Wachsender Personalmangel
Unisono: Zahl der Stellen an deutschen Orchestern stabil, aber hunderte Stellen unbesetzt
Orchester. © Matheus Viana via pexels.com
Die Zahl der Musikerinnen und Musiker in deutschen Berufsorchestern ist in den vergangenen beiden Jahren formal nahezu konstant geblieben. Für 2026 weist die aktuelle Planstellen-Statistik von UNISONO 9.748 Stellen aus – 33 weniger als 2024. Das entspricht einem Rückgang von 0,3 Prozent.
"Statistisch gesehen bedeutet dieses Minus Stabilität", sagte UNISONO-Co-Geschäftsführer Robin von Olshausen bei der Vorstellung der alle zwei Jahre exklusiv erhobenen Statistik. Zugleich warnt er vor einem grundlegenden Strukturproblem.
Seit 2006 ist die Zahl der Stellen an Berufsorchestern nur leicht zurückgegangen. Von 1990 bis 2006 fielen aber tausende Stellen an Orchestern weg. Details gibt es hier.
Viele Stellen existieren nur auf dem Papier
Tatsächlich besetzt sind derzeit aber nur 9.292 Stellen. Damit bleiben 456 Planstellen vakant – fast jede zwanzigste Stelle existiert nur auf dem Papier.
Besonders hohe Vakanzquoten verzeichnen unter anderem das Philharmonische Orchester Erfurt (21 Prozent), das Orchester der Komischen Oper Berlin (18 Prozent) und das Gürzenich-Orchester Köln (14 Prozent).
Stiller Personalabbau auf Kosten der Beschäftigten
Wo Unterbesetzung über längere Zeiträume hingenommen werde, entstehe der Eindruck eines stillen Personalabbaus, warnt Co-Geschäftsführerin Julia Hofmann. "Dieser erfolgt ohne transparenten politischen Beschluss und auf Kosten der Beschäftigten, die steigenden Arbeitsbelastungen und Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind."
Viele Orchesterträger könnten nur dann gegensteuern, wenn ihnen dauerhaft zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stünden. Voraussetzung dafür sei eine bessere Finanzausstattung der Kommunen.
Um die Finanzierung von Kultur und damit auch von Berufsorchestern langfristig zu sichern, seien neue Wege erforderlich, so Hofmann. Unisono unterstütze deshalb ausdrücklich die Forderungen nach einer Aufstockung der Kulturhaushalte von Kommunen und Ländern.
Rundfunkorchester unter besonderem Druck
Besondere Sorge bereiten dem Verband die zunehmenden Finanzierungsunsicherheiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Rundfunkorchester, -chöre und -bigbands seien davon immer stärker betroffen.
Beim SWR und SR gebe es aktuell konkrete Überlegungen, die auf einen Stellenabbau bei der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern hinausliefen. Ein solcher Schritt träfe ein exzellent aufgestelltes und regional stark verankertes Orchester, das noch immer unter den Folgen einer früheren Fusion leide, so Unisono.
Gegen die Sparpläne bei der von SWR und SR gemeinsam finanzierten Radiophilharmonie gab es vielfältigen Protest, so in Form einer Online-Petition, die von mehr als 10.000 Personen unterzeichnet wurde.
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