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Wege aus dem Klangmorast

Perfekter Bandsound: So stimmt ihr eure Instrumente richtig aufeinander ab

Tipps für Musiker und Bands von Marco Sulek
veröffentlicht am 07.02.2018

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Perfekter Bandsound: So stimmt ihr eure Instrumente richtig aufeinander ab

Raus aus dem Frequenzdschungel. © Marco Sulek

Einen ausgewogenen Sound strebt so ziemlich jede Band an – egal ob während der Probe, auf der Bühne oder für das Album. Der Weg dorthin entpuppt sich jedoch meist als mühsam. Wir zeigen dir, wie ihr eure Instrumente optimal in Einklang bringen könnt.

Was wären Pink Floyd ohne David Gilmours vielseitige Gitarreneffekte, Genesis ohne Phil Collins „gated reverb“ auf der Snare oder Iron Maiden ohne Steve Harris knackigem Basssound? Trotz dieser herausstechenden Sounds klingen diese Bands differenziert und transparent.

Der Sound einer Band spielt eine essentielle Rolle für deren Wiedererkennungswert – und damit auch für ihren Erfolg. Wir legen den Fokus in diesem Artikel darauf, wie ihr in eurer Band die Instrumente aufeinander abstimmen könnt, um mit wenig Aufwand aus dem scheinbar undurchdringbaren Frequenzdschungel herauszufinden. Denn erst in einer aufgeräumten Klangeinheit lässt sich der Sound lenken.

Aller Anfang ist matschig

Eines sollte klar sein: Sich einfach mit ein paar Mitmusikern in den Proberaum stellen und „klingen“ ist nicht. Selbst dann nicht, wenn sich jeder schon vorher Gedanken darüber gemacht hat, wie er persönlich tönen möchte. Dass es irgendwann einmal zufällig auf Anhieb geklappt haben mag, soll an dieser Stelle pauschal natürlich nicht ausgeschlossen werden.

Wenn aufeinander nicht abgestimmte Instrumente zusammentreffen, ist das Resultat zunächst meist ein Frequenzbrei. Sicherlich stimmt es den einen oder anderen Musiker glücklich, wenn er sich gut hören kann – und dabei gnadenlos alle anderen niedermäht. Das ist aber keineswegs Sinn der Sache.

Wie wollt ihr klingen?

Ideal abgestimmt sein, heißt jedes Signal gut heraushören können. Abhängig vom angepeilten Genre kann es dennoch erforderlich sein, gewisse Instrumente präsenter oder weniger präsent im Gesamtsound zu platzieren. Ebenso über die typischen Stilelemente gewisser Richtungen weit abschweifende Klänge sind erlaubt und längst normal.

Ganz anders verhält es sich bei Cover-Bands. Hier steht normalerweise schon fest, wie man klingen möchte – nämlich möglichst so wie das Original. Hat jeder Cover-Musiker seine Hausaufgaben gemacht und sich mit dem Sound seiner Vorbilder beschäftigt, kommt man schneller an sein Ziel eines aufgeräumten Klangs.

Jeder Bandcoach empfiehlt: Denke gemeinsam mit deiner Band darüber nach, wie ihr klingen wollt. Der Wunschsound muss dabei aber nicht unbedingt im Gedankenspiel ersinnt werden. Ganz im Gegenteil. Um eine ordentliche Recherche und Analyse führt kein Weg vorbei.

Vom Analysieren und Experimentieren

Höre dir selbst als Kenner eines Genres genau an, wie bei erfolgreichen Bands die einzelnen Instrumente zueinander positioniert sind. Berücksichtige hierbei unbedingt die Individualität jener Bands. So bekommst du ein Gefühl dafür, was funktioniert – und was nicht.

