Passives Einkommen durch Automatisierung?
Wie KI-Bands als Geschäftsmodell vermarktet werden
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© KI generiert
Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist das "KI-Band-System" von Bastian Gläser. Er bewirbt das Konzept über soziale Netzwerke und stellt es in einem rund einstündigen "exklusivem Live Online-Training" vor, um im Anschluss KI gestützten Softwarepakete und Coachingeinheiten zu verkaufen.
Das KI-Band-System
Gläser, der nach eigenen Angaben selbst Musiker ist und sich seit 2002 als Online-Marketer positioniert, versucht in einer angeblichen Live-Online-Veranstaltung zu erklären, wie sich mittels seiner Produktpalette virtuelle Bands erstellen lassen, die automatisiert Songs veröffentlichen und unter anderem über Streaming-Plattformen, Albumverkäufe sowie kostenpflichtige Fanclub-Abonnements weitgehend automatisiert Einnahmen generieren. Gläser wirbt auf seiner Info-Page, die sein Online-Training ankündigt, sogar von "monatlich 5-stelligen Gewinnen". Der Nutzer muss dabei selbst nicht öffentlich als Künstler in Erscheinung treten, sondern fungiert als anonymer, sogenannter "Ghost Manager" im Hintergrund.
Bereits an dieser Stelle drängt sich allerdings eine grundlegende Frage auf: Warum sollten Hörer ausgerechnet diese KI-Bands entdecken, deren Alben kaufen oder sogar bereit sein, ein kostenpflichtiges Fanclub-Abonnement abzuschließen? Eine schlüssige Antwort darauf liefert das Webinar nicht.
Musik als Vehikel
Interessant ist dabei weniger die eingesetzte Technologie als die dahinterstehende Philosophie.
Musikproduktion erscheint hier nicht als kreativer Prozess, sondern als industrieller, seelenloser Teil einer Wertschöpfungskette, deren Effizienz durchaus infrage gestellt werden darf. Ziel ist es, mithilfe Künstlicher Intelligenz möglichst viele Songs und Bands zu erzeugen, die bevorzugt über Nischengenres Einnahmen generieren sollen.
Gleichzeitig dient die Musik als Vehikel, um ein technologisches Konzept wie das von Bastian Gläser zu vermarkten, dessen konkrete Funktionsweise und praktische Leistungsfähigkeit nach dem Webinar an vielen Stellen offenbleiben.
Solche Geschäftsmodelle dürften viele Musiker kritisch sehen. Wer Monate oder sogar Jahre in Songwriting, Proben, Studioaufnahmen und den Aufbau einer Fanbase investiert, wird sich zwangsläufig fragen, welche Auswirkungen es hat, wenn digitale Plattformen und Social Networks zunehmend mit KI-generierten Veröffentlichungen und sogar Künstlerprofilen gefüllt werden.
Viel Geschäftsmodell, wenig Einblick in das System
Auffällig ist auch die Gewichtung des Webinars. Ausführlich wird erklärt, welche Einnahmequellen sich mit dem System angeblich erschließen lassen. Streaming-Erlöse, Albumverkäufe, Fanclub-Abonnements sowie verschiedene Szenarien, wie sich der Umsatz entwickeln könnte, nehmen einen großen Teil der Präsentation ein.
Auf die technischen Abläufe des Systems geht Gläser kaum ein. Zwar werden zahlreiche Funktionen angedeutet, eine durchgängige Demonstration des kompletten Workflows findet jedoch nicht statt. Dadurch bleibt unklar, wie das System in der Praxis tatsächlich arbeitet und welcher Aufwand trotz aller Automatisierung erforderlich ist.
Konkrete Details zum KI-System werden nur ansatzweise erläutert. Wie die virtuellen Bands generiert werden, welche KI-Modelle oder Plattformen zum Einsatz kommen oder wie die Abrechnung der verschiedenen Dienste erfolgt, bleibt nach dem Webinar weitgehend unklar.
Viele Fragen bleiben unbeantwortet
Dass Fragen offen bleiben, bedeutet nicht automatisch, dass das vorgestellte System nicht funktioniert. Aufgrund der Anzahl und Relevanz der ungeklärten Punkte drängt sich jedoch eine gewisse Skepsis hinsichtlich der Professionalität des Angebots und seiner Präsentation auf.
Weder für das Konzept noch für die Software existiert eine eigenständige Webpräsenz, über die sich Interessenten näher über den Anbieter, den Vertragspartner, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder andere geschäftsrelevante Aspekte informieren können. Der Vertrieb erfolgt über einen externen Online-Dienst, ohne dass dort konkrete Angaben zum Leistungsumfang ersichtlich sind.
So bleibt unter anderem unklar, wie viele Stunden die einzelnen Beratungseinheiten umfassen, wie lange die Software-Lizenz gültig ist, wie viele Künstlerprofile sich damit erstellen lassen und welche KI-Dienste dabei konkret in welchem Umfang zum Einsatz kommen.
