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Die Nicht-Tour des Jahres

Fake-Fans füllen keine Clubs: Der Fall Threatin.

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 12.11.2018

threatin social-media booking

Fake-Fans füllen keine Clubs: Der Fall Threatin.

Jared Threatin im Musikvideo zu "Identity". © Jared Threatin (via YouTube)

Mit einer Fake-Fanbase, gefälschten Live-Videos und erfundenen Vorverkaufszahlen hat es die amerikanische Gruppe Threatin geschafft, eine komplette Europa-Tour zu buchen – die ihnen nun gehörig um die Ohren fliegt.

Threatin ist das Projekt des Multi-Instrumentalisten Jared Threatin. Dieser hat sich, nach seinem YouTube-Kanal zu urteilen, reichlich unaufregendem Hard Rock verschrieben. So weit, so unspektakulär.

Wie die amerikanische Metal-News-Seite MetalSucks berichtet, hat Threatin sich jedoch mit gekauften Likes eine nicht-existente Fanbase aufgebaut, und diese verwendet, um erfolgreich eine komplette Europa-Tour (mit vollständiger Band) zu buchen – zu der dann niemand kam.

Missverhältnisse

Die Story von Threatin begann offenbar mit ihrem Konzert in der Location "Underworld" im britischen Camden. Mit der gekauften Fanbase, einem ebenfalls gefälschten Videoclip von einem angeblich gut besuchten Gig der Gruppe sowie einer scheinbar respektablen Booking-Agency, hinter der mutmaßlich Jared Threatin selbst stand, schaffte er es, das Underworld zu überzeugen, ihr Konzert zu veranstalten.

Im Vorfeld versicherte der "Booker" dem Underworld, dass der Gig erfolgreich würde, immerhin seien schon 291 Tickets verkauft. Die Ernüchterung kam am Abend des Konzerts – ganze drei zahlende Gäste waren erschienen.

The Exchange, ein Club in Bristol, berichtet ähnliches: Hier gab der mysteriöse Booking-Agent an, dass bereits 180 Tickets verkauft worden wären. Tatsächliche Gäste an diesem Abend waren Freunde der Vorband, die auf der Gästeliste standen, und der Tontechniker.

Jähes Ende

Die Geschichte um Threatin hat inzwischen derartige mediale Verbreitung erfahren, dass die Band (vor allem wohl Jared Threatin) die Konsequenzen zu spüren bekommt: Zwei der Musiker, die für die Europatour verpflichtet wurden, sind abrupt aus der Gruppe ausgestiegen. Die einzige Deutschland-Show Threatins im Café Central (Weinheim) wurde abgesagt.

MetalSucks hat sich derweil so in das Thema verbissen, dass sie das absurde Ausmaß von Jared Threatins Lügenkonstrukt aufdecken konnten: Die Rede ist von einem erfundenen Label, einer falschen Design-Company und einem ausgedachten Musikpreis.

Und die Moral von der Geschicht?
Am Ende hilft der ganze Fake-Kram nicht.

Update: Inzwischen sind Videos von Threatins Gig im The Rebellion in Manchester aufgetaucht, der einen Tag nach ihrem Auftritt in Bristol stattfand. Die Bilder sprechen wohl für sich.

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