Bessere Zugänglichkeit zu Hilfsangeboten
Einsatz für mentale Gesundheit: Olivia Rodrigo und Lewis Capaldi spenden Therapiestunden
Olivia Rodrigo (live in Frankfurt 2024). © Leonard Kötters
In letzter Zeit kann in der Musikbranche ein wachsendes Bewusstsein hinsichtlich des Themas Mentale Gesundheit beobachtet werden. Immer mehr Musiker*innen teilen ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit und tragen so dazu bei, das Stigma um psychische Erkrankungen zu bekämpfen und irreführenden Stereotypen etwas entgegenzusetzen.
Musiker*innen wie etwa Clairo, The Last Dinner Party, Lewis Capaldi oder Shawn Mendes greifen dabei auch öffentlich zu Maßnahmen, um ihre mentale Gesundheit zu pflegen – etwa durch musikalische Auszeiten oder Tourunterbrechungen – und verdeutlichen damit, dass es in Ordnung ist, Grenzen zu ziehen, um die eigenen Bedürfnisse berücksichtigen zu können.
Wunsch nach Lösungen für ein strukturelles Problem
Auch der Wunsch nach strukturellen Veränderungen wird immer lauter. So wurde etwa nach dem Tod des ehemaligen One Direction-Mitglieds Liam Payne eine Petition ins Leben gerufen, die die Einführung von Gesetzen zum Schutz der psychischen Gesundheit von Künstler*innen der Branche, forderte. Auf diese Art und Weise solle ein gesundes und sicheres Arbeitsumfeld für Künstler*innen geschaffen werden.
Die Umsetzung von rechtlichen Rahmenbedingungen erweist sich jedoch als ein kompliziertes Unterfangen, das Zeit benötigt. Dass auch individuelle Maßnahmen einen wichtigen Beitrag leisten können, zeigen nun Entscheidungen von Olivia Rodrigo und Lewis Capaldi.
Tourbegleitender Ansatz
Wie billboard berichtet, soll die Gitarristin Daisy Spencer, die Olivia Rodrigo 2024 auf ihrer Guts-Tour begleitetet hat, berichtet haben, dass Olivia Rodrigo und Tourmanager Marty Hom in diesem Zeitraum allen Tourmitarbeiter*innen kostenlose Therapiestunden zugänglich gemacht haben.
Olivia Rodrigo ist Tochter eines Familientherapeuten und hat bereits in der Vergangenheit bekannt gegeben, schon seit ihrem 16. Lebensjahr Therapiestunden genommen zu haben, von denen sie sehr profitiert habe.
Auch Spencer berichtet von einer sehr positiven Erfahrung. Durch das von Rodrigo in die Wege geleitete Angebot, war es ihr möglich gewesen einmal pro Woche oder alle zwei Wochen einen Therapeuten aufsuchen und das auch außerhalb der Tourneezeiten.
Lewis Capaldi ist zurück und gibt zurück
Ein ähnliches Engagement zeigt auch der schottische Sänger Lewis Capaldi. Der "Someone you loved"-Interpret hatte 2023 aus gesundheitlichen Gründen seine Tournee auf unbestimmte Zeit unterbrochen und sich aus der Öffentlicheit zurückgezogen. Impulsgebend war damals ein Auftritt auf dem Glastonbury-Festival gewesen, den Capaldi aufgrund einer durch seine Tourette-Erkrankung ausgelösten Stimmbandzerrung und Tiks nicht beenden konnte.
Zwei Jahre später, feierte der 28-jährige nun am 27. Juni 2025 mit einem Überraschungsauftritt auf demselben Festival sein Comeback. Eine große Stütze im notwendigen Prozess, um wieder als Musiker auf der Bühne zu stehen: Therapie. Das teilte der Musiker nun in einem Video auf seinem Instagram-Account.
Während Lewis Capaldi den Beitrag dazu nutzt, über seine Erfahrungen zu sprechen, verkündet er darin zugleich eine neue Kooperation. Gemeinsam mit dem Online-Therapieanbieter "Betterhelp" verschenkt der Musiker unter dem Motto "Start your comback story today" insgesamt 734.000 kostenfreie Therapiestunden. Das entspricht 1000 Stunden für jeden Tag, den Lewis Capaldi sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. In dem Video erklärt Lewis Capaldi seine Entscheidung wie folgt:
"Therapie hat in den letzten zwei Jahren eine so große Rolle bei mir gespielt und wesentlich dazu beigetragen, dass ich wieder Musiker sein kann. Und ich denke mir, wenn ich das mit anderen Menschen teilen kann, warum nicht?"
BetterHelp ist ein US-amerikanisches Unternehmen und zählt zu den größten Plattformen für digitale Psychotherapie weltweit. Nutzer*innen bekommen nach der Beantwortung eines Fragebogens einen Therapeut oder eine Therapeutin zugewiesen, mit der sie über Textnachrichten, Videos oder Audios in Kontakt stehen. Während BetterHelp gerade durch seine schnelle Verfügbbarkeit eine hilfreiche erste Anlaufstelle für Menschen darstellen kann, verweisen einige Expert*innen darauf, dass das Angebot keine fundierte Psychotherapie ersetzt.
Dennoch senden die Maßnahmen von Olivia Rodrigo und Lewis Capaldi wichtige Signale, denn sie verdeutlichen, wie wichtig der Zugang zu Hilfsangeboten sein kann und tragen dazu bei neue Standards im Umgang mit mentaler Gesundheit zu etablieren.
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