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Heavy Sounds treffen auf Schmerzforschung

Studie beim Wacken Open Air: Heavy-Metal-Fans können Schmerzen länger aushalten

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 28.08.2026

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Studie beim Wacken Open Air: Heavy-Metal-Fans können Schmerzen länger aushalten

Wacken Open Air 2026. © WOA Festival GmbH / Pep Bonet Masterclass

Eine Studie des Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften zeigt, dass sich das Festivalerlebnis und das Livehören von Heavy Metal auf die Schmerztoleranz des Publikums auswirkt. Untersucht wurde das Phänomen 2023 beim Wacken Open Air.

Heavy Metal steht für Lautstärke, Energie und häufig auch für aggressive oder wütende Emotionen. Dass genau diese Eigenschaften möglicherweise Einfluss darauf haben, wie Menschen mit Schmerzen umgehen, haben Lydia Schneider und Tom Fritz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig untersucht.

Einfluss der Festivalerfahrung auf die Schmerzwahrnehmung

Für die im Scientific Reports veröffentlichte Studie wurden insgesamt 122 Metal-Fans beim Wacken Open Air 2023 untersucht. 60 Personen nahmen als Vergleichsgruppe bereits vor Beginn der Konzerte an der Untersuchung teil, weitere 62 wurden während des Festivals getestet.

Die Forscher wollten herausfinden, ob sich das musikalische und soziale Erlebnis auf die Wahrnehmung und den Umgang mit Schmerzen auswirkt. Zum Motiv der Studie erklärte Lydia Schneider:

"Bisher wussten wir, dass unterdrückter Ärger den größten Effekt auf die Intensivierung von Schmerzerleben bei Patienten mit chronischen Schmerzen hat. Deshalb wollten wir untersuchen, ob sich das Schmerzerleben verändert – gerade bei einer Musikform wie Heavy Metal, bei der ziemlich viele unangenehme Gefühle ausgedrückt werden, insbesondere auch Ärger."

Versuchsablauf und Ergebnisse

Die Teilnehmenden mussten eine Hand und den Unterarm in etwas zwei Grad kaltes Wasser tauchen. Gemessen wurde unter anderem, wann der Schmerz erstmals wahrgenommen wurde und wie lange die Probanden ihn anschließend aushalten. Zusätzlich erfasste das Forschungsteam die Herzfrequenz und  Herzratenvariabilität mithilfe eines EKGs.

Da Alkohol die Schmerztoleranz unvorhersehbar beeinflussen kann, wurden nur Teilnehmer zugelassen, die keinen oder wenig Alkohol zum Zeitpunkt des Experiments getrunken haben.

Die Forschenden konnten feststellen, dass sich die Schmerzempfindlichkeit und die empfundene Unangenehmheit des Schmerzes nicht signifikant veränderten. Die Festivalbesucher konnten den Schmerz jedoch länger aushalten. Die Forschenden werteten das als möglichen Hinweis auf eine gesteigerte Schmerzresilienz. Eine denkbare Erklärung ist also, dass das Festival-Erlebnis die Akzeptanz unangenehmer Zustände fördert.

Wut als mögliche Ressource

Vor allem die emotionale Qualität von Heavy Metal könnte dabei eine Rolle spielen. Anders als Musik, die gezielt zur Entspannung eingesetzt wird, verarbeitet Metal häufig Wut, Aggressionen und andere intensive Gefühle. Die Studie greift die Frage auf,ob das bewusste Erleben solcher Emotionen möglicherweise hilfreicher sein kann, als unangenehme Gefühle zu unterdrücken.

Gerade für die Forschung zu chronischen Schmerzen könnte dieser Ansatz interessant sein. Die Autoren der Studie sehen zumindest die Möglichkeit, dass sogenannte "wütende" Musik künftig stärker untersucht werden sollte, insbesondere bei Menschen, die im Zusammenhang mit Schmerzen viele negative Emotionen erleben. Tom Fritz erklärt dazu:

"Akzeptanz unangenehmer emotionaler Zustände oder schwieriger Situationen spielt eine zentrale Rolle für die Resilienz und die Schmerztoleranz, und wütende Musik hören kann daher vorteilhaft sein anstatt unangenehme Emotionen mit positiven Emotionen zu überdecken. Metal-Musik oder wütende Musik insgesamt könnte so vermutlich bei Patienten mit viel Ärgererleben durch Schmerzen auch präventiv dazu beitragen, die Entwicklung chronischer Schmerzen zu verhindern."

Es jedoch nicht sicher, ob die Ergebnisse der Studie nur für das Wacken Open Air für Metal-Festivals oder Musikfestivals im Allgemeinen gelten und auf welche spezifischen Aspekte des Festivals der Effekt tatsächlich zurückzuführen ist.

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