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Musikförderung durch den Bund

Was ist eigentlich die Initiative Musik?

Tipps für Musiker und Bands von Daniel Nagel
veröffentlicht am 02.11.2018

initiative musik musikförderung

Was ist eigentlich die Initiative Musik?

Die Initiative Musik feiert 10-jähriges Bestehen. © Andreas Budtke & Markus Werner

Vielleicht habt ihr auch schon irgendwo den Hinweis gelesen: "Gefördert durch die Initiative Musik". Doch was ist diese "Initiative Musik" überhaupt? Und wen fördert sie? Im folgenden Bericht haben wir einige grundlegende Informationen zusammengestellt.

Die Initiative Musik ist eine Fördereinrichtung der Bundesregierung. In Deutschland fällt die Kulturförderung eigentlich in den Aufgabenbereich der Länder, aber in den letzten Jahren hat der Bund in diesem Bereich zunehmend Aufgaben übernommen.

Ausdruck dieser Entwicklung ist auch die 2007 gegründete Initiative Musik. Sie verfolgt das Ziel, Bands bzw. Künstler aus dem Pop-, Rock- und Jazz-Bereich zu fördern. Weiterhin zählt es zu ihren Aufgaben, die Verbreitung deutscher Musik im Ausland voranzutreiben. Von wachsender Bedeutung ist die finanzielle Unterstützung deutscher Live-Musikclubs im Bereich Rock, Pop und Jazz.

Um diesen Zweck zu erreichen, betreibt die Initiative Musik unterschiedliche Förderprogramme, für die insgesamt pro Jahr 7 Millionen Euro zur Verfügung stehen (Stand: 2017).

Förderung des musikalischen Nachwuches

Die Künstlerförderung richtet sich an Bands und Solomusiker. Gefördert werden Nachwuchskünstler, d.h. solche, die noch nicht mehr als zwei Alben veröffentlicht haben und die außerdem nicht mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet worden sein dürfen.

Besonderes Augenmerk legt die Initiative Musik auf die Förderung von Musikschaffenden mit Migrationshintergrund, d.h. Menschen, bei denen mindestens ein Elternteil Spätaussiedler, Ausländer oder Eingebürgerter ist.

Musiker können einen Förderantrag gemeinsam mit einem oder mehreren Akteuren aus der Musikwirtschaft stellen. Dazu zählen Künstlermanagements, Künstleragenturen, Musikproduzenten, Label, Musikverlage und Veranstalter.

Was wird gefördert?

Gefördert werden Studio- und Videoaufnahmen, die Herstellung von Tonträgern und Bildtonträgern (also DVD, Blu-Ray), aber auch "Promotion- und Marketingmaßnahmen", "Konzertauftritte von Künstlern im Rahmen von Konzert- und sonstigen Veranstaltungstourneen, die Teilnahme an internationalen Musikwettbewerben oder Musikmessen/Showcases."

Kein Rundrum-Sorglos-Paket

Wichtig ist, dass die Initiative Musik kein Rundrum-Sorglos-Paket bietet, sondern sich an anfallenden Kosten mit maximal 40% beteiligt. Die Gesamtkosten eines Förderprojekts müssen mindestens 10.000 Euro betragen, da Fördersummen unter 4000 Euro nicht berücksichtigt werden. Im Verlauf eines Jahres können maximal 60.000 Euro als Künstlerförderung für mehrere Projekte ausgeschüttet werden. 

Um in den Genuss der Fördermittel zu bekommen, muss man also einen beträchtlichen Teil der Kosten selbst tragen. Daher lohnt sich der Antrag nur für Musiker, die eine Profikarriere anstreben oder bereits begonnen haben und über ausreichende Mittel verfügen.

Der Normalfall besteht darin, dass Künstler bei einem Label unter Vertrag stehen, das die restlichen Kosten übernimmt oder vorschießt. Wer keine solche Unterstützung genießt, muss sich darüber im Klaren sein, dass seine Bewerbung mit professionell geplanten Projekten konkurriert. Besondere Sorgfalt bei der Antragsstellung ist daher unverzichtbar.

