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Risikoreiche Schlüsselrolle: Europaweite EMMA-Studie beleuchtet Arbeitsbedingungen von Musikmanagern

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 13.02.2026

management musikbusiness

Risikoreiche Schlüsselrolle: Europaweite EMMA-Studie beleuchtet Arbeitsbedingungen von Musikmanagern

© Headway

Wenn es um den Erfolg von Musik-Acts geht, dann stellen Musikmanagerinnen und Musikmanager häufig einen entscheidenden Faktor dar. Ihre eigenen Arbeitsbedingungen hingegen sind oft unsicher. Eine aktuelle europaweite Studie beleuchtet strukturelle Schwächen des Managementsystems der Branche und deren mögliche Folgen für Künstler und Künstlerinnen.

Die Studie der European Music Managers Alliance (EMMA) zeichnet ein differenziertes Bild des Musikmanagement-Sektors in Europa. Musikmanager sind hochqualifizierte Schlüsselakteure der Künstlerentwicklung, arbeiten jedoch häufig unter wirtschaftlich unsicheren Bedingungen. Die Ergebnisse zeigen eine Branche, die stark von Einkommensrisiken, Selbstfinanzierung und strukturellen Belastungen geprägt ist.

Für die Studie wurden 330 Musikmanagerinnen und Musikmanager aus mehr als 30 europäischen Ländern sowie dem Vereinigten Königreich zu Arbeitsbedingungen, Geschäftsmodellen, Einkommensstrukturen und Herausforderungen im Berufsalltag befragt. Von den Teilnehmenden der Befragung, gaben 42,4 Prozent an, über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung zu verfügen, die restlichen 57,6 Prozent über weniger. 

© European Music Managers Alliance

Die Altersspanne, die dabei unter den Teilnehmenden am meisten vertreten war, war mit 31,2 Prozent 35 bis 44 Jahre. Frauen machten 47,9 Prozent der Befragten aus, Männer 49,1 Prozent und wiederum 1,8 Prozent gaben an sich als nicht-binär bzw. non-conforming zu identifizieren.

© European Music Managers Alliance

Die meisten Antworten wurden mit 35,5 Prozent von Musikmanager*innen aus dem UK beigesteuert, gefolgt von Spanien mit 13,3 Prozent, Belgien und der Ukraine mit jeweils 6,7 Prozent und Frankreich mit 5,8 Prozent. Die anderen befragten Länder – darunter unter anderem Deutschland, Schweden, Finnland, Ungarn, Irland, die Niederlande, Island, Litauen und Serbien – machten gemeinsam 32,1 Prozent aus.

Musikmanagement als risikoreiches Kleinstunternehmertum 

Die Untersuchung zeigt deutlich, dass Musikmanagement in Europa überwiegend als Mikro-Unternehmensmodell organisiert ist. Die Mehrheit der Befragten arbeitet selbstständig (28,3 Prozent) oder betreibt eigene Managementfirmen (51,2 Prozent), während klassische Festanstellungen eine vergleichsweise geringe Rolle spielen (15,8 Prozent).

Viele Managementunternehmen bestehen aus Einzelpersonen ohne fest angestellte Mitarbeitende und wachsen hauptsächlich über externe Dienstleister oder projektbasierte Zusammenarbeit mit Freelancer*innen.

Manager betreuen zudem meist nur kleine Künstler-Rosters und übernehmen neben strategischen Aufgaben häufig auch operative Tätigkeiten selbst. Dieses Modell verlagert wirtschaftliche Risiken stark auf einzelne Akteure.

© European Music Managers Alliance

Einkommen und Arbeitsaufwand schwanken mit den Karrierezyklen der betreuten Künstlerinnen und Künstler, während gleichzeitig ein hoher persönlicher Einsatz erforderlich bleibt.

37,5 Prozent gab der Großteil der Befragten an unter 30 Stunden die Woche zu arbeiten, weitere 18,9 Prozent arbeiten nach eigenen Angaben 30 bis 39 Stunden, ebenso häufig vertreten ist eine Arbeitszeit von 40 bis 49 Stunden pro Woche. Mit 24,7 Prozent arbeitet ein weiterer großer Anteil über 49 Stunden.

© European Music Managers Alliance

Viel Arbeit, wenig Einkommen

Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Einkommenssituation. Rund 49 Prozent der Befragten verdienen weniger als 20.000 Euro jährlich durch ihre Managementtätigkeit. Gleichzeitig berichten viele Manager*innen von langen Arbeitszeiten, wobei ein erheblicher Anteil regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche arbeitet.

Die Analyse zeigt zwar, dass höhere Arbeitszeiten und größere Berufserfahrung die Wahrscheinlichkeit steigender Einkommen erhöhen, finanzielle Stabilität ist jedoch keineswegs garantiert. Selbst unter Managern mit sehr hoher Arbeitsbelastung bleibt ein signifikanter Anteil im Niedrigeinkommensbereich.

