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Doch kein Happy End

Der Berliner Proberaum-Komplex "Rockhaus" muss endgültig schließen

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 21.03.2019

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Der Berliner Proberaum-Komplex "Rockhaus" muss endgültig schließen

Das Berliner Rockhaus im Jahr 2016. © "Berliner Rockhaus, Berlin 2016" von Spiegelneuronen (https://flic.kr/p/NE2nv9) / Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/)

Das "Rockhaus" in Berlin bietet mit über 180 Räumen gut 1000 Musikerinnen und Musikern dringend benötigten Platz zum Proben. Nachdem eine Kündigung im Jahr 2016 in einem Berufungsverfahren abgewendet werden konnte, steht das Ende des Rockhauses nun doch unmittelbar bevor.

Dirk Kümmele begann 2007, das ehemalige Bürogebäude im Berliner Stadteil Lichtenberg zu dem Proberaumkomplex "Rockhaus" herzurichten: Er nahm Schallschutz-Einbauten vor und entwickelte sogar ein Brandschutzkonzept für das Gebäude.

Schlechte Manieren

Bei einer Brandschutzprüfung im Jahr 2016 fand ein Sachverständiger in den Zwischendecken des "Rockhaus" Kabel von der vorherigen Nutzung des Gebäudes durch Post und Telekom – eine unnötige Erhöhung des Brandrisikos durch zusätzliches, brennbares Material. Ansonsten wurde das Brandschutzkonzept jedoch nicht bemängelt.

Kümmele entfernte die Kabel umgehend aus der Zwischendecke, und beseitigte damit den Einwand des Sachverständigen. Nichtsdestotrotz erhielt er daraufhin eine Kündigung des neuen Eigentümers Scharfstein Group GmbH wegen angeblicher Vernachlässigung des Brandschutzes.

Scharfstein hatte das Gebäude 2015 gekauft und versuchte nun, Kümmele und das "Rockhaus" noch vor dem regulären Vertragsende 2023 aus dem Gebäude zu vertreiben. Angeblich, um auf dem Gelände neue Wohnhäuser zu errichten. 

Etappensieg

Die Mieterinnen und Mieter protestierten: Das "Rockhaus" bot in Berlin (wie wohl überall) rar gesäten Übungsplatz; auch Musiklehrerinnen und -lehrer – insbesondere für Schlagzeug – waren auf solche Plätze angewiesen.

Kümmele legte vor dem Kammergericht Berlin Berufung ein und gewann den Prozess. Die Kündigung wurde als unwirksam erklärt, der Betrieb konnte aufrecht erhalten werden.

Existenzielles Risiko

Das Verhältnis zwischen Betreiber und Eigentümer war seit dem Prozess jedoch äußerst angespannt. Wie Kümmele in einer Presseerklärung auf Facebook bekannt gab, kam es in der Folge zu zahlreichen weiteren Auseinandersetzungen, Kündigungen und Gerichtsprozessen.

Der Streitwert stieg immens an, sodass Kümmele letztlich ein existenzielles Risiko für sich und seine Familie feststellen musste und aufgab. Er einigte sich mit den Eigentümern außergerichtlich auf eine vorgezogene Beendigung des Mietverhältnisses zum 30. Juni 2019, kündigte den Musikerinnen und Musikern im "Rockhaus" kurzfristig bis zum 30. Mai. 

Alternative fraglich

Kümmele gibt in der Presserklärung an, dass er bereits seit 2018 gemeinsam mit Kulturpolitikerinnen und -politikern des Landes nach einem neuen Gebäude suche, um das "Rockhaus" fortzuführen. Er habe jedoch bisher nur wenig Unterstützung erhalten. 

Immerhin erklärte Kultursenator Klaus Lederer gegenüber der Berliner Zeitung, dass die Kulturverwaltung sich inzwischen dem Thema angenommen habe und eine Anmietung des Hauses – "oder einen Alternativstandort in Eigenregie" – prüfe. 

Eine wirkliche Lösung für die über tausend obdachlosen Musikerinnen und Musiker, das gibt auch Lederer zu, sei jedoch noch nicht gefunden. 

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