×

artistguide.de & backstage pro geben einsteiger-tipps

Wie finanzierst du dein Projekt? Ist Crowdfunding eine Option?

Tipps für Musiker und Bands von Backstage PRO
veröffentlicht am 10.09.2012

artistguide popbüro region stuttgart crowdfunding désirée raff

Wie finanzierst du dein Projekt? Ist Crowdfunding eine Option?

artistguide.de: Selbsthilfe für Musiker

Als Musiker habt ihr laufend neue Ideen, möchtet CDs aufnehmen, Konzerte spielen, durchs Land touren... doch die Realisierung scheitert immer am nötigen Kleingeld? Welche Erfahrungen hast du bisher mit Crowdfunding gemacht?

artistguide.de & regioactive.de: Wir präsentieren euch gemeinsam ausgewählte Themen aus den Bereichen "Bildung", "Live", "Vermarktung", "Tontechnik" und "Recht" [mehr Infos].

Autorin: Désirée Raff

Nutzt du Crowdfunding bereits? Was sind deine Erfahrungen?

artistguide.de & Backstage PRO geben hier einige Tipps. Ergänze uns in den Kommentaren durch deine eigenen Beispiele:

  • Was hat besonders gut geklappt, was nicht?
  • Wann ist Crowdfunding sinnvoll, wann nicht?

Was ist Crowdfunding eigentlich?

Beim Crowdfunding wird über das Internet eine Vielzahl von kleinen Beträgen zur Realisierung von Projekten eingesammelt. Jeder Interessierte kann ein bestimmtes Projekt unterstützen (z.B. eine Albumproduktion deiner Band) und erhält dafür eine Prämie oder ein Dankeschön als Gegenleistung (z.B. die neue CD exklusiv vor Veröffentlichung, ein Privatkonzert, die Nennung im Booklet o.ä.).

Neben der Finanzierung geht es beim Crowdfunding auch um die Einbeziehung eurer Fans. Euer Projekt ist im Gespräch und neben erhöhter Aufmerksamkeit erhaltet ihr wichtiges Feedback. Es wird deutlich werden, wie die Fangemeinde zu eurem Vorhaben steht. Das Gefühl, einen entscheidenden Beitrag zur Umsetzung geleistet zu haben, führt zu einer stärkeren Bindung zwischen Fan und Musiker.

Wie funktioniert Crowdfunding?

Alles beginnt mit eurer Idee, für die ihr finanzielle Unterstützung benötigt. Diese präsentiert ihr auf einer sogenannten Crowdfunding-Plattform. Ihr beschreibt euer Vorhaben mitreißend und nachvollziehbar und legt den benötigten Betrag sowie den Zeitraum der Finanzierungsphase fest. Als Motivation für eure Fans überlegt ihr euch dann noch verschiedene Gegenleistungen für unterschiedlich hohe Unterstützungsbeträge. Nach der Darstellung des Projektes beginnt die eigentliche Crowdfunding-Kampagne, bei der ihr möglichst viele Unterstützer gewinnen müsst.

Das Projekt gilt nur als erfolgreich, wenn die festgelegte Zielsumme innerhalb der definierten Laufzeit erreicht oder überfinanziert wurde. Nur dann bekommt ihr euer Geld und die Unterstützer ihre Gegenleistungen. Bleibt euer Projekt erfolglos, dann bekommt jeder sein Geld zurück.

Bevor ihr ein Projekt startet, solltet ihr euch allerdings im Klaren darüber sein, dass Crowdfunding viel Zeit erfordert. Hier müsst ihr, zusätzlich zu der ganzen Vorbereitung, während der Kampagne mit mindestens(!) einer Stunde am Tag rechnen. Dieser Aufwand besteht, egal ob euer Projekt am Ende erfolgreich ist oder nicht.

Wie wird mein Projekt erfolgreich?

