Bund stellt Förderung ein
Schallplattenladen-Preis EMIL_ ehrt 14 Gewinner – steht aber vor ungewisser Zukunft
© Stefan Wieland
Mit dem EMIL_ sollten Schallplattenläden als wichtige soziale und gesellschaftliche Orte geehrt und ihre Bedeutung für die kulturelle Vielfalt und Bildung betont werden.
Da es sich beim EMIL_ um ein befristetes Förderprojekt der Bundesregierung handelt und die Förderung nicht fortgeführt wird, könnte es sich um die letzte Preisverleihung gehandelt haben. Im vergangenen Jahr wurde der EMIL_ in Köln verliehen.
So war laut Musikwoche auch nicht Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vor Ort, sondern Ingo Mix, der im BKM für Kunst- und Kulturförderung zuständig ist. Dieser begrüßte die Bemühungen des VUTs, den Preis auch ohne Bundesförderung weiterzuführen.
Preise in vier Kategorie
Für den EMIL_ 2025 waren fast 200 Bewerbungen eingegangen. Eine unabhängige, neunköpfige Jury kürte daraus 14 Gewinner in den Kategorien "Bestes Schallplattengeschäft", "Herausragendes Schallplattengeschäft – Neugründung", "Herausragendes Schallplattengeschäft – Innovation" und "Herausragendes Schallplattengeschäft – strukturschwache Region".
Die Preise wurden von Laudatoren und Laudatorinnen übergeben, die jeweils einen persönlichen Bezug zu den ausgezeichneten Läden haben. Die Preisverleihung fand am 28.11.2025 im Jenaer Club Kassablanca statt.
Auszeichnungen in der Hauptkategorie
Zu den zehn Gewinnern in der Hauptkategorie "Bestes Schallplattengeschäft", die mit jeweils 15.000 Euro belohnt wurden gehören:
- a-Musik, Köln
- De Plaar, Esens [das ist in Ostfriesland!]
- DISover Record Store, Bochum
- Flight 13 Records, Freiburg
- Hanseplatte, Hamburg
- mono-Ton Tonträger und HiFi, Nürnberg
- phonocentrum, Leipzig
- Steeltown Records, Eisenhüttenstadt
- Tillophon, Annaberg-Buchholz
- Toxic Toast, Coburg
Auszeichnung in Spezialkategorien
Darüber hinaus wurden herausragende Leistungen in Spezialkategorien ausgezeichnet. Der Düsseldorfer Plattenladen A&O Medien wurde für seine Innovation, der Sweetwater Recordstore aus Dresden in der Kategorie "Strukturschwache Region" und der Sound Store Wiedenbrück als "Neugründung" prämiert. In diesen Kategorien erhielten die Gewinner jeweils ein Preisgeld von 25.000 Euro.
HHV Records in Berlin erhielt außerdem ein undotiertes Gütesiegel als "Bestes Schallplattenfachgeschäft". Der Jahresumsatz des Unternehmens, das auch einen großen Online-Store betreibt, hatte in den vergangenen drei Jahren im Schnitt über einer Million Euro gelegen.
Alle ausgezeichneten Läden erhielten zudem das Gütesiegel "Ausgezeichneter Ort der Kultur" sowie eine eigens hergestellte 7''-Single mit zwei Tracks ("Schallentin" von Twit One und "Zeitenwende" von fastmusic).
Bedeutung der Plattenläden
Dr. Birte Wiemann, Vorstandsvorsitzende des VUT, betonte in ihrer Rede die gesellschaftliche Bedeutung der Plattenläden und freute sich darüber, dass Plattenläden, ob groß, klein, Preisträger oder nicht, mit dem EMIL_ eine Stimme und ein gemeinsames Netzwerk gefunden hätten.
"Es ist diese Energie und dieses Netzwerk, auf das wir als Musikbranche und Gesellschaft zählen, denn die Plattenladenbesitzer*innen – unabhängig davon, ob EMIL_-Gewinner*in oder nicht – öffnen tagtäglich ganz pragmatisch die Tür zu einem der niedrigschwelligsten Kulturorte überhaupt."
Gleichzeitig kritisierte Wiemann aber auch fehlende politische Unterstützung, die dazu führe, dass der Preis im kommenden Jahr nicht weiter durch den Bund finanziert wird:
"Im Namen des VUT möchte ich allen Preisträgerinnen auch auf diesem Weg noch einmal die herzlichsten Glückwünsche aussprechen. Es ist wichtig, dass es euch gibt! Vollkommen unverständlich finde ich indes, dass die politisch Verantwortlichen diese Einschätzung ganz offenbar trotz Steigerung des Kulturetats nicht teilen."
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veröffentlicht am 02.12.2024 1