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Global gedacht: Benjamin Kovacs vom "Global Battle of the Bands" im Interview

Interview von Backstage PRO
veröffentlicht am 08.09.2006

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Global gedacht: Benjamin Kovacs vom "Global Battle of the Bands" im Interview

Das GBOB mauserte sich innerhalb zweier Jahre zum größten Bandwettbewerb der Welt. Derzeit laufen in Deutschland die Vorrunden – Grund und Gelegenheit Benjamin Kovacs, der für die Durchführung von GBOB in Österreich und Deutschland zuständig ist, zu interviewen.

Du bist für die örtliche Durchführung in Deutschland und Österreich zuständig – was für eine Organisation / Unternehmen ist GBOB denn?

GBOB Ltd. ist ein englisches Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, diesen Wettbewerb weltweit zu promoten und durchzuführen. Ich selbst betreibe außerhalb meiner Tätigkeit für GBOB das Musikunternehmen Sound Inc. Ich mache viele Newcomerkonzerte in NRW sowie Booking und Management für einige Bands.

Zum ersten Mal in Deutschland war GBOB im letzten Jahr ...

2005 haben wir vier Ausscheidungen gemacht, um das ganze der Presse in kleinerem Rahmen näher zu bringen. Das Nationalfinale hat Circle of Grin für sich entschieden, die dann auch auf dem Weltfinale in London spielen durften, aber dort leider nicht gewonnen haben. Sieger wurden Kopek aus Irland, die derzeit in LA eine Platte mit David Bowies Produzent aufnehmen und sich auf ihre gewonnene Welttournee vorbereiten.

Kannst du kurz beschreiben, was das Besondere an GBOB ist, gerade im Vergleich zu anderen Newcomercontests?

Das Besondere ist die Tatsache, dass es den Bands auch wirklich etwas bringt. Bei vielen Wettbewerben ist es so, dass der Überblick in der Vielzahl der Veranstaltungen verloren gegangen ist, z.B. war ja mittlerweile fast jede zweite Band auf die man stößt schon mal irgendwie Finalist bei einem Emergenza-Finale.

Und auch wenn man dort gewinnt, hat man seiner Karriere nicht wirklich einen Schub gegeben. Wir versuchen mittels Sonderpreise förderungswürdige Bands herauszupicken, in Köln war das gerade Mod´n Jane, die zwei Studiotage gewonnen haben, obwohl die Vorausscheidung nicht für sich entscheiden konnten. Es soll auch wieder ein wenig Konzertkultur mit rein gebracht werden, unsere Bands werden nicht gezwungen Tickets zu verkaufen, wie das bei anderen Wettbewerben oft der Fall ist. Bei jeder Ausscheidung ist eine Jury da, es ist nicht so, dass die Band mit dem meisten Publikum automatisch weiterkommt.

Die Abgrenzung zu Emergenza ist interessant, denn zunächst erinnert das Konzept doch stark an diese Veranstaltung: vom internationalen Faktor bis hin zu Dingen wie der gemeinsamen Backline, der recht großen Mengen an Slots pro Abend und der Tatsache, dass es die teilnehmenden Bands zunächst Geld kostet, bei GBOB dabei zu sein: Die Anmeldung beträgt 20 € pro Musiker.

Gut, die Anmeldegebühr ist aber definitiv nötig, denn würde man das umsonst veranstalten, würden viele Bands keinen wirklichen Wert darauf legen – es würden Bands teilnehmen, die es einfach machen, weil es nichts kostet und auch nichts schief gehen kann.

Ihr seht die Anmeldegebühr als Qualitätssicherung gegenüber absoluten Anfängern etc.? Denn ansonsten sind diejenigen in den Vorrunden, die sich zu erst anmelden.

Ja, mit dieser Regelung haben wir gute Erfahrungen gemacht. Natürlich ist das GBOB auch für Anfänger interessant, da sie sich vor Presse und Musikindustrie präsentieren können. Dass sie dann unbedingt auch in der Wertung eine Rolle spielen, können sie natürlich nicht erwarten. Wir haben in Köln jedenfalls schon mal ein sehr hohes Niveau festgestellt und ich bin sehr auf das Nationalfinale gespannt.

Wie laufen die Vorrunden ab?

Es gibt bis zwischen 12 und 15 Slots, jede Band spielt zwei Songs, es sind keine Covers und Playbacks, d.h. auch keine mitlaufenden Samples, erlaubt.

Die Gewichtung Publikum vs. Jury ist 50:50. Wie handhabt ihr diesen bei jedem Wettbewerb sehr heiklen Punkt der Transparenz?

Das ist ein wesentlicher Faktor: Wir hatten in Köln z. B. einen Produzenten in der Jury, der schon die Rolling Stones gemischt hat. Der schreibt nun zu jeder Band einen Kommentar für jede Band. Das bedeutet für die Musiker mehr Feedback als nur das Wissen, dass all ihre Freunde die Hände für sie gehoben haben. Das Publikum kann bei uns von der Jury überstimmt werden. Im Nationalfinale zählt dann nur noch das Jury-Urteil.

Du sprachst Sonderpreise an – ich ging zunächst vom „Winner takes it all“-Prinzip aus: Der Sieger bekommt die stattliche Summe von 100 000 $ und es wird eine Welttournee organisiert. In welchem Maß gibt es darüber hinaus Preise?

