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So kommst du gut rüber!

Gute Moderation: 10 einfache Tipps, durch die deine Bühnenansagen gelingen

Tipps für Musiker und Bands von Backstage PRO
veröffentlicht am 11.09.2015

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Gute Moderation: 10 einfache Tipps, durch die deine Bühnenansagen gelingen

Aufgeregt? Keine Sorge - hier gibt es Tipps, damit deine Buehnenansagen gelingen. © Benoit Daoust / 123RF

Die Schauspielerin und Kommunikationstrainerin Jenny Ulbricht gibt euch hier wertvolle und definitiv umsetzbare Tipps für eure Moderation und die Bühnenansagen bei den Gigs.

Bühnenansagen sind wichtig, weil ihr das Publikum damit durch euer Konzert leitet. Sie sind verbindendes Element zwischen den Songs, Orientierungshilfe für die Gäste und stellen dadurch auf emotionaler Ebene eine Beziehung zu euren Zuhörern her.

Eure Moderationen reißt dann eure Fans mit, wenn ihr sie nicht nur als ungeliebten Lückenfüller seht. Ihr habt es in der Hand, eure Ansagen zum Identifikationsmedium für euer Publikum zu machen. Relativ einfach gelingt euch das, wenn ihr ein paar Grundregeln beherzigt:

  1. Authentisch sein

    Die Leute wollen euch auf der Bühne sehen. Verstellt euch nicht. Denkt nicht, dass ihr irgendwer anders sein müsst.

    Gut ist, wenn ihr wisst, was eure Stärken sind. Fragt Leute, zu denen ihr Vertrauen habt, was sie an eurem Auftritt gut finden. Es wird euch auch helfen, wenn ihr wisst, welcher Moderationstyp ihr seid: frech, witzig, ernsthaft, leise, provokant… Was liegt dir? Finde es heraus und stehe dazu.
     
  2. So wie dä Schnawwl g'wachse is'!

    Verstellt eure Art zu sprechen nicht: Denkt nicht, nur weil ihr jetzt "moderiert" sollte gestochenes Hochdeutsch gesprochen werden. Es geht vielmehr darum, dass ihr einerseits ganz normal klingt – die Moderation braucht keine andere Sprache als eure Songs – und andererseits, dass ihr die Sprache eures Publikums trefft.

    Verwendet Worte, die alle nutzen. Ein Dialekt ist kein Problem, wenn ihr in eurer Heimatregion seid – das wirkt übrigens durchaus authentisch, denn das Publikum kann sich mit euch identifizieren. Bedenkt aber, dass die Leute euch andernorts nicht so gut verstehen. Die Zuschauer wollen aber verstehen, was ihr sagt, deshalb sprecht nicht zu schnell und auch deutlich.
     
  3. Vorbereiten und üben

    Vorbereitung hilft euch dabei, euch auf der Bühne wohl zu fühlen. Macht euch klar, was ihr mit eurer Moderation beim Publikum auslösen wollt. Vielen hilft es, wenn sie sich ein Konzept für die Moderationen machen.

    Das heißt, ihr könntet euch stichpunktartig aufschreiben, was euch zu jedem Song einfällt – z.B. eine Anekdote, wie der Song entstanden ist oder etwas über ein Gefühl aus dem Song. Und dann ruhig mal eine Moderation aufschreiben: Wer schreibt, der bleibt bzw. was geschrieben, ist geblieben.

    Sucht euch den einen Punkt aus euren Stichpunkten aus, den ihr am tollsten findet, und dann schreibt 3 bis 4 Sätze. Sprecht die Sätze und verbessert, was euch noch nicht so richtig im Mund liegt. Sprecht sie wieder, macht sie euch so zu eigen, wie eure Songtexte. So habt immer ein Backup, falls mal während des Konzerts Leere in eurem Kopf ist und ihr könnt locker aus eurem Fundus improvisieren.
     
  4. Sich kurz fassen

    Eine Ansage muss nicht lang sein, im Gegenteil: Weniger ist mehr. Deshalb übt, euch kurz zu fassen. Übt, diese Sätze emotional, kurz und auf den Punkt zu sprechen.
     
  5. Präsenz zeigen

    In den Moderationen tragt ihr die Atmosphäre eures Konzerts weiter. Deswegen ist es wichtig, dass Frontfrau oder Frontmann bzw. derjenige, der die Ansagen macht, körperliche, mentale und emotionale Präsenz ausstrahlt. Es ist ihre/seine Aufgabe, das Publikum zu erreichen; sie/er hat eine Art Führungsposition. Die Zuschauer erwarten auch, dass Frontfrau oder Frontmann diese Rolle übernimmt.
     
  6. Die Stimmung fühlen und Kontakt halten

    Eine Moderation ist nur scheinbar ein Monolog: Macht euch bewusst, dass da Kommunikation und somit ein Geben und Nehmen mit euren Fans stattfindet, dass ihr also keine Alleinkämpfer seid. Hört zu, wie die Stimmung ist und spürt rein in eure Fans, wie sie drauf sind. Greift auf, was ihr merkt und lasst es in die Art und Weise einfließen, wie ihr sprecht.