Förderung von Kurztourneen

Musiker können auch die finanzielle Förderung von Kurztourneen mit maximal fünf Auftritten in Deutschland oder dem europäischen Ausland beantragen. Diese Förderung dient dazu, kürzere und damit weniger teure Tourneen finanziell zu unterstützen, die den Mindestbetrag von 10.000 Euro im Rahmen der regulären Künstlerförderung nicht erreichen.

Im Rahmen der Kurztourneeförderung können Bands finanzielle Leistungen von 600 Euro pro Musiker (bei Tourneen in Deutschland) bzw. 1000 Euro pro Musiker (bei Tourneen im europäischen Ausland) erhalten. Die Förderung darf 50% der Gesamtkosten nicht übersteigen und kann maximal zweimal im Jahr bewilligt werden.

Monika Grütters beim zehnjährigen Jubiläum der Initiative Musik in Berlin

Monika Grütters beim zehnjährigen Jubiläum der Initiative Musik in Berlin, © Andreas Budtke, Markus Werner / Initiative Musik

Infrastrukturprogramm & Clubförderung

Das Infrastrukturprogramm fördert den "Aufbau von Infrastrukturen für die Popularmusik in Deutschland", beispielsweise Organisationen oder Events wie Musikfestivals, die der Nachwuchsförderung oder Branchentreffs bzw. Messen, die der Vernetzung von Unternehmen der Musikindustrie dienen oder sie im Ausland präsentieren. Die Fördersumme kann bis zu 100.000 Euro pro Jahr betragen.

Immer größere Bedeutung hat in den letzten Jahren die Förderung von Livemusikclubs gewonnen. Hierzu existieren zwei Programme, das Digitalisierungsprogramm und das inzwischen beendete Sanierungsprogramm für Livemusikclubs (Te-Sa-Musicclubs). 

Das Sanierungsprogramm unterstützte Musikclubs bei der technischen Erneuerung bzw. Sanierung. Hauptsächlich gefördert wurden Investitionen in Soundanlagen und Backline, die aufgrund des rapiden technischen Fortschritts von den Liveclubs alleine nicht zu stemmen gewesen wären.

Gemeinsam mit der LiveKomm fördert die Initiative Musik auch die "Digitalisierung der Aufführungstechnik in Livemusikspielstätten in Deutschland". Das Programm dient der "erstmaligen technischen Umstellung" von Livemusikclubs auf "digitale Aufführungstechnik" in Form von Mischpulten, Lichtanlagen, aber auch DJ-Setups.

Bilanz von 10 Jahren 

2018, nach 10 Jahren ihres Bestehens, hat die Initiative Musik 2950 Projekte mit insgesamt 31,6 Millionen Euro gefördert. Dazu zählen

  • 1.250 Künstlerförderungen
  • 650 Kurztourförderungen
  • 150 Infrastrukturförderungen und…
  • 900 Clubföderungen.

Aus den ursprünglichen zwei Förderprogrammen mit 70 Förderungen pro Jahr sind inzwischen 500 Förderungen aus fünf Programmen geworden. So vergibt die Initiative Musik auch den Spielstättenprogrammpreis APPLAUS, der die Programmplanung unabhängiger Spielstätten auszeichnet.

Finanzierung

Die Ausweitung der Förderung ist möglich geworden, da das Budget der Initiative Musik in den letzten Jahren durch den Bund deutlich erhöht wurde. Dieser stellt den weitaus größten Teil der Finanzierung aus den Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sicher.

Struktogramm der Initiative Musik

Struktogramm der Initiative Musik

GEMA bzw. GEMA-Stiftung, die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) und der Deutsche Musikrat tragen ebenfalls zur Finanzierung dabei. Träger der als gemeinnütziger GmbH (gGmbH) organisierten Initiative Musik sind GVL und der Deutsche Musikrat.

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