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“Beste Show, die es gibt”

Professionelles Know-how, familiäre Atmosphäre und internationaler Zuspruch: So war der Guitar Summit 2025

Spezial/Schwerpunkt von Antonia Freienstein
veröffentlicht am 29.09.2025

guitar summit

Professionelles Know-how, familiäre Atmosphäre und internationaler Zuspruch: So war der Guitar Summit 2025

© Markus Biedermann

Seit seiner Premiere 2017 hat sich der Guitar Summit zur größten Gitarren- und Bassmesse Europas und damit zu einem internationalen Treffpunkt der Szene entwickelt. Auch die diesjährige Ausgabe punktet mit großer Ausstellervielfalt, spannenden Panels, Workshops und Konzerten. Trotz wachsendem Andrang, gelingt es der Veranstaltung ihren familiären und angenehm unaufgeregten Charakter beizubehalten.

Ursprünglich durch die Redaktion des Fachmagazins "Gitarre & Bass" als Community-Event ins Leben gerufen, hat sich der Guitar Summit inzwischen zu einer Veranstaltung entwickelt, die in diesem Jahr ganze 14.600 Menschen in den Mannheimer Rosengarten lockt und damit ihren Besucherrekord aus dem Vorjahr erneut übertrumpft. 

Obwohl im Verlauf der Jahre alles größer und professioneller geworden ist, habe sich - wie Organisator Frank Diesveld im Interview mit BackstagePRO berichtet – die Grundidee des Events nicht verändert:

"Wir versuchen eine Plattform zu bieten, auf der alle zusammenkommen können: Hersteller, Vertriebe, Artists, Medien, Influencer*innen und natürlich Musiker*innen – von Leuten, die gerade anfangen bis hin zum Profi!"

Trotz riesigem Angebot, nicht überladen

Auch in diesem Jahr erstrecken sich über 500 Messestände internationaler Aussteller über die drei Etagen des Rosengartens. Gitarren, Bässe, Verstärker, Effektpedale, Pickups und alles, was sonst noch dazu gehört – an diesem letzten Wochenende im September verwandelt sich das Kongresszentrum in ein Paradies für Gearheads. 

Anders als weitläufige anonyme Messehallen schafft der Rosengarten dabei eine einladende Wohlfühlatmosphäre: Trotz des Andrangs wirkt er nie überlaufen und bietet stets Möglichkeiten zum Rückzug. So können sich Besucher*innen in Ruhe einen Überblick über neue Entwicklungen und Trends machen, Networken, sich von Fachkundigen beraten lassen und direkt vor Ort ausprobieren.

Von Aguilar über Beyerdynamic, Cort, Digitech, D’Addario, FGN, Ibanez, Marleux, Spector bis Yamaha - das Angebot ist auch in diesem Jahr groß und vielseitig. Musik und Technik etwa sind in diesem Jahr erstmals mit Rickenbacker Bässen vor Ort. 

Johannes Pitz mit einem Rickenbacker Bass (weitere Modelle im Hintergrund)

Johannes Pitz mit einem Rickenbacker Bass (weitere Modelle im Hintergrund), © Markus Biedermann

Währenddessen stellt Spector eine neue Spector NS Icon Bolt-On Serie vor. Die Bässe kombinieren das ikonische NS-Design mit moderner Elektronik, verfügen über abgestimmte Aguilar DCB-Tonabehmer und Aguilar OBP-2-Vorverstärker und sind ab sofort als 4- sowie 5-Saiter erhältlich. 

DigiTech wiederum präsentiert mit dem neuen DOD Overdrive Preamp 250-X, die inzwischen zehnte Version des OD250, die ab Oktober 2025 erhältlich sein wird.

Auch im akustischen Bereich gibt es spannende neue Produkte – wie beispielsweise die Earth Mini GO von Cort. Die Akustikgitarre ist mit einem HyVibe H2 Tonabnehmersystem ausgestattet und macht sie dadurch zu einer vollwertigen Smart-Gitarre mit integrierten Effekten, Looper-Funktion, Stimmgerät, Metronom, Bluetooth-Lautsprecher und App-Anbindung.

Ebenfalls präsent auf dem Guitar Summit ist mit Harley Benton auch der Partner unseres kürzlich beendeten Gewinnspiels um eine Harley Benton SC-Custom III, die der Gewinnerin Nima Lindner direkt vor Ort überreicht werden konnte.

NiMa Lindner mit ihrer neuen SC-Custom III

NiMa Lindner mit ihrer neuen SC-Custom III, © Markus Biedermann

Während einige Aussteller bereits zum festen Bestand des Guitar Summits gehören, gewinnt die Messe weiterhin an Zuwachs: 2025 etwa sind Marken wie Taylor Guitars, Jackson, Charvel, EVH, Gretsch und Marshall vertreten, die bisher noch nie oder lediglich über den Vertrieb vor Ort gewesen sind. Außerdem ist ein Ausbau in der Akustiksektion bemerkbar: In diesem Jahr wird die Ausstellung hier durch eine "New Acoustic Area" ergänzt.

