Das Potenzial von Leerständen
Mehr kulturelle Zwischennutzung für Berlin – Clubcommission und Transiträume e.V. stellen Forderungskatalog vor
clubcommission transiträume liveszene
Forderungskatalog (2025). © Lisa Vlasenko
Im Rahmen einer Presseveranstaltung in der Feuerwache Tempelhofer Damm wurde der Forderungskatalog vorgestellt, der bewährte Praxislösungen bündelt und erfolgreiche Beispiele für Zwischennutzungen aus anderen Städten aufzeigt.
Der Forderungskatalog richtet sich an Verwaltung, Politik und Eigentümer und setzt klare Prioritäten: mehr Rechtssicherheit, schnellere Verfahren, bessere Beratung und Vermittlung sowie gezielte Anreize zur Reaktivierung leerstehender Flächen.
Der Katalog schlägt konkrete Forderungen vor, die Planungssicherheit für Eigentümer und Nutzer schaffen, die Verwaltung entlasten und Kultur sowie Nachbarschaften stärken.
Die zentralen Forderungen
- Eine klare Definition und rechtliche Verankerung von Zwischennutzung als eigenständige Nutzungskategorie mit planbaren Verfahren.
- Beschleunigte Genehmigungen über standardisierte Anzeigenwege für befristete Nutzungen, inklusive einheitlicher Checklisten.
- Eine städtische Zwischennutzungsagentur als neutrale Schnittstelle zwischen Eigentümer:innen, Verwaltung und Nutzenden; zentrale Anlaufstelle für Beratung, Prozessbegleitung und Matching.
- Aktivierungsanreize für Eigentümer:innen, z. B. steuerliche und programmatische Instrumente, die Handlungsbereitschaft belohnen.
- Verwaltungsqualifizierung: Fortbildungen für Bau-, Ordnungs-, Umwelt- und Wirtschaftsämter sowie ein stadtweiter Anforderungskatalog als Standard.
- Strategische Verankerung in der Stadtentwicklung: Integration von Zwischennutzung in ISEKs, Förderlogiken und bezirkliche Wirtschafts- und Kulturstrategien.
- Messbare Wirkung: Verknüpfung mit ESG- und SDG-11-Zielen, inklusive praxistauglicher Indikatoren für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Effekte.
- Aufwertung von Kulturstandorten: Anerkennung von Musikclubs und kulturellen Orten als Anlagen kultureller Zwecke, auch in temporären Setups.
Berliner Clubs brauchen Raum
Moritz Tonn, Leiter der Geschäftsstelle von Transiträume e.V. weist auf das Potenzial von leerstehenden Gewerbeflächen in Berlin hin:
"Aktuell haben wir in Berlin 1.75 Mio qm Leerstand auf Gewerbefläche. Dabei ist Stadtraum eine wertvolle Ressource. Wir müssen bessere, effizientere Wege finden, diese Ressource nachhaltig für die Stadtgesellschaft zu nutzen und nutzbar zu machen. Zwischen- & Pioniernutzungen dienen dabei als wirkungsvolles Werkzeug. Berlin braucht dieses Werkzeug."
Marcel Weber, Vorsitzender des Vorstandes der Clubcommission e.V. betont die Bedeutung von Zwischennutzung für die Berliner Clubkultur:
"Viele Orte der Berliner Clubkultur sind aus Zwischennutzungen entstanden – aus Freiräumen, die Kreativität, Gemeinschaft und kulturelle Innovation ermöglicht haben. Diese Räume waren nie nur Übergang, sondern Motor einer ganzen Stadtentwicklung von unten. Heute brauchen wir Rahmenbedingungen, die solche Prozesse ermöglichen: mit Rechtssicherheit, verlässlichen Strukturen und einer Politik, die versteht, dass Freiraum kein Luxus, sondern Grundlage urbaner Kultur ist."
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