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Verfahren um das Great 78 Project

Rechtsstreit zwischen Major Labels und The Internet Archive beigelegt

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 02.10.2025

internet archive

Rechtsstreit zwischen Major Labels und The Internet Archive beigelegt

Schellackplatten Schallplatten waren vor Erfindung der LP das gängige Medium für Audio-Aufnahmen. © Mick Haupt

Das Internet Archive und mehrere große Musiklabels, darunter Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Capitol Records, haben ihren Rechtsstreit über das Great 78 Project beigelegt. Ein entsprechendes Gerichtsdokument bestätigt die Einigung. Innerhalb von 45 Tagen soll ein Antrag auf Abweisung des Verfahrens eingereicht werden.

Die Anwälte beider Parteien reichten am 15. September 2025 eine Vergleichsmitteilung beim Bezirksgericht in Kalifornien ein. Darin wird lediglich bestätigt, dass die Kläger – darunter Universal Music Group und Sony Music Entertainment – sowie das Internet Archive "diese Angelegenheit beigelegt haben". Die Bedingungen des Vergleichs sind vertraulich.

Sowohl das Internet Archive als auch die klagenden Labels erklärten, dass eine "vertrauliche Lösung aller Ansprüche" erreicht worden sei. Beide Seiten kündigten an, keine weiteren öffentlichen Kommentare diesbezüglich abzugeben, eine mögliche Zahlung wird nicht offengelegt.

Hintergrund: Das Great 78 Project

Im Mittelpunkt der Klage stand das Great 78 Project, das 2017 gestartet wurde. Ziel des Projekts ist die Digitalisierung und Bewahrung von 78 U/min Schelllackplatten, die zwischen den 1890er- und 1950er Jahren das dominierende Tonträgermedium waren.

Das Internet Archive hat mit Unterstützung des Tontechnikers George Blood mehr als 400.000 Aufnahmen digitalisiert. Insgesamt sollen langfristig rund 3 Millionen Aufnahmen zugänglich gemacht werden, um Historikern bei der Dokumentation der Musikgeschichte zu helfen.

Vorwürfe der Labels

Die Labels warfen dem Internet Archive im August 2023 vor, mit den digitalisierten Aufnahmen ein "illegales Plattengeschäft" zu betreiben und Einnahmen aus autorisierten Streams zu "untergraben".

Die Klage konzentrierte sich zuerst auf 2.749 Aufnahmen. Bei einer ergänzten Klageschrift wurden 1.393 Aufnahmen hinzugefügt, sodass sich die Gesamtzahl auf 4.142 erhöhte. Betroffen waren unter anderem Werke von Künstlern wie Billie Holiday, Louis Armstrong und Frank Sinatra.

Anfangs wurde der Schaden auf 400 Millionen US-Dollar geschätzt. Später erweiterten die Kläger die Zahl der betroffenen Aufnahmen, sodass sie die potenzielle Schadenssummen auf bis zu 700 Millionen US-Dollar erhöhten. Grundlage war die gesetzliche Höchststrafe für einen Urheberrechtsverstoß von 150.000 US-Dollar pro Aufnahme.

Position des Internet Archives

Das Internet Archive betonte dagegen stets, dass es sich um eine digitale Forschungsbibliothek handele. Seine Unterstützer verwiesen auf den Wert der Aufnahmen für historische Forschung und öffentliche Zugänglichkeit.

Ende 2024 unterstützten Musikerinnen und Musiker wie Kathleen Hanna, Tegan und Sara und Amanda Palmer sowie mehr als 300 Unterzeichnern das Internet Archive mit einem offenen Brief gegen die Klage.

Die Einigung folgt auf einen ähnlichen Rechtsstreit zwischen dem Internet Archive und Buchverlagen, der 2024 mit einem Urteil zugunsten der Verlage endete. Auch dort wurde eine nicht offengelegte Zahlung vereinbart. Somit bleibt unklar, welche tatsächlichen Kosten das Internet Archive für die Verteidigung seiner Digitalisierungsprojekte tragen muss.

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