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Nach dem Aus von Rockbuster und Play Live

Sind Bandcontests als Förderinstrument noch zeitgemäß? Wie sich Musikwettbewerbe und Bandförderung wandeln

Spezial/Schwerpunkt von Daniel Nagel
veröffentlicht am 19.04.2019

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Sind Bandcontests als Förderinstrument noch zeitgemäß? Wie sich Musikwettbewerbe und Bandförderung wandeln

Die Band Rene tritt beim Rockbuster Finale 2017 in Koblenz auf. © Annegret Arnold

Anfang 2019 gaben zwei der bekanntesten deutschen Bandförderwettbewerbe fast gleichzeitig ihr Aus bekannt. Der rheinland-pfälzische Bandwettbewerb Rockbuster findet 2019 ebenso nicht mehr statt wie Play Live, der Bandcontest des Landes Baden-Württemberg. Zufall? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Die Bandförderungslandschaft in Deutschland verändert sich nachhaltig. Das ist die Konsequenz der Entscheidung gleich zweier Bundesländer ihre Bandförderwettbewerbe im Jahr 2019 nicht mehr stattfinden zu lassen.

Förderung als Preis

Sowohl Rockbuster als auch Play Live beschränkten sich nicht darauf, eine Siegerband zu küren und mit Preisen zu beschenken. Stattdessen kombinierten beide Wettbewerbe einen Bandwettbewerb mit Fördermaßnahmen in Form von Workshops, Auftrittsmöglichkeiten bei Festivals und anderen Veranstaltungen sowie Kontakten zu wichtigen Playern im Musikbusiness.

Damit geht eine Ära zu Ende, denn der von der Landesarbeitsgemeinschaft Rock & Pop Rheinland-Pfalz veranstaltete Bandwettbewerb Rockbuster existierte seit dem Jahr 1995. Damals ging Rockbuster aus dem Landesnachwuchsfestival Rock & Pop hervor, das seit 1986 bestand. Play Live fand unter Einbeziehung des Vorgängerwettbewerbs Baden-Württemberg rockt seit 25 Jahren statt.

Gewinner und Verlierer

Markus Graf (Geschäftsführender Vorsitzender der LAG Rock & Pop), erklärt dazu, es sei das Ziel von Rockbuster gewesen "Bands zu finden, die hochmotiviert sind und bereit sind, sich auf die Förderung einzulassen." Diese Bands in Form eines Livecontests auszuwählen, sei jedoch stets auch mit Schwierigkeiten verbunden gewesen: "Wenn man Gewinner erzeugt, erzeugt man eben auch immer Verlierer, ob man will oder nicht", kommentiert er.

So habe es bei Rockbuster den Fall gegeben, dass eine im Finale zweitplatzierte Band sich zutiefst in ihrer Ehre gekränkt sah, weil sie aus dem Wettbewerb nicht als Sieger hervorgegangen war – und das obwohl die drei erstplatzierten Bands die gleiche Förderung erhielten! Noch ausgeprägter sei das Problem bei Bands gewesen, die im Finale leer ausgegangen waren und daher oft ablehnten, sich im folgenden Jahr ein weiteres Mal zu bewerben.

Konkurrierende Konzepte

Diese Beispiele verdeutlichen gut, auf welche Weise die Konzepte Bandförderung und Bandwettbewerb miteinander in Konflikt geraten können. Zwischen dem Ziel der Förderung von Nachwuchsbands und dem Konzept des Bandwettbewerbs besteht eine bisweilen schwer auflösbare Spannung.

Ein Wettbewerb zielt darauf ab, an einem bestimmten Abend der Beste zu sein oder zumindest zu den Siegern zu zählen. Im Gegensatz zu dieser kurzfristigen Idee steht das Ziel der Bandförderung, das idealerweise einen mittel- oder langfristigen Ansatz verfolgt.

Viele Bands nehmen daher am Wettbewerb teil, um ihn zu gewinnen, besitzen aber keine Ambitionen, sich auf die Förderung wirklich einzulassen. Zudem erfolgte die Auswahl bei Rockbuster auf rein musikalischen Kriterien, so Markus Graf. Daher war nie abzusehen, ob beispielsweise Bandmitglieder einen längeren Auslandsaufenthalt planen oder zum Studium in weitere Ferne ziehen und für die Förderung gar nicht verfügbar sind.

Neues Förderprogramm in Rheinland-Pfalz

Aus diesen Gründen haben die jeweiligen Institutionen der beiden südwestdeutschen Bundesländer entschieden, ihre Bandwettbewerbe in der bisherigen Form nicht weiterzuführen. Während Baden-Württemberg bislang keinen Nachfolger für Play Live angekündigt hat, tritt in Rheinland-Pfalz die neue pop rlp masterclass an die Stelle von Rockbuster. Nach wie vor können sich Bands für die Förderung bewerben, aber sie werden nicht mehr öffentlich durch einen Bandwettbewerb ausgewählt, sondern auf Basis von Bewerbungen und Interviews durch eine Fachjury.

Für die Förderung der ausgewählten Bands sollen Mentoren aus dem Rockbuster-Umfeld sorgen, so beispielsweise Nicholas Müller (Jupiter Jones) oder Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket). Im Mittelpunkt einer "fünfmonatigen Produktionsphase" stehen Workshops mit dem Ziel der "Unterstützung junger Musikschaffender, der Vernetzung aller Akteure der Branche und der bedarfsorientierte Fort-und Weiterbildung" im Zentrum der Aktivität der pop rlp masterclass.

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