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Sechs Erfolgsstrategien, die du von Dem Graf und seiner Band Unheilig lernen kannst…

Tipps für Musiker und Bands von Theo Müller
veröffentlicht am 10.06.2016

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Sechs Erfolgsstrategien, die du von Dem Graf und seiner Band Unheilig lernen kannst…

Unheilig (2015). © Erik Weiss

Unheilig zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Acts der letzten Jahre. Nun wird das Projekt auf dem Zenit des Erfolges beendet. Diesen Sommer steht die letzte große Openair-Tour an. Doch was waren die Gründe für den bombastischen Erfolg von Unheilig? Was kannst du als Musiker von Unheilig lernen? Wie lautet eigentlich das Geheimnis hinter dem Erfolg der Band und deren charismatischen Frontmann? Der Graf ist nämlich durchaus ein Musiker, der nicht immer den üblichen Weg gegangen ist.

1. Etabliere dich im Untergrund

Die ersten Erfolge feierte Unheilig im tiefen Untergrund des Musikgeschäfts, weit weg von Popkultur und Mainstream: In der Gothic-Szene. Dank dieser fand Der Graf die ersten Fans. Er hat sich zwar selbst nie so richtig als "Gothic“ oder "Grufti“ verstanden. Aber natürlich fühlte er sich später mit der Schwarzen Szene sehr verbunden.

Dennoch ist die Reduktion auf diese Subkultur etwas, was er selber wohl gar nicht so wollte. Er selbst legte immer viel Wert darauf, seine Musik für sich stehen zu lassen, ohne diese in irgendwelche Genre-Schubladen zu stecken. Warum genau die Gothic-Szene als Inkubationszelle für Unheilig diente, ist daher schwer zu beantworten.

  • Zum Teil war dies sicher auf das Marketing seines damaligen Produzenten und dem damit verbundenem Erscheinungsbild in vampirhafter Optik mit schwarzem Nagellack und weißen Kontaktlinsen. Diese optischen Merkmale hat er laut eigener Aussage später vor allem aus pragmatischen Gründen nicht mehr getragen – seinem Aufstieg in massenkompatible Gefilde hat der Verzicht darauf sicher nicht geschadet.
  • Vor allem aber fand Der Graf in der Schwarzen Szene die ersten Menschen, die etwas mit seiner melancholischen und emotionalen Musik anfangen konnten und so letztendlich zu treuen Fans wurden, die Unheilig Stück für Stück erfolgreicher machten.

Einige der Fans erster Stunde aus der Schwarzen Szene wandten sich mit dem großen kommerziellen Erfolg von Unheilig ab. Verrat und Ausverkauf wurden Dem Grafen vorgeworfen. Der Untergrund ist nicht zimperlich, sobald eines der Szene-Idole den Weg in den Mainstream schafft und wirklich erfolgreich ist.

Im Leben voranzukommen, bedeutet eben immer auch, sich von Personen zu verabschieden und neue Menschen in sein Leben zu lassen. Das selbe gilt auch für Fans von Musikern. Immer nur vor den gleichen alten Fans zu spielen bringt dich nicht voran, die werden von alleine sowieso weniger.

  • Nur wenn du beständig neue Fans findest, wirst du auch wirklich erfolgreich werden!

Hier lässt sich einiges vom Grafen lernen. Wenn du es schaffst, dich und deine Musik zu erst in einer kleinen Nische oder Szene zu etablieren wirst du von dort besser auf die nächste Ebene starten können. In einer solchen Nische findest du treue Fans, die dich finanziell und ideell zumindest etwas unterstützen. So kannst dich und deine Musik langsam weiterentwickeln und wichtige Erfahrungen sammeln.

Überlege dir also einfach mal, in welche Subkultur könntest du und deine Musik gut passen, sollte dir das noch nicht ganz klar sein. Dann scheue dich nicht davor ein Teil dieser Szene zu werden und auch hier und da mal ein paar Klischees davon zu nutzen. Der Sprung von dieser Basis aus wird dir vermutlich besser gelingen, als direkt der Mega-Superstar des Mainstreams zu werden.

2. Zehn Jahre bis zum Erfolg

Solltest du tatsächlich nicht zu den Mega-Superstars gehören, die über Nacht erfolgreich werden, wird deine Karriere eher langsam und Schritt für Schritt voran gehen. Bei Unheilig war es nicht anders. Ziemlich genau zehn Jahre musste Der Graf bis zu seinem großen Durchbruch warten:

Im Jahr 2000 wurde die erste Single von Unheilig auf den Markt gebracht. 2010 gelang dann mit dem Album "Große Freiheit" und mit der Single "Geboren um zu Leben" der große Wurf. Das Album blieb daraufhin in Deutschland insgesamt drei Jahre in den Albumcharts, davon 56 Wochen in den Top 10 und 23 Wochen auf Platz 1. Das war Deutschland-Rekord!

Dieser Erfolg ist auch darauf zurück zu führen, dass Der Graf über die ganze Zeit seine Vision verfolgt hat und hart an seiner Musik gearbeitet hat.

  • Tatsächlich sind 10 Jahre eine sehr realistische Zeit um mit Musik wirklich Erfolg zu haben, wenn man nicht von Anfang an die großen Produzenten und Labels an seiner Seite hat.

Ein langer Atem kann sich also auszahlen!

3. Mainstream, aber authentisch

Mit diesem großen Erfolg wurde Unheilig zum Mainstream. Die Musik lief im Radio, in zahlreichen TV-Shows, bei Hausfrauen beim Bügeln und sogar im ZDF Fernsehgarten. Auch wenn einige alte Fans aus der Gothic-Szene diesen Schritt nicht mit machen wollten, fällt es schwer, dem Grafen tatsächlich vorzuwerfen, dass er sich für diesen Erfolg verbogen hat oder gar ein anderer Mensch geworden ist.