Für euer Crowdfunding-Projekt gibt es meist nur einen Versuch. Die gezielte Projektvorbereitung und -Konzeption kann diesen erfolgreich machen. Hierfür ist in erster Linie die Idee ausschlaggebend, denn nicht jedes Projekt eignet sich für Crowdfunding. Wichtig ist, dass ihr es mit eurer Idee schafft, möglichst viele Personen zu begeistern und ihnen einen Mehrwert zu bieten. Das Projekt sollte realisierbar sein und die Einbeziehung eurer Fans ermöglichen.

Bischler Crowdfunding

Screenshot: Patrick Bischlers Projekt auf der Plattform Startnext.

Tipps für den Erfolg eures Projektes

1. Eine bestehende Unterstützer-Community kann für den Erfolg eurer Crowdfunding-Kampagne entscheidend sein.

Ausschlaggebend für den Erfolg ist ein gefestigtes Netzwerk: nur knapp 1% der Community beteiligt sich finanziell am Projekt, hauptsächlich Familie, Freunde und Fans. Ihr solltet nicht darauf zählen, dass eine große Zahl an Außenstehenden finanzielle Unterstützung bietet.

2. Passt die Plattform zu euch?

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Crowdfunding-Anbieter, jeweils mit unterschiedlicher Spezialisierung. Die Erfolgswahrscheinlichkeit steigt mit einer Plattform, die zu eurer Zielgruppe passt und bereits über eine spendenwillige Community verfügt, welche sich für das Thema interessieren könnte.

Weitere Kriterium sind die gute Einbindung in soziale Netzwerke sowie die Nutzungsbedingungen. Hier müsst ihr darauf achten, wieviel Gebühren ihr zahlen müsst. Die meisten Plattformen verlangen zwischen 7% und 15% von der Unterstützungssumme im Falle eines erfolgreichen Projekts.

Einige deutschsprachige Plattformen sind: Startnext (derzeit die einzige in Deutschland, die keine Gebühren verlangt), Inkubato, MySherpas, Pling, Pledgemusic, Visionbakery, Sellaband. International bekannt ist vor allem kickstarter.

3. Die Projektidee richtig in Szene setzen

In einer guten Projektbeschreibung muss deutlich werden, wer dahinter steht, was mit dem Geld passiert und warum euch euer Projekt am Herzen liegt.

Die Begeisterung muss spürbar sein. Es bietet sich an, in der Projektbeschreibung eine persönliche Geschichte zu erzählen. Dies baut Verständnis auf.

Ebenso ist es wichtig – aufgrund der Neuheit von Crowdfunding – eurer Fangemeinde das Prinzip zu erklären, da ihre Skepsis eine große Hürde darstellt.

Ein aussagekräftiger Titel ist essenziell. Am besten ist eine knappe, prägnante und einfach gehaltene textliche Darstellung des Projektes, welche mit Bildern, Audiodateien sowie mit einem Pitch-Video medial ausgestaltet wird.

Mit einem unterhaltsamen Video habt ihr die Chance, auch an anderer Stelle auf die Kampagne aufmerksam zu machen und die Projekthintergründe darzustellen. Es zählen Emotionen, Begeisterung, Motivation und Persönlichkeit – nicht nur Professionalität. Ein gutes Video stellt die Initiatoren vor, nennt Gründe für die Unterstützung und weist auf Belohnungen hin. Die optimale Läge beträgt zwei bis drei Minuten.

4. Setzt euch ein realistisches Budgetziel

Da ihr nur bei erfolgreicher Finanzierung euer Geld bekommt, sollte das Budgetziel nicht zu hoch angesetzt werden. Derzeit werden Crowdfunding-Projekte in Deutschland mit durchschnittlich 2.750€ finanziert. Bei größerem Finanzbedarf ist es daher ratsam, nur eine Teilsumme über Crowdfunding zu generieren. Bei der Kalkulation eures Finanzbedarfs dürft ihr die Kosten eurer Crowdfunding-Aktion nicht vergessen.

