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Tipps für die öffentliche Musikdarbietung im Städtchen

Das kleine Regelwerk des Straßenmusikers

Tipps für Musiker und Bands von Axel Winkler
veröffentlicht am 13.05.2015

straßenmusik

Das kleine Regelwerk des Straßenmusikers

Das Straßenmusiker-Dasein hat seinen Reiz. © Axel Winkler

Fröhliches Musizieren auf den Straßen Deutschlands – das ist nicht immer einfach so möglich, birgt die Sache doch einiges mehr in sich, als man zunächst annimmt.

Straßenmusik ist eine angenehme Sache für Musiker, die sich zwar etwas Bares dazuverdienen wollen, aber keine fixen Summen in die Taschen träumen – der Spaß steht meist an erster Stelle. Passanten und Familien genießen während des wöchentlichen Einkaufsbummels das muntere Treiben von Solisten und kleineren Ensembles an der ein oder anderen Geschäftsecke, was das gestresste Hetzen von Laden zu Laden etwas vergessen lässt. Soweit jedenfalls die Idealsituation…

Das Treffen auf die vier Parteien

Wer als Straßenmusiker öffentlich seine Kunst darbietet, kann sich sicher sein, dass die Musik irgendjemand erreicht. Am liebsten möchte man natürlich die Einkaufsbegeisterten in den romantischen Seitengässchen, am Marktplatz oder auf der großen Einkaufsmeile für einen Moment verzaubern.

Doch dann waren da noch jene, denen das Musizieren u.U. gegen den Strich geht. Die Rede ist von Geschäftsinhabern und Anwohnern. Im Vergleich zu den Konsumbegeisterten an diesem Tag sind diese nämlich gezwungen, einer Fiedel oder einem Akkorden ein Ohr zu leihen. Besonders unschön wird dies, wenn das gespielte und/oder gesungene Stück noch sehr an künstlerischer Tiefe und Talent mangelt. Verständlich, dass diese Leute über einen längeren Zeitraum eine gewissen Abneigung gegenüber Straßenmusik hegen.

Wenn es den beiden benannten Gruppen zu viel wird, greift auf deren Bitten auch die jeweilige Stadtverwaltung ein. Die vierte Partei, die sich ein ordentliches Mitspracherecht vorbehält.

Anweisungen ist Folge zu leisten

Da wohl der Unmut der Anwohner einiger Städte in Deutschland gegen die Straßenmusiker gewachsen ist und die Behörden des Öfteren Beschwerden über zu laute Musik und Ähnliches erhalten haben, entschieden sich viele Verwaltungen zur Aufstellung eines „Merkblattes“. Dieses Merkblatt ist in der Regel auf der Website der Stadt zu finden, in der ihr zu spielen gedenkt.

Im Vergleich werden in vielen Großstädten doch immer wieder ähnliche Festlegungen aufgezählt. Zu denen zählen unter anderem…

  • die Einhaltung von Spielzeiten (also, an welchem Wochentag und welcher Uhrzeit ihr spielen dürft),
  • welche Instrumente nicht erlaubt sind (insbesondere Schlag- und Blechinstrumente, sowie elektronische Geräte zur Verstärkung eines Instruments),
  • und die Regelung, in welchem Abstand ihr nach dem Standortwechsel zu dem vorherig bespielten Platz einhalten müsst.

Sehr gern wird ein solches Schreiben auch mit dem oft wörtlichen Satz, „dass die Straßenmusik die Stadt belebt [oder verschönert]“, ergänzt. Daher könnt ihr relativ sicher davon ausgehen, dass ihr als Musiker durchaus erwünscht und nicht nur geduldet seid. Nur eben mit dem Zusatz, sich an die Regeln der Stadt zu halten.

Wer dies nicht tut, muss mit Platzverweisen oder sogar Bußgeldern rechnen. Darüber hinaus müsste ihr auch ein Auge darauf werfen, wie ihr mit dem Verkauf von Merchandise umgeht. Paradebeispiel ist die CD eines Gitarristen. Eine Präsentation einer einzelnen Scheibe im Gitarrenkoffer fällt nicht in das Visier der Ordnungshüter, sondern eher eine ganze Auslage der Diskographien, T-Shirt-Verkauf oder sogar Tafeln, auf denen der Erwerb der Fanartikel kenntlich gemacht wird.

Der Job, den man daher als guter Künstler mit sich bringt, besteht nicht nur darin, schöne und hörenswerte Musik zu spielen, sondern auch darauf zu achten, es allen – soweit es eben geht – recht zu machen. Damit ist man immer auf der sicheren Seite und muss sich nicht ständig mit irgendwelchen Unannehmlichkeiten herumschlagen, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, als das eigentliche Spielen.