  • Selbstverständlich sind Unheiligs Musik und Texte massenkompatibel. Was den Reiz aber vor allem ausmacht, ist, dass sie nicht aufgesetzt und künstlich wirken.

Deutschsprachige Lieder, die echt und gefühlvoll sind, funktionieren eben bei vielen Menschen. Auch wenn die Produktion der Songs über die Jahre deutlich eingängiger und die Texte lebensbejahender wurden, kann der Vorwurf nich erhoben werden, Unheilig wäre nicht authentisch. Diesen schmalen Grad so erfolgreich zu gehen, ist wohl eine der größten Leistungen der Band.

4. Privat bleibt privat

Nah dran an der Authentizität ist das Privatleben eines Künstlers. Bei den meisten Stars und Sternchen gehört es doch zum guten Ton in regelmäßigen Abständen durch das Privatleben die Klatsch- und Tratsch-Presse auf sich aufmerksam zu machen. Bei Dem Grafen ist auffällig, dass er dies gerade nicht tut und darauf größten Wert legt. So sind sein Geburtsname und -datum nicht öffentlich bekannt. Auch sonst weiß man über sein Privatleben nichts.

  • Zum einen baut diese Informations-Verweigerung natürlich einen Hauch des Geheimnisvollen um Den Grafen auf, was tatsächlich auch gut zu seinem Image passt. Zum anderen zeigt sich darin aber auch die professionelle Herangehensweise, die Unheilig zu eigen ist.

Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben steht also auch Musikern ganz gut. Zumindest solltest du mal darüber nachdenken, bevor du auf deinen Social-Media Kanälen und in Interviews dein Privatleben der ganzen Welt zeigst – zumal das meistens doch gar nicht so spannend ist. Das Ganze aber hinter einem geheimnisvollen Vorhang zu verschließen, könnte dagegen um so interessanter sein.

5. Höre auf, wenn es am Schönsten ist

"Der Abgrund folgt nach dem Zenit“, so sang Der Graf im Song "Zeit zu gehen“. Da ist viel wahres dran. Die meisten Stars und Sternchen wissen leider nicht, wann es Zeit ist zu gehen. Auch wenn sie finanziell und künstlerisch schon alles erlebt und erreicht haben, klammern sich die meisten Superstars an ihrem Status fest und wollen auf Teufel komm raus weiter machen. So enden viele im Dschungelcamp und/oder als eine alternde Karikatur von sich selbst.

Den Ruhm und die Liebe der Fans aufzugeben ist schwer. Oft sind erfolgreiche Künstler eben sehr extrovertierte Menschen, die diese Aufmerksamkeit brauchen und von ihr leben. Um das Geld geht es da schon gar nicht mehr. Geld ist ab einer bestimmten Stufe nur noch eine weitere Manifestation des Ruhms. Vielleicht ist auch diese Sucht nacht Ruhm der Grund warum, wie schon oben erwähnt, die Klatsch- und Tratsch-Presse voll ist mit Geschichten über die Schönen und Reichen. Sie wollen es selber so.

  • Der Graf ist da anders. Jetzt aufzuhören ist wirklich ein starker und mutiger Schritt. Er hat alles erreicht, was man mit deutschsprachiger Musik erreichen kann.

In seinem offenen Abschiedsbrief vom 5.10.2014 fasst er das selbst am besten in Worte: "Du musst aufhören, wenn es am Schönsten ist, um den Wert des Erlebten zu erhalten. Nur dann haben erreichte Ziele und Träume ihre eigene Zeit, auf die man später mit einem Lächeln voller Glück, Dankbarkeit und Zufriedenheit zurück blicken kann.“

Wir dürfen gespannt sein, ob es dabei bleibt oder ob nicht doch in ein paar Jahren zum Comeback kommt.

6. Sei der Chef

Oben haben wir argumentiert, dass zur Weiterentwicklung auch das Zurücklassen alter Fans gehört. Dasselbe gilt auch für Musiker, Produzenten und Plattenfirmen.

Im Jahr 2002 trennte sich Der Graf von seinen anderen Bandmitgliedern, dem Produzenten und der Plattenfirma. Von nun an wollte er selbst für alles verantwortlich sein. So wurde er Sänger, Texter und Produzent in Personalunion. Für Konzerte und für Studioaufnahmen nutzte er Gastmusiker. So hatte der Graf vollkommen die Zügel in der Hand und konnte selbst entscheiden wie sich seine Musik entwickeln sollte.

Sicher ist diese Option nicht für jeden Musiker die richtige, nicht jeder hat das Talent und die Fähigkeiten diese Aufgaben alle selbst zu übernehmen. Auch entwicklen viele Musiker gerade in dem kreativen Miteinander ihr wahres Potential. Der Graf scheint nicht eine solche Persönlichkeit zu sein und ist lieber selbst der Chef. Der Erfolg gab ihm Recht.

  • Überlege dir, welche Rolle dir am besten steht und wie du dich am wohlsten fühlst.

Aber überlege dir auch, welche Personen dir in deinem Musiker-Umfeld weiterhelfen und welche dir im Weg stehen. Von letzteren solltest du dich wohl besser verabschieden.

Das Kapitel "Unheilig" kann also ein tolles Lehrstück sein. Dein Feedback zu diesem Artikel und deine Tipps für die Community kannst du wie immer in den Kommentaren abgeben!

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