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"Es klingt nach einer Menge Geld, aber reich werden wir damit nicht"

Interview mit Phrasenmäher über ihre erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne

Interview von Jan Fischer
veröffentlicht am 11.02.2015

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Interview mit Phrasenmäher über ihre erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne

Mit Vollgas ins neue Jahr: Phrasenmäher. © Andreas "Bär" Läsker

Jan Fischer sprach mit Phrasenmäher über Crowdfunding, Geld und das "System Prasenmäher".

Backstage PRO: Ihr habt über startnext gerade euer neues Phrasenmäher-Album finanziert – mit 31.000 Euro. Das müsste ja reichen, oder?

Lenne: Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich damit.

Jannis: Das klingt nach einer Menge Geld – man muss aber auch bedenken, dass davon nicht nur das Album und unsere Arbeit während der Aufnahmen finanziert werden muss, die teilweise 16-Stunden-Tage beinhaltet. Es kommt auch noch Werbung dazu, Videos – eine Menge kleiner Sachen, an die man zuerst vielleicht gar nicht denkt.

Martin: Wir sind unseren Fans dankbar, dass sie uns das ermöglicht haben. Das bedeutet uns eine Menge. Reich werden wir damit nicht.

"Es gab finanziell keine Alternative zum Crowdfunding"

Backstage PRO: Warum habt ihr euch für den Schritt entschieden?  Euer letztes Album habt ihr ja traditionell herausgebracht: großes Label, großer Verlag...

Lenne: Der Verlag hat erstmal nichts mit dem Album zu tun. Sony ATV publishing kümmert sich auch weiterhin um die urheberrechtliche Verwertung unserer Musik bzw. verschafft uns Aufträge. Die Zusammenarbeit mit unserer Plattenfirma Columbia, die zu Sony Music gehört, ist allerdings zu Ende. Beide Seiten hatten das Gefühl, dass das besser so ist. Jetzt sind wir erstmal frei und können alles selber entscheiden: von der Komposition über die Produktion bis zur Promotion. Außerdem gab es auch finanziell keine Alternative zum Crowdfunding.

Jannis: Dank der Crowdfunding-Kampagne verdienen wir ab dem ersten Albumverkauf auch daran. Beim letzten Album haben wir, wie das üblich ist, einen Vorschuss bekommen und hätten erst daran verdient, wenn die Albenverkäufe den wieder eingespielt hätten. Und wir haben wie gesagt über das neue Album eine größere kreative Kontrolle.

Backstage PRO: Gab es da Unstimmmigkeiten beim letzten Album?

Lenne: Nein.

Martin: Unstimmigkeiten kann man nicht sagen. Wir haben bei unserem letzten Album auch mit tollen Leuten zusammengearbeitet.

Jannis: Wir haben gemerkt, dass das "System Phräsenmäher" in einem so großen Haus nicht so gut aufgehoben ist. Wir machen gerne kleine, schnelle Sachen und teilen diese über die sozialen Netzwerke. In einem großen Haus dauert es sehr lange, bis solche Ideen dann tatsächlich auch in der Welt sind. Das ist nicht unsere Arbeitsweise.

Backstage PRO: Den Vorschuss haben jetzt sozusagen eure Fans übernommen – habt ihr nicht Angst, dass ihr die enttäuscht?

Lenne: Auf keinen Fall. Es hat uns unheimlich motiviert zu sehen, wie sehr die Fans ein neues Album wollen.

Martin: Wir haben durch die Crowdfunding-Kampagne auch unsere Fans noch einmal ganz neu kennengelernt. Teilweise durch persönliche Emails, teilweise auf Facebook. Es freut uns, dass die so unheimlich aktiv sind und dass es da soviel Austausch gibt. Wir haben unsere Fans dadurch intensiver kennengelernt. Und sind jetzt immer noch in der Phase der ersten Verliebtheit.

"Wir sind musikalische Mittelschicht"

Backstage PRO: Ihr seid zwar bekannt – aber Stadien verkauft ihr nicht aus. Könnt ihr von der Band eigentlich leben?

Lenne: Von der Band nicht. Wir haben alle noch andere Jobs. Die haben auch alle etwas mit Musik zu tun. Aber Phrasenmäher allein reicht momentan nicht.

Martin: Wir sind keine Freizeit-Band, die sich über einen Auftritt freut und nicht darauf achtet, ob dabei auch Geld reinkommt. Wir alle investieren viel Zeit in Phrasenmäher und wollen natürlich auch professionelle Konzerte spielen und ein professionelles Album aufnehmen. Das geht nicht nebenbei, und wenn wir das weitermachen wollen müssen wir das auch entsprechend finanzieren. Wenn man so will, sind wir musikalische Mittelschicht: Zu professionell um das nebenbei zu machen. Aber zu unbekannt, als dass wir komplett davon leben könnten.

Jannis: Obwohl das auch der Rahmen ist, in dem Phrasenmäher am besten funktioniert. Auch da hat uns die Crowdfunding-Kampagne noch einmal gezeigt: Unsere Fans wollen, dass wir weitermachen. Das tut gut, vor allem, weil zwischenzeitlich auch mal dachten: Das wird nichts, das Geld kriegen wir nicht zusammen.

Backstage PRO: Es hat ja geklappt – ihr seid sogar über das Ziel hinaus. Wie geht es jetzt weiter?

Lenne: Wir organisieren gerade die Aufnahmen und die Tour.

Jannis: Und wir schreiben gerade die neuen Songs. Heute habe ich den anderen einen vorgespielt und sie hatten nichts daran zu meckern. Das ist das letzte Mal bei "Zwei Jahre in" passiert.

Backstage PRO: Man darf also gespannt bleiben. Vielen Dank für das Interview.

Euer Feedback

Wir freuen uns auf eure Meinungen zu diesem Interview und sind gespannt, welche Erfahrungen ihr bereits mit dem Thema Crowdfunding machen konntet!

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