Hier kommst du nicht rein

In manchen Städten herrschen neben den allgemeinen Richtlinien auch qualitative Anforderungen. Das bedeutet, dass ihr nicht ohne Weiteres euer Stühlchen am Marktbrunnen aufklappen und munter euer ausgewähltes Repertoire von Beethoven vortragen könnt. Wenn kontrolliert wird und ihr mit verdutzter Miene feststellen müsst, dass ihr keine „Lizenz“ habt, dann wird es unangenehm.

Um genau diesen Fall zu vermeiden sollte ihr im Vorfeld klären, ob es so etwas wie eine Audition vor der Stadtverwaltung gibt. Beispielsweise ist es in München und Freising nicht möglich, ohne eine Straßenmusiker-Lizenz zu spielen. Ohne viel mehr Worte darüber zu verlieren heißt dies konkret, dass die jeweilige Stadt darüber entscheidet, ob ihr spielen dürft oder nicht. Das wird daran festgemacht, in wie weit die musikalische und spielerische Fertigkeit dem qualitativen Standard der Prüfer genügen.

Hinzu kommt eine kleine temporäre Gebühr die zwischen 5 bis 20 € beträgt. Es fühlt sich wirklich so an, also ob man zu einem Vorstellungsgespräch fährt; in der Hoffnung, angenommen zu werden. Teilweise verlangen Gemeinden lediglich eine Gebühr ohne „das musikalische Vorstellungsgespräch“.

Erst einmal dafür bezahlen, damit man spielen darf? In der Tat. Solche Gebühren soll weniger versierte Hobbymusiker davon abhalten, das Instrument lediglich mit einer zwei Song-Auswahl als Mittel zum Zweck zu gebrauchen, um an Geld heranzukommen.

So macht Straßenmusik (noch mehr) Spaß

Nach dem ganzen Katalog an Verhaltensweisen, die zu unterlassen sind, kommen wir nun zum eigentlichen Kern des Ganzen: Muszieren in der Öffentlichkeit.

Da –wie bei vielen Aktivitäten die mit Aufmerksamkeit zu tun haben – das Alleinstellungsmerkmal von bedeutender Wichtigkeit ist, könntet ihr euch vor der Fahrt in die Stadt überlegen, zu welcher Musikergruppe ihr euch zählt. Prinzipiell könnte man zwischen Zweien unterscheiden. Diejenigen, die fast ausschließlich oder sogar nur Cover-Stücke spielen und jene, die sich lediglich auf eigene Stücke konzentriert.

Egal in welchem Fall: Kreativität wird belohnt. Wer überwiegend mit elektronischen Instrumenten und Sound arbeitet, wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die Musik auch in ähnlicher, rein akustischer Form wiederzugeben. Der Vorteil bei Coverliedern ist jener, welcher eine gewisse Vertrautheit mit dem Stück mit sich bringt und sogleich ein Publikum oder vereinzelte Interessierte anzieht.

Wenn das Stück in einer Eigeninterpretation noch besonderes würzig gespielt wird, dann ist ein Applaus und die ein oder andere Münze gewiss. Dennoch wird ein Cover auch stets mit dem Original verglichen. Dies soll als kleine Erinnerung und Motivation dienen, das Stück auf ideenreiche Art und Weise zu vertonen. Denn der „Konkurrent“, welcher seine eigenen Stücke präsentiert, steht nicht unter dem Druck der Qualität eines Originals gleichzukommen.

Schön ist es natürlich, wenn ihr nicht nur alleine klimpert, fiedelt oder singt, sondern auch Freunde dabei habt, welche eure Faszination teilen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Gruppengrößen teilweise stark eingeschränkt sind oder ihr ab einer gewissen Anzahl von Musikern (höhere) Gebühren entrichten müsst.

Wenn dies geklärt ist und ihr bereits positive Erfahrung gesammelt habt, sollte es euch auf jeden Fall Freude bereiten, sich auch einmal eine kleine Städterundreise in den Kopf zu setzten. Für einen Musiker kann dies durchaus eine schmucke Alternative zu einem traditionellen Urlaub sein. Was selbstverständlich auf der Hand liegt sind die Möglichkeiten, Europa- oder sogar weltweit zu reisen. Eventuell ein Urlaub der von der Hand in den Mund lebt, aber das kann schließlich auch seinen Reiz haben.

Wenn euch das Reisen in der Welt doch etwas zu viel wird, könnt ihr bereits regional fündig werden. Denn abgesehen von gewöhnlichen „Spielzeiten“ auf den Einkaufsstraßen, laden Städte und Gemeinden gelegentlich zu größeren Straßenmusik-Festen ein, zu denen es vollkommen erwünscht ist, dass ihr als Straßenkünstler eure Instrumente auspackt.

P.S.: Man muss übrigens nicht gleich U2 sein, um mit Straßenmusik zu begeistern, aber es schadet auch nicht.

Eure Erfahrungen

Was waren eure bisherigen Erlebnisse oder abenteuerreiche Reisen von Stadt zu Stadt? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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