Damit die Besucher*innen beim Stöbern, Ausprobieren und Austauschen aber keinem unablässigen Strom aus Gitarrensounds ausgesetzt sind, werden die Klänge von Gitarren und Bässen über Kopfhörer getestet und bleiben für die übrigen Besucher*innen unhörbar. Auch alles was auf den kleineren Bühnen - wie etwa der Rock Antenne Stage - geschieht, die sich zwischen den Ausstellerständen befinden, wird über Kopfhörer übertragen. Dass es sich beim Guitar Summit somit um eine "leise Messe" handelt, trägt ganz wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung bei. 

Von Steampunk bis Kaffeesatz: Originelle Highlights

Aber auch die etwas ausgefalleneren Konzepte, die es in jedem Jahr zu entdecken gibt, sind es Wert, dem Guitar Summit einen Besuch abzustatten.

Hier punkten auch lokale Mannheimer Projekte. So gibt es etwa eine Steampunk-Gitarre des hier ansässigen Herbst Gitarrenbau mit eingebauten Kompass, vielen kleinen Zahnrädern und einer Schallochverzierung, die an ein Abflusssieb erinnert, zu bestaunen.

Auch ein Blickfang: die Gitarren- und Basskollektion der Schwetzinger Werkstatt Richter Instruments, in der recycelter Kaffeesatz verbaut ist. Allein in Deutschland würden jährlich 2 Millionen Tonnen Kaffeesatz weggeschmissen, so ihr Erfinder, für den Nachhaltigkeit ein wichtiger Punkt ist. Neben Kaffeesatz sind teilweise auch alte Obstkisten, Essstäbchen oder Jeans in den Modellen verbaut. 

Rechts: Bass auf Kaffeesatz-Basis von Richter Instruments

Rechts: Bass auf Kaffeesatz-Basis von Richter Instruments, © Markus Biedermann

Außerdem sehr innovativ ist "The Bace", eine akustische Bassgitarre mit Cello-Körper. Die Meinung des Herstellers: "Eine akustische Bassgitarre sollte ein kleiner Kontrabass sein, keine große Gitarre." Nachdem The Bace 2023 bereits auf der NAMM unterwegs gewesen ist, wird in diesem Jahr auf dem Guitar Summit die jüngste Ergänzung der The-Bace-Familie vorgestellt: der E-Bace. Auch wenn die Optik anderes erwarten lässt, klingt er wie ein Precision Bass und lässt sich sogar mit Bogen bespielen.

Es ist nicht der einzige Moment, der den Guitar Summit in Bezug zur NAMM setzt. Im Vorübergehen kann man einen Teilnehmer am Handy überhören, wie er jemandem erklärt: "It is like the European NAMM!" Was Gitarren und Bass angeht, so stimmt das auf jeden Fall. Auch erfahren wir, dass sich ein deutlicher Zuwachs an US-amerikanischen Unternehmen unter den Ausstellern bemerkbar macht. Auch auf anderen Kontinenten wird man also immer aufmerksamer auf den Guitar Summit.

Internationale und nationale Topstars

Neben dem weitläufigen Messeangebot, punktet der Guitar Summit auch in diesem Jahr mit einem vielseitigen Workshop- und Konzertprogramm, das auch Hobbyspieler*innen und Musikfans anlocken soll.

So hat etwa Dweezil Zappa, Sohn von Frank Zappa, ein paar Auftritte. Sein Workshop ist so gefragt, dass es einen Einlassstop geben muss, während die Schlange noch bis aus der vor dem Konferenzsaal angelegten Halle hinausgeht. Dass weltbekannte Gitarristen dieses Kalibers Mannheim aufsuchen, verdeutlicht einmal mehr die Stellung des Guitar Summits in der internationalen Musikszene.

Auch Andy Timmons Workshop ist gut besucht, worüber sich der US-amerikanische Rock und Fusion-Gitarrist auch mehrfach erfreut äußert. Es ist sein erster Besuch auf dem Guitar Summit, von dem er schon viel gehört habe. "Alle erzählen immer wie toll es hier ist, weil es so leise ist", erzählt er und fügt hinzu: "Bis jetzt". Denn Timmons beantwortet nicht nur einige Fragen aus dem Publikum, verteilt Übungs-, Alben- ("Travels" von Pat Metheny) und Filmtipps ("The Universal Mind of Bill Evans") sondern stellt auch direkt sein Können unter Beweis. Gut gelaunt verabschiedet er sein Publikum mit einem deutschsprachigen Cover des Beatles-Hits "I Wanna Hold Your Hand" und nimmt sich im Abschluss noch Zeit für Fotos und kurze Gespräche, bis er weiter zu einem Interview muss.