Ursache dafür ist unter anderem das vorherrschende Vergütungsmodell, bei dem Einkommen überwiegend auf Provisionen aus Künstlererlösen basiert. Dadurch hängen Einnahmen stark von Marktbedingungen, Veröffentlichungszyklen und der Entwicklung einzelner Künstlerkarrieren ab.

Manager als Investoren in Künstlerkarrieren

Besonders deutlich wird in der Studie die finanzielle Rolle von Managern für die Künstlerentwicklung. Viele investieren aktiv eigenes Geld in Projekte ihrer Artists. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, Investitionen hauptsächlich aus persönlichen Ersparnissen oder eigenen Einnahmen zu finanzieren, während externe Finanzierungsmöglichkeiten nur begrenzt verfügbar sind.

Wenn Kapital eingesetzt wird, fließt es vor allem in grundlegende Maßnahmen wie Musikproduktion, Songwriting, Tourneen, Marketing oder visuelle Inhalte. Damit übernehmen Managerinnen und Manager häufig nicht nur strategische und organisatorische Aufgaben, sondern tragen auch erhebliche finanzielle Risiken, insbesondere in frühen Karrierephasen von Künstlern.

Live-Geschäft bleibt zentral, aber wirtschaftlich unsicher

Touring stellt laut Studie weiterhin die wichtigste Einnahmequelle für Künstler und Managements dar. Gleichzeitig sind Tourneen keineswegs verlässlich profitabel. Ein erheblicher Teil der Befragten berichtet von Touren, die lediglich kostendeckend oder sogar verlustbringend sind. Steigende Produktionskosten, hohe Reisekosten und unsichere Marktbedingungen erhöhen das wirtschaftliche Risiko erheblich.

Die Ergebnisse verdeutlichen damit ein grundlegendes Spannungsfeld der Branche: Das Live-Geschäft ist essenziell für Einnahmen und Sichtbarkeit, gleichzeitig aber ein wirtschaftlich unsicherer Bereich, der hohe Vorleistungen erfordert.

Mentale Belastung als strukturelles Problem

Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen zeigt die Studie auch deutliche Belastungen im Arbeitsalltag. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet von arbeitsbedingten mentalen Gesundheitsproblemen, die ihre berufliche Tätigkeit beeinträchtigen.

Als Ursachen nennt die Untersuchung insbesondere die Kombination aus hoher Arbeitsintensität, Einkommensunsicherheit, langfristiger Verantwortung für Künstlerkarrieren und begrenzten Ressourcen. Die Autor*innen der Studie interpretieren diese Entwicklung damit als strukturelle Folge der aktuellen Arbeitsbedingungen im Musikmanagement.

Insgesamt gaben 70,3 Prozent der Teilnehmenden an, über keine langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu verfügen. 11,5 Prozent gaben an neurodivergent zu sein (unter diese Bezeichnung fallen etwa Diagnosen wie ADHS oder Autismus, die als neurologische Abweichungen gesehen werden), 6,1 Prozent eine langfristige gesundheitliche Einschränkung zu haben und wiederum 1,8 Prozent gaben an eine Behinderung zu haben bzw. gehörlos zu sein. 

Steigende Anforderungen an das Berufsbild

Das Berufsbild des Musikmanagements hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Managerinnen und Manager müssen heute nicht nur strategisch und wirtschaftlich arbeiten, sondern auch komplexe operative Prozesse steuern und soziale Verantwortung übernehmen.

Zu den zentralen Anforderungen gehören Kompetenzen in den Bereichen Tour- und Live-Management, Vertragsverhandlungen, Marketing, Finanzplanung sowie die Betreuung von Gesundheit und Wohlbefinden der Künstler. Gleichzeitig sehen viele Befragte strukturelle Wachstumshemmnisse, insbesondere beim Zugang zu Finanzierung, bei der Transparenz innerhalb der Branche sowie bei Weiterbildungsmöglichkeiten und Infrastruktur.

Forderungen nach struktureller Unterstützung

Die Studie macht deutlich, dass Musikmanager entscheidend für den Aufbau und die nachhaltige Entwicklung von Künstlerkarrieren in Europa sind. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse strukturelle Schwächen im aktuellen Geschäftsmodell, die langfristig die Stabilität des gesamten Ökosystems beeinflussen könnten. 

Vor diesem Hintergrund fordert die Studie stärkere strukturelle Unterstützung für Musikmanagerinnen und Musikmanager als zentrale Akteure im Musikökosystem. Dazu zählen verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten, eine stärkere Absicherung wirtschaftlicher Risiken im Touring-Geschäft, mehr Transparenz bei Einnahmen und Geschäftsmodellen sowie bessere Zugänge zu Infrastruktur und gemeinsamen Dienstleistungen. Zudem wird eine stärkere Anerkennung der Rolle von Managements in der Künstlerentwicklung gefordert.

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