Das Publikum wird spürbar jünger. Ein Grund dafür ist sicher das Programm und das Line-up, das sich mitentwickelt hat. Die neuen Gitarren-Heroes kommen heute oft von YouTube oder Instagram – und bringen eine ganz neue Generation an Gitarrist*innen mit. Und das spiegelt sich natürlich auch im Publikum wider. Trotzdem verlieren wir die alten Legenden nicht aus dem Blick – und genau diese Mischung scheint gut zu funktionieren.
"Wir wollen preislich für alle bezahlbar bleiben"
BackstagePRO: Ihr seid mit dem Anspruch angetreten, familiärer, offener und auch preisgünstiger zu sein als große Messen. Jetzt erfahren wir alle, wie stark Preissteigerungen unser Leben bestimmen. Wird die Durchführung des Guitar Summit dadurch schwieriger?
Frank Diesveld: Ja, definitiv. Die letzten Jahre waren für alle herausfordernd – erst Corona, dann massiv gestiegene Kosten in fast allen Bereichen. Location, Technik, Logistik, Sicherheit, Personal – das alles wird spürbar teurer. Wir diskutieren das Thema Preissteigerungen im Team immer wieder neu – mit dem Ziel, ein starkes Event auf die Beine zu stellen, das sich für alle lohnt und trotzdem bezahlbar bleibt.
BackstagePRO: Welche Strategie verfolgt ihr, damit das gelingt?
Frank Diesveld: Wir bieten ein Programm, das in Qualität und Umfang weit über das Übliche hinausgeht. Und wenn man überlegt, dass heute schon ein einzelnes Konzertticket oft teurer ist als drei Tage Guitar Summit Vollbedienung, dann merkt man schnell, dass wir preislich immer noch verdammt fair unterwegs sind.
Auch auf Ausstellerseite spüren wir natürlich den Druck – trotzdem versuchen wir, unsere Standpreise so zu gestalten, dass auch kleinere Firmen oder Boutique-Builder sich eine Teilnahme leisten können. Dabei setzen wir auf volle Transparenz: keine Sonderdeals, kein Hinterzimmer-Geschacher. Und ja, manchmal gibt’s Diskussionen. Aber am Ende geht’s uns allen um dasselbe: ein cooles, erfolgreiches Wochenende für alle Beteiligten – auch wenn die Rahmenbedingungen von Jahr zu Jahr härter werden.
"Der Rosengarten in Mannheim ist ein Glücksgriff"
BackstagePRO: Kann der Guitar Summit dazu beitragen, jüngere Besucher für das Gitarrespielen zu begeistern?
Frank Diesveld: Wir glauben fest daran. Es klingt vielleicht klischeehaft, aber: Musik wird heute oft eher nebenbei gehört – in kurzen Clips auf TikTok oder Spotify, möglichst oft geklickt, damit’s gut läuft. Songs werden teilweise schon so geschrieben, dass sie schnell zünden – für den Algorithmus, nicht für die Ewigkeit. Es scheint, als habe das eigene Musizieren gerade bei der Gen Z längst nicht mehr denselben Stellenwert wie früher und der Weg zur ersten eigenen Gitarre ist nicht mehr so selbstverständlich. Bisher haben wir diese Zielgruppe noch nicht richtig geknackt – aber wir bleiben dran, in der Hoffnung, dass der Funke früher oder später überspringt.
BackstagePRO: Welche Rolle spielen Mannheim und speziell der Rosengarten für euer Konzept?
Frank Diesveld: Der Rosengarten war für uns ein absoluter Glücksgriff: wunderschön, zentral gelegen, super erreichbar mit allen Verkehrsmitteln – und genau mit den Räumen, die wir für unser Konzept brauchen. Alles unter einem Dach: Ausstellung, Workshops, Konzerte. Man muss als Besucher*in eigentlich kein einziges Mal das Gebäude verlassen … na gut, vielleicht für einen kurzen Abstecher zu den Foodtrucks draußen. (lacht)
BackstagePRO: Ist die Reaktion der Aussteller ebenso positiv?
Frank Diesveld: Ja! Mannheim ist super erreichbar – egal ob mit dem Zug, dem Auto oder per Flieger über Frankfurt. Es gibt viele bezahlbare Hotels, gute Gastro und die Stadt unterstützt uns seit Jahren großartig. Und nicht zuletzt: Unsere Aussteller sagen uns jedes Jahr aufs Neue – bitte bleibt in Mannheim!
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Personen
Frank Diesveld
Bassist, Gitarrist aus Köln Projektmanager bei Guitar Summit
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