Doch nicht nur die internationalen Topstars sind gefragt: Der vielen Mannheimern durch seine zahlreichen hiesigen Musikprojekte bekannte Ausnahmebassist und Absolvent der Staatlichen Musikhochschule Mannheim, Philipp Rehm, begeistert die Zuhörer*innen zuerst mit seinem Workshop auf der Electric Stage 2. Anschließend präsentiert und signiert er seine beiden Publikationen "Slap Fit" und "Bass Matrix" am Stand seines Buchverlages.

Ein weiteres Highlight liefert der Besuch von Peter Bursch, dessen "Gitarrenbuch" in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Zu diesem Anlass bekommt Bursch im Gespräch auf der Rock Antenne Stage ein golden gerahmtes Exemplar. Auch sonst zeigt sich deutlich, wie Bursch mit seinem damals revolutionären Lehrbuch, die Gitarrenszene nachhaltig geprägt hat. Im Vorübergehen verneigt sich ein Besucher des Guitar Summits ein paarmal ehrfürchtig vor Bursch und auch Lakewood-Gründer Martin Seeliger stattet dem Gespräch einen Besuch ab und wird kurzerhand auf der Bühne dazugeholt. Er selbst habe seine Anfänge auf der Gitarre ebenfalls mit Peter Burschs Gitarrenbuch gemacht, erzählt er. Heute betreibt er eine Gitarrenbaufirma, die bekannt ist für ihre Westerngitarren.

Sowohl Seeliger als auch Bursch loben abschließend auch den Guitar Summit in höchsten Tönen. Während Seeliger diesen aufgrund seines Community-Charakters als "große Familienparty" bezeichnet, berichtet Bursch davon, wie er sich jedes Jahr aufs Neue auf die Veranstaltung und die damit verbundenen Begegnungen freut. Der Guitar Summit sei seiner Meinung nach die "beste Show, die es gibt."

Gebührender Abschluss

Dass der Guitar Summit einiges an Show zu bieten hat, stellt auch das Konzertprogramm eindrücklich unter Beweis. Wallis Bird gelingt es, ihr Publikum in Jubelrufe ausbrechen zu lassen, während sie mit der einen Hand ihre Trinkflasche öffnet, ohne dabei ihr Gitarrenspiel zu unterbrechen oder wenn sie bei "As The River Flows" ihre enorme Stimmkraft präsentiert.

Eine weitere Besonderheit der Guitar Summit Konzerte: Da das Publikum vom Fach ist, sprechen die Künstler*innen gerne auch einmal etwas ausführlicher über ihre Instrumente. Während Wallis Bird zum Anlass des Summits ihre erste Lakewood-Gitarre mitgebracht hat, ist es bei Yolanda Charles einen customised Strandberg Bass (der inzwischen auch erworben werden kann und ebenfalls auf dem Summit ausgestellt wird)  - Philip Sayce hingegen nennt fast die Airline, die dafür verantwortlich ist, dass er seine Gitarre auf der Bühne kurzerhand improvisatorisch mit Tape reparieren muss und erinnert die Besucher*innen daran, wie hilfreich es ist, dieses stets dabei zu haben.

Das letzte Konzert des Guitar Summits 2025 stellt einen "Allstar Jam" dar. Andy Wood und seine Band werden in dessen Verlauf immer wieder von neuen Gast-Musikern begleitet. "Es fühlt sich an, als dürfe man seine eigenen Avengers zusammenstellen", erzählt Wood. Wer Dweezil Zappa aufgrund des großen Andrangs am Nachmittag nicht sehen konnte, hat jetzt noch einmal die Gelegenheit dazu, als er für eine Coverversion von Franz Zappas "Muffin Man" die Bühne betritt. Unter anderen lassen sich auch Andy Timmons, Frank Bello, Billy Sheehan, Chris Buck, Joey Landreth, Alex Skolnick und Thomas Blug die Gelegenheit den Mozartsaal zu bespielen, nicht entgehen.

Der Guitar Summit beweist auch 2025, dass sich Fachmesse und Festivalatmosphäre nicht ausschließen müssen. Mit internationaler Strahlkraft, einem vielfältigen Angebot und seiner familiären Stimmung bleibt er damit sicherlich nicht nur für Seeliger und Bursch ein jährliches Highlight.

Weitere Eindrücke des Guitar Summits 2025

Das Team von I'm Sound auf dem Guitar Summit 2025

Das Team von I'm Sound auf dem Guitar Summit 2025, © Markus Biedermann

Bassist Philipp Rehm während seiner Signierstunde

Bassist Philipp Rehm während seiner Signierstunde, © Markus Biedermann

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