    Auch wenn ihr schüchtern seid: bleibt im Kontakt mit dem Publikum. Es hilft euch, wenn ihr die Leute anschaut und dann spürt, dass die ja da sind und zuhören.
     
  7. Die Kunst der Pause

    Sprecht so, dass es interessant klingt. Lasst eure Stimme abwechslungsreiche Melodiebögen machen, so als ob ihr gerade einer Freundin oder einem Freund etwas erzählt, das euch sehr wichtig ist. Verstärkt diesen Effekt durch Pausen zwischen den Sätzen – so kann auch jeder im Publikum besser folgen.

    Pausen werden übrigens von den Zuhörenden deutlich kürzer empfunden, als von demjenigen, der spricht. Natürlich könnt ihr zwischen zwei Songs auch einfach mal nichts sagen!
     
  8. Auf die Körpersprache achten

    Die Körpersprache signalisiert anderen Menschen eine Menge über euch. Wie ihr geht und steht und was eure Hände und euer Gesicht machen, wird registriert. Ihr könnt vor dem Spiegel üben, bei welchen Bewegungen ihr euch wohl fühlt.

    Generell kommt es gut an, wenn ihr locker seid, eure Arme und euer Gesicht darf „mitsprechen“. Auch wenn ihr euch für schüchtern haltet: bleibt im Kontakt mit dem Publikum, das wirkt locker und sympathisch. Ganz wichtig dafür ist, dass ihr zu den Leuten blickt, dass ihr sie anschaut.
     
  9. Lampenfieber als Anheizer akzeptieren

    Lampenfieber vor einem Auftritt ist gut, denn es heizt euren Körper zu außergewöhnlichen Leistungen an. Störend wird das erst, sobald es euch blockiert. Dann holt euch Hilfe. Ansonsten nutzt die viele Energie und…
     
  10. Spaß haben und nicht perfekt sein!

    Das ist der beste Power-Faktor, den es gibt. Ihr solltet nicht nur eure Musik mögen, sondern auch das, was ihr zwischen den Songs sagt. Freude an dem, was ihr tut, füllt euch mit Energie und lässt den Funken zu den Leuten überspringen. Und sie lässt euer Publikum auch Fehler einfach übersehen.

Und noch ein weiterer Tipp: Geht kleine Zielschritte an!

Nehmt euch nach Konzerten Zeit, um festzuhalten, was gut gelaufen ist, womit ihr zufrieden seid. Dann kommt zu den Dingen, die ihr noch verbessern möchtet. Nehmt euch für das nächste Mal eine Sache vor und bleibt an dieser dran, bis ihr zufrieden seid.

Seht den Weg zu überzeugenden Bühnenansagen als einen Prozess und erwartet nicht von euch, dass ihr mit einem Mal alles super könnt. Habt Mut zur Lücke und keine Angst vor Fehlern! Es ist erwiesen, dass Zuschauer kleine Fehler sympathisch finden. Miles Davis, der ein perfekter Trompeter war, hat sogar extra geübt, Fehler zu machen.

Überlegt euch, was eure Stärken sind. Denn wenn ihr eure Stärken kennt und sie einsetzen könnt, dann wirkt dies authentisch.

  • Was könnt ihr gut?
  • Was finden andere gut an euch?

Das gibt die Richtung vor, in der man mit dem Ausprobieren anfangen sollte. Mit der Zeit und den erwähnten kleinen Zielschritten entwickelt sich dein eigener Stil. Wenn ihr oft sehr aufgeregt seid, macht euch klar, woher die Nervosität kommt. Knüpft an dieselben Fragestellungen an: Was denkt ihr über euch? Was glaubt ihr, denken die Leute über euch? Wandelt auch negatives Denken in kleine Zielschritte um.

Fazit

Investiert nicht nur Zeit in eure Songs und Proben, sondern auch in das, was ein ganzes Konzert zusammenhält: die Ansagen und Moderationen. Übt bei den Proben auch die Ansagen zwischen den Songs. Das hilft der- bzw. demjenigen, der den Moderationspart hat und gibt auch der gesamten Band ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

Wichtig ist, dass ihr beim Konzert keinen Unterschied macht zwischen Musik machen und Moderieren. Lasst die Begeisterung, mit der ihr eure Musik macht, auch in den Ansagen aufblitzen. Seht die Moderation als gesprochenen Ausdruck dessen, was ihr mit eurer Musik sagen wollt. Dann springt auch der Funke über zu den Fans und jenen, die es noch werden sollen.

Über Jenny Ulbricht

Jenny Ulbricht ist unter anderem mit Lesungen und Chansonprogrammen auf Bühnen in und um Stuttgart zu sehen. Für zahlreiche Video/Audio-Produktionen war sie schon als Sprecherin tätig. Neben all ihren eigenen Projekten gibt sie Workshops und Coachings zu allen Facetten – zum Beispiel Atemtechnik, Stimme und Präsentation – der gesprochenen Sprache, in denen sie ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergibt.

Weitere Artikel unserer artistguide-Serie in Kooperation mit dem Popbüro Region Stuttgart findet ihr hier in der Übersicht.

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