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"Wir spieln kreatifen Rockfunk-Improjazz"

Informieren unmöglich: Die sechs größten Fehler in Pressetexten von Bands

Tipps für Musiker und Bands von Daniel Nagel
veröffentlicht am 22.04.2015

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Informieren unmöglich: Die sechs größten Fehler in Pressetexten von Bands

Fehler in Pressetexten von Bands. © Mohamad Zaki Mokhtar / 123RF Stockfoto

Pressetexte sollen für Bands oder Künstler werben, aber manchmal erreichen sie das Gegenteil. Seitenlange Abhandlungen, Rechtschreibfehler in Massen, unpassende Vergleiche – wir haben sechs Fehler zusammengestellt, die ihr unbedingt vermeiden solltet.

Aus etlichen der täglich in die Musikredaktionen der Republik hinein flatternden Pressetexten könnte man Papierflieger bauen und hätte dann wirklich deutlich mehr davon. Dabei könnten sie eine wertvolle Informationsgrundlage sein. Also woran liegt's?

1. "Wir sind eine ser kreatife Band" – Rechtschreibfehler in Massen!

Es klingt spießig, aber es ist so. Rechtschreibfehler in Massen hinterlassen einen miesen Eindruck. Klar: Sie sagen nichts darüber aus, wie gut die Band ist, aber das spielt keine Rolle, schließlich sind sie für diejenigen bestimmt, die ihr Geld mit geschriebenen Worten verdienen: Journalisten. Und die erkennen diese Fehler und stören sich daran.

Wie vermeidet ihr den Fehler?

Es besteht bei Pressetexten meistens keine Eile: Vor der Veröffentlichung solltet ihr daher den Text jemandem mit hervorragenden Rechtschreibkenntnissen und Sprachgefühl zum Korrekturlesen vorlegen. Benutzt die Rechtschreibprüfung in Word oder Open Office. Es hilft auch, den Text laut den Bandmitgliedern vorzulesen. Dabei fallen Verbesserungsmöglichkeiten auf, die sonst untergegangen wären.

2. "Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde" – endloses Rumgelaber

Ein Pressetext sollte euch und eure Musik kurz vorstellen. Kurz! Es nützt nichts, sieben Seiten zu schreiben, die niemand liest. Es bringt aber auch nichts, gar nichts zu schreiben. Jemand, der euren Pressetext liest, möchte eine schnelle Beschreibung. Am Ende muss eure Musik für euch sprechen.

Wie vermeidet ihr den Fehler?

Schreibt einen kurzen Pressetext und konzentriert euch auf das Wesentliche!

3. "Mindestens so bedeutend wie die Beatles!" – Werbung, die nach hinten losgeht

Natürlich wollt ihr für eure Band werben. Aber ihr solltet eure Vergleiche sorgfältig wählen. In einem Pressetext verglich sich eine junge Band tatsächlich mit Bob Dylan und John Coltrane, zwei der einflussreichsten, aber auch gegensätzlichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Wenn ihr euch mit den größten Musikern überhaupt vergleicht, weckt ihr Erwartungen, die ihr nicht erfüllen könnt. Allerdings bringt es auch nichts, sich mit Bands zu vergleichen, die überhaupt niemand kennt.

Wie vermeidet ihr den Fehler?

Ein Weg besteht darin, auf Vergleiche mit berühmten Musikern vollständig zu verzichten und stattdessen eure Musik über das Genre zu beschreiben. Dazu unten mehr. Wenn ihr euch auf einen berühmten Künstler oder eine berühmte Band berufen wollt, dann könnt ihr ihn oder sie stattdessen als "Inspiration" oder "Antrieb" bezeichnen. Das ist zwar auch nicht gänzlich unproblematisch, aber es ist wesentlich glaubhafter als zu schreiben: "David Müllers Songs erinnern an Bob Dylan." An diesem Vergleich sind zahlreiche Karrieren gescheitert.

