Keine Einstellung des Geschäftsbetriebs
Native Instruments meldet vorläufige Insolvenz an (Update!)
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© Native Instruments
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Prof. Dr. Torsten Martini bestellt. Er wäre im weiteren Verlauf für eine mögliche Restrukturierung des Unternehmens zuständig.
Native Instruments zählt zu den weltweit bedeutendsten Herstellern von Musiksoftware und -hardware für professionelle und semiprofessionelle Anwender. Über die Involvenz berichtete zuerst Peter Kirn von CDM. Die Insolvenzbekanntmachung ist aber auch in der Datenbank der Insolvenzbekanntmachungen abrufbar.
Zentrales Unternehmen der Musikproduktion
Das Unternehmen bereibt unter anderem die Sampling-Plattform Kontakt, die Sounddesign-Umgebung Reaktor, das Produktions- und Performance-System Maschine, die DJ-Software Traktor und den Synthesizer Absynth. Viele dieser Produkte gelten als Industriestandards und sind tief in Produktions-, Live- und DJ-Workflows integriert. Darüber hinaus basiert ein großer Teil des globalen Marktes für Sample-Libraries und virtuelle Instrumente auf der Kontakt-Plattform.
Zur Unternehmensgruppe gehören außerdem iZotope, Plugin Alliance und Brainworx, die gemeinsam ein breites Portfolio von Mixing-, Mastering- und Effekt-Tools für Studios, Postproduktion und Live-Anwendungen abdecken. Native Instruments ist damit nicht nur ein Produktanbieter, sondern betreibt Ökosysteme, auf denen zahlreiche Drittentwickler, Künstler*innen und Produktionshäuser aufbauen.
Erdrückende Schuldenlast?
Seit 2021 hielt die Investmentgesellschaft Francisco Partners die Mehrheit an Native Instruments. Bereits im November hatte die EU den Weg frei für eine Übernahme der Native Instruments Group durch Bridgepoint und Bain Capital Credit gemacht. Wie diese Nachricht aber genau zu interpretieren ist, ist unklar.
Einige Seiten wie Heise oder Production Expert interpretieren die Insolvenz als Zeichen dafür, dass der Deal nicht zustandegekommen ist. Andere wie Peter Kirn vermuten, dass die Gläubiger die Kontrolle an Native Instruments übernommen haben. Denkbar ist aber auch, dass die neuen Investoren die Firma in die Insolvenz geschickt haben, um die Schuldenlast von Native Instruments zu reduzieren oder ganz loszuwerden.
Diese könnte beträchtlich sein. Ein Finanzbericht aus dem Jahr 2023 weist ein deutliches Missverhältnis zwischen Verbindlichkeiten und operativem Ergebnis aus. Steigende Zinsen könnten dazu geführt haben, dass das Unternehmen die Schulden, die es zuvor für die Übernahmen aufgenommen hat, nicht mehr tragen konnte.
Hintergrund der finanziellen Schieflage scheint also weniger die Nachfrage nach den Produkten zu sein als vielmehr die hohe Verschuldung infolge umfangreicher Expansionen und kostenintensiver Übernahmen.
Keine Einstellung des Geschäftsbetriebs
Nach aktuellem Stand bedeutet das Insolvenzverfahren nicht, dass der operative Betrieb eingestellt wird. Im Gegenteil: Das Insolvenzverfahren ermöglicht die Weiterführung des Geschäftsbetriebs, während das Unternehmen vor unmittelbaren Gläubigermaßnahmen geschützt ist.
Ziel des Verfahrens ist es, Vermögenswerte zu sichern, umzustrukturieren oder zu veräußern, um offene Verbindlichkeiten zu bedienen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass zentrale Produktlinien als wirtschaftlich wertvolle Assets fortgeführt oder in neue Strukturen überführt werden.
Für Anwenderinnen und Anwender besteht kurzfristig kein Anlass zur Sorge, dass Produkte oder Services abrupt eingestellt werden. Dennoch sorgt das Verfahren für erhebliche Unsicherheit – sowohl bei Kunden als auch bei Partnerfirmen, Drittentwicklern und Mitarbeitenden.
Update, 2.2.2026: Inzwischen hat sich Nick Williams, CEO von Native Instruments, geäußert:
"Ich möchte mich persönlich kurz zu den jüngsten Nachrichten über Native Instruments äußern.
Seien Sie versichert, dass der Geschäftsbetrieb bei Native Instruments, iZotope, Plugin Alliance und Brainworx wie gewohnt weiterläuft. Unsere Hardware- und Softwareprodukte sind weiterhin erhältlich und können heruntergeladen und aktiviert werden.
Unsere engagierten Teams sind weiterhin für Sie da und unterstützen unsere Kunden wie gewohnt. Im Bereich Produktentwicklung und Technik arbeiten wir weiterhin an der Entwicklung und Einführung neuer Produkte und Funktionen. Unser NKS-Partnerschaftsteam bearbeitet weiterhin Kontakt Player-Lizenzen und NKS-Partner-Einreichungen.
Wir arbeiten fleißig und verantwortungsbewusst daran, eine gesunde, finanziell nachhaltige Zukunft für Native Instruments zu sichern.
Wie Sie vielleicht gesehen haben, hat die Native Instruments GmbH in Deutschland einen Umstrukturierungsprozess eingeleitet, ebenso wie drei unserer deutschen nicht operativen Holdinggesellschaften. Rechtlich gesehen haben wir Anträge auf Eröffnung eines vorläufgen Insolvenzverfahrens für diese Unternehmen gestellt.
Unser Fokus liegt darauf, Kontinuität für Kreative, Kunden und Partner zu gewährleisten. Wir werden euch weiterhin über neue Entwicklungen auf dem Laufenden halten.
Ich bin selbst seit jeher Musiker und seit 25 Jahren begeisterter Fan von Native Instruments. Unsere Mission, Kreative zu inspirieren und ihnen zu ermöglichen, sich durch Klang auszudrücken, geht weiter."