Das KI-Band-System soll einschließlich der Beratungseinheiten einen Gesamtwert von mehr als 7.000 Euro haben. Im Rahmen des Webinars (Nachtrag: das Angebot scheint wohl dauerhaft Gültig zu sein) wird das Paket für 990 Euro angeboten – begrenzt auf rund 50 Kunden und nur für einen bestimmten Zeitraum. Alternativ werden Ratenzahlungen ab 49 Euro in Aussicht gestellt. Über den Turnus bzw. eine Gesamtlaufzeit werden jedoch keine konkreten Angaben gemacht. Rechtsanwalts Thomas Meier-Bading erkennt im Verkaufsprozess des KI-Band-Systems Merkmale eines so genannten "Volumenfunnels", bei dem es darum geht, den Einstriegpreis möglichst niedrigschwellig anzusetzen, um Erstkunden zu generieren, die über "Upsells" bzw. zusaetzliche Angebote weiter monetarisiert werden.
Einen kostenlosen Demo-Zugang such man ebenso vergebens wie einen Hinweis auf eine Stornierungs- oder Geld-zurück-Option. Lediglich die AGBs des externen Shopbetreibers dienen als "verbindlicher" Rahmen. Auf ein Widerrufsrecht innerhalb der ersten 14-Tage muss zudem bei Kauf aktiv verzichtet werden. Gerade bei einem Produkt in dieser Preisklasse ohne Testversion hinterlassen diese Rahmenbedingungen bei Kauf sicherlich bei vielen Interessenten einen faden Beigeschmack.
Auch die erwähnten Erfolgsbeispiele lassen sich kaum einordnen. Nachvollziehbare Praxisberichte unabhängiger Anwender oder belastbare Erfahrungswerte spielen im Webinar keine Rolle.
In der Summe erschwert dies eine Bewertung des Angebots und lässt wesentliche Fragen offen, die potenzielle Käufer vor einer Investitionsentscheidung berechtigterweise stellen könnten.
Skepsis auch in der Community
Ähnliche Fragen werden inzwischen auch in der Community diskutiert.
In einem Reddit-Thread zum KI-Band-System hinterfragen Nutzer unter anderem die fehlende Transparenz der eingesetzten Technologie, die Wirtschaftlichkeit einer Lifetime-Lizenz sowie die präsentierten Erfolgsbeispiele. Diskutiert wird außerdem, wie ein unbegrenztes Lifetime-Modell dauerhaft wirtschaftlich funktionieren soll, wenn vergleichbare KI-Musikdienste überwiegend auf laufende Abonnements oder Credit-Systeme setzen.
Konzeptionelle Kritik
Neben den Diskussionen in der Community gibt es weitere Aspekte, die bei einer Bewertung des Konzepts berücksichtigt werden sollten.
Ein zentrales Missverständnis besteht darin, KI generierte Inhalte mit einem passiven Einkommen gleichzusetzen. Auch wenn die Musikproduktion weitgehend automatisiert werden kann, bleiben Marketing, Positionierung, Funnel-Optimierung und Zielgruppenanalyse entscheidende Erfolgsfaktoren. Ohne diese unternehmerischen Fähigkeiten dürfte sich auch mit KI-generierter Musik kaum ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen lassen.
Hinzu kommt ein Plattformrisiko. Das Modell basiert wesentlich auf Streaming-Diensten wie Spotify. Ändern bzw. verschärfen diese ihre Richtlinien für KI-generierte Inhalte oder ihre Erkennungssysteme, könnte sich die Wirtschaftlichkeit des Konzepts kurzfristig verändern. Auch diese Unsicherheit wird im Webinar nur am Rande thematisiert.
Abschließende Bewertung
Das KI-Band-System steht exemplarisch für einen Trend, der derzeit immer häufiger zu beobachten ist: Über Webinare werden KI-basierte Geschäftsmodelle vorgestellt, die mittels Automatisierung, Agenten und vermeintlich skalierbaren Content-Workflows passives Einkommen versprechen, bevor teure Software- und Dienstleistungspakete verkauft werden.
Ob das KI-Band-System für einzelne Nutzer wirtschaftlich funktioniert, lässt sich von außen nicht beurteilen. Angesichts der zahlreichen offenen Fragen und der nur eingeschränkt nachvollziehbaren Informationen zum Leistungsumfang ist eine gewisse Skepsis jedoch nachvollziehbar.
Hinzu kommt die grundsätzliche Frage, welche Auswirkungen eine KI-gestützte Massenproduktion von Songs und virtuellen Künstlern mittelfristig auf die Musikbranche haben könnte und wie sich eine zukünftige Kennzeichnungspflicht von KI-Erzeugnissen auf solche Konzepte grundsätzlich auswirkt.
Letztlich bleibt offen, wer von solchen Konzepten tatsächlich profitiert – die Kunden, die damit ein Geschäftsmodell aufbauen möchten oder in erster Linie die Anbieter der Software- und Coachingangebote. In letzter Konsequenz hängt der Erfolg solcher KI-Konzepte davon ab, ob (Musik)Konsumenten bereit sind, für deren Output (Songs, Artists) Geld zu bezahlen. Genau dieser Aspekt darf vor dem Hintergrund aller offenen Punkte und Fragestellungen stark bezweifeilt werden.
Uns interessiert Habt ihr bereits Erfahrungen mit Systemen wie dem KI-Band-System gemacht? Kennt ihr vergleichbare Angebote oder habt ihr das System sogar selbst getestet? Schreibt eure Erfahrungen und Einschätzungen gerne in die Kommentare.
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veröffentlicht am 12.08.2026 5