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Luxuslaube, Kellerloch, Vermieterstress, Akustik-Trauma...

Problematische Proberaum-Situation? So beurteilen Bands und Musiker die Lage wirklich!

Spezial/Schwerpunkt von Markus Biedermann
veröffentlicht am 31.07.2014

backstage pro hyperactive proberaum umfrage

Problematische Proberaum-Situation? So beurteilen Bands und Musiker die Lage wirklich!

Umfrage zur Proberaum-Situation von Bands und Solokünstlern. © CHUCK (CC BY 2.0, flickr/chuck_vienna)

Backstage PRO präsentiert die Ergebnisse der großen Umfrage zur Proberaum-Situation von Bands und Solokünstlern. Wieviel Geld zahlen die Musiker heutzutage? Welche Bedingungen finden sie vor?

Der eigene Proberaum ist für Musiker jener manchmal magische, manchmal verdammte Ort, an dem Musik entsteht, die später von Fans bejubelt werden soll. Aber wie beurteilen sie ihre Proberäume wirklich und wie schätzen sie die Lage vor Ort ein? Wie lauten die Fakten in Bezug auf Mietpreis und Größe?

Backstage PRO startete eine Umfrage: Über eintausend Teilnehmer aus Deutschland und einigen Nachbarländern gaben hierbei ihre Erfahrungen preis und sorgten so für eine breite Datenbasis. In diesem ersten Ergebnis-Artikel widmen wir uns einigen Aspekten von der Einschätzung der Gesamtsituation bis zum Zustand des einzelnen Raums.

Schlechte Gesamtsituation

Bumm! Satte 76% aller Umfrageteilnehmer beurteilt die Proberaum-Situation insgesamt als schwierig bis schlecht. Gerade einmal 8% haben ein durchweg positives Gefühl.

Wie einige sicher selbst schon vermuteten scheint die Lage in Großstädten wesentlich angespannter zu sein als in ländlicheren Region, denn es gibt dort weniger Leerstände, weshalb sich die Räume meist im Randgebiet befinden. Die Preise liegen teilweise deutlich höher als auf dem Land. Dort wiederum müssen längere Anfahrtswege in Kauf genommen werden und oft hat man wegen der Nähe zu Wohnungen einige Einschränkungen zum Schutz vor Lärmbelästigungen hinzunehmen.

Allgemein positive Auswirkungen auf die Lage hat es dem Feedback der Befragten nach zu urteilen, wenn die Möglichkeit gegeben ist, private Räume zu nutzen oder wenn die Kommune durch Projekte oder Fördermaßnahmen eingreift, zum Beispiel leerstehende Gebäude aufkauft und zu guten Konditionen zur Verfügung stellt.

Folgende Probleme wurden besonders häufig genannt:

  • Zu hohe Mieten für heruntergekommene Immobilien (Keine Heizung, feucht, nicht einbruchssicher, oftmals Keller oder alte Bunkeranlagen).
  • Mehrere Bands müssen sich einen kleinen Raum teilen.
  • Lange Wartelisten für Proberaum-Komplexe.
  • "Vormachtstellung" einiger Vermieter: Wer sich über den Zustand des Raumes beschwert, fliegt raus. Freie Hand bei der Preisbildung treibt Mieten hoch (regionale Monopole).
  • Räume schlecht ausgebaut: Bands müssen vieles selbst in die Hand nehmen.

Individuelles Glück

Diesen schlechten Erfahrungen stehen jedoch auch konkret postive Bewertungen entgegen:

  • Eine deutliche Mehrheit von bis zu 83% aller Befragten hält ihre Raummiete für angemessen.
  • Mehr als die Hälfte muss keinerlei zeitliche Probe-Einschränkungen hinnehmen.
  • Zustand und technische Austattung des Raums werden vorwiegend positiv beurteilt, ca. ein Drittel der Befragten hat keinerlei bauliche Maßnahmen in Angriff nehmen müssen.
  • Die Durchschnittsgröße der Räume von über 30qm muss für Normalbesetzungen als ausreichend bezeichnet werden.

Kurz gesagt gestalteten sich also zahlreiche Antworten nach dem Muster: "Die Lage ist katastrophal aber wir hatten Glück." Geduld und Erfindungsreichtum können sich also auszahlen.

Auffällige Regionen

Die grundsätzliche Situation variiert auch je nach Ort bzw, Region. Ein generelles Stadt-Land-Gefälle kann man pauschal nicht feststellen, dafür aber einige Kritik-Schwerpunkte und glücklicherweise auch einige positive Ausnahmen. Besonders viele Kommentare erhielten wir zu den folgenden Beispielen:

Städte mit besonders schlechter Situation

  1. Dresden und Hamburg (durchweg als katastrophal beurteilte Situation).
  2. Leipzig und Bremen (schneiden marginal besser ab als die erstgenannten).
  3. Köln und München (erhielten beide immerhin eine positive Äußerung).
  4. Ruhrgebiet, Großraum Frankfurt, Karlsruhe, Freiburg.
  5. Berlin (hier stehen Preise und Lage in der Kritik. Immens hohe Nachfrage sorgt für besondere Konkurrenzen).
  6. Potsdam (hier hat sich als Reaktion auf dei Lage der Verein kulturlobby.de gegründet)

Mehrfach positiv hervorgehoben wurde insbesondere Wuppertal, mit Einschränkungen bei Preisen und Lage noch Mannheim und Nürnberg.

Diagramme und Charts

Die Diagramme und Charts in der Fotostrecke am Ende dieses Artikel beleuchten einige der harten Facts, die durch die Umfrage ermitelt werden konnten!

Klickt euch jetzt durch!

Weitere Auswertungen und euer Feedback

Wie sieht der perfekte Proberaum aus? Was gefällt besonders gut – oder ganz und gar nicht? Welches sind die wildesten Geschichten rund um den Proberaum? Und welche Tipps kann man Suchenden eigentlich ernsthaft mit auf den Weg geben? Backstage PRO schürft weiter in den Daten! Wir werden euch noch mehr Ergebnisse und O-Töne liefern.

Welche Fragen euch noch bewegen und was ihr zu den bisherigen Ergebnissen anzumerken habt, das lesen wir gerne hier in den Kommentaren!

P.S.: Das Mercury-2 Room Kit von Universal Acoustics, das die Hyperactive Audiotechnik GmbH sponsort, gewinnt Kosta Zagel – herzlichen Glückwunsch!

Ingesamt 11 Bilder, klicken um Fotostrecke zu starten

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