Sehr wichtig für das Finden eines eigenen Sounds ist es, zu wissen, wie man eben nicht klingen möchte. Experimentiere deswegen viel mit deinen Mitmusikern herum. Lehn dich dabei weit aus dem Fenster und überschreite gezielt Grenzen. Je genauer die Vorstellungen sind, desto zielgerichteter lässt sich arbeiten.

Vor allem dann, wenn es nach der Albumveröffentlichung auf Tour geht. Letztendlich soll es live ja möglichst so klingen, wie es der Fan vom Tonträger gewohnt ist. Genau deswegen solltest du dir überlegen, ob und wie du gewisse Sounds auf der Bühne umsetzen kannst.

Euer Sound liegt in eurer Verantwortung

„Ja, gut, aber kümmert sich nicht der Tontechniker um all diesen Kram?“, mag sich nun manch einer fragen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Gelingen und Misslingen eurer Vorstellungen auch vom Engineer und seinen Fähigkeiten abhängen – egal, ob im Studio oder auf der Bühne.

Ungeachtet der Kompetenz des Tonkutschers muss jeder Künstler nichtsdestotrotz seine Wünsche sowie Vorstellungen kennen und verständlich artikulieren können. Zudem sollte sich jede Band die unter Mischern weit verbreiteten Sprüche „Mein Mischpult ist keine Kläranlage“ und „Shit in, shit out“ zu Herzen nehmen.

So viel zur Theorie – ganz lässt sie sich eben nicht vermeiden. Schließlich sollte das Klangbild gründlich durchdacht sein. Schauen wir uns aber endlich an, was das in der Praxis heißt und welche Schritte zu einem transparenten Sound nötig sind.

Dein Sound ist zu fett!

Die Wurzeln allen Übels liegen meist tief – sogar sehr tief. Bässe und tiefe Mitten gehören zu den Hauptverantwortlichen eines undurchsichtigen Bandsounds. Der Grund ist schnell enttarnt: Jeder möchte möglichst fett klingen. Und „fett“ wird oft gleichgesetzt mit „das komplette Frequenzspektrum voll ausnutzen“.

Dass sich auf diese Art und Weise einzelne Instrumente in die Quere kommen, ist vorprogrammiert. Insbesondere Saiteninstrumente, Keyboard und Synthesizer überlappen sich in ihren Frequenzbereichen sehr stark. Hier muss in der Regel gründlich aufgeräumt werden.

Bereits das Abschwächen tieffrequenter Anteile um wenige Dezibel kann zu mehr Ausgewogenheit beitragen. Bei Gitarren reicht eventuell der Griff zum Bass-Regler, bei Tasteninstrumente kann ein Low-Cut helfen. Wie radikal hier reduziert werden muss, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen Raum, Equipment, jeweiliger Instrumentensound und Spieltechnik.

Alleine yay, im Gesamtsound nay

Willst du wirklich für Ordnung sorgen, kommst du um Folgendes nicht herum: Werde dir bewusst, wo im Frequenzspektrum die einzelnen Instrumente angeordnet werden können – und teilweise sogar müssen, um sich nicht gegenseitig zu bekriegen.

Ein gutes Beispiel ist die Rhythmusgitarre. Viele Gitarristen drehen die Bässe sowie Höhen rein und die Mitten raus. In den tiefen Frequenzen konkurriert dadurch die Rhythmusgitarre mit dem E-Bass und in den Höhen wird die Leadgitarre maskiert.

Einzeln oder gemeinsam mit den Drums mag die Rhythmusgitarre so richtig mächtig und ausgewogen klingen, doch mit einer kompletten Band wird es schnell undurchsichtig. Und gerade die Mitten sind es, in denen die Rhythmusgitarre eigentlich beheimatet ist. Hörst du dir die Produktionen vielgefeierter Alben an, wird dir auffallen, dass die Gitarren meist relativ in ihre Grenzen gewiesen werden – und dennoch richtig Wumms haben.