5. Setzt tendenziell kurze Laufzeiten an (30 bis 60 Tage)

Die meisten Plattformen beschränken die maximale Projektlaufzeit auf 90 Tage. Empfehlenswert ist eher ein kürzerer Finanzierungszeitraum, da Projekte bei längerer Laufzeit weniger dringlich erscheinen und je länger euer Crowdfunding-Projekt dauert, umso anhaltender müssen die Kommunikationsmaßnahmen sein.

6. Vergebt einzigartige Prämien

Spannende und einzigartige Gegenleistungen sind ein großer Anreiz zur Unterstützung von Projekten. Hier solltet ihr in der Höhe und der Art der Prämien unterscheiden. Am beliebtesten sind die Staffelungen zwischen 20 und 80€. Ihr solltet drei bis neun unterschiedliche Gegenleistungen anbieten. Hierbei ist die Einlösbarkeit der Prämien wichtig.

7. Betreibt fortwährende Kommunikation

Fortwährende Interaktion mit der Crowd, Beantwortung von Fragen, Kommentaren und Pinnwandeinträgen sind zwingend. Jede Unterstützung sollte mit einer persönlichen Mail gewürdigt werden. Auch außerhalb des World Wide Web solltet ihr euer Projekt bei jeder Gelegenheit bekannt machen.

8. Lasst euch inspirieren

Werft einen Blick auf andere erfolgreiche Crowdfunding-Projekte. Schaut euch an, wie sie in Szene gesetzt wurden, die Prämien gestaltet sind und holt euch damit Inspiration fürs eigene Projekt.

Über die Autorin: Désirée Raff

D. RaffDésirée Raff studierte Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Kultur- und Freizeitmanagement an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau.

Ihr Praxissemester absolvierte sie im Popbüro Region Stuttgart und schrieb hierfür auch ihre Bachelorarbeit zum Thema "Crowdfunding als neue Finanzierungsform für aufstrebende Musiker".

Vor Studienbeginn hat sie eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau bei einem Konzertveranstalter erfolgreich abgeschlossen.

Euer Feedback

Welche Erfahrungen hast du bisher mit Crowdfunding gemacht? Ergänze Désirée Raffs Text durch deine eigenen Beispiele. Was sind deiner Meinung nach Pro&Contra beim Crowdfunding?

Auch interessant

Ähnliche Themen

5 Dinge, an die ihr vor dem Start eurer Crowdfunding-Kampagne unbedingt denken müsst

Stereo Monument teilen ihre Erfahrung

5 Dinge, an die ihr vor dem Start eurer Crowdfunding-Kampagne unbedingt denken müsst

veröffentlicht am 27.06.2016   4

Interview mit Phrasenmäher über ihre erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne

"Es klingt nach einer Menge Geld, aber reich werden wir damit nicht"

Interview mit Phrasenmäher über ihre erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne

veröffentlicht am 11.02.2015   1

11 Dinge, die ihr bei eurer Crowdfunding-Kampagne beachten solltet

Tipps zur attraktiven Finanzierungsmöglichkeit

11 Dinge, die ihr bei eurer Crowdfunding-Kampagne beachten solltet

veröffentlicht am 11.11.2014   7

Offener Brief: The Love Bülow beschreiben die Situation unabhängiger Bands

Lassen im Rahmen ihres Crowdfunding die Hosen runter

Offener Brief: The Love Bülow beschreiben die Situation unabhängiger Bands

veröffentlicht am 30.10.2014   12

Vom Kleinvieh zum Spendentopf: 10 Wege, über die etwas Geld in eure Bandkasse kommt

Und wie lauten eure Tipps?

Vom Kleinvieh zum Spendentopf: 10 Wege, über die etwas Geld in eure Bandkasse kommt

veröffentlicht am 17.10.2014   6