Neuer Eigentümer gesucht
Die Stadt München will München Ticket verkaufen, aber die Begründung irritiert
Olympiapark München. © Fabian Stoffers / Olympiapark München
Seit ihrem Geschäftsbeginn im Jahr 1994 hat das städtische Unternehmen den Kartenvorverkauf für städtische Kulturbetriebe betrieben, darunter unter anderem für das Deutsche Theater, die Philharmoniker und das Lenbachhaus.
Auch Karten für Veranstaltungen in städtischen Immobilien wie der Olympiahalle oder dem Olympiatadion wurden über den Anbieter verkauft.
Wirtschaftlicher Druck
In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Ausgelöst durch die Corona-Pandemie summierten sich die Verluste von München Ticket in dem Zeitraum auf rund 4 Millionen Euro. Seit 2020 muss die Stadt die Gesellschaft mit 6,3 Millionen Euro unterstützen.
Diese Verluste beruhen zum Teil auf der rückläufigen Nachfrage der letzten Jahre. Zwischen Januar und April 2026 wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 17,8 Prozent weniger Eintrittskarten verkauft.
Fragwürdige Begründung
Die Stadt München macht insbesondere die Beschränkung auf den Ticketverkauf für lokale Events für die wirtschaftliche Lage verantwortlich. Für einen neuen Eigentümer soll diese Beschränkung wegfallen.
Ob die rückläufigen Einnahmen allerdings tatsächlich auf diese Beschränkung zurückzuführen ist, ist fraglich. Tatsächlich drängen sich ganz andere Gründe auf: Das Olympiastadion wird renoviert, so dass Großkveranstaltungen wie das Superbloom Festival dort aktuell nicht stattfinden konnten.
Der Gasteig wird ebenfalls renoviert und ist in den Gasteig P8 ausgelagert. Zudem kann das Deutsche Museum wegen laufender Umgestaltungen nicht in vollem Umfang besucht werden. Es erscheint sehr wahrscheinlich, dass diese Umstände eine wichtige Rolle für die niedrigeren Ticketverkäufe spielen.
Käufer soll Kulturbetrieb weiter betreuen
Mit dem Verkauf wollen die bisherigen Eigentümer mehrere Bedingungen verbinden. So soll München Ticket auch unter einem neuen Eigentümer weiterhin den Ticketservice für die städtischen Kulturbetriebe übernehmen. Zudem sollen alle Angestellten weiterbeschäftigt werden.
Nach Einschätzung der Süddeutschen Zeitung könnten diese Vorgaben die Suche nach einem Käufer erschweren, da die Verkaufszahlen der kommunalen Kulturinstitutionen vergleichsweise schwache Margen bieten. Der neue Eigentümer müsste diese Leistungen daher voraussichtlich durch profitablere Geschäftsbereiche quersubventionieren.
Ob der Verkauf des Unternehmens unter diesen Voraussetzungen binnen dieser kurzen Frist gelingt, muss sich daher erst zeigen.