4. "Wir machen New PopRockHardcoreSoul-MetalPunk!" – Genrechaos

Immer wieder erklären Bands: "Wir wollen nicht in Schubladen gesteckt werden!" Das ist ein verständlicher Wunsch, aber er ist unrealistisch. Menschen sortieren und kategorisieren die Welt ganz bewusst, ansonsten würden wir mit ihr nicht fertig. Es nützt also nichts, sich vor Genrebezeichnungen zu drücken, denn die erste Frage, die jeder stellt ist: "Welche Musik macht ihr?"

Wie vermeidet ihr den Fehler?

Die richtige Antwort ist eine Genrebezeichnung, mit der ihr euch wohlfühlt. Eine oder zwei Genrebezeichnungen, nicht fünf. Unter "Punk-Pop" kann sich jeder etwas vorstellen, unter "PunkMetalJazzSoulPop" hingegen nicht. Wie alles andere auch, müsst ihr die Genrebezeichnung stimmig wählen. Mehr als zwei Genres sind Unsinn und irritieren mehr, als dass sie euch helfen. Bedenkt, dass die Bezeichnung eine erste grobe Orientierung liefern soll – sie soll nicht eure Musik abschließend beschreiben!

5. "Mein Name ist Sun Ra und ich komme vom Saturn" – erfundene Biografien

Sun Ra hieß eigentlich Herman Blount und stammte nicht vom Saturn, sondern aus Birmingham, Alabama. Er war ein genialer Pianist, Bandleader und Komponist, obwohl er behauptete vom Saturn zu stammen. Sein Sun Ra Arkestra gibt es noch heute, mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod. Sein Beharren auf seiner ungewöhnlichen Herkunft sorgte aber auch dafür, dass viele ihn nicht ernstnahmen, auch Menschen, die ansonsten seine Karriere gefördert hätten.

Wenn ihr also in eurer Biografie behauptet, mutierte Space-Aliens zu sein, dann ist das weniger lustig als problematisch, denn jeder weiß, dass das nicht stimmt. Und nach der dritten "lustigen" Biografie lacht niemand mehr. Ebenso schwierig sind Spitznamen. Was soll ein Journalist oder Booker damit anfangen, wenn eine Band schreibt, dass sich Matze, Ratze, Fatze und Glatze in Oer-Erkenschwick zusammengefunden haben, um gemeinsam Musik zu machen?

Wie vermeidet ihr den Fehler?

Schreibt einfach, wie ihr heißt und woher ihr kommt. Das muss nicht zwangsläufig euer Heimatort sein, ihr könnte auch eine größere oder bekanntere Stadt in der Nähe nennen. Für einen Journalisten sind richtige Namen immer hilfreich, mit "Matze aus Oer-Erkenschwick" kann niemand etwas anfangen. Jeder ist euch dankbar, wenn ihr in eure Bandbeschreibung eure Namen packt, denn dadurch muss der Journalist nicht ewig suchen oder in seinem Text statt eures Namens "der Schlagzeuger" schreiben. Künstlernamen sind übrigens ok! Ihr müsst auch nicht alles verraten, ein wenig Mysterium schadet nicht.

6. "Wir SIND GROß UND so SIEHT MAN's auch" – Mit Formatierungen und Schriftarten rumspielen!

Schriftarten sind toll, es gibt eine Menge davon und man kann damit viele coole Dinge machen. Aber sollte man es auch? Schließlich geht es in einem Pressetext darum, Leser über euch und eure Musik zu informieren. Was bringen daher Schriftarten, die man nicht lesen kann oder Texte, in denen ein Drittel der Wörter fett oder kursiv sind? Oder in denen ganze Abschnitte bunt sind?

Wie vermeidet ihr den Fehler?

Sucht euch eine normale, schlichte Schriftart und schreibt, was ihr zu sagen habt.

Euer Feedback

Natürlich kommt man manchmal nicht um das ein oder andere Textklischee herum. Wichtig ist, dass ihr euch der Fallstricke einer Bandinfo bewusst seid und im Zweifel kreativ, aber eben auch informativ darauf reagiert. Wie lauten deine Erfahrungen? Was hat schon einmal gut funktioniert, worauf hast du negative Reaktionen erhalten?

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