Die Haupt-Frequenzbereiche der Instrumente

Ein Blick auf die Frequenzbereiche der einzelnen Instrumente verdeutlicht, wo sie sich wohl fühlen. Deutlich wird auch, ab welcher Frequenz du sie nach unten hin begrenzen kannst, ohne am wesentlichen Charakter etwas zu ändern. Alles jenseits der unteren Grenzfrequenz ist ohnehin lediglich Störsignalanteil – der allerdings in manchen Genres auch eine wichtige Rolle spielen kann.

Hier eine Übersicht der Grund- und Obertöne der am häufigsten genutzten Bandinstrumente in ihrer jeweiligen Standardstimmung:

  • Menschliche Stimme: ca. 80 Hz bis 12 kHz

  • Akustische Gitarre: 82 Hz bis 12 kHz

  • E-Gitarre: 82 Hz bis 7 kHz

  • 4-saitiger E-Bass: 41 Hz bis 5 kHz

  • Kickdrum: 50 Hz bis 12 kHz

  • Snare: 120 Hz bis 10 kHz

  • Toms: 80 Hz bis 8 kHz

  • Becken: 200 Hz bis 12 kHz

  • Klavier: 27 Hz bis 15 kHz

  • Orgel: 20 Hz bis 5 kHz

  • Synthesizer (Pad): 100 Hz bis 10 kHz

  • Trompete: 164 Hz bis 15 kHz

  • Saxophon: 120 Hz bis 13 kHz

Diese Auflistung bedeutet jedoch keineswegs, alle Signale entsprechend ihrer Grund- und Obertöne unbedingt zu begrenzen. Ein großzügigerer Low-Cut oder Shelving-EQ in den Bässen wirkt sich eher vorteilhaft aus, wohingegen ein nur leichtes Eingreifen in den Höhen zu ungewollten Klangfarben führen kann.

Wo genau du Hand anlegen musst, lässt sich pauschal nicht beantworten. Zumal es stark davon abhängt, welche Instrumente in der Band verwendet werden und um welches Genre es sich handelt. Und genau da gibt es quasi unzählige Kombinationen. Schlussendlich führt nur reines Herumprobieren zum Erfolg.

Alle auf ihre Plätze

Einen durchdachten, klaren Sound erkennst du daran, dass jedes Instrument seinen Platz im Frequenzspektrum hat. Eine Band sollte diesbezüglich von jedem Mitglied als klangliche Einheit verstanden werden. Bei Bedarf sollte daher jeder kompromissbereit sein und etwas dazu beitragen, um anderen Instrumenten mehr Raum zu geben, sodass diese sich entfalten können und den Gesamtsound positiv beeinflussen. Ein Ego-Sound-Trip ist in einer Band ohnehin unerwünscht.

Die häufigsten Reibungspunkte entstehen mitunter zwischen folgenden Signalen:

  • Kickdrum und E-Bass

  • Rhythmusgitarre und E-Bass

  • Rhythmusgitarre und Keyboard

  • Leadgitarre und Gesang

Holt die Meinung Dritter ein

Zu wessen Gunsten im Zweifelsfall entschieden wird, ist eine gute Frage. In erster Linie sollten alle Musiker selbst erkennen, ob beispielsweise die Kickdrum unter dem Gedonner des Bassisten untergeht.

Meist ist es jedoch schwer, in einer Band eine möglichst objektive Sichtweise zu erhalten. Aus diesem Grund kann es helfen, befreundete Musiker oder Tontechniker zu fragen, ob sie so nett sind und einer Bandprobe beiwohnen können. So erhält deine Band wertvollen Input. Laien zu fragen, die sich mit der Materie nicht oder kaum auskennen, ist allerdings eher weniger zu empfehlen.

Nun aber bist du gefragt. Hattest du mit deiner Band einmal ähnliche Schwierigkeiten? Wenn ja: Was habt ihr getan, um aus dem scheinbar undurchdringbaren Frequenzdschungel herauszufinden?

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