In den Vorrunden haben wir hier und da Partner, wie z. B. die Akademie Deutsche Pop in Köln oder die Music Support Group in München, die gewisse Preise stiften. Meist sind das Studiotage. Das haben wir noch nicht überall, aber wir können optimistisch ins nächste Jahr blicken.

Im Nationalfinale wird die Music Support Group ein Studiowochenende in den Dorian Gray-Studios in München, einem der renommiertesten Studios in Deutschland, im Wert von 3000 € spenden. Außerdem gibt es einen Studioaufenthalt im Wert von 5000 € in den Dierks Studios in Stommeln. Dort waren u.a. schon die Rolling Stones, die Boomtown Rats und Lenny Kravitz. Im Weltfinale ist der 2. und 3. Preis ein Festivalauftritt in Mexiko.

Generell kümmern wir uns darum, dass auch bei den Vorausscheidungen Partner in Form von Band-Portalen oder lokalen Veranstaltern dabei sind, so dass Bands, die positiv auffallen, unter Umständen diverse Möglichkeiten haben, auch wenn sie nicht ins nationale Finale einziehen.

In welchem Rahmen wird die Welttournee organisiert?

Sie wird von den National Directors, d.h. mir und meinen Kollegen in den einzelnen Ländern organisiert. Die Band kann sich die Länder und den Zeitrahmen selbst aussuchen. Schließlich sind ja oft berufstätige Musiker dabei, die kaum ihren Job aufgeben können, weil sie jetzt plötzlich eine Welttournee gewonnen haben. Kopek haben allerdings genau das gemacht, die haben aber auch einen prima Plattenvertrag bekommen und werden jetzt von Kid Rock’s Manager betreut. Ob die Welttournee dann in einem Stück oder in Abschnitten erfolgt, durch welche Länder sie geht und ob es Festivalbesuche gibt, entscheidet sich dann.

Die 100 000 $ haben damit nichts zu tun und gehen ohne Bedingung direkt an die Band?

Genau. Die gibt es bar auf die Hand, daran sind keine Bedingungen geknüpft.

Inwieweit kümmert sich GBOB denn weiter um die Siegerband?

Das bleibt der Band überlassen. Es wird keine Band an uns geknebelt, wie das z.B. bei Casting Shows der Fall ist. Wir binden gar nicht, aber natürlich besteht die Möglichkeit, mit den National Directors, die gewöhnlich ihren Platz in der Musikindustrie haben, weiter zusammenzuarbeiten. So besteht für jede Band, die irgendwie positiv auffällt, die Möglichkeit Kontakte zu schließen und daran anzuknüpfen.

Wie finanziert sich GBOB?

Hauptsächlich über Sponsoren. Das findet auf nationaler wie auf internationaler Eben statt. Auch die 100 000 $ finanzieren sich über Sponsoren, d.h. GBOB Ltd. wird da bislang auch draufgelegt haben, so einen Wettbewerb zu finanzieren ist in der Anfangsphase natürlich nicht leicht. Die Anmeldegebühren gehen auch hälftig an GBOB Ltd.

Wie steht es um die weltweite Ausdehnung von GBOB?

Gestartet als skandinavischer Wettbewerb vor 20 Jahren kam erst England dazu, bis schließlich beschlossen wurde weltweit an den Start zu gehen. Mittlerweile sind Länder wie Nepal, Südafrika oder Jamaika dabei. Es sind alle Kontinente vertreten.

Wo ist die Resonanz am größten?

Auf den Philippinen. Von dort wird übrigens auch MTV Asia übertragen. Letztes Jahr waren es etwa 170 Bands, dieses Jahr werden es eine Vielzahl mehr sein, der Kollege dort hat sich gerade aus seinem eigentlichen Geschäft zurückgezogen um sich komplett um GBOB zu kümmern. Die Bevölkerungsstruktur und Kultur ist sehr US-amerikanisch ausgelegt, was den Boom etwas erklärt. Groß ist GBOB auch in den USA, der Ukraine und England. Deutschland läuft gut an, wir haben etwa 100 angemeldete Bands, und planen für nächstes Jahr zwischen 70-90 Veranstaltungen.

Also scheint auch in Deutschland noch Raum für einen weiteren großen Band-Wettbewerb vorhanden?

Raum insoweit, weil das Konzept besser als das der bisherigen Wettbewerbe ist. Das ist druchaus eine Kampfansage an die Konkurrenz. Sowohl Bands als auch Presse und Industrie sind nicht wirklich zufrieden mit dem was bisher passiert ist. Ich habe beispielsweise noch nie von einer Band gehört, aus der etwas geworden ist, weil sie bei Emergenza mitgemacht hat.

Hier würden die Emergenza-Leute z.B. die Emil Bulls ins Gespräch bringen ...

Okay, richtig, da wusste ich allerdings lange Zeit auch nicht, dass die durch Emergenza hoch kamen.

GBOB stellt sich als größter Bandwettbewerb weltweit dar. Betrifft das die teilnehmenden Bands, die Zuschauer oder beides?

Es ist der größte Wettbewerb, was Bands, teilnehmende Länder und Zuschauer angeht. Beim Publikum dreht es sich um pures Live-Publikum, würde man natürlich TV hinzunehmen, wäre der Eurovision Song Contest größer.

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