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DIY-Management bei Profis: Die Beispiele Wolfgang Niedecken und Tom Waits

Spezial/Schwerpunkt von Daniel Nagel
veröffentlicht am 19.07.2018

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DIY-Management bei Profis: Die Beispiele Wolfgang Niedecken und Tom Waits

Wolfgang Niedecken (2018). © Manfred Rinderspacher

Ein professioneller Musiker benötigt auch ein professionelles Management – das ist klar. Obwohl die meisten Profis diese Aufgabe gerne abtreten, gibt es auch Fälle wie Wolfgang Niedecken oder Tom Waits, die beide alle Fäden selbst in der Hand halten.

DIY gibt es nur bei Amateuren – das ist eine weitverbreitete Auffassung. Sobald der Erfolg da ist, folgt automatisch ein professionelles Management, um alle Anfragen, Aufgaben und Tätigkeiten zu koordinieren und zu bewältigen.

Im besten Fall entsteht so eine jahrzehntelange produktive Zusammenarbeit, die für beide Seiten von Nutzen ist: Bruce Springsteen und Jon Landau sind ein Paradebeispiel. Im schlimmsten Fall verschwinden Millionen in dunklen Kanälen und der Musiker steht vor dem Nichts – wie Leonard Cohen, dessen Managerin Millionen auf die Seite schaffte.

Kitchentable Management

Sicherlich auch aus diesem Grund entscheiden sich manche erfahrenen Profi-Musiker dafür, ihre Angelegenheiten selbst zu erledigen. Auf die Frage, ob er bei einem Management unter Vertrag sei, antwortete Wolfgang Niedecken:

"Nein, wir haben unser Büro, wo alle Fäden bei Vera und Anne zusammenlaufen. Aber seitdem die Kinder aus dem Haus sind, kann sich erfreulicherweise meine bezaubernde Gattin mit mir um das meiste kümmern. Wir haben mittlerweile sogar unseren eigenen Stempel, auf dem 'Kitchentable Management' steht. Der Name ist Programm. Ich bin ja in einem Familienbetrieb aufgewachsen, meine Eltern hatten ein Lebensmittelgeschäft, daher bin ich Familienbetrieb gewohnt. Ich kann mich in einer Familie sehr gut zurechtfinden, das ist überschaubar, es wird mir nicht zu groß.

Für vieles andere haben wir natürlich Leute, die für uns zum Beispiel eine Tour organisieren. Unser Merchandise entwerfen wir selber mit unserem Grafiker. Das sind ja alles die Sachen, die ich gestalten kann, ich habe ja Malerei studiert."

DIY bedeutet nur in den seltensten Fälle, dass ein Musiker alles alleine bewältigt. Wolfgang Niedecken beschäftigt sehr wohl zwei Angestellte und zieht Booker oder Grafiker für spezielle Aufgaben hinzu. Die zentralen Entscheidungen erledigt er allerdings in Absprache mit seiner Frau.

Einnahmen durch Tourneen

Trotz dieser vergleichsweise schlanken Strukturen sind die Kosten nicht zu unterschätzen und machen es notwendig, immer wieder auf Tour zu gehen, wie Niedecken erklärt.

"Wenn wir ein Jahr lang nicht spielen, muss ich trotzdem unser Büro mit zwei Angestellten finanzieren, auch wenn wir 'Kitchentable Management' von zuhause aus machen. So ein Apparat erzeugt ja immense Kosten."

Zum Glück geht Wolfgang Niedecken gerne auf Tour:

"Nichts ist ja blöder, als der Zwang mit der Band auf Tour zu gehen. Deswegen muss man dafür sorgen, dass es vielfältig und interessant bleibt – vielleicht auch mal nur für ein kleineres Publikum. Das machen nicht alle, es gibt Kollegen, die eine ganz andere Strategie haben. Die kommen alle fünf Jahre mit einem neuen Studioalbum und dann wird mit Furz und Feuerstein das Ding beworben und ganz groß aufgezogen. Kann man auch machen. Das wäre mir aber zu langweilig, weil ich ja gerne spiele."

Rückzug ins Private

Tom Waits ist ein weiteres Beispiel für einen Musiker, der trotz weltweiter Bekanntheit kein professionelles Management beschäftigt. Auch er trifft alle Entscheidungen gemeinsam mit seiner Frau Kathleen Brennan, die schon früh großen Einfluss auf seine Karriere genommen hat und seit den frühen 1980er Jahren als Co-Autorin vieler seiner Lieder verantwortlich zeichnet.

Tom Waits scheut wie seine Frau die Öffentlichkeit und gibt so gut wie nichts von seinem Privatleben preis. Der Verzicht auf ein Management folgt daher einem starken Bedürfnis nach Privatsphäre – ganz anders als im Fall von Wolfgang Niedecken. Dazu kommt, dass Tom Waits seit Jahren nicht oder kaum noch auf Tour geht, wodurch sich der organisatorische Aufwand stark reduziert.

Nicht für jeden geeignet

Die Entscheidung, das Management in Eigenregie zu betreiben, kann also unterschiedliche Gründe haben. Auffällig ist allerdings, dass DIY-Management nicht bedeutet, allein und einsam dazustehen, sondern vielmehr in einem kleinen vertrauenswürdigen Team zu arbeiten, in dem der Partner eine wichtige Rolle spielt.

Dafür müssen natürlich gewisse Voraussetzungen gegeben sein, insofern ist DIY-Management nicht für jeden Profimusiker eine Alternative. Wichtig ist es, die eigenen Stärken und Schwächen und die des Umfelds richtig einzuschätzen und das persönlich passende Modell zu finden.

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