Kompensation für abgesagtes Festival
Festivalveranstalter fordert 2,4 Millionen Dollar von The 1975 nach Bühnenkuss zwischen Bandmitgliedern
© Samuel Bradley
Die britische Band The 1975, sorgte im Juli letzten Jahres bei einem Auftritt auf dem Good Vibes Festival in Malaysia für Kontroversen, als Sänger Matty Healy mit einem Kuss mit Bassist Ross MacDonald gegen die Anti-LGBTQ-Gesetze des Landes protestierten.
Der Auftritt wurde nach nur sieben Songs vorzeitig abgebrochen und die Band des Landes verwiesen. Zudem wurde das restliche Festival abgesagt. Nun verklagt der Festival-Veranstalter Future Sound Asia, der bereits im vergangenen Jahr mit rechtlichen Schritten gedroht hatte, die Band vor einem britischen Gericht.
Betonung der Richtlinien
Der Veranstalter des Good Vibes Festivals behauptet in der Klage, die dem Online-Magazin Variety vorliegt, The 1975 hätte von den "zahlreichen Verboten" gewusst, die eingehalten werden müssen, um beim Festival auftreten zu müssen.
The 1975 seien bereits 2016 im Rahmen des gleichen Festivals in Malaysia aufgetreten und hätten Informationen über die Verbote erhalten. Vor dem Auftritt im Sommer 2023 wurde die Band den Angaben nach mehrfach an diese Regeln erinnert.
Die Richtlinien untersagten neben Schimpfwörtern, Rauchen und Trinken auf der Bühne auch die Ansprachen zu politischen und religiösen Themen sowie explizit Küsse sowohl zwischen Bandmitgliedern als auch mit dem Publikum!
Geplante Provokation?
In der Klage wird weiterhin behauptet, dass PUSPAL, der Zentrale Ausschuss für Filmaufnahmen und Darbietungen ausländischer Künstler in Malaysia, die Band im vergangen Jahr aufgrund eines Artikels über Matty Heelys Drogensucht aus dem Jahr 2018 nicht auftreten lassen wollte.
Allerdings habe die Band Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt und versprochen, sich an "alle lokalen Regeln und Vorschriften" zu halten. In der Klage heißt es weiter, dass The 1975 sich am Vorabend des Auftritts zunächst entschieden hatten, nicht aufzutreten und erst nach einer Abwägung der Alternativen bereiterklärten, doch aufzutreten.
Der Veranstalter wirft The 1975 weiterhin vor, die Band habe aus Protest gegen die Festivalrichtlinien eine andere Setlist gespielt und sich absichtlich regelwidrig verhalten, indem Healy eine "provokante Ansprache" hielt und "eine inszenierte, leidenschaftliche Umarmung" mit dem Bassisten vollführte.
Die Klage wirft der Band vor, bewusst provoziert und absichtlich gegen die Regeln verstoßen zu haben. Healy habe sich auch während des Festivals ungebührlich verhalten, indem er betrunken auftrat, Zigaretten rauchte, eine Rede voller Flüche hielt und eine Videodrohne beschädigte.
Festivalabbruch als Folge
Nach dem Kuss auf der Bühne ordneten die Behörden den Abbruch des Auftritts an, woraufhin Healy sich aggressiv verhielt und von seinen Managern beruhigt werden musste.
Am folgenden Tag wurde dem Veranstalter die Festival-Lizenz entzogen und das restliche Festival abgesagt.
Die Band und ihr Management hätten das Land umgehend verlassen, da sie sich des Verstoßes gegen malaysisches Recht bewusst waren. Healy behauptet hingegen, kurzzeitig von malaysischen Behörden inhaftiert worden zu sein.
Future Sound Asia fordern nun 2 Millionen Dollar Schadensersatz wegen Vertragsbruch. The 1975 haben sich bislang nicht zu der Klage geäußert. Hinsichtlich unserer Einschätzung verweisen wir auf unseren Artikel vom letzten Jahr.
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