Für ein besseres Live-Erlebnis
Metal-Band Ghost verbietet Handys auf Konzerten
Ghost (2024). © Ryan Chang
Mehr als 55 Stops in Nordamerika, Mexiko und Europa – Ghost haben sich für ihre kurz bevorstehende Skeletour World Tour" viel vorgenommen. Vorab sorgt jedoch eine Maßnahme der Gruppe für besonders viel Aufmerksamkeit: Während dem Auftritt bleiben die Smartphones der Fans in der Tasche. Genauer gesagt in der Yondr-Tasche.
Yondr ist ein amerikanisches Unternehmen, bekannt für sein sogenanntes "Yondr-Pouch". Bei dem Produkt handelt es sich um eine Tasche mit magnetischer Entriegelungsbasis, mit deren Hilfe telefonfreie Räume geschaffen werden sollen. Neben Künstler*innen wie Ghost, Bob Dylan und Jack White greifen unter anderem auch Schulen, Unternehmen aber auch Einzelpersonen auf das Produkt zurück, das laut Webseite für "echte Verbundenheit, Konzentration und Kreativität" sorgen soll.
Fröhlicheres Publikum
In einem Interview mit Planet Rock berichtet Ghost-Frontman davon, bereits während der Aufnahmen zu ihrem Konzertfilm "Rite Here Rite Now" aus dem Jahr 2024 zwei Abende lang Gebrauch von der Yondr-Pouch gemacht zu haben. Laut Forge, ein voller Erfolg. Das Publikum sei ihm so engagiert, so fröhlich erschienen, wie schon Jahre lang nicht mehr.
Besonders in großen Städten, in denen Live-Musik-Shows keine Seltenheit darstellen, sei es "so schwer, die Leute dazu zu bringen, mitzumachen". Bei einem Konzert keine Telefone mehr zu sehen, sei ihm wie eine Zeitreise erschienen. Vor vielleicht 10 Jahren wäre vor der Bühne noch deutlich weniger gefilmt worden, das habe sich inzwischen drastisch geändert denn, so Forge: "Wenn man vor 10.000 Leuten spielt, halten 8.000 Leute ein Telefon in der Hand."
Die Abende ohne aufflackernde Handybildschirme boten scheinbar eine willkommene Abwechslung. "Wir sagten einfach: 'Ich wünschte, es wäre immer so.'" Mit Urheberrechtskontrolle hingegen habe die Maßnahme nichts zu tun.
Leichte Umsetzung
Bei der Umsetzung bietet die Yondr-Pouch laut Forge den Vorteil, dass die Konzertbesucher*innen ihr Smartphone nicht abgeben müssen und sich somit weniger Gedanken machen müssten.
"Wenn man einen Telefonat führen muss, kann man rausgehen. Wenn man ein Foto machen muss, kann man draußen in der Lobby ein Foto von sich machen, das ist in Ordnung."
Ghost sind nicht die einzige Gruppe, die sich durch weniger Smartphonegebrauch auf Veranstaltungen ein gegenwärtigeres Publikum erhofft. Während Künstler wie Bob Dylan und Jack White ebenfalls auf die Yondr-Puch zurückgreifen, setzen andere auf die Eigenverantwortung der Fans.
Mehr Handy, weniger Verbundenheit
Bereits im Februar 2022 hatte sich so etwa Indie-Rockmusikerin Mitski via X (damals Twitter) in einem inzwischen gelöschten Beitrag zum Thema Handys auf Konzerten geäußert. Zwar würden Handys heute einen Teil unserer Realität ausmachen, sie selbst trage ihres immer bei sich. Sie habe auch nicht generell etwas gegen Foto-Aufnahmen ihrer Shows. Die Nutzung habe aber auch Schattenseiten:
"Manchmal, wenn ich sehe, wie Leute ganze Songs oder ganze Sets filmen, habe ich das Gefühl, als wären wir nicht hier zusammen. Das gilt sowohl, wenn ich auf der Bühne stehe, als auch, wenn ich als Zuschauerin bei Shows dabei bin. Ich liebe Shows wegen des Gefühls der Verbundenheit, des Teilens eines Traums und der Erinnerung daran, dass wir einen kurzen, wundersamen Moment haben, in dem wir gleichzeitig am Leben sind, bevor wir uns trennen. Ich fühle, dass ich Teil von etwas Größerem bin."
Der Anblick eines Publikums, das auf einen Bildschirm starre, vermittele ihr hingegen das Gefühl, als würde den Personen auf der Bühne etwas weggenommen und als Inhalt konsumiert anstatt einen Moment zu teilen.
Andere Methoden
Andere Musiker*innen ermutigen ihre Fans gezielt vor einzelnen Songs dazu, das Handy beiseite zu lassen. So bat etwa Phoebe Bridgers bereits darum, ihre Live-Performance des Songs "Letter to an Old Poet" nicht zu filmen. Das Lied handele von dem schwierigsten Part ihres Erwachsenenlebens und sie würde ihrem Publikum dabei lieber ins Gesicht sehen.
RIN & Schmyt wiederum setzten bei ihrer handyfreien "No Phones Allowed"-Tour 2025 auf abgeklebte Kameras.
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