Spannende Einblicke
Wie entsteht eine Gitarrensaite? Thomann blickt hinter die Kulissen von D’Addario
Thomann sprach mit Jim D'Addario in New York. © Thomann
Unterschiedliche Materialien, Stärken und Beschichtungen beeinflussen Klang, Spielgefühl und Haltbarkeit von Gitarrensaiten. Doch wie werden die Saiten eigentlich hergestellt?
Um dieser Frage nachzugehen, hat Thomann den Hersteller D'Addario an seinem Unternehmenssitz auf Long Island besucht. Die Videoreportage bietet Einblicke in die Produktion und Entwicklung und lässt auch Jim D'Addario zu Wort kommen.
Bis zu 700.000 Saiten täglich
Durchschnittlich rund 700.000 Saiten verlassen täglich die Produktion von D'Addario. Die vorhandenen Kapazitäten würden sogar die Herstellung von etwa einer Million Saiten pro Tag ermöglichen.
Um die Qualität möglichst genau kontrollieren zu können, zieht das Unternehmen einen Großteil seiner Drähte selbst. Auch viele der eingesetzten Produktionsmaschinen wurden eigens entwickelt und gefertigt. Computergesteuerte Wickelverfahren und eine weitgehend automatisierte Produktion sollen sicherstellen, dass Saiten desselben Typs möglichst identische Eigenschaften besitzen. Dabei wird unter anderem die Spannung des Wickeldrahts elektronisch kontrolliert.
Forschung und Qualitätskontrolle
Die Reportage zeigt auch, wie aufwendig die Verarbeitung der Materialien ist. So werden bestimmte Drähte mithilfe eines Plasma-Verfahrens gereinigt und erhitzt. Auch die sechseckigen Kerndrähte umsponnener Saiten entstehen durch spezielle Fertigungsschritte.
In der Entwicklungsabteilung untersucht D'Addario seine Produkte unter anderem mit einem Rasterelektronenmikroskop, das Vergrößerungen bis zum 100.000-Fachen ermöglicht. Weitere Prüfverfahren messen Zugfestigkeit, Elastizität und Schwingungsverhalten.
Wie viel Entwicklungsarbeit in einer Saite steckt, zeigt das Beispiel der beschichteten XS-Saiten. Mehrere Jahre dauerte es, eine besonders dünne Beschichtung zu entwickeln, die eine hohe Haltbarkeit gewährleistet, ohne den Klang wesentlich zu beeinflussen.
Von der Entwicklung zur Praxis
Zu Wort kommt auch Jim D'Addario, der schon früh an der Entwicklung neuer Produkte und Fertigungsmaschinen beteiligt war. Zu den wichtigen Innovationen des Unternehmens zählt die Einführung von Phosphorbronze-Saiten für Akustikgitarren in den 1970er-Jahren. Obwohl er sich inzwischen teilweise aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, beteiligt sich Jim D'Addario nach eigener Aussage weiterhin regelmäßig an der Produktentwicklung.
Wie sich die Saiten im Musikeralltag bewähren, berichtet Living-Colour-Gitarrist Vernon Reid. Er schätzt insbesondere die hohe Reißfestigkeit der NYXL-Saiten, die er als nahezu unzerstörbar bezeichnet. Nachdem er lange Zeit stärkere Saitensätze bevorzugt hatte, experimentiert er inzwischen mit unterschiedlichen Stärken. Welche Saiten sich am besten eignen, hänge dabei auch von der jeweiligen Gitarre ab.
Die Thomann-Reportage vermittelt damit einen detaillierten Eindruck davon, wie viel technischer Aufwand hinter einem scheinbar einfachen Produkt steckt. Besonders die Einblicke in die automatisierte Fertigung und die Forschungsabteilung machen das Video für Gitarristen und andere technisch interessierte Musiker sehenswert.