Lokale Künstler international konkurrenzfähig machen
Irlands Indie-Musikbranche fordert Streaming-Abgabe zur Talentförderung
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Vorreiter der Initiative ist AIM Ireland (Association of Independent Music Ireland), die Irlands unabhängige Labels und Akteur*innen der Musikbranche vertritt.
Vorbild Filmindustrie
Der kürzlich ernannte Geschäftsführer von AIM Ireland, Colm Hanley, plädiert zusätzlich für steuerliche Anreize nach dem Vorbild des Section-481-Steuerkredits für die Filmindustrie.
Dieser Steuerkredit ermöglicht es Filmproduzenten in Irland, einen Teil ihrer Produktionskosten von der Steuer abzusetzen, wodurch internationale Produktionen ins Land gelockt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Gegenüber der Irish Times erklärte Hanley:
"Das hat sich als ziemlich erfolgreich erwiesen, um internationale Filmproduktionen und Investitionen nach Irland zu holen. Für die Musik würde es unabhängigen Labels und Managern ermöglichen, früher in die Karrieren neuer Künstler zu investieren und einen Großteil dieses geistigen Eigentums in Irland zu behalten und, denke ich, mehr Hoziers, mehr CMATs, mehr Fontaines DCs zu ermöglichen."
Streaming-Ausgaben als Finanzierungsbasis
Laut einem Bericht der Irish Music Rights Organisation (IMRO) geben irische Erwachsene durchschnittlich 172 Euro pro Jahr für Musikstreaming aus. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt kostenpflichtige Streaming-Angebote. Der Markt wird auf 370 bis 384 Millionen Euro jährlich geschätzt.
Hanley sieht hier ein erhebliches Potenzial für die Musikindustrie. Wenn selbst ein "geringer" Anteil dieser Ausgaben "wieder in den unabhängigen Sektor reinvestiert" würde, hätte das bedeutende Auswirkungen.
Politische Zurückhaltung wegen internationaler Spannungen
Die irische Regierung zeigt sich bislang zurückhaltend. Hintergrund sind unter anderem angespannte Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA sowie die Sorge, internationale Konzerne könnten neue Abgaben direkt an Konsumenten weitergeben.
Kulturminister Patrick O’Donovan hatte zuletzt eine sogenannte Netflix-Abgabe für internationale Film- und TV-Streamingdienste faktisch ausgeschlossen. Er verwies dabei auf mögliche Preiserhöhungen durch Anbieter wie Amazon oder Disney.
Hanley betont jedoch, dass sich der Vorschlag für eine Musik-Streaming-Abgabe noch "in einem sehr frühen Entwicklungsstadium" befinde. Gleichzeitig verweist er auf internationale Vorbilder wie Frankreich und Kanada, wo vergleichbare Modelle bereits existieren.
"Unser Ziel ist es sicherzustellen, dass irische Musik international konkurrenzfähig ist, gleichzeitig aber ein größerer Teil dieses wirtschaftlichen Werts hier im Land bleibt", sagte Hanley.
Förderung für Künstler, aber nicht für die Industrie?
Neben der Abgaben-Debatte verweist AIM Ireland auf bestehende Förderprogramme. Die irische Regierung hat 18,27 Millionen Euro für ein Grundeinkommensmodell für Künstlerinnen und Künstler bereitgestellt.
Teilnehmende erhalten 325 Euro pro Woche als finanzielle Absicherung. Das derzeitige Pilotprojekt endet im Februar, ein Nachfolgeprogramm soll im kommenden Jahr starten. Eine dauerhafte Lösung wird für 2026 diskutiert.
Aus Sicht von Hanley reicht das jedoch nicht aus. Zwar sei das Programm "fantastisch" für aufstrebende Musikacts, doch auch Labels und Unternehmen bräuchten Unterstützung, um die heimische Musikindustrie langfristig zu entwickeln.
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veröffentlicht am